Foto: Roswitha Dorfner
Die Radwallfahrt Köfering kommt heuer am 11. Juli zum letzten Mal in alter Form nach Altötting. Pilgerleiter Reinhard Kautetzky blickt auf deren 35-jährige Geschichte zurück und verrät, wie es weitergeht.
Herr Kautetzky, das Wallfahrtsmotto für heuer, ‚Das Beste aus 35 Jahren Radwallfahrt‘ legt es nahe: es wird die letzte Köferinger Radwallfahrt in dieser Form sein. Wie kam es zu dem Entschluss?
Reinhard Kautetzky: Unsere Stamm-Mannschaft ist seit 35 Jahren gleichgeblieben. Und einige Schlüsselpersonen sagen: „35 Jahre sind genug“. Obwohl wir auch immer wieder viele junge Helfer und Unterstützer dazubekommen haben. Auch sehr viele Kinder unserer „Stamm-Organisatoren“, die seit 1992 dabei sind.
Wird es anschließend, also ab 2027 dennoch weitergehen mit der Pilgertradition? In welcher Form?
Kautetzky: Ja, in kleinerem Kreis und ohne 35 Fahrzeuge und 50 Helfer. Ich will die Tradition weiterführen, solange es bei mir geht! Ich bin jetzt 70, aber wir hatten schon Teilnehmer mit 85 Jahren (ohne E‑Bike).
Die Radwallfahrt ist über die Jahre immer größer geworden: Könnten Sie eine kurze Bilanz ziehen, was Teilnehmerzahlen und Herkunftsorte der Mitfahrer betrifft?
Kautetzky: Insgesamt summiert es sich in den 35 Jahren auf 10.000 Teilnehmer, die gemeinsam 1,2 Millionen Kilometer zurückgelegt haben: Das heißt, wir haben ungefähr 30-mal die Erde am Äquator umrundet! Teilnehmer kommen aus ganz Bayern und weit darüber hinaus. Wir hatten auch schon Mitfahrer aus Asien, Afrika, Südamerika und Indonesien.
Foto: Roswitha Dorfner
Eine Radwallfahrt mit zum Teil fast 200 Teilnehmern durch die halbe Nacht über 120 Kilometer Strecke ist eine organisatorische Herausforderung. Wie ist Ihnen das über all die Jahre gelungen?
Kautetzky: Fahrzeuge kommen von unseren Freunden (Lkws) und Teilnehmern. Die sieben Motorräder haben sich langsam „selbst gefunden“ und kommen größtenteils von einer Familie, die weit entfernt von Köfering wohnt. Wir sind zu einer Radwallfahrts-Familie zusammengewachsen; nicht zuletzt durch unsere Dankeschön-Nachfeiern für die Helfer. Die Busse bekommen wir durch gute Beziehungen zu einem guten Preis. Wir machen dies alles ehrenamtlich und so manchen Euro steuern wir noch selbst bei. Dadurch liegt unsere Teilnehmergebühr – für den ganzen Tag Versorgung – immer noch bei 60,- Euro.
Foto: Radwallfahrt Köfering
Wenn Sie zurückblicken, was waren für Sie als Pilgerleiter persönlich die schönsten Erlebnisse in den vergangenen 35 Jahren – und warum lohnt es sich, all die Mühen der Organisation auf sich zu nehmen?
Kautetzky: Es gibt viele sehr schöne Erlebnisse, aber auch schmerzliche etwa durch die Krankheit von Teilnehmern. Das Schönste war, dass meine Frau und meine Söhne Max und Sebastian immer mitgezogen haben und Mann bzw. Vater nicht ohne Familienunterstützung diese große Organisationsaufgabe machen lassen wollten. In den 35 Jahren haben meine Familie und ich auch viele neue und gute Freunde gewonnen. Schön ist es auch, wenn dich plötzlich „fremde Leute“ ansprechen, und es sich herausstellt: „Ach ja, die waren mal bei der Radwallfahrt“ dabei. Und jedes Jahr bekommen wir nach der Radwallfahrt unglaubliche Dankeschön-Mails. Oft bin ich Freitag beruflich aus Asien kommend in München gelandet und habe am Samstag um 3 Uhr begonnen, die Radwallfahrt zum Start vorzubereiten. Abfahrt war dann immer 4 Uhr nach dem Reisesegen. Eine große Freude war immer die Zusammenarbeit mit Pfarrer Erich Meier (lange schon im Ruhestand) und Pfarrer Matthias Kienberger (jetzt Roding).
Verraten Sie uns noch, was genau hinter dem Wallfahrtsmotto 2026 steckt?
Kautetzky: Wir wollen nochmals das Beste aufzeigen und ersparen uns gleichzeitig die monatelange Erstellung eines neuen Begleittextes.
Die „alten“ Texte sind alle nach meiner Meinung sehr gut und mit den Jahres-Leitthemen Frieden (aktueller als je zuvor), Familie, Kinder, Werte, Glück, „Wir sind eine Welt“ usw. so gefasst, dass sie zeitlos sind. Bei „Wir sind eine Welt“ wurden die Fürbitten von Menschen aus allen fünf Kontinenten vorgetragen. Für ein Leitthema haben wir einmal auch Menschen mit einer Behinderung aus Altötting eingeladen. Beim Thema Frieden haben wir vor der Basilika weiße Tauben aufsteigen lassen. Beim 25-Jährigen habe ich meine Schwiegermutter (religiöse Texte) und Pfarrer Erich Meier in einer Fahrrad-Rikscha auf den Kapellplatz gefahren. Es war immer viel los! Bei den Texten habe ich immer darauf bestanden, dass sie aktuell sind, zum Nachdenken anregen müssen (keine „Leiergebete“) und die Menschen im Hier und Jetzt abholen. Wir hatten immer auch Teilnehmer, die die katholische Kirche verlassen haben, die kirchenfern sind oder anderen christlichen Glaubensgemeinschaften angehören oder gar Mitglieder anderer Weltreligionen sind.
Altötting ist und bleibt Sehnsuchtsziel sehr vieler gläubiger Menschen und Marienverehrer. Was bedeutet Ihnen selbst der Gnadenort?
Kautetzky: Altötting bedeutet mir sehr viel! Im Laufe der Jahre hat sich mir das Gefühl entwickelt, dass die Radwallfahrt und Altötting mir Kraft geben und mit der Radwallfahrt vieles in meinem Leben gut aufwärts gegangen ist. Ich war Senior-Direktor für das Qualitätsmanagement beim Chiphersteller Infineon. Immer wenn ich in Europa oder Asien bei meinen Berufskollegen oder in Management-Meetings von meiner Radwallfahrt (und dass ich sechs Semester Theologie an der TU München studiert habe) berichtet habe, bin ich auf großes Interesse gestoßen. Einige kamen dann wirklich aus Asien nach Regensburg, um einmal mit dabei zu sein.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter


