Es ist längst Vergangenheit: Den Beruf der Bergmänner und „Kohlnstadlschixn“ (Bezeichnung für im Kohleabbau arbeitende Frauen) in Bayern gibt es nicht mehr. Die Bergwerke sind „ausgeerzt und ausgekohlt“, mussten geschlossen werden, wie etwa 1971 das im oberbayerischen Peißenberg und 1982, als eines der letzten, das im oberpfälzischen Wackersdorf. Was nicht endet, ist die Erinnerung an den kollegialen und kameradschaftlichen Zusammenhalt der Bergmänner und ‑frauen. So wurden Bayerische Knappenvereine gegründet, die sich durch Wallfahrts-Organisationen auszeichnen, um Zeugnis zu geben für Glauben und Traditionsbewusstsein.
Wallfahrt der Bayerischen Knappenvereine – Impressionen
Im vierjährigen Turnus, organisiert vom Knappenverein Peißenberg mit Vorsitzendem Rudi Hochenauer, war am Kirchweihsonntag, 18. Oktober, der Gnadenort Altötting Pilgerziel für etwa 200 Bergmänner und ‑frauen in schmucker Bergmannstracht aus Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz und sogar aus Franken und mit ihren Fahnenabordnungen. Die Knappschaftskapelle Kropfmühl führte die Prozession der Teilnehmer an mit schneidig aufgespieltem Marsch zum Kapellplatz. Nach Umrundung der Gnadenkapelle führte sie der Weg den Kapuzinerberg hinunter zur St. Anna-Basilika, wo sie einen festlichen Gottesdienst feierten. Kapuzinerpater Bruder Marinus Parzinger hatte die Einbegleitung, die Begrüßung und die Gottesdienst-Leitung übernommen. Der stellvertretende Wallfahrtsrektor bezeichnete es als „schönes Bild, wenn Pilger in Uniform, was für Zusammenhalt steht, ihr Glaubenszeugnis ablegen am Gnadenort Unserer Lieben Frau von Altötting“. Dabei gelte die Verehrung nicht nur der Gnadenmutter und dem heilige Bruder Konrad, sondern auch der heiligen Mutter Anna, die neben der heiligen Barbara als Schutzpatronin der Bergleute gilt. Bei den kräftigen Tönen der Marschmusik durch die Knappschaftskapelle Kropfmühl, die auch den Gottesdienst zusammen mit Stiftsorganistin Johanna Stitz musikalisch gestaltete, „geht einem das Herz auf“, wie Bruder Marinus als ehemaliges „Bandmitglied“ feststellte. Gerade, wenn wir auf Wallfahrt unterwegs sind, gelte die Einladung, sich auf Gott einzulassen, denn er gehe mit uns auf unserem Lebensweg. Dabei sollten wir auch unsere Sinne öffnen, um zu hören, was Gott uns schenken möchte.
Am Schluss richtete Armin Kraus als Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer Bergmanns‑, Knappen- und Hüttenmännischer Vereine das Wort an die Teilnehmer. Er dankte mit einem Vergelt’s Gott und „Glück auf“ fürs Kommen und für die Wallfahrtsorganisation von Rudi Hochenauer mit Team. Anschließend lud die Musikkapelle Kropfmühl mit dem „Steigerlied“ und der „Bayernhymne“ vor der Gnadenkapelle zum Mitsingen ein.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner