Das glauben wir

Der gute Gott und das Leid

Redaktion am 14.07.2026

Info Icon Foto: Pfarramt Mindelstetten
Anna Schäffer wurde am 21. Oktober 2012 in Rom heiliggesprochen. Pfarrer Johann Bauer hat sich intensiv mit ihrem Leben beschäftigt.

Ob Gott Leid zulässt und wie sich Schmerz mit dem Glauben an seine Liebe vereinbaren lässt, gehört zu den großen Fragen des Menschseins. Pfarrer Johann Bauer zeigt, welche Hoffnung aus dem Blick auf Jesus Christus erwachsen kann. Katharina Hauser sprach im Rahmen unserer Adoratio-Interviewreihe mit ihm.

Die Fra­ge War­um lässt Gott Leid zu?“ bewegt vie­le Men­schen. Gibt es aus Ihrer Sicht über­haupt eine Ant­wort 
dar­auf, oder müs­sen wir ler­nen, mit die­ser Fra­ge zu leben?
Johann Bau­er: Die­se Fra­ge beschäf­tigt die Men­schen, seit es sie gibt bzw. seit sie an Gott glau­ben. In der jüdisch-christ­li­chen Tra­di­ti­on fin­den sich eini­ge Stel­len, die auf die­se boh­ren­de Fra­ge eine Ant­wort geben wol­len. Da heißt es im Schöp­fungs­be­richt, nach­dem sich Adam und Eva im Eigen­sinn und Unge­hor­sam gegen die Anord­nung Got­tes gestellt hat­ten: Adam bekam zu hören: Im Schwei­ße dei­nes Ange­sich­tes sollst du dein Brot essen“. Und Eva: Unter Schmer­zen gebierst du Kin­der“ (Gen 3,17ff.). Das Leben wird beschwer­lich, nicht, weil Gott es so geschaf­fen oder gewollt hät­te, son­dern weil der Mensch das ver­ur­sacht hat. Nicht Gott ist die Ursa­che des Lei­des, son­dern der sich auf­leh­nen­de und unge­hor­sa­me Mensch. Das Leid kommt nicht von Gott. Er ist nicht schuld an jenem Betriebs­un­fall“. Damit ist aber noch nicht die Fra­ge beant­wor­tet: War­um lässt er das alles zu? Die Ant­wort wird wohl in die­ser Rich­tung zu suchen sein: weil er kei­nen Men­schen zu etwas zwingt, auch nicht zu sei­nem Glück.

Info Icon Foto: privat
Pfarrer Johann Bauer.

Wir glau­ben an einen lie­ben­den Gott und erle­ben gleich­zei­tig Schmerz und Schwie­rig­kei­ten. Wie kann die­ser schein­ba­re Wider­spruch im Glau­ben aus­ge­hal­ten wer­den, ohne dass man dar­an zer­bricht?
Johann Bau­er: Es besteht in der Tat ein Wider­spruch zwi­schen dem lie­ben­den Gott und dem Leid des Men­schen. Er sieht ja unser Elend. War­um tut er nichts dage­gen? Aber tut er wirk­lich nichts dage­gen? Könn­te es nicht sein, dass er min­des­tens eben­so an unse­rer belas­te­ten Situa­ti­on lei­det (mensch­lich gespro­chen) wie der Mensch sel­ber. Viel­leicht denkt er weh­mü­tig dar­an, wie alles hät­te wer­den kön­nen, wenn der Mensch ihm nicht sein ursprüng­li­ches Kon­zept ver­dor­ben hät­te. Ein unbe­fan­ge­ner und tie­fer Blick in die Heils­ge­schich­te zeigt, dass er sehr wohl begon­nen hat, zu hei­len, was zer­bro­chen war. War­um die Hei­lung nicht in einem Akt und sofort und durch und durch mög­lich ist, wis­sen wir nicht. Der All­mäch­ti­ge hat mit Sicher­heit Grün­de dafür. Immer­hin erfah­ren wir am Ende des Buches der Gehei­men Offen­ba­rung den end­gül­ti­gen Plan Got­tes, wenn er sagt: Sie­he, ich mache alles neu!“ (Apk 21,5).

Der Blick auf Jesus Chris­tus spielt eine ent­schei­den­de Rol­le im Umgang mit dem Leid. Was zeigt uns sein Leben – und beson­ders sein Kreuz­weg – über Got­tes Ant­wort auf das Leid?
Johann Bau­er: Ange­sichts des Lei­des stellt jeder Mensch in der Regel die boh­ren­de Fra­ge: War­um? War­um trifft es gera­de mich? Ich habe doch nichts verbrochen.

Vie­len half in die­ser Situa­ti­on der gläu­bi­ge Blick auf Jesus Chris­tus und zwar auf den Gekreu­zig­ten. Von ihm wis­sen wir, dass er voll­kom­men unschul­dig von extre­mem Leid heim­ge­sucht wor­den ist. Er hat gesagt: Wer mein Jün­ger sein will, der ver­leug­ne sich selbst, neh­me sein Kreuz auf sich und fol­ge mir nach (Mt 16,24) Das ist eine Ein­la­dung, sein per­sön­li­ches Kreuz mit dem sei­nen zu ver­ei­ni­gen. Eine Lebens­er­fah­rung zeigt: Gemein­sam eine Freu­de zu erle­ben, ver­bin­det sehr. Gemein­sam etwas Schwe­res durch­zu­ste­hen, ver­bin­det noch mehr.

