Wer kommt denn da so flott und gut gelaunt daher geradelt? Es ist der 82-jährige Dompropst em. Hans Striedl mit seinem E‑Bike. Das Gefährt ist sein lieber Begleiter auf zahlreichen kurzen und längeren Touren. Er schmunzelt: „Früher hatte ich ein eher primitives Alltagsradl. Und meine Hauzenberger Radfreunde haben dann schon gestöhnt, wenn ich wieder mit meinem alten Karren dazugekommen bin.“ Deshalb habe er sich vor zwei Jahren ein modernes Trekking-Rad mit breiten, griffigen Reifen und einem guten Akku gekauft, so dass er es jetzt zum Beispiel nach Altötting ohne ständiges Aufladen schafft.
An dieser Stelle im Bistumsblatt lassen wir unsere Priester über Gott und die Welt und ihre Hobbys zu Wort kommen. Heute erzählt der frühere Dompropst Hans Striedl über seine Leidenschaft, das Radfahren: „Erst als ich 2003 nach Passau gekommen bin, habe ich so richtig meine Liebe zum Radfahren entdeckt. Die Jahre vorher in den Pfarreien draußen standen andere Hobbys wie das Bergsteigen im Mittelpunkt. Der Drang zum Radfahren ist dann mit jedem Jahr intensiver geworden, weil ich gemerkt habe, das Radeln tut auch der Gesundheit gut und bringt mich wieder in Schwung. Das Gehen ist ja doch von Jahr zu Jahr ein bisschen müsamer geworden. Und beim Radfahren merke ich nichts, da werde ich immer aktiver. Da kann ich abends sagen, heut hab ich mich wieder ein bisserl geschunden. Das tut mir gut!“ Und so habe er sich direkt vorgenommen, wenn das Wetter halbwegs mitspielt, sich jeden Tag wenigstens für eine Stunde aufs Zweirad zu schwingen: „Das Radeln ist aber für mich mehr als nur Sport oder Bewegung an der frischen Luft. Ich entdecke immer wieder etwas Neues, ein Wegkreuz zum Beispiel oder einen besonders schönen Baum. Und dann staune ich immer wieder aufs Neue über Gottes schöne Welt!“
Foto: Uschi Friedenberger
Heute absolviert er eine seiner Lieblingsrunden: „Da geht‘s von Passau raus über die Oberilzmühle, Straßkirchen nach Tannöd. Dann rüber nach Büchlberg, wo ich mir in einer Pizzeria zwei Kugeln Haselnuss-Eis genehmige und dann geht‘s weiter über Mitterbrünst und Thyrnau und über die Sportanlagen von Grubweg und den Klosterberg wieder runter in die Stadt Passau.“ Für diese Tour nehme er sich dann schon mal drei bis vier Stunden Zeit: „Ich bin kein Radfahrer, der Kilometer runterdreschen will, ich mag ja auch Zeit zum Verweilen, die Landschaft genießen und unterwegs Leute treffen oder Besuche machen.“
Einen Zwischenstopp gibt’s immer im Naturfriedhof Tannöd bei Büchlberg – und das aus gutem Grund: „Seit ich einige Beerdigungen hier gehalten habe von Menschen, die mir viel bedeutet haben, ist mir dieser Ort sehr wichtig geworden. Da kann ich dann an die Grabstellen gehen, ein kurzes Gebet sprechen. Und ich entdecke in dieser wunderschönen Anlage hier immer wieder etwas Neues“. Wenn er mit den Radfreunden aus Hauzenberg unterwegs ist, führen die Fahrten zum Beispiel an der Donau entlang zur Schlögener Schlinge mit einer schönen Einkehr, denn Geselligkeit sei ja auch wichtig. Längere Touren führen zum Beispiel nach Südtirol oder ins Allgäu.
Aufgewachsen ist Hans Striedl mit neun Geschwistern in Otterskirchen. Er war von den sieben Buben der Jüngste. 1970 wurde er zum Priester geweiht, war Kaplan in Hauzenberg, dann Pfarrer in Frauenau, Passau-Grubweg und Vilshofen.
2003 führte ihn sein Weg nach 33 Berufsjahren draußen in den Pfarreien zurück nach Passau, wo er 2005 ins Domkapitel aufgenommen wurde. Ab 2009 wirkte er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2014 als Dompropst und als Personalreferent. „Da wollte ich vor allem Brückenbauer sein und immer wieder zur Verständigung beitragen“, so Hans Striedl.
Sein Wunsch für die Zukunft? „Ich würde einfach den Herrgott bitten, dass ich mich noch lange immer wieder aufs Radl schwingen kann, in der herrlichen Natur und mit Freunden unterwegs sein kann zu schönen Zielen. Ich möchte halt nicht vereinsamen, sondern immer noch unter den Leuten sein können. Das wäre mein Wunsch!“
Ursula
Friedenberger
Redakteurin



