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„Du musst deinen eigenen Weg gehen“

Redaktion am 05.10.2022

2022 10 05 pb alb schmiedehof gesamtansicht Foto: Benjamin Strobel
Großer Tag: Rund 130 Gäste kamen zur Einweihung der Kapelle des rundum sanierten Schmiedehofs in Kreiling bei Windorf, die Pfarrer Stefan Wissel zelebrierte.

Simone (48) und Manfred (59) Weiherer haben sich ein kleines Paradies geschaffen. In zehn Jahren haben sie den Schmiedehof in Kreiling bei Windorf von Grund auf saniert. Die Krönung dieses Lebenswerks ist die eigene Hofkapelle, die mit ihrer fast fünf Meter hohen Kuppel und einem beeindruckenden Kunstwerk hinter dem Altar die Grenzen dessen sprengt, was normalerweise „Hauskapelle“ genannt wird. – Eine Reportage aus unserer Rubrik „Lebenswege“.

Sie sind Macher. Krea­ti­ve Köp­fe, geseg­net mit gro­ßer Tat­kraft und enor­mem Durch­hal­te­ver­mö­gen. Anders hät­ten Simo­ne und Man­fred Wei­he­rer die­se Mam­mut­auf­ga­be wohl kaum voll­bracht. Auch die Kar­rie­ren der bei­den Ober­pfäl­zer (Bern­hards­wald, Land­kreis Regens­burg) sind ein Beleg dafür: Simo­ne ist Dipl.-Braumeisterin und im inter­na­tio­na­len Ver­trieb eines gro­ßen Unter­neh­mens tätig. Man­fred hat mit 14 Jah­ren als Schlos­ser im sel­ben Unter­neh­men begon­nen. Mit gro­ßer Ziel­stre­big­keit hat er sich immer wei­ter qua­li­fi­ziert und bis in die höchs­te Manage­ment-Ebe­ne hin­auf­ge­ar­bei­tet. Mit Men­schen umge­hen mag ich ger­ne“, sagt er. 

2022 10 05 pb alb schmiedehof kapelleaussen Foto: Benjamin Strobel
Blick auf die Kapelle im Schmiedehof in Kreiling bei Windorf. Zwei Jahre lang hat Manfred Weiherer an der Hofkapelle gebaut.

Der Schmie­de­hof, das war eine Lie­be auf den ers­ten Blick, nach­dem das Paar die Hoff­nung schon fast auf­ge­ge­ben hat­te, den erträum­ten Ruheort inmit­ten der Natur noch zu fin­den. Der Hof hat Geschich­te. Die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung stammt aus dem Jahr 1623. Damals wur­de das Anwe­sen in einer für Nie­der­bay­ern typi­schen Bau­wei­se als Drei-Seit-Hof errich­tet. Im heu­ti­gen Wohn­zim­mer des Bau­ern­hau­ses befand sich einst die Schmie­de. Noch heu­te gehört zu dem Hof ein rea­les Schmie­de­recht. Durch einen Brand wur­de das Wohn­haus 1883 kom­plett zer­stört und im sel­ben Jahr wie­der aufgebaut.

Ich habe den Hof gese­hen und hat­te sofort einen Plan im Kopf, was da ent­ste­hen könn­te“, sagt Man­fred Wei­he­rer. Im Dezem­ber 2012 unter­schrieb das Paar den Kauf­ver­trag, im Juli 2013 wur­de ein gro­ßer Kom­pres­sor in den Hof ran­giert – und es ging los. Mit viel Lie­be zum Detail, Geduld und Aus­dau­er reno­vier­te das Paar die Gebäu­de Stück für Stück, groß­teils mit den eige­nen Hän­den. Im Längs­bau, wel­cher das Wohn­haus mit der Scheu­ne ver­bin­det, befand sich der ehe­ma­li­ge Pfer­de­stall. Nach der Reno­vie­rung mit über­wie­gend his­to­ri­schen Bau­ma­te­ria­li­en ent­steht dar­in zukünf­tig ein Café. Im hin­te­ren Bereich des Win­kel­baus wur­de Platz für eine klei­ne Rin­der­zucht geschaf­fen. Die über Jah­re auf­ge­bau­te Her­de von Wagyu-Rin­dern kann sich zwi­schen Stall und Wei­de­flä­che frei bewegen.

