Bistum

Lehrender aus Leidenschaft

Redaktion am 09.06.2026

Info Icon Foto: Dr. Miriam Fauser
Mitten im Leben: Professor Hans Mendl vor dem blühenden Diptam im Moses-Bibelgarten in Jägerwirth.

Professor Dr. Hans Mendl, Inhaber des Lehrstuhls für Religionspädagogik, geht nach 27 Jahren in den Ruhestand. Sein Wirken hat tiefe Spuren hinterlassen.

Uni Pas­sau, Depart­ment für Katho­li­sche-Theo­lo­gie, 2. Stock. Nach dem Anklop­fen an einer bunt deko­rier­ten Büro­tür wird man mit einem herz­li­chen Will­kom­men begrüßt – von einem Pro­fes­sor, der so vie­les gleich­zei­tig ist: nach­denk­li­cher Wis­sen­schaft­ler und Theo­lo­ge, Fra­gen­der, der immer in Bewe­gung ist, herz­er­wär­men­der, spi­ri­tu­el­ler und empa­thi­scher Leh­ren­der, der dafür brennt, was er tut – und die­ses Feu­er seit Jahr­zehn­ten auch bei sei­nen Stu­die­ren­den entfacht.

So ist es kein Wun­der, dass zu Mendls schöns­ten Erfah­run­gen wäh­rend der ver­gan­ge­nen 27 Jah­re auch die vie­len posi­ti­ven Rück­mel­dun­gen zäh­len, die er auf­grund der sehr guten päd­ago­gi­schen Kennt­nis­se sei­ner Stu­die­ren­den häu­fig von den Semi­nar­leh­rern der ver­schie­de­nen Schu­len bekommt. Aber auch die inten­si­ven Erleb­nis­se mit sei­nen Stu­die­ren­den, zum Bei­spiel bei Exkur­sio­nen wie in Assi­si oder wäh­rend der Arbeit in der Lern­werk­statt Reli­gi­ons­un­ter­richt zählt der Pro­fes­sor zu sei­nen schöns­ten Momen­ten. ​„Und natür­lich das Gefühl, wenn ein von mir ver­fass­tes Buch druck­frisch vor mir liegt – zuletzt ​‚Franz von Assi­si für jun­ge Leu­te‘.“

Doch es gab auch schwe­re Momen­te in den ver­gan­ge­nen knapp drei Jahr­zehn­ten: ​„Schlimm war für mich, wenn ich mit­be­kom­men habe, dass Stu­die­ren­de schwer krank wur­den oder Schick­sals­schlä­ge erlei­den muss­ten, wie zum Bei­spiel den Tod von Ange­hö­ri­gen, was sie mir häu­fig offen erzähl­ten. Eben­falls schwer war aber auch, wenn ich gemerkt habe, dass Stu­die­ren­de lei­den­schafts­los waren und ein­fach kein Feu­er, kei­ne Flam­me ent­wi­ckeln konn­ten für das, was sie tun“, erzählt Mendl nachdenklich.

Als größ­te Ent­wick­lung in der Lehr­tä­tig­keit in den ver­gan­ge­nen knapp drei Jahr­zehn­ten nennt der Pro­fes­sor die Modu­la­ri­sie­rung, die Umstel­lung von einem sehr frei­en Uni­ver­si­täts­sys­tem zum angel­säch­si­schen, wo es nun um die recht klein­schrit­ti­ge Able­gung von Prü­fun­gen geht, um ECTS-Punk­te zu sam­meln, was Stu­die­ren­de nach Mendls Ansicht von der rei­nen Kon­zen­tra­ti­on auf die Bil­dung abhält. Auch der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung steht der Theo­lo­ge ambi­va­lent gegen­über: ​„Natür­lich kann man sich zum Bei­spiel durch Zoom-Sit­zun­gen wei­te Anfahr­ten spa­ren, ande­rer­seits ist gera­de für den Lehr­be­ruf Kom­mu­ni­ka­ti­on in 3D so wichtig.“

Bezüg­lich der Ent­wick­lung des Reli­gi­ons­un­ter­richts zeigt sich Mendl opti­mis­tisch: ​„Der Reli­gi­ons­un­ter­richt war schon immer sehr wand­lungs­fä­hig, natür­lich begrü­ße ich die Ent­wick­lung vom mis­sio­na­ri­schen zu einem dia­ko­ni­schen Modell. Der Reli­gi­ons­un­ter­richt soll heu­te zu ver­ant­wort­li­chem Den­ken und Ver­hal­ten im Hin­blick auf Reli­gi­on und Glau­ben befä­hi­gen. In der Zukunft sehe ich einen christ­li­chen Reli­gi­ons­un­ter­richt für alle – auch in Koope­ra­ti­on mit ande­ren Glaubensgemeinschaften.“

„Mich beein­druckt, dass der hei­li­ge Fran­zis­kus sein Leben lang ein Suchen­der blieb, wach durchs Leben ging, sei­ner inne­ren Stim­me folg­te. Er kann nie­mals voll­ends ergrün­det wer­den und es gibt immer etwas Neu­es an ihm zu ent­de­cken. Das fin­de ich spannend.”

