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Das glauben wir

Spirituell unterwegs - ein Besuch im Kloster Plankstetten

Anita Ganczer am 26.08.2020

Sommerserie Spirtuelles Reisen Kloster Plankstetten 09 08 2020 19 info-icon-20px Bernhard Brunner
Mächtig thronen die beiden Türme der Abteikirche über dem Benediktinerkloster Plankstetten bei Berching.

Teil drei unserer Sommer-Serie: Ob man nur einen oder auch mehrere Tage verweilen möchte – ein Besuch im Kloster Plankstetten, wo ein großes Bewusstsein für die Verantwortung der Schöpfung gegenüber den Alltag prägt, lohnt auf jeden Fall.

Tref­fen­der hät­te die 13-köp­fi­ge Mönchs­ge­mein­schaft das Leit­mo­tiv für ihre Bene­dik­ti­ner­ab­tei Plank­stet­ten nicht wäh­len kön­nen: Leben aus dem Ursprung“. Lauscht man den mit wohl­do­sier­tem Humor unter­leg­ten Aus­füh­run­gen von Fra­ter Andre­as Schmidt OSB wäh­rend der sonn­täg­li­chen Kir­chen- und Klos­ter­füh­rung, so wird deut­lich, dass die Schöp­fungs­ver­ant­wor­tung hier über allem steht – sowohl was das viel­fäl­ti­ge Bil­dungs­an­ge­bot anbe­langt als auch das mit­tel­stän­di­sche Wirt­schafts­un­ter­neh­men mit 120 Mit­ar­bei­tern in 15 Betrie­ben. Bei uns ist sogar die Luft Bio“, schwärmt der Geschäfts­füh­rer und Zel­lerar die­ses loh­nen­den Aus­flugs­zie­les.

Nicht die kleins­te Spur von Welt­fremd­heit, wie sie ein kli­schee-behaf­te­ter Besu­cher in einem Klos­ter viel­leicht erwar­tet, ist in Plank­stet­ten zu spü­ren. Im Gegen­teil: Fra­ter Andre­as, ein gebür­ti­ger Ber­chin­ger, wirkt und gibt sich welt­of­fen. Kein Wun­der, ist er doch gelern­ter Bank­kauf­mann. Ich darf mich um das nicht vor­han­de­ne Geld küm­mern“, scherzt der Bene­dik­ti­ner in der für die­sen Orden typi­schen schwar­zen Kut­te samt Kapu­ze. Mit unse­rer Hän­de Arbeit“, so der Mana­ger der Klos­ter­be­trie­be Plank­stet­ten GmbH, wird der Betrieb gesi­chert und der Unter­halt der 1129 von den Gra­fen von Hirsch­berg gegrün­de­ten Abtei erwirt­schaf­tet.“ Deren eins­ti­ges Schloss – heu­te Bil­dungs­haus des Bis­tums Eich­stätt – thront noch heu­te gera­de­zu majes­tä­tisch über der nahen Stadt Beiln­gries im roman­tisch anmu­ten­den Altmühltal.

Wo Geschich­te leben­dig wird und Bio” mehr als nur ein Label ist”

Bernhard Brunner

Nur weni­ge Kilo­me­ter von dem Ort ent­fernt, an dem die drei Regie­rungs­be­zir­ke Nie­der­bay­ern, Ober­pfalz und Ober­bay­ern zusam­men­sto­ßen, sticht die roma­ni­sche Basi­li­ka am West­hang des Sulz­ta­les mit ihren bei­den mäch­ti­gen Tür­men ins Auge. Deren Por­tal führt, vor­bei an einem Tier mit Men­schen­ge­sicht, einem über den Zutritt wachen­den Dämon, gefühlt in einen Kel­ler – das 20 Stu­fen tie­fer lie­gen­de, spä­ter baro­cki­sier­te Kir­chen­schiff – hin­ab, denn die gesam­te Anla­ge der Abtei erstreckt sich über acht Stock­wer­ke. Das Herz des Klos­ters weist alle wich­ti­gen Bau­sti­le auf, auch Ele­men­te der Gotik in der Apsis, die 1928 nach der Ver­län­ge­rung um einen Neu­bau mit Platz für das Chor­ge­stühl der Mön­che unter der Bau­lei­tung eines Nürn­ber­ger Archi­tek­ten ori­gi­nal­ge­treu, mit peni­bel genau durch­num­me­rier­ten Mau­er­stei­nen, wie­der­auf­ge­baut wor­den ist.

