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Spirituell unterwegs - Karolikapelle in Waldkirchen

Anita Ganczer am 08.09.2020

Bb spirituell unterwegs karolikapelle kar info-icon-20px Karin Mertl
Karolikapelle und Lindenallee in einer zauberhaften Herbststimmung: Der Platz auf dem 662 Meter hohen Berg ist ein Ort der Stille und der Kraft. Eine Bildtafel am Baum gegenüber dem Kapellen-Eingang weist auf den tradionellen Emmausgang am Ostermontag und die Geschichte des Kleinodes hin.

Altehrwürdig, idyllisch gelegen und wertgeschätzt – die Karolikapelle in Waldkirchen ist ein kleines Juwel an einem besonderen Ort, der Einheimische und Gäste zu jeder Jahreszeit anzieht.

Die Kapel­le steht auf dem 662 Meter hohen Karo­li­berg. Auf der einen Sei­te liegt ihr die Stadt zu Füßen, auf der ande­ren Sei­te das Natur­schutz­ge­biet Saußbachklamm.

Der Name Karo­li geht auf den hei­li­gen Karl (lat. Caro­lus) Bor­ro­mä­us zurück, der von 1538 bis 1584 gelebt hat. Er war Bischof und Kar­di­nal von Mai­land, Reform-Bischof des Kon­zils von Tri­ent und eine trei­ben­de Kraft der kirch­li­chen Erneue­rungs­be­we­gun­gen. Als in Ober­ita­li­en die Pest wüte­te, setz­te er sich mit Lei­den­schaft für die Pest­kran­ken ein. Das Bild im Hoch­al­tar, das Haupt­bild im Fres­ko des Kir­chen­schif­fes, erin­nert an die­ses kari­ta­ti­ve Wirken.

Im 17. Jahr­hun­dert waren eini­ge ita­lie­ni­sche Hand­lungs­rei­sen­de in Wald­kir­chen, unter ihnen auch der Rats­bür­ger und Geschäfts­mann Bern­hard Linus, der den Kar­di­nal Karl Bor­ro­mä­us sehr ver­ehr­te. Er stif­te­te um 1655 zu Ehren des Kar­di­nals die Karo­li-Kapel­le“. 1756 ver­an­lass­te Dekan Anto­ni­us Loraghi einen grö­ße­ren Umbau des Kirch­leins. Sie wur­de erwei­tert, aus­ge­malt und mit einem neu­en Altar im Stil des Roko­ko aus­ge­stat­tet. Das Decken­fres­ko im Pres­by­te­ri­um stellt das alte Wald­kir­chen um ca. 1750 dar. Nach den Markt­brän­den von 1782 und 1862 dien­te die Karo­li­ka­pel­le zeit­wei­se als Not­kir­che der Pfar­rei. Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges droh­te das Gebäu­de zu ver­fal­len. Eini­ge Wald­kirch­ner nah­men sich jedoch des Kirch­leins an und setz­ten es wie­der in Stand. Von 1969 bis 1975 wur­de die Kapel­le dann innen und außen kom­plett renoviert.

Die Kir­che ist auch heu­te noch ein belieb­ter Ort, um Andach­ten oder auch Hoch­zei­ten zu fei­ern. Und auch bei Brauch­tums­ver­an­stal­tun­gen spielt sie eine tra­di­tio­nel­le Rol­le im Jah­res­kreis. Am Oster­mon­tag tref­fen sich die Män­ner stets früh­mor­gens an der Stadt­pfarr­kir­che zum Emma­us­gang“, der sie hin­auf zur Karo­li­ka­pel­le führt. Ein Bild, das an einem Baum vor dem Ein­gang ange­bracht ist, bezeugt die jähr­li­che Pil­ger­wan­de­rung. Auch beim Frie­dens­bitt­gang“ der Frau­en am Pfingst­mon­tag ist die Kapel­le das Ziel. Und schließ­lich fin­det auch die Pfer­de­seg­nung im Rah­men des Leon­har­di-Ritts“ Anfang Novem­ber im Umfeld des klei­nen Got­tes­hau­ses statt.

Die Kapel­le zieht aber nicht nur Men­schen in ihrer Sehn­sucht nach Spi­ri­tua­li­tät an, son­dern auch Wan­de­rer und Kunst­freun­de. Der idyl­lisch gele­ge­ne Platz inmit­ten der uralten Lin­den­bäu­me, deren Allee als Natur­denk­mal unter Schutz steht, wird all­ge­mein als Ruheort, als Kraft­ort empfunden.

Am unte­ren Ende der Lin­den­al­lee begrenzt ein glä­ser­nes Werk mit dem Namen Kris­tall zwi­schen Him­mel und Erde“ das gesam­te Ensem­ble rund um die Karo­li­ka­pel­le. Die­se Instal­la­ti­on aus unter­schied­lich gro­ßen, ver­schie­den blau­en Glas­stei­nen wur­de anläss­lich der Gar­ten­schau 2007 errich­tet. Sie setzt einen bewuss­ten Kon­tra­punkt zur Kapel­le und zur Allee. Die nächt­li­che Beleuch­tung schafft eine zau­ber­haf­te Atmosphäre.

Fotos und Text: Karin Mertl

Gut zu wissen ...

ANREISE

Die Kapelle ist aus allen Himmelsrichtungen zu Fuß erreichbar. Der kürzeste Weg führt vom Parkplatz des Karoli-Badeparks in nur wenigen Minuten hinauf zum Kirchlein. Wer Zeit für eine längere Wanderung hat, kann auch vom Stadtpark an der Jahnstraße aus über den Gartenschau-Rundweg auf den Karoli spazieren oder die Tour durch die Saußbachklamm mit einem Besuch bei der Karolikapelle abrunden.

WEITERE ZIELE IN DER UMGEBUNG

Wer von der Karolikapelle aus nicht in Richtung Karolibad, sondern in die entgegengesetzte Richtung geht, am Waldrand entlang, und dann links abbiegt, kommt nach etwa zehn Minuten an ein weiteres Kirchlein, das gut zwischen den Bäumen verborgen ist: die Zwieselholzkapelle aus dem Jahr 1830, ein weiteres Kleinod in Waldkirchen.

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