Professor Dr. Hans Mendl

Der Lehr­stuhl­in­ha­ber hat wäh­rend sei­ner Zeit an der Uni­ver­si­tät Pas­sau vie­le eige­ne Ideen umge­setzt, dar­un­ter das Pro­jekt ​„Local Heroes“, eine Daten­bank mit Hel­den des All­tags, die letz­tes Jahr 25. Geburts­tag fei­ern durf­te. Und auch die Lern­werk­statt Reli­gi­ons­un­ter­richt hat in die­sem Jahr das Vier­tel­jahr­hun­dert voll­endet. ​„Dort ent­wi­ckeln wir theo­rie­ge­stütz­te didak­ti­sche Ele­men­te, die unter­richts­taug­lich sind“, berich­tet der Pro­fes­sor. Dazu kommt noch die Pra­xis eines per­for­ma­ti­ven Reli­gi­ons­un­ter­richts: ​„Man muss Reli­gi­on erle­ben, um sie ver­steh­bar zu machen“, so Mendl. Genau aus die­sem Grund ist der Theo­lo­ge in so vie­len Berei­chen aktiv: Er orga­ni­siert Ver­an­stal­tun­gen, hält Vor­trä­ge und Fort­bil­dun­gen, schreibt Bücher und ent­wi­ckelt eige­ne Kon­zep­te, weil dadurch vie­les wei­ter­trans­por­tiert wer­den kann. Auch orga­ni­sier­te er immer wie­der Stu­di­en­fahr­ten nach Assi­si, um sich zusam­men mit Stu­die­ren­den auf die Spu­ren des hei­li­gen Fran­zis­kus‘ zu bege­ben – für Mendl eine prä­gen­de Per­son: ​„Mich beein­druckt, dass er sein Leben lang ein Suchen­der blieb, wach durchs Leben ging, sei­ner inne­ren Stim­me folg­te. Er kann nie­mals voll­ends ergrün­det wer­den und es gibt immer etwas Neu­es an ihm zu ent­de­cken. Das fin­de ich spannend.“

Beruf und Leben woll­te Mendl nie tren­nen, wes­halb er auch in der Pfar­rei sei­ner Wahl­hei­mat Jäger­wirth als Reli­gi­ons­päd­ago­ge tätig war – zusam­men mit sei­ner Frau in der Gemein­de­ar­beit, in der Erst­kom­mu­ni­on- und Firm­vor­be­rei­tung und spä­ter auch bei der Grün­dung des Musi­cal­ver­eins Jäger­wirth e.V. mit­wirk­te. Beim zwei­ten Musi­cal ​„Moses“ war der Lehr­stuhl­in­ha­ber bei der Kon­zep­ti­on betei­ligt. Dadurch ent­stand auch der Moses-Bibel­gar­ten in Jäger­wirth, der im ver­gan­ge­nen Jahr 20-jäh­ri­ges Bestehen feierte.

„Es ist beru­hi­gend, dass unse­re Kin­der jetzt selbst Kin­der­got­tes­diens­te für ihre Kin­der gestal­ten – so falsch kön­nen wir nicht gele­gen haben“, erzählt der dem­nächst fünf­fa­che Opa, in des­sen Leben Glau­be immer eine wich­ti­ge Rol­le gespielt hat.
Und was hat er für den Ruhe­stand geplant? ​„Nichts! Der Mensch plant und Gott lacht. Ich freu mich dar­auf, Unlieb­sa­mes nicht mehr machen zu müs­sen, das wei­ter zu tun, was mir Freu­de macht, und Neu­es zu ent­de­cken.“ Für sei­ne Enkel­kin­der wünscht er sich, dass sie ihre eige­ne Glau­bens­spur fin­den. Bei sei­nen Stu­die­ren­den, so viel ist sicher, hat er ohne­hin eine tie­fe Spur hinterlassen.

Text: Lisa Schregle

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