Bistum

Pfarrer hat den Dreh raus

Redaktion am 26.10.2026

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Rupert Wimmer, Seelsorger in Schönau, mit seiner Katze Betti.

Unsere Priester und ihre Hobbys: Rupert Wimmer, Seelsorger in Schönau, kann etwas, was ihm so schnell keiner nachmacht: Er spielt gleichzeitig Drehorgel und Trompete.

Unse­re Pries­ter und ihre unge­wöhn­li­chen Hob­bys: An die­ser Stel­le im Bis­tums­blatt las­sen wir Seel­sor­ger über Gott und die Welt und ihre Hob­bys zu Wort kom­men. Heu­te erzählt Rupert Wim­mer, Pfar­rer im Pfarr­ver­band Schön­au (Deka­nat Pfarr­kir­chen) über sein musi­ka­li­sches Hobby.

Aber von wegen Erzäh­len. Der Seel­sor­ger hat sei­ne Dreh­or­gel schon im Pfarr­saal bereit­ge­stellt. Für eine Kost­pro­be wählt er die Num­mer des gewünsch­ten Stü­ckes, fängt an zu dre­hen – und schon ent­lockt er dem wun­der­schö­nen Instru­ment die Melo­die von ​„Let it be“. Doch damit nicht genug. Rupert Wim­mer spielt gleich­zei­tig mit der Trom­pe­te. Das ist ein Erleb­nis – zum Zuhö­ren und Zuschau­en! Sein Reper­toire reicht von ​„Pip­pi Lang­strumpf“ über ​„Rote Lip­pen soll man küs­sen“ bis zu sei­nem Lieb­lings­lied ​„The Rose“ von Bet­te Midler.

„Die­se Dreh­or­gel hab‘ ich mir vor zehn Jah­ren ange­schafft. Vor­her hat­te ich schon eine ande­re mit Loch­strei­fen, also Papier­bän­dern, das war ein biss­chen auf­wen­di­ger“, erzählt der Pfar­rer. ​„Mir hat gefal­len, dass man da allei­ne Musik machen konn­te – und zwar eine leben­di­ge Musik, nicht aus der Kon­ser­ve. Wenn man schnell dreht, ist die Musik schnel­ler und wenn Leu­te mit­sin­gen, muss man sich danach rich­ten.“ Dann habe er mit­be­kom­men, dass es auch Dreh­or­geln gibt, die elek­tro­nisch gesteu­ert wer­den: ​„Der Her­stel­ler ist die Fir­ma Delei­ka in Din­kels­bühl. Da bin ich hin­ge­fah­ren und habe ent­schie­den, die­se Dreh­or­gel zu kaufen.“

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Ein Hingucker: Der Schönauer Pfarrer Rupert Wimmer spielt gleichzeitig Drehorgel und Trompete. Musikalisches Markenzeichen für den Fototermin waren die Hosenträger mit Musiknoten.

Aus­schlag­ge­bend sei natür­lich sein Inter­es­se für Musik gewe­sen: ​„An dem Instru­ment hat mich fas­zi­niert, dass es rela­tiv leicht und stress­frei zu spie­len ist. Man muss sich also nicht groß­ar­tig kon­zen­trie­ren und kann doch in einem bestimm­ten Rah­men – wenn’s passt – eine gute Stim­mung machen.“

Wann kommt die Dreh­or­gel nun zum Ein­satz? ​„Ganz sel­ten, muss ich gleich dazu­sa­gen“, meint der Schö­nau­er Pfar­rer. ​„Zwei- oder drei­mal im Jahr. Das letz­te Mal bin ich in Jägern­dorf auf dem Dorf­platz auf­ge­tre­ten, als wir die Kir­chen­re­no­vie­rung abge­schlos­sen haben. Und in dem Rah­men hat das ganz gut gepasst. Oder als wir vor zwei Jah­ren eine gro­ße Fahr­zeug­seg­nung hat­ten, hab‘ ich bei dem Fest Jahr­markt­mu­sik gemacht.“

Wenn der Pfar­rer mit sei­ner Dreh­or­gel auf einem Fest los­legt, ist das natür­lich ein Hin­gu­cker. ​„Die Kin­der dür­fen kur­beln und stel­len fest, wenn man ste­hen bleibt, bleibt auch die Musik ste­hen“, schmun­zelt der Pfar­rer. Man müs­se schon gleich­mä­ßig kur­beln. ​„Den Leu­ten gefällt die gro­ße Lied­aus­wahl. Ich habe eine Lis­te mit aktu­ell 800 Lie­dern drauf. Das könn­te man noch erwei­tern. Zum Reper­toire gehö­ren Schla­ger, Volks­lie­der, klas­si­sche Lie­der, Kir­chen­lie­der und moder­ne Stücke.“

