Wallfahrt

1,2 Mio. Radkilometer in 35 Jahren

Redaktion am 29.06.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Kürzertreten: Seit Jahrzehnten die treibende Kraft hinter der Radwallfahrt Köfering-Altötting: Pilgerleiter Reinhard Kautetzky (hier mit seiner Frau Claudia beim 30-jährigen Jubiläum auf dem Kapellplatz). In großer „Runde“ wird es heuer am 11. Juli die letzte Radwallfahrt sein.

Die Radwallfahrt Köfering kommt heuer am 11. Juli zum letzten Mal in alter Form nach Altötting. Pilgerleiter Reinhard Kautetzky blickt auf deren 35-jährige Geschichte zurück und verrät, wie es weitergeht.

Herr Kau­tetz­ky, das Wall­fahrts­mot­to für heu­er, Das Bes­te aus 35 Jah­ren Rad­wall­fahrt‘ legt es nahe: es wird die letz­te Köfe­rin­ger Rad­wall­fahrt in die­ser Form sein. Wie kam es zu dem Ent­schluss?
Rein­hard Kau­tetz­ky: Unse­re Stamm-Mann­schaft ist seit 35 Jah­ren gleich­ge­blie­ben. Und eini­ge Schlüs­sel­per­so­nen sagen: 35 Jah­re sind genug“. Obwohl wir auch immer wie­der vie­le jun­ge Hel­fer und Unter­stüt­zer dazu­be­kom­men haben. Auch sehr vie­le Kin­der unse­rer Stamm-Orga­ni­sa­to­ren“, die seit 1992 dabei sind.

Wird es anschlie­ßend, also ab 2027 den­noch wei­ter­ge­hen mit der Pil­ger­tra­di­ti­on? In wel­cher Form?
Kau­tetz­ky: Ja, in klei­ne­rem Kreis und ohne 35 Fahr­zeu­ge und 50 Hel­fer. Ich will die Tra­di­ti­on wei­ter­füh­ren, solan­ge es bei mir geht! Ich bin jetzt 70, aber wir hat­ten schon Teil­neh­mer mit 85 Jah­ren (ohne E‑Bike).

Die Rad­wall­fahrt ist über die Jah­re immer grö­ßer gewor­den: Könn­ten Sie eine kur­ze Bilanz zie­hen, was Teil­neh­mer­zah­len und Her­kunfts­or­te der Mit­fah­rer betrifft?
Kau­tetz­ky: Ins­ge­samt sum­miert es sich in den 35 Jah­ren auf 10.000 Teil­neh­mer, die gemein­sam 1,2 Mil­lio­nen Kilo­me­ter zurück­ge­legt haben: Das heißt, wir haben unge­fähr 30-mal die Erde am Äqua­tor umrun­det! Teil­neh­mer kom­men aus ganz Bay­ern und weit dar­über hin­aus. Wir hat­ten auch schon Mit­fah­rer aus Asi­en, Afri­ka, Süd­ame­ri­ka und Indonesien.

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Die Radwallfahrt Köfering bei der Ankunft in Altötting (2025).

Eine Rad­wall­fahrt mit zum Teil fast 200 Teil­neh­mern durch die hal­be Nacht über 120 Kilo­me­ter Stre­cke ist eine orga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung. Wie ist Ihnen das über all die Jah­re gelun­gen?
Kau­tetz­ky: Fahr­zeu­ge kom­men von unse­ren Freun­den (Lkws) und Teil­neh­mern. Die sie­ben Motor­rä­der haben sich lang­sam selbst gefun­den“ und kom­men größ­ten­teils von einer Fami­lie, die weit ent­fernt von Köfe­ring wohnt. Wir sind zu einer Rad­wall­fahrts-Fami­lie zusam­men­ge­wach­sen; nicht zuletzt durch unse­re Dan­ke­schön-Nach­fei­ern für die Hel­fer. Die Bus­se bekom­men wir durch gute Bezie­hun­gen zu einem guten Preis. Wir machen dies alles ehren­amt­lich und so man­chen Euro steu­ern wir noch selbst bei. Dadurch liegt unse­re Teil­neh­mer­ge­bühr – für den gan­zen Tag Ver­sor­gung – immer noch bei 60,- Euro.

Info Icon Foto: Radwallfahrt Köfering
Zeitlos: Bei den Jahresthemen und Texten der Begleithefte (hier 2018) der Köferinger Radwallfahrt hat Pilgerleiter Reinhard Kautetzky immer darauf bestanden, „dass sie aktuell sind, zum Nachdenken anregen müssen und die Menschen im Hier und Jetzt abholen“.

Wenn Sie zurück­bli­cken, was waren für Sie als Pil­ger­lei­ter per­sön­lich die schöns­ten Erleb­nis­se in den ver­gan­ge­nen 35 Jah­ren – und war­um lohnt es sich, all die Mühen der Orga­ni­sa­ti­on auf sich zu neh­men?
Kau­tetz­ky: Es gibt vie­le sehr schö­ne Erleb­nis­se, aber auch schmerz­li­che etwa durch die Krank­heit von Teil­neh­mern. Das Schöns­te war, dass mei­ne Frau und mei­ne Söh­ne Max und Sebas­ti­an immer mit­ge­zo­gen haben und Mann bzw. Vater nicht ohne Fami­li­en­un­ter­stüt­zung die­se gro­ße Orga­ni­sa­ti­ons­auf­ga­be machen las­sen woll­ten. In den 35 Jah­ren haben mei­ne Fami­lie und ich auch vie­le neue und gute Freun­de gewon­nen. Schön ist es auch, wenn dich plötz­lich frem­de Leu­te“ anspre­chen, und es sich her­aus­stellt: Ach ja, die waren mal bei der Rad­wall­fahrt“ dabei. Und jedes Jahr bekom­men wir nach der Rad­wall­fahrt unglaub­li­che Dan­ke­schön-Mails. Oft bin ich Frei­tag beruf­lich aus Asi­en kom­mend in Mün­chen gelan­det und habe am Sams­tag um 3 Uhr begon­nen, die Rad­wall­fahrt zum Start vor­zu­be­rei­ten. Abfahrt war dann immer 4 Uhr nach dem Rei­se­se­gen. Eine gro­ße Freu­de war immer die Zusam­men­ar­beit mit Pfar­rer Erich Mei­er (lan­ge schon im Ruhe­stand) und Pfar­rer Mat­thi­as Kien­ber­ger (jetzt Roding).

Ver­ra­ten Sie uns noch, was genau hin­ter dem Wall­fahrts­mot­to 2026 steckt?
Kau­tetz­ky: Wir wol­len noch­mals das Bes­te auf­zei­gen und erspa­ren uns gleich­zei­tig die mona­te­lan­ge Erstel­lung eines neu­en Begleittextes.

Die alten“ Tex­te sind alle nach mei­ner Mei­nung sehr gut und mit den Jah­res-Leit­the­men Frie­den (aktu­el­ler als je zuvor), Fami­lie, Kin­der, Wer­te, Glück, Wir sind eine Welt“ usw. so gefasst, dass sie zeit­los sind. Bei Wir sind eine Welt“ wur­den die Für­bit­ten von Men­schen aus allen fünf Kon­ti­nen­ten vor­ge­tra­gen. Für ein Leit­the­ma haben wir ein­mal auch Men­schen mit einer Behin­de­rung aus Alt­öt­ting ein­ge­la­den. Beim The­ma Frie­den haben wir vor der Basi­li­ka wei­ße Tau­ben auf­stei­gen las­sen. Beim 25-Jäh­ri­gen habe ich mei­ne Schwie­ger­mut­ter (reli­giö­se Tex­te) und Pfar­rer Erich Mei­er in einer Fahr­rad-Rik­scha auf den Kapell­platz gefah­ren. Es war immer viel los! Bei den Tex­ten habe ich immer dar­auf bestan­den, dass sie aktu­ell sind, zum Nach­den­ken anre­gen müs­sen (kei­ne Lei­er­ge­be­te“) und die Men­schen im Hier und Jetzt abho­len. Wir hat­ten immer auch Teil­neh­mer, die die katho­li­sche Kir­che ver­las­sen haben, die kir­chen­fern sind oder ande­ren christ­li­chen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten ange­hö­ren oder gar Mit­glie­der ande­rer Welt­re­li­gio­nen sind.

Alt­öt­ting ist und bleibt Sehn­suchts­ziel sehr vie­ler gläu­bi­ger Men­schen und Mari­en­ver­eh­rer. Was bedeu­tet Ihnen selbst der Gna­den­ort?
Kau­tetz­ky: Alt­öt­ting bedeu­tet mir sehr viel! Im Lau­fe der Jah­re hat sich mir das Gefühl ent­wi­ckelt, dass die Rad­wall­fahrt und Alt­öt­ting mir Kraft geben und mit der Rad­wall­fahrt vie­les in mei­nem Leben gut auf­wärts gegan­gen ist. Ich war Seni­or-Direk­tor für das Qua­li­täts­ma­nage­ment beim Chip­her­stel­ler Infi­ne­on. Immer wenn ich in Euro­pa oder Asi­en bei mei­nen Berufs­kol­le­gen oder in Manage­ment-Mee­tings von mei­ner Rad­wall­fahrt (und dass ich sechs Semes­ter Theo­lo­gie an der TU Mün­chen stu­diert habe) berich­tet habe, bin ich auf gro­ßes Inter­es­se gesto­ßen. Eini­ge kamen dann wirk­lich aus Asi­en nach Regens­burg, um ein­mal mit dabei zu sein.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

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