Kör­per­li­che Arbeit sei für ihn der bes­te Aus­gleich zum Beruf, sagt Man­fred Wei­he­rer. Wenn Du täg­lich mit Freu­de arbei­test, schaffst du viel und das schenkt immer wie­der die Moti­va­ti­on wei­ter­zu­ma­chen“, erklärt er. Das Ziel war, eine Oase zu schaf­fen, um sich zurück­zu­zie­hen. Heu­te sei der Hof Hei­mat, die Tank­stel­le unse­res Lebens“, so der Bauherr. 

Aller­dings gehört der Hof der­zeit nur vom Herbst bis zu den Faschings­fe­ri­en der Fami­lie allei­ne. In den ver­blei­ben­den Mona­ten genie­ßen Feri­en­gäs­te die Natur und die Stil­le auf dem Are­al. Auf 200 Qua­drat­me­tern haben bis zu acht Leu­te Platz. 

Schmiedehof in Kreiling – Impressionen

Blick auf den Schmie­de­hof in Krei­ling von oben – Die Kir­chen­ma­le­rin Chris­ti­na Dichtl gestal­te­te das
monu­men­ta­le Wand­ge­mäl­de, das im drit­ten Bild in sei­ner gan­zen Pracht zu sehen ist. – Dem Ehe­paar Wei­he­rer (Mit­te) ist die Freu­de über die Fer­tig­stel­lung anzu­se­hen – auf dem drit­ten Bild mit den Meß­ner­schlä­ger Sän­ge­rin­nen“ (v.l.) Ilse Ober­ne­der, Mar­got Stoi­ber und Bri­git­te Nader­hirn, die die Ein­wei­hung musi­ka­lisch umrahmten.

Fotos: Ben­ja­min Strobel

Man­fred Wei­he­rer hat­te von Kin­des­bei­nen an eine enge Bin­dung zur katho­li­schen Kir­che. Bereits sei­ne Vor­fah­ren waren als Toten­grä­ber in der Hei­mat­pfar­rei tätig und für den Blu­men­schmuck in der Kir­che zustän­dig. Er sel­ber war Minis­trant und als Erwach­se­ner dann Mit­glied der Kir­chen­ver­wal­tung. Ich bin katho­lisch, ja, ganz klar“, beschreibt er sei­ne tie­fe Über­zeu­gung. Und so war der Wunsch nach einer eige­nen Kapel­le an der Tank­stel­le des Lebens“ nahe­lie­gend. Doch wäh­rend der Bau­pha­se gab es für die­se Idee nicht viel Zuspruch. Die meis­ten, denen ich es erzählt hab, hiel­ten mich für ver­rückt“, erin­nert er sich. Bau halt lie­ber ein Grill­häus­chen, da hast Du mehr davon“, war einer der Vor­schlä­ge, die er als Ant­wort bekam. Das hat mir schon viel Moti­va­ti­on geraubt“, gesteht er. Aber mit dem ihm eige­nen Ehr­geiz und dem ent­spre­chen­den Durch­set­zungs­ver­mö­gen hielt er auch dies­mal stand. Zwei Jah­re inves­tier­te er jede freie Minu­te in das Bau­werk. Beson­ders stolz ist er auf die frei­tra­gen­de Gewöl­be­de­cke. Allein für die­se Kon­struk­ti­on muss­te er eini­ge alte Fach­bü­cher wäl­zen. Er ent­schied sich für eine Stahl-Unter­kon­struk­ti­on, die er selbst schweiß­te. Ein hal­bes Jahr war er allein damit beschäftigt. 

2022 10 05 pb alb schmiedehof detail Foto: Benjamin Strobel
Hauskapelle im Schmiedehof in Kreiling: Ein schönes Detail ist das Relief im Eingangsbereich, das Manfred Weiherer bei einem befreundeten Steinmetz in Regenstauf entdeckt hat.

