Das glauben wir

Soldat, Pfarrer, Vorbild?

Redaktion am 26.02.2024

2024 02 26 pb alb wolfgang huber4 Foto: Archiv des Bistums Passau
Johann Baptist Huber (1892–1942).

Taugt so einer als Vorbild? Ein hochdekorierter Soldat, ein national denkender Konservativer, ein Kämpfer, ein Unbeugsamer, ein kantiger Pfarrer, der mit der Jugend Ski fährt und im Wirtshaus bei einer Maß Bier lautstark politisiert. Meine persönliche Antwort vorweg: Ja!

Der Land­au­er Stadt­pfar­rer Johann Bap­tist Huber (1892 – 1942) hat­te sich jah­re­lang gegen die Natio­nal­so­zia­lis­ten gewehrt. Er ist tap­fer, mutig und ohne Rück­sicht auf sei­ne eige­ne Per­son für sei­nen Glau­ben und die ihm anver­trau­te Her­de“ ein­ge­tre­ten. Er starb am 13. Sep­tem­ber 1942 als Häft­ling Nr. 30353 des KZ Dach­au im Schwa­bin­ger Kran­ken­haus – als Mär­ty­rer sei­ner Überzeugungen.

Ein neu­es Buch aus der Rei­he über Glau­bens­zeu­gen aus dem Bis­tum Pas­sau beleuch­tet das Leben und Wir­ken des streit­ba­ren Geist­li­chen. Bischof Ste­fan Oster und Pfar­rer Chris­ti­an Krieg­baum stel­len dar­in den Stadt­pfar­rer aus geist­li­cher Sicht vor, Chris­ti­an Hand­schuh und Simon Mei­er aus kir­chen­ge­schicht­li­cher Per­spek­ti­ve. Zu Wort kom­men auch Frau­en und Män­ner aus Land­au, die sich inten­siv mit dem Strei­ter für den Herrn“ beschäf­tigt haben. 

Bei der Lek­tü­re wird eines deut­lich: Von sei­nem uner­schüt­ter­li­chen Gott­ver­trau­en getra­gen, ließ sich Johann Bap­tist Huber von nichts und nie­man­dem von sei­nem gerad­li­ni­gen Weg abbrin­gen. Pfar­rer Chris­ti­an Krieg­baum, der eben­falls vie­le Jah­re Stadt­pfar­rer in Land­au war, bringt es wun­der­bar auf den Punkt: Seel­sorg­li­ches Wir­ken habe Pfar­rer Huber immer auch als ein Mit­ge­stal­ten der Gesell­schaft und damit als ein zähes Rin­gen um die christ­li­che Prä­gung der Welt“ gese­hen. Huber hat sich eben nicht in den stil­len, geschütz­ten Kir­chen­raum zurück­ge­zo­gen, er war mit­ten unter den Men­schen, trat mit Mut und Tat­kraft für sie ein. Des­halb wur­den nicht alle zu Hel­den, aber der auf­rech­te Gang hat die Leu­te stär­ker gemacht: Trotz der star­ken Prä­senz der Natio­nal­so­zia­lis­ten tra­ten in Land­au zwi­schen 1933 und 1944 nur 30 Per­so­nen aus der Kir­che aus, knapp 0,6 Pro­zent der Katholiken.

Johann Bap­tist Huber war ein Kämp­fer für die gute Sache.”

Bischof Stefan Oster

Johann Bap­tist Huber war ein Kämp­fer für die gute Sache“, schreibt Bischof Ste­fan Oster im Vor­wort des neu­en Buches. Furcht­los habe er sich in den rau­en Gegen­wind gestellt, der ihm von der sich immer grau­sa­mer gebär­den­den Staats­macht ent­ge­gen­schlug. Bis zum bit­te­ren Ende. Und selbst da fühl­te Huber sich offen­sicht­lich – ähn­lich wie Diet­rich Bon­hoef­fer – von guten Mäch­ten wun­der­bar gebor­gen“: Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf voll­endet, die Treue gehal­ten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerech­tig­keit bereit“, heißt es in sei­nen Abschiedsworten. 

Und heu­te? Ein Dik­ta­tor in einem der mäch­tigs­ten Län­der der Welt treibt sei­ne Poli­tik der Ver­ro­hung und Ent­mensch­li­chung immer wei­ter vor­an. In vie­len Staa­ten des Wes­tens wird die Demo­kra­tie durch extre­mis­ti­sche Kräf­te unter­wan­dert. In eini­gen deut­schen Bun­des­län­dern wird eine Par­tei zu einem Macht­fak­tor, die völ­kisch argu­men­tiert, Min­der­hei­ten­rech­te mit Füßen tritt, gezielt Ängs­te schürt und mit ent­hemm­ter Spra­che kul­tu­rel­le Bar­rie­ren nie­der­reißt. Es ist offen­sicht­lich: Wir brau­chen Vor­bil­der wie Pfar­rer Johann Bap­tist Huber. Gera­de heute.

Wolfgang krinninger

Wolfgang Krinninger

Chefredakteur

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