Selbst die Neu­zeit ist prä­sent – in Form des moder­nen Volks­al­tars und des Ambos aus dem 20. Jahr­hun­dert. Das abso­lu­te Schmuck­stück aller­dings ist die hand­ge­schnitz­te und blatt­ver­gol­de­te Holz­kan­zel, eine groß­zü­gi­ge Gabe der Bene­dik­ti­ner­ab­tei Lam­bach in Ober­ös­ter­reich, die vor rund 300 Jah­ren im Zuge einer Moder­ni­sie­rung aus der dor­ti­gen Kir­che ent­fernt und mit Pfer­de­fuhr­wer­ken nach Plank­stet­ten gebracht wor­den ist. Heu­te hät­ten die Mön­che aus der Alpen­re­pu­blik die­ses Klein­od sehr gern wie­der zurück, wie Fra­ter Andre­as die Teil­neh­mer der Füh­rung wis­sen lässt. G’schenkt ist g’schenkt“, winkt er mit ver­schmitz­tem Lächeln ener­gisch ab. Gott­lob ist der reich­ver­zier­te Pre­digt­stuhl auch nach der Säku­la­ri­sa­ti­on an sei­nem Platz geblie­ben, wäh­rend sonst vie­le Schät­ze, dar­un­ter der gesam­te Bestand der Biblio­thek, ver­lo­ren gingen.

Sommerserie Spirituelles Reisen Kloster Plankstetten info-icon-20px Bernhard Brunner
Die Überraschung beim Gang in die Unterkirche, die Krypta, ist deren byzantinische Ausgestaltung, die Frater Andreas Schmidt OSB im Rahmen der Klosterführung bis ins Detail erklärt.

Erst 1904 ist die Wie­der­grün­dung von Plank­stet­ten von der Abtei Sche­yern aus erfolgt, auch bekannt für ihr schmack­haf­tes Klos­ter­bier. Wie soll­te es da anders sein, als dass neben einem Pater für die Seel­sor­ge auch ein Fra­ter dort­hin ent­sandt wur­de, der die Brau­kunst beherrsch­te und somit die Grund­la­ge für den wirt­schaft­li­chen Auf­schwung schuf. Im 20. Jahr­hun­dert lag der Schwer­punkt auf der Bil­dungs­ar­beit. Meh­re­re Jahr­zehn­te lang exis­tier­te hin­ter den Klos­ter­mau­ern eine Land­wirt­schafts­schu­le, über 30 Jah­re wur­de eine Kna­ben­re­al­schu­le mit Inter­nat geführt. Ein Mei­len­stein in der His­to­rie der Klos­ter­kir­che war 1992 der Beginn der Aus­ge­stal­tung der Kryp­ta im ost­kirch­li­chen Stil gewe­sen. Wäh­rend die­ser 15 Jah­re dau­ern­den Pha­se setz­ten ehren­amt­li­che Hand­werks­kräf­te ein beson­ders Zei­chen der Öku­me­ne. Die Unter­kir­che ist seit­her regel­mä­ßig Schau­platz für Got­tes­diens­te nach byzan­ti­ni­schem Ritus, die mit­un­ter drei Stun­den dau­ern können.

Der Ordens­re­gel des Hei­li­gen Bene­dikt von Nur­sia – ora et labo­ra“ (bete und arbei­te) – fol­gend, herrscht neben den gemein­sa­men Tref­fen zum Gebet, zwi­schen der Vigil um 5 Uhr und der Com­plet um 19 Uhr, reges geschäf­ti­ges Trei­ben in Plank­stet­ten. Das Klos­ter ver­fügt über eine seit 25 Jah­ren öko­lo­gisch geführ­te und zer­ti­fi­zier­te Land­wirt­schaft, eine Gärt­ne­rei mit Laden, eine Klos­ter­schen­ke mit Bier­gar­ten, eine Bäcke­rei, eine Metz­ge­rei, eine Imke­rei, eine Bren­ne­rei, eine Haus­meis­te­rei, eine Schrei­ne­rei, ein Gäs­te- und Tagungs­haus sowie über einen mobi­len Ver­kauf auf ver­schie­de­nen Wochen­märk­ten, einen Mis­si­ons­ba­sar und Hof­la­den, der Sonn­tags, am Tag des Herrn, geschlos­sen bleibt. Eini­ge Räum­lich­kei­ten stel­len die Mön­che auch für exter­ne Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung. Um strei­fen­frei­en Durch­blick durch die unzäh­li­gen Fens­ter küm­mern sich im Übri­gen die Mön­che selbst, die – wei­test­ge­hend aut­ark – dabei nach einer aus­ge­klü­gel­ten Putz­dienst-Ord­nung vorgehen.

