Bei der Pilgerleitertagung am 17. Oktober stellte Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl das Motto für die kommende Wallfahrtssaison vor und bot den Ehrenamtlichen Raum für Fragen und Anregungen.
Haupt- und ehrenamtliche Beschäftigte, die den Wallfahrtsbetrieb in Altötting am Laufen halten, gibt es einige, doch sie hätten allesamt wenig zu tun, gäbe es nicht die vielen Pilgerleiterinnen und Pilgerleiter, die Wallfahrtsgruppen hierherführen, weshalb Prälat Metzl die rund 60 im Begegnungszentrum St. Christophorus versammelten Pilgerleiter als „wichtigste Mitarbeiter der Muttergottes am Gnadenort“ bezeichnete und ihnen einen großen Dank aussprach. Auch Bürgermeister Stephan Antwerpen stimmte in seinem Grußwort mit ein: „Vergelt’s Gott für alles, was Sie tun, für die vielen Schritte, die Sie gemeinsam mit anderen gehen, und für die Menschlichkeit und Wärme, die Sie auf jedem Pilgerweg mitbringen.“
Die angesprochenen Pilgerleiter wiederum hatten u.a. so manche organisatorische Frage im Gepäck. So äußerten sie etwa die Bitte um Unterstützung bei bürokratischen Fragen: Wer Pilgergruppen durch verschiedene Landkreise führt, der müsse auch teils unterschiedliche Auflagen der jeweiligen Genehmigungsbehörden bewältigen – eine Aufgabe, die bei besserer Vernetzung leichter zu stemmen wäre. Thema der Aussprache am Ende des Tages war außerdem die Frage, wie sich mehr junge Leute mit einbinden ließen. „Ihnen kleine Dienste und Verantwortung übertragen; die Jugend in ihrer Ausgelassenheit und in ihrem Freiheitsdrang auch einmal aushalten können“, war die Anregung von Florian Robida, dem Pilgerleiter der sogenannten Pfingstwallfahrt, dessen zu einem sehr großen Teil sehr junge Teilnehmer hauptsächlich aus München und Freising jedes Jahr am Pfingstmontag nach Altötting kommen. Auch Prälat Metzl empfahl, „sich auf die Jugend einzulassen“. Allgemein stellte der Wallfahrtsrektor fest, dass „unter dem Schutzmantel der Muttergottes sehr viel Platz hat“ – es gebe viele „verschiedene Ausdrucksformen von Frömmigkeit und Liturgie“, weshalb er immer wieder betone, wie wichtig es ist, „dem Alten mit Respekt zu begegnen und Neues zuzulassen“. Er riet zu gegenseitiger Wertschätzung und vor allem auch zu Offenheit und zu „Ideen zur Weiter-Entwicklung“.
Eine Anregung, die die anwesenden Pilgerleiter positiv aufnahmen, ebenso wie das bereits in der Predigt beim vormittäglichen Gottesdienst in der Bruder Konradkirche vorgestellte Motto der kommenden Wallfahrtssaison: „Wer glaubt, ist nie allein“. Das Leitwort ist der Pastoralreise von Papst Benedikt XVI. nach Bayern im Jahr 2006 entnommen und wird anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Ratzinger am 16. April 2027 wieder ins Gedächtnis gerufen. Eigentlich ist dieses Wort sogar noch älter und stammt aus der Predigt, die Benedikt XVI. beim Gottesdienst zu seiner Amtseinführung am 24. April 2005 auf dem Petersplatz hielt, wie Metzl erinnerte: „Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht“, zitierte der Wallfahrtsrektor den am 31. Dezember 2022 verstorbenen Papst. „Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft.“ Das Motto, das Benedikt XVI. am 11. September 2006 u.a. auch nach Altötting führte, drücke „sowohl seine tiefe persönliche Verbundenheit zu seiner bayerischen Heimat, als auch die theologische Kernbotschaft an die Gläubigen aus, dass der Glaube Gemeinschaft stiftet und die Kirche als pilgerndes Volk Gottes begründet“, rekapitulierte Metzl und wünschte Pilgerleitern und Pilgern, die 2027 nach Altötting kommen, „die bleibende und stärkende Erfahrung: Wer glaubt, ist nie allein!“. Das Motto wird auch in dem pünktlich zur Pilgerleitertagung erschienenen Wallfahrtskalender vorgestellt.
