Es war in gewisser Weise ein Kairos, der die Einrichtung eines Fachreferats für Bibelpastoral 1991 ermöglichte. Der damalige Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Max Huber nahm Anstöße aus verschiedenen Richtungen auf. Für die Pastoral der Zukunft setzte man zunehmend auf das Engagement von ehrenamtlichen Laien. Dafür brauchte es grundlegende theologische und biblische Bildung.
Zu den Pastoraltagungen 1990 wurde als Hauptreferent der damalige Direktor des Katholischen Bibelwerks e.V., Dr. Franz-Josef Ortkemper, eingeladen. Er konnte die Verantwortlichen überzeugen. Ein Jahr später wurde Pastoralreferent Josef Veit mit einer halben Stelle zum Leiter des neu gegründeten Passauer Bibelreferats bestellt.
Bibelreferat
Das ist nun 35 Jahre her. Josef Veit wechselte im Jahr 2010 in das Referat Ehe und Familie und ist inzwischen im Ruhestand. Seine Nachfolgerin Dr. Andrea Pichlmeier leitet das Referat ihrerseits bereits seit 16 Jahren, und das Passauer Bibelreferat hat sich in den 35 Jahren seines Bestehens immer wieder gewandelt, wandeln müssen.
Prägend waren in den Anfangsjahren die „Grundkurse“ zum Alten und Neuen Testament. Insgesamt 16 Wochenenden verbrachten die Gruppen im Lauf von vier Jahren miteinander, um die Bibel zu erkunden und dabei einander und Gott neu zu begegnen.
Es gab „Bibeljahre“, in denen die gesamte Kirche verstärkt auf Bibelpastoral setzte: Eine Bibelausstellung wurde entwickelt, biblische Erzählfiguren (die in Handarbeit herzustellen waren) eroberten Kindergottesdienste und Klassenräume. Und es wurden Reisen in Länder der Bibel unternommen. Alle diese Angebote hinterließen bleibende Eindrücke und lebendige Erinnerungen in den Teilnehmern und Teilnehmerinnen.
Die Zugänge zur Bibel sind zahlreich und kaum zu überblicken. In Passau legte man Wert darauf, die Bibel mit Herz und Verstand kennenzulernen und sie mit dem eigenen Leben zu verbinden. In den 1990er Jahren nahmen Josef Veit und Andrea Pichlmeier an einer zweijährigen Fortbildung zum Bibliodrama in Freising teil. Eine „vereinfachte“ Form des Bibliodramas bietet der Bibliolog, den eine Reihe von pastoralen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Diözese bei einer Fortbildung im Haus Spectrum Kirche kennenlernen konnten und bei verschiedenen Gelegenheiten einsetzen.
Gravierende Einschnitte in der Gesellschaft hinterließen ihre Spuren auch im Bibelreferat. Als 2015 zahlreiche Migranten aus den arabischen Bürgerkriegsländern nach Deutschland kamen, stellen viele die Frage nach dem Islam. Unsicherheit machte sich breit, und das Bibelreferat setzte sich intensiv mit dem Verhältnis von Bibel und Koran und dabei vor allem mit der Bedeutung der Person Jesu im Islam auseinander. Vorträge der Bibelreferentin zu diesem Thema wurden häufig angefragt.
Bibelreferat
Wenige Jahre später kam die Pandemie und brachte das bibelpastorale Leben zunächst zu einem Stillstand. Neue Formen der Begegnung wurden notwendig, die Bibelpastoral tastete sich in die digitale Welt hinein. Dr. Andrea Pichlmeier produzierte wöchentliche Videokatechesen mit der Passauer Sonntagsbibel, die Lectio divina (geistliche Schriftlesung), erwies sich auch online als fruchtbar. Kleine Gruppen trafen sich in Videocalls, um sich über biblische Texte auszutauschen, und manches davon hat sich bis heute erhalten.
Ein „Zurück“ zu früheren Zeiten gab es nach der Pandemie nicht mehr. Zu vieles hatte sich verändert, auch die Lebenswelten der Menschen, die Formen von Spiritualität und Glaube, die Kirche als ganze. Alles das spiegelt sich in der Arbeit des Bibelreferats. Die Frage nach dem christlichen Menschenbild und nach der Verantwortung von Christen in der Gesellschaft stellt sich zunehmend schärfer. Während „klassische“ Formate der biblischen Bildung eher in den Hintergrund treten, sieht sich das Bibelreferat gerufen, herauszutreten aus den bewährten Feldern und vor Ort, in den neuen Pastoralen Räumen unterstützend, begleitend und inspirierend wirksam zu werden. Dazu braucht es kompetente Verantwortliche, aber auch zahlreiche engagierte Mitwirkende.
An diesem Übergang steht nun das Bibelreferat, und die Bibelreferentin nutzte den „Kairos“ dieses 35. Referatsgeburtstags, um zurückzublicken und das Geschenk einer reichen Ernte zu feiern, um damit zugleich Haupt- und Ehrenamtliche für die Zukunft einer professionellen Bibelpastoral in der Diözese Passau zu motivieren. Und es war in der Tat eine motivierende Feier, an der rund 60 in der Bibelpastoral Engagierte teilnahmen. Die Wiedersehensfreue war groß, Erinnerungen wurden ausgetauscht, und beim gemeinsamen Gesang in der Andacht und bei Festakt spürte man: Hier ist über die Jahre eine echte Gemeinschaft entstanden.
Bibelreferat
Bischof Stefan Oster, der nicht an der Jubiläumsfeier teilnehmen konnte, stellte in seinem von Thomas Weggartner verlesenen Grußwort fest: „Unser Bibelreferat hat sich dies zur Aufgabe gemacht: Menschen zu begeistern für das Lesen und Beten des Wortes Gotte, sie zugleich bei ihrem Studium der Heiligen Schrift kompetent zu unterstützen und wertvolle Impulse zu geben für ihr Glaubensleben.“ Denn das Wort Gottes, so der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge – Evangelisierung – Bildung Dr. Hans Bauernfeind in seinem Grußwort, habe es so an sich, dass es wirkt, dass es nicht spurlos vorübergeht, „ja dass es vielmehr vorangeht, von sich aus leuchtet und im Leben weiterführt“. Darauf dürfen alle in der Bibelpastoral Tätigen vertrauen. red/ap



