Foto: Dr. Miriam Fauser
Professor Dr. Hans Mendl, Inhaber des Lehrstuhls für Religionspädagogik, geht nach 27 Jahren in den Ruhestand. Sein Wirken hat tiefe Spuren hinterlassen.
Uni Passau, Department für Katholische-Theologie, 2. Stock. Nach dem Anklopfen an einer bunt dekorierten Bürotür wird man mit einem herzlichen Willkommen begrüßt – von einem Professor, der so vieles gleichzeitig ist: nachdenklicher Wissenschaftler und Theologe, Fragender, der immer in Bewegung ist, herzerwärmender, spiritueller und empathischer Lehrender, der dafür brennt, was er tut – und dieses Feuer seit Jahrzehnten auch bei seinen Studierenden entfacht.
So ist es kein Wunder, dass zu Mendls schönsten Erfahrungen während der vergangenen 27 Jahre auch die vielen positiven Rückmeldungen zählen, die er aufgrund der sehr guten pädagogischen Kenntnisse seiner Studierenden häufig von den Seminarlehrern der verschiedenen Schulen bekommt. Aber auch die intensiven Erlebnisse mit seinen Studierenden, zum Beispiel bei Exkursionen wie in Assisi oder während der Arbeit in der Lernwerkstatt Religionsunterricht zählt der Professor zu seinen schönsten Momenten. „Und natürlich das Gefühl, wenn ein von mir verfasstes Buch druckfrisch vor mir liegt – zuletzt ‚Franz von Assisi für junge Leute‘.“
Doch es gab auch schwere Momente in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten: „Schlimm war für mich, wenn ich mitbekommen habe, dass Studierende schwer krank wurden oder Schicksalsschläge erleiden mussten, wie zum Beispiel den Tod von Angehörigen, was sie mir häufig offen erzählten. Ebenfalls schwer war aber auch, wenn ich gemerkt habe, dass Studierende leidenschaftslos waren und einfach kein Feuer, keine Flamme entwickeln konnten für das, was sie tun“, erzählt Mendl nachdenklich.
Als größte Entwicklung in der Lehrtätigkeit in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten nennt der Professor die Modularisierung, die Umstellung von einem sehr freien Universitätssystem zum angelsächsischen, wo es nun um die recht kleinschrittige Ablegung von Prüfungen geht, um ECTS-Punkte zu sammeln, was Studierende nach Mendls Ansicht von der reinen Konzentration auf die Bildung abhält. Auch der zunehmenden Digitalisierung steht der Theologe ambivalent gegenüber: „Natürlich kann man sich zum Beispiel durch Zoom-Sitzungen weite Anfahrten sparen, andererseits ist gerade für den Lehrberuf Kommunikation in 3D so wichtig.“
Bezüglich der Entwicklung des Religionsunterrichts zeigt sich Mendl optimistisch: „Der Religionsunterricht war schon immer sehr wandlungsfähig, natürlich begrüße ich die Entwicklung vom missionarischen zu einem diakonischen Modell. Der Religionsunterricht soll heute zu verantwortlichem Denken und Verhalten im Hinblick auf Religion und Glauben befähigen. In der Zukunft sehe ich einen christlichen Religionsunterricht für alle – auch in Kooperation mit anderen Glaubensgemeinschaften.“
„Mich beeindruckt, dass der heilige Franziskus sein Leben lang ein Suchender blieb, wach durchs Leben ging, seiner inneren Stimme folgte. Er kann niemals vollends ergründet werden und es gibt immer etwas Neues an ihm zu entdecken. Das finde ich spannend.”
Der Lehrstuhlinhaber hat während seiner Zeit an der Universität Passau viele eigene Ideen umgesetzt, darunter das Projekt „Local Heroes“, eine Datenbank mit Helden des Alltags, die letztes Jahr 25. Geburtstag feiern durfte. Und auch die Lernwerkstatt Religionsunterricht hat in diesem Jahr das Vierteljahrhundert vollendet. „Dort entwickeln wir theoriegestützte didaktische Elemente, die unterrichtstauglich sind“, berichtet der Professor. Dazu kommt noch die Praxis eines performativen Religionsunterrichts: „Man muss Religion erleben, um sie verstehbar zu machen“, so Mendl. Genau aus diesem Grund ist der Theologe in so vielen Bereichen aktiv: Er organisiert Veranstaltungen, hält Vorträge und Fortbildungen, schreibt Bücher und entwickelt eigene Konzepte, weil dadurch vieles weitertransportiert werden kann. Auch organisierte er immer wieder Studienfahrten nach Assisi, um sich zusammen mit Studierenden auf die Spuren des heiligen Franziskus‘ zu begeben – für Mendl eine prägende Person: „Mich beeindruckt, dass er sein Leben lang ein Suchender blieb, wach durchs Leben ging, seiner inneren Stimme folgte. Er kann niemals vollends ergründet werden und es gibt immer etwas Neues an ihm zu entdecken. Das finde ich spannend.“
Beruf und Leben wollte Mendl nie trennen, weshalb er auch in der Pfarrei seiner Wahlheimat Jägerwirth als Religionspädagoge tätig war – zusammen mit seiner Frau in der Gemeindearbeit, in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung und später auch bei der Gründung des Musicalvereins Jägerwirth e.V. mitwirkte. Beim zweiten Musical „Moses“ war der Lehrstuhlinhaber bei der Konzeption beteiligt. Dadurch entstand auch der Moses-Bibelgarten in Jägerwirth, der im vergangenen Jahr 20-jähriges Bestehen feierte.
„Es ist beruhigend, dass unsere Kinder jetzt selbst Kindergottesdienste für ihre Kinder gestalten – so falsch können wir nicht gelegen haben“, erzählt der demnächst fünffache Opa, in dessen Leben Glaube immer eine wichtige Rolle gespielt hat.
Und was hat er für den Ruhestand geplant? „Nichts! Der Mensch plant und Gott lacht. Ich freu mich darauf, Unliebsames nicht mehr machen zu müssen, das weiter zu tun, was mir Freude macht, und Neues zu entdecken.“ Für seine Enkelkinder wünscht er sich, dass sie ihre eigene Glaubensspur finden. Bei seinen Studierenden, so viel ist sicher, hat er ohnehin eine tiefe Spur hinterlassen.
Text: Lisa Schregle