Der Schö­nau­er Pfar­rer ist viel­sei­tig. Auch als Hob­by-Schrei­ner ist er rings­um bekannt. ​„Das Ers­te, was ich mir in mei­nem Leben gekauft habe, war eine Stich­sä­ge – in der 2. Klas­se, mit dem ers­ten Geld, das ich hat­te“, blickt er schmun­zelnd zurück. Auch sein Vater, der zwar kein Hand­wer­ker war, sei sehr viel­sei­tig gewe­sen. ​„Wir hat­ten eine kom­plet­te Werk­statt zu Hau­se, so bin ich auf­ge­wach­sen. Das ist mir in die Wie­ge gelegt wor­den. Drum schät­ze ich es auch sehr, was Hand­wer­ker leisten.“

Und noch etwas wur­de ihm qua­si in die Wie­ge gelegt: sein Glau­be. ​„Ich kom­me aus Alt­öt­ting, aus einem sehr christ­li­chen Eltern­haus und das Gesche­hen am Wall­fahrts­ort hat mich mit­ge­prägt. Ich hab‘ total gern minis­triert, war sehr gern in der Hei­li­gen Kapel­le und habe in Alt­öt­ting auch in der Blas­ka­pel­le mit­ge­spielt. So bin ich mit der Musik und der Wall­fahrt in Berüh­rung gekommen.“

Schon sehr früh habe der klei­ne Rupert dann gesagt, dass er Mis­sio­nar wer­den will. ​„Nun ist es zwar nicht ganz so spek­ta­ku­lär gewor­den, aber – ja – Pfar­rer woll­te ich immer schon werden!“

Ob er Hob­bys und Beruf ver­bin­den kann? Beim ​„Bas­teln mit Holz“, wie Pfar­rer Wim­mer es nennt, geht das schon mal sehr gut: ​„Zum Bei­spiel bekommt jedes Kind bei der Tau­fe von mir ein selbst­ge­mach­tes Hand­schmeich­ler­kreuz mit ein­ge­brann­tem Namen und Datum der Tau­fe.“ Und auch bei der Musik: ​„Natür­lich, wenn eine Zusam­men­kunft von Men­schen oder ein Fest ansteht und der Pfar­rer macht die Musik – das freut die Leu­te schon.“

Pfar­rer Rupert Wim­mer muss aber ein­räu­men: ​„Zeit für die Hob­bys habe ich nicht viel. Für mich ist der Pries­ter­be­ruf der schöns­te Beruf, viel­sei­ti­ger geht’s nicht. Das gibt mir so viel. Dar­um las­se ich die Hob­bys in der zwei­ten Reihe!“

Wer aber garan­tiert nicht in der zwei­ten Rei­he sitzt, ist Rupert Wim­mers Freun­din Bet­ti, die Mit­be­woh­ne­rin im Pfarr­haus. Da gerät der Pfar­rer ins Schwär­men: ​„Bet­ti ist eine ganz fei­ne, bra­ve, schö­ne Kat­ze, die ich seit sechs Jah­ren habe. Sie hat ein zurück­hal­ten­des, aber sehr ein­fühl­sa­mes Wesen und begrüßt mich immer, wenn ich heimkomme.“

Das alles klingt nach einem durch und durch zufrie­de­nen Schö­nau­er Pfar­rer? Rupert Wim­mer: ​„Im Jahr 2023 bin ich in Schön­au ein­ge­zo­gen und habe mich ziem­lich schnell ein­ge­lebt. Hier lässt es sich sehr gut leben. Ich genie­ße das Leben auf dem Land, mag den Men­schen­schlag hier, bin ein Dorf­pfar­rer. Hier gibt es noch tol­le Dorf­ge­mein­schaf­ten. Ich bin Gott sehr dank­bar, dass ich hier mei­nen Dienst tun darf für das Heil der Men­schen und zu Sei­ner Ehre!“ Zum Abschied gibt es von Pfar­rer Wim­mer noch ein beson­de­res Ständ­chen: ​„Gro­ßer Gott, wir loben dich!“, mit Kuh­glo­cken gespielt – und ein letz­tes Miau von Betti.

Ursula
Friedenberger

Redakteurin

Weitere Nachrichten

Bistum
31.08.2026

Ja – er ist mit dem Radl da!

Aus unserer Serie „Unsere Priester und ihre Hobbys“: Hans Striedl tritt jeden Tag in die Pedale

Bistum
21.04.2026

In Bewegung bleiben

Geburtsjahrgang 1930: Geistlicher Rat Willibald Nigl ist mit 95 Jahren ältester Priester in der Diözese –…

Bistum
23.03.2026

Zwischen Himmel und Erde

Vogel-Experte und großer Naturfreund: Pfarrer Heinrich Blömecke ist weitum bekannt als Kenner der heimischen…

Mit dem Fernglas unterwegs: Pfarrer Heinrich Blömecke.
Bistum
02.03.2026

Der indische Waidler

Gipfelerlebnis zum Sonnenaufgang: Hohenaus Pfarrer David Raj Savarimuthu liebt das Wandern auf die Berge des…

Der Sonnenaufgang auf dem Lusen ist für Pfarrer David Savarimuthu jedes Mal faszinierend.