Das Bistum Passau nimmt seine Schöpfungsverantwortung ernst: Auf den Dächern rund um den Domplatz sind in den vergangenen Wochen Photovoltaik-Module installiert worden. Der produzierte Strom wird komplett für den Eigenbedarf verwendet.
Die Zahlen sind durchaus imposant: Auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern bringen die Photovoltaik-Module eine Spitzenleistung von 265 kWp (Kilowattpeak). Damit wird ein Ertrag von jährlich rund 241.000 kWh (Kilowattstunden) erwartet. Zur besseren Vorstellung: Das wäre genug, um rund 60 Haushalte mit Strom zu versorgen.
Foto: Wolfgang Krinninger
Freilich könnte es noch viel mehr sein. Wie Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek erklärt, waren im Verlauf der Planung intensive Abstimmungen mit dem Denkmalschutz nötig. Um das Stadtbild Passaus nicht zu gefährden, dürfen die PV-Anlagen nämlich von zwei der markantesten Aussichtspunkte der Stadt aus nicht sichtbar sein: vom Oberhaus und von Mariahilf. Das stellte die Planer des Diözesanbauamts, allen voran Christoph Geins und Marina Hutterer, sowie den Projektleiter des Büros Nigl + Mader, Markus Steininger, vor enorme Herausforderungen. Der Kompromiss waren schließlich viele kleine Flächen, verteilt auf mehrere Gebäude am Domplatz, in der Luragogasse und am Rindermarkt sowie auf dem Bauhofgebäude und den Garagen hinter dem Giselabau. Ohnehin wurde die Installation erst durch eine Änderung des Denkmalschutzgesetzes möglich, mit der Umsetzung der Idee begonnen wurde im Jahr 2020. Realisiert wurde das Projekt von der Firma MSG Naturenergie mit Sitz in Hohenau. Man geht davon aus, dass sich die Kosten nach etwa sieben Jahren amortisiert haben.
Der erzeugte Strom wird ausschließlich für den Eigenbedarf in den Verwaltungsgebäuden des Bischöflichen Ordinariats verwendet. Nach einem Jahr Betriebszeit soll evaluiert werden, ob möglicherweise ein Batteriespeicher eine sinnvolle Ergänzung sein könnte. Mit Blick auf den Klimawandel wäre auch denkbar, dass ein Teil der erzeugten Energie im Sommer zur Kühlung der Räume verwendet wird.
Erfreut über die Umsetzung des Projekts ist auch Dr. Melanie Hackenfort von der Stabsstelle Umwelt und Gemeinwohlorientierung des Bistums. „Das ist ein Beitrag zur Energiewende und hilft uns, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden“, betont sie. Damit setzen wir konkret die Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz zu diesem Thema um. „Für eine zukunftsfähige Energieversorgung ist die Mitverantwortung jedes Einzelnen im Sinne der Gemeinwohlverantwortung erforderlich“, heißt es in einem Papier der DBK. Hervorgehoben werden darin die „praktische Unerschöpflichkeit der erneuerbaren Energieträger, die geringen Umweltbelastungen, die mit diesen Energieträgern verbunden sind, sowie die Möglichkeit, diese Energieversorgungssysteme dezentral und an den Bedarf angepasst einzusetzen“. Es sei deshalb ein Gebot der Vorsorge und Verantwortung, dass gegenwärtige Generationen dafür Sorge tragen, dass auch zukünftige Generationen ihren Energiebedarf ihren Bedürfnissen entsprechend decken können, so die deutschen Bischöfe.
Auch vor diesem Hintergrund würde sich Hackenfort wünschen, dass sich die Stadt Passau noch mehr auf das Thema Energiewende einlässt. „Wir könnten noch mehr tun, wenn die Stadt das zulassen würde.“
Wolfgang
Krinninger
Chefredakteur