Auch Fahr­rad-Tou­ris­ten sind in der Abtei will­kom­men, wie Fra­ter Andre­as her­vor­hebt. Um die Unter­künf­te den zeit­ge­mä­ßen Stan­dards anzu­pas­sen, ent­steht der­zeit das neue Gäs­te­haus St. Wuni­bald“, das als größ­tes Holz­stroh­haus Süd­deutsch­lands kon­zi­piert ist und für Furo­re in den Medi­en sorgt. Neben dem Kin­der­gar­ten für die Pfar­rei sol­len bis in zwei Jah­ren 30 neue Zim­mer für Besu­cher ent­ste­hen. Gedämmt wird der Bau mit Bio-Stroh aus der eige­nen Land­wirt­schaft, das für den Zeit­raum von hun­dert Jah­ren der Atmo­sphä­re CO2 ent­zieht und beim spä­te­ren Abbruch ganz ein­fach auf den Fel­dern ent­sorgt wer­den kann.

Wir haben Ver­ant­wor­tung für Grund und Boden, wie wir ihn bewirt­schaf­ten“, zitiert der Zel­lerar den zen­tra­len Gedan­ken des frü­he­ren Plank­stet­tener Abtes und heu­ti­gen Bischofs von Eich­stätt, Gre­gor Maria Hanke OSB, der ohne die­se prak­ti­zier­te Nach­hal­tig­keit einen kras­sen Wider­spruch zu den täg­lich gebe­te­ten Lobpsal­men auf die Schöp­fung gese­hen hätte.

Auch unter Han­kes Nach­fol­ger, Abt Beda Maria Son­nen­berg OSB, blei­ben die Plank­stet­tener Bene­dik­ti­ner nicht nur der Regel ihres Ordens­grün­ders treu, son­dern auch dem öko­lo­gi­schen Leit­mo­tiv, wor­un­ter auch die voll­um­fäng­li­che Ener­gie-Aut­ar­kie fällt. Alle Betrie­be arbei­ten mit rege­ne­ra­tiv erzeug­tem Strom und eigens pro­du­zier­ter Wär­me, sie hal­ten sich streng an die Bio­land-Richt­li­ni­en. Bei uns gibt’s hun­dert Pro­zent Bio“, ver­spricht Fra­ter Andre­as, nach des­sen Wor­ten größ­ter Wert auf Sai­so­na­li­tät und Regio­na­li­tät gelegt wird. Wer sich einen der Lecker­bis­sen auf der Spei­se­kar­te der Gas­tro­no­mie gönnt, der schmeckt es.

Text und Fotos: Bern­hard Brunner

Gut zu wissen ...

ANREISE

Mit dem Pkw fährt man von Passau aus am besten auf der Autobahn A 3 über Regensburg in Richtung Nürnberg bis zur Ausfahrt Parsberg und von dort über Seubersdorf in der Oberpfalz Richtung Berching (knapp zwei Stunden Fahrzeit). Eine landschaftlich reizvolle Alternativ-Route führt südlich an Regensburg vorbei über Bad Abbach und Kelheim durch das Altmühltal bis Beilngries und von dort nach Berching. Mit der Bahn geht es von Passau über Regensburg Richtung Nürnberg bis zur Bahnstation Neumarkt/Oberpfalz, dann mit dem Bahnbus Linie 515 Richtung Dietfurt, Haltestelle Plankstetten-Ost, und von dort in einem zehnminütigen Fußweg zum Kloster.

BESUCHSINFO

Unter dem Motto „Kloster erleben“ wird das ganze Jahr über eine Reihe von Veranstaltungen, Besinnungstagen, Kursen und Seminaren angeboten – aufgegliedert nach den Oberbegriffen „Spiritualität“, „Gesundheit & Lebensführung“ und „Kreativität“. Ein Tag im Kloster umfasst die Kirchenführung mit Besichtigung der byzantinisch ausgemalten Unterkirche. Auskunft und Anmeldung zu Führungen unter Tel. 08462/2060, Reservierung in der Klosterschenke unter Tel. 08462/206170. Für interessierte junge Männer wird auch „Kloster auf Zeit“ angeboten. Termin und Absprache mit P. Pius Wichert OSB unter pius.wichert@kloster-plankstetten.de per E-Mail.

PREISE

Die etwa einstündige Kirchen- und Klosterführung kostet 2 Euro pro Person. Die Klosterschenke bietet Gerichte der gutbürgerlichen Küche, z.B. das fränkische Nationalgericht „Schäuferle vom Klosterschwein in Dunkelbiersoße, dazu Kartoffelknödel“ für 13,90 Euro. Die Übernachtung mit Vollpension (vier Mahlzeiten) gibt es im Zweibettzimmer mit klösterlichem Charme samt Dusche/WC ab 65 Euro pro Person (Halbpension: ab 44 Euro). Als Kurzaufenthaltszuschlag bei einer Übernachtung fallen 5 Euro pro Person an.

WEITERE ZIELE IN DER UMGEBUNG

In der Nähe gibt es eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, unter anderem Schloss Hirschberg oberhalb von Beilngries, die mittelalterliche Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt, Kelheim mit der Befreiungshalle und das weltberühmte Kloster Weltenburg...