Foto: Michael Glaß
Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen sprach im Zusammenhang mit dem Wallfahrtsmotto das für den 30. Januar 2027 geplante „Zukunftsforum Demokratie“ an, das sich dieses Mal dem Themenkomplex „Gemeinsam“ widmet. Vor allem lobte er in seinem Grußwort die gute Zusammenarbeit von Stadt und Kirche in Altötting und erinnerte u.a. an gemeinsame Aktionen wie etwa heuer beim Katholikentag in Würzburg oder beim „Fest der Sinne“ in Altötting. Außerdem wies er auf die „Cities App“ hin, an der sich seit kurzem auch die Wallfahrtsstadt beteiligt und die auch für Pilger nützliche Informationen bereithalte. Antwerpen machte auch auf eine für 2027 geplante „Kapellplatz-Aufwertung“ hinsichtlich Bewässerung und Hitzeschutz aufmerksam. Insbesondere wies er auf das 30-Jahr-Jubiläum der „Shrines of Europe“ hin – die Vereinigung der sieben bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas strebe eine Zertifizierung als europäische Kulturroute an, berichtete der Bürgermeister. In diesem Zusammenhang erzählte Antwerpen auch von seinen Eindrücken des Besuchs von Papst Leo XIV. in Lourdes Ende September dieses Jahres – vor allem die Begeisterung der vielen jungen Leute dort habe ihn sehr beeindruckt.
Pilgerleitertagung – Impressionen
Viele „Tipps zur Gestaltung einer Wallfahrt und frische schöne Gebete“ hatte Pfr. i.R. Josef Treutlein aus Bad Staffelstein nach Altötting mitgenommen. „Pilgerleiter sind für Wallfahrer ganz wichtige Seelsorger“, betonte Pfr. Treutlein, der seit vielen Jahren Schulungen für Pilgerleiter durchführt. In seinem Impuls stellte er Mariengebete, ‑lieder und ‑rufe sowie Rosenkranz-Betrachtungen vor, die nicht jeder kenne und die er selbst speziell für Wallfahrten ausgeschmückt und angereichert habe. Auf Wallfahrten sollten sich verschiedene Gebetsformen abwechseln und auch die Stille dürfe nicht zu kurz kommen, erklärte er. Seine Materialien, die Pilgerleiter über das Wallfahrtssekretariat in Altötting (E‑Mail: wallfahrt.altoetting@bistum-passau.de) anfordern können, seien als Anregung gedacht und könnten von Pilgerleitern je nach Bedarf genutzt werden.
Sie sind zwar alle drei schon länger im Amt, aber noch nicht jeder Pilgerleiter kennt sie; daher stellten sich im Rahmen der Tagung vor: Pater Paul Binkowski, seit 1. Mai dieses Jahres Prior der Pauliner im St. Magdalenakloster und stellvertretender Wallfahrtsrektor, empfängt auch regelmäßig Wallfahrtsgruppen in Altötting; Mesner Michael Waxenberger, seit heuer 1. Mai mit einer halben Stelle Assistent von Wallfahrtsrektor Klaus Metzl, unterstützt diesen nicht nur bei der Koordination größerer Veranstaltungen, sondern auch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit; und Nadja Schneidmüller; sie ist seit heuer im Februar eine weitere Kraft im Sekretariat der Administration; die langjährige Sekretärin Luise Hell wird ab April 2027 Arbeitsstunden reduzieren.
Michael
Glaß
Redakteur