Vie­le Men­schen erle­ben per­sön­li­che Kreuz­we­ge“ im All­tag. Wie kann der Glau­be kon­kret hel­fen, sol­che Zei­ten nicht nur zu über­ste­hen, son­dern inner­lich dar­an zu wach­sen?
Johann Bau­er: Der Glau­be lehrt mich, ja er lädt mich ein, das per­sön­li­che leid­vol­le Schick­sal nicht nur als etwas zu sehen, von dem nur ich allein betrof­fen bin. Man kann es auch als Teil eines grö­ße­ren geist­li­chen Zusam­men­hangs sehen. Jesus hat sich am Kreuz geop­fert als Süh­ne für die Erlö­sung der gan­zen Welt. Er lädt uns ein, die­se Hal­tung auch zu ver­su­chen. Sie ist sehr anspruchs­voll. So, wie das Kreuz Jesu in einem tie­fen Sinn für vie­le ande­re zum Heil gewor­den ist, kann das auch mit dem Leid eines jeden Men­schen gesche­hen, wenn er es mit dem Leid Jesu ver­bin­det und in sei­ne Hin­ga­be hin­ein­legt: statt Auf­leh­nung gedul­di­ges Aufopfern.

Einen schwe­ren Weg zu gehen bis hin zu neu­er Hoff­nung, ist nicht ein­fach. Dabei kön­nen uns man­che Hei­li­ge hel­fen. Ihr Bei­spiel kann uns Mut machen: ihr Leben des Gebe­tes und ihre Wert­schät­zung der Eucharistie.”

Pfarrer Johann Bauer

Gibt es Erfah­run­gen oder Ein­sich­ten aus der Seel­sor­ge, die Ihnen gezeigt haben, wie Men­schen mit­ten im Leid neue Hoff­nung fin­den kön­nen?
Johann Bau­er: Einen schwe­ren Weg zu gehen bis hin zu neu­er Hoff­nung, ist nicht ein­fach. Dabei kön­nen uns man­che Hei­li­ge hel­fen. Ihr Bei­spiel kann uns Mut machen: ihr Leben des Gebe­tes und ihre Wert­schät­zung der Eucha­ris­tie. Die hei­li­ge Anna Schäf­fer hat auf die­sem Weg tie­fe Erfah­run­gen gesam­melt. Sie schreibt über die Zei­ten des Lei­dens: Wie kön­nen wir da die har­te Selbst­sucht bre­chen. Und in heil­sa­mer Zer­knir­schung dür­fen wir den­je­ni­gen beglei­ten, der selbst für uns so vie­le Ölberg­stun­den gelit­ten hat. Und mit Jesus in der hei­li­gen Kom­mu­ni­on ver­eint wird uns jede Last leicht. Und führt uns Jesus manch­mal in den Ölberg und lässt uns Stun­den der Angst, der Nie­der­ge­schla­gen­heit, der Bit­ter­keit und so man­che See­len­lei­den ver­kos­ten, so beten wir, wie es uns unser Meis­ter gelehrt hat. Im Gebet klärt und beru­higt sich das Inne­re. Im Gebet wer­den der Kum­mer und das Leid ver­edelt, gehei­ligt. Ein Gebet im Lei­den, in Trost­lo­sig­keit, in Tro­cken­heit, ein demü­ti­ges Gebet ist dem Herrn sehr wohlgefällig.“

Wenn jemand gera­de in einer schwe­ren Lebens­pha­se steckt und Gott als fern oder schwei­gend erlebt: Was wür­den Sie ihm oder ihr mit auf den Weg geben?
Johann Bau­er: Ich wür­de die­sem Men­schen raten, sich an die hl. Anna Schäf­fer zu wen­den, zum Bei­spiel eine Nove­ne zu ihr zu beten, oder die Got­tes­mut­ter als Schmer­zens­mut­ter anzu­ru­fen. Schließ­lich hat Jesus sel­ber sich ange­bo­ten: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwe­re Las­ten zu tra­gen habt. Ich wer­de euch Ruhe ver­schaf­fen.“ (Mt 11,28). Soll­ten prak­ti­sche Hil­fen mög­lich sein, kann man dar­auf hin­wei­sen. Geist­li­che Hil­fen sind immer mög­lich. Man kann einem bedrück­ten Men­schen sagen, dass man für ihn betet. Das ver­mit­telt ihm die Gewiss­heit, dass er in sei­ner Lage nicht allein ist.

Katharina
Hauser

Glaubensfest im Herzen Bayerns

Johann Bau­er war Pfar­rer in Min­del­stet­ten und wird bei Ado­ra­tio Alt­öt­ting vom 9. bis 11. Okto­ber einen Work­shop geben zum The­ma Gott und das Leid“. Beim Glau­bens­fest im Her­zen Bay­erns gibt es außer­dem Vor­trä­ge von Autor Tobi­as Haberl, Prof. Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz und Bischof Ste­fan Oster SDB, zahl­rei­che wei­te­re Work­shops, Gebets­aben­de und eine Lich­ter­pro­zes­si­on um die Gna­den­ka­pel­le. Gläu­bi­ge aus dem Bis­tum Pas­sau zah­len für das Ticket nur die Hälf­te. Infos und Anmel­dung unter: www​.ado​ra​tio​-alt​oet​ting​.de 

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