Unsere Priester und ihre ungewöhnlichen Hobbys: An dieser Stelle im Bistumsblatt lassen wir Seelsorger über Gott und die Welt und ihre Hobbys zu Wort kommen. Heute erzählt Rupert Wimmer, Pfarrer im Pfarrverband Schönau (Dekanat Pfarrkirchen) über sein musikalisches Hobby.
Aber von wegen Erzählen. Der Seelsorger hat seine Drehorgel schon im Pfarrsaal bereitgestellt. Für eine Kostprobe wählt er die Nummer des gewünschten Stückes, fängt an zu drehen – und schon entlockt er dem wunderschönen Instrument die Melodie von „Let it be“. Doch damit nicht genug. Rupert Wimmer spielt gleichzeitig mit der Trompete. Das ist ein Erlebnis – zum Zuhören und Zuschauen! Sein Repertoire reicht von „Pippi Langstrumpf“ über „Rote Lippen soll man küssen“ bis zu seinem Lieblingslied „The Rose“ von Bette Midler.
„Diese Drehorgel hab‘ ich mir vor zehn Jahren angeschafft. Vorher hatte ich schon eine andere mit Lochstreifen, also Papierbändern, das war ein bisschen aufwendiger“, erzählt der Pfarrer. „Mir hat gefallen, dass man da alleine Musik machen konnte – und zwar eine lebendige Musik, nicht aus der Konserve. Wenn man schnell dreht, ist die Musik schneller und wenn Leute mitsingen, muss man sich danach richten.“ Dann habe er mitbekommen, dass es auch Drehorgeln gibt, die elektronisch gesteuert werden: „Der Hersteller ist die Firma Deleika in Dinkelsbühl. Da bin ich hingefahren und habe entschieden, diese Drehorgel zu kaufen.“
Foto: Uschi Friedenberger
Ausschlaggebend sei natürlich sein Interesse für Musik gewesen: „An dem Instrument hat mich fasziniert, dass es relativ leicht und stressfrei zu spielen ist. Man muss sich also nicht großartig konzentrieren und kann doch in einem bestimmten Rahmen – wenn’s passt – eine gute Stimmung machen.“
Wann kommt die Drehorgel nun zum Einsatz? „Ganz selten, muss ich gleich dazusagen“, meint der Schönauer Pfarrer. „Zwei- oder dreimal im Jahr. Das letzte Mal bin ich in Jägerndorf auf dem Dorfplatz aufgetreten, als wir die Kirchenrenovierung abgeschlossen haben. Und in dem Rahmen hat das ganz gut gepasst. Oder als wir vor zwei Jahren eine große Fahrzeugsegnung hatten, hab‘ ich bei dem Fest Jahrmarktmusik gemacht.“
Wenn der Pfarrer mit seiner Drehorgel auf einem Fest loslegt, ist das natürlich ein Hingucker. „Die Kinder dürfen kurbeln und stellen fest, wenn man stehen bleibt, bleibt auch die Musik stehen“, schmunzelt der Pfarrer. Man müsse schon gleichmäßig kurbeln. „Den Leuten gefällt die große Liedauswahl. Ich habe eine Liste mit aktuell 800 Liedern drauf. Das könnte man noch erweitern. Zum Repertoire gehören Schlager, Volkslieder, klassische Lieder, Kirchenlieder und moderne Stücke.“
Der Schönauer Pfarrer ist vielseitig. Auch als Hobby-Schreiner ist er ringsum bekannt. „Das Erste, was ich mir in meinem Leben gekauft habe, war eine Stichsäge – in der 2. Klasse, mit dem ersten Geld, das ich hatte“, blickt er schmunzelnd zurück. Auch sein Vater, der zwar kein Handwerker war, sei sehr vielseitig gewesen. „Wir hatten eine komplette Werkstatt zu Hause, so bin ich aufgewachsen. Das ist mir in die Wiege gelegt worden. Drum schätze ich es auch sehr, was Handwerker leisten.“
Und noch etwas wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: sein Glaube. „Ich komme aus Altötting, aus einem sehr christlichen Elternhaus und das Geschehen am Wallfahrtsort hat mich mitgeprägt. Ich hab‘ total gern ministriert, war sehr gern in der Heiligen Kapelle und habe in Altötting auch in der Blaskapelle mitgespielt. So bin ich mit der Musik und der Wallfahrt in Berührung gekommen.“
Schon sehr früh habe der kleine Rupert dann gesagt, dass er Missionar werden will. „Nun ist es zwar nicht ganz so spektakulär geworden, aber – ja – Pfarrer wollte ich immer schon werden!“
Ob er Hobbys und Beruf verbinden kann? Beim „Basteln mit Holz“, wie Pfarrer Wimmer es nennt, geht das schon mal sehr gut: „Zum Beispiel bekommt jedes Kind bei der Taufe von mir ein selbstgemachtes Handschmeichlerkreuz mit eingebranntem Namen und Datum der Taufe.“ Und auch bei der Musik: „Natürlich, wenn eine Zusammenkunft von Menschen oder ein Fest ansteht und der Pfarrer macht die Musik – das freut die Leute schon.“
Pfarrer Rupert Wimmer muss aber einräumen: „Zeit für die Hobbys habe ich nicht viel. Für mich ist der Priesterberuf der schönste Beruf, vielseitiger geht’s nicht. Das gibt mir so viel. Darum lasse ich die Hobbys in der zweiten Reihe!“
Wer aber garantiert nicht in der zweiten Reihe sitzt, ist Rupert Wimmers Freundin Betti, die Mitbewohnerin im Pfarrhaus. Da gerät der Pfarrer ins Schwärmen: „Betti ist eine ganz feine, brave, schöne Katze, die ich seit sechs Jahren habe. Sie hat ein zurückhaltendes, aber sehr einfühlsames Wesen und begrüßt mich immer, wenn ich heimkomme.“
Das alles klingt nach einem durch und durch zufriedenen Schönauer Pfarrer? Rupert Wimmer: „Im Jahr 2023 bin ich in Schönau eingezogen und habe mich ziemlich schnell eingelebt. Hier lässt es sich sehr gut leben. Ich genieße das Leben auf dem Land, mag den Menschenschlag hier, bin ein Dorfpfarrer. Hier gibt es noch tolle Dorfgemeinschaften. Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich hier meinen Dienst tun darf für das Heil der Menschen und zu Seiner Ehre!“ Zum Abschied gibt es von Pfarrer Wimmer noch ein besonderes Ständchen: „Großer Gott, wir loben dich!“, mit Kuhglocken gespielt – und ein letztes Miau von Betti.
Ursula
Friedenberger
Redakteurin