Nach lan­gem Suchen fand Man­fred Wei­he­rer schließ­lich auch eine Künst­le­rin für das geplan­te Altar­bild, die mit ähn­li­cher Begeis­te­rung ans Werk ging wie er sel­ber: Chris­ti­na Dichtl aus dem ober­baye­ri­schen Bad Bay­er­soi­en. Ich habe die Lei­den­schaft gespürt, ich hät­te kei­ne bes­se­re fin­den kön­nen“, sagt er im Nach­hin­ein. Der Bau­herr hat­te eine kla­re Vor­stel­lung, was auf dem Bild zu sehen sein soll: Die Mut­ter­got­tes, wie sie über dem Donau­tal erscheint, der Hei­li­ge Leon­hard als Schutz­pa­tron der Rin­der, Pfer­de und Schmie­de und der Hei­li­ge Fran­zis­kus. Er steht für Natur und Schöp­fung. Und das alles so rea­lis­tisch wie möglich.

Für die Künst­le­rin eine sehr unge­wöhn­li­che Her­aus­for­de­rung, wie sie in einem Film erklärt, den Ben­ja­min Stro­bel über die Ent­ste­hung des Kunst­werks gemacht hat: Für mich war schnell klar, dass mich das reizt. Das per­sön­li­che Gespräch war schließ­lich aus­schlag­ge­bend.“ Am Ende sind alle mit dem Ergeb­nis hoch­zu­frie­den: I gfrei mi!“, sagt Chris­ti­na Dichtl. Sie füh­le sich sehr wohl mit dem Bild – und das sei ein gutes Gefühl.

Und Man­fred Wei­he­rer, der abends oft in der Kapel­le sitzt und das Kunst­werk auf sich wir­ken lässt, sagt: Mir fiel ein Stein vom Her­zen, als es fer­tig war.“

Am 29. Mai 2022 wur­de die Ein­wei­hung des Kirch­leins gefei­ert. Pfar­rer Ste­fan Wis­sel aus der Pfar­rei­en­gemein­schaft Bar­bing-Sar­ching-Ill­k­ofen, ein Freund der Fami­lie, gestal­te­te die Andacht. Man­fred Wei­he­rer ist sehr froh, dass auch sei­ne Eltern dabei sein konn­ten. Ent­stan­den ist ein Ort zur Besin­nung, um sich zurück­zu­zie­hen und zur Ruhe zu kom­men und auch ein Ort, um die Dank­bar­keit für das eige­ne Leben aus­zu­drü­cken. 20 Leu­te pas­sen rein. Seit der Eröff­nung kom­men immer wie­der Men­schen und möch­ten die Kapel­le sehen. Und alle sei­en bewegt, wenn sie das Gebäu­de betre­ten. Die Kapel­le wirkt, das freut mich sehr“, sagt Wei­he­rer, der das auch als stil­len Tri­umph emp­fin­det, nach­dem er zuvor so viel Gegen­wind zu spü­ren bekom­men hat­te. Irgend­wann möch­te das Paar auch regel­mä­ßi­ge Öff­nungs­zei­ten fest­le­gen. Ein Kapel­len­füh­rer über alle Details des Bau­es soll bis zum Jah­res­en­de fertigwerden. 

Nichts kommt dem Land­le­ben gleich. Es ver­mit­telt mehr ech­te Freu­den als irgend­ei­ne ande­re Lebens­wei­se.“ Die­ses Zitat der Schrift­stel­le­rin Kathe­ri­ne Mans­field (18881923) hat das Ehe­paar Wei­he­rer für die Home­page des Schmie­de­hofs aus­ge­wählt. Die bei­den haben sich ihren Traum­ort auf dem Land, inmit­ten der Natur, geschaf­fen. Du musst dei­nen eige­nen Weg gehen. Dazu braucht es Dis­zi­plin, Einig­keit und gemein­sa­me Zie­le“, fasst Man­fred Wei­he­rer zusam­men. Viel­leicht ist nach all der Anstren­gung und den über­wun­de­nen Hin­der­nis­sen die Freu­de am Ent­stan­de­nen umso grö­ßer. Und eines steht fest: Kau­fen lie­ße sich die­ser Traum vom Land­le­ben mit kei­nem Geld der Welt.

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Wolfgang Krinninger

Chefredakteur

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