Foto: Uschi Friedenberger
Gipfelerlebnis zum Sonnenaufgang: Hohenaus Pfarrer David Raj Savarimuthu liebt das Wandern auf die Berge des Bayerischen Waldes. Wir begleiteten ihn in aller Frühe auf seinem Weg zum Lusen-Gipfel.
Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. Und was kann mehr fesseln als Geschichten über Menschen, die Interessantes zu erzählen haben? Wir lassen an dieser Stelle unsere Priester über Gott und die Welt und ihre interessanten Hobbys berichten. Heute kommt David Raj Savarimuthu zu Wort. Wir begleiteten den Seelsorger im Pfarrverband Hohenau und Schönbrunn am Lusen bei einer Wanderung auf den 1373 Meter hoch gelegenen Lusen. In freier Natur unterwegs zu sein, das ist die Leidenschaft von David Savarimuthu.
Bei Dunkelheit starten wir die Wanderung um 6.08 Uhr beim Wanderparkplatz in Waldhäuser. An diesem sternenklaren, frischen Wintermorgen geht es auf dem schneebedeckten Weg erst gemächlich bergauf. Wir wählen den Sommerweg vorbei an der Glasarche.
Unterwegs unterhalten wir uns über Gott und die Welt. Dabei wird deutlich: David Savarimuthu ist ein unglaublich lebensfroher, optimistischer Mensch. „Ich fühle mich so getragen und angenommen von den Menschen im Bayerischen Wald. So war das schon in meinem früheren Pfarrverband in Regen und jetzt in Hohenau ist es genauso“, meint der „indische Waidler“, der super deutsch spricht und auch bayerisch versteht, dankbar. Als sein liebstes Hobby bezeichnet er das Wandern: „Wenn ich Freizeit habe, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist, ziehe ich meine Wanderschuhe an und dabei bekomme ich frische Gedanken und frische Luft!“ Auf den kleinen Touren rund um Hohenau ist er meist allein unterwegs. Oft wandert er aber auch – so wie heute – zusammen mit seinem Sportskameraden Josef Hilgart, dem Hausmeister der Pfarrkirche Schönbrunn am Lusen. „Die ursprüngliche Idee fürs Bergsteigen kommt übrigens aus der Bibel von den Psalmen“, erläutert der Pfarrer. „Auf den Berg zu steigen und Lobpreis zu singen – das ist mit der Bibel verbunden.“
Auf den Werdegang angesprochen, kommt die Rede auf seine Heimat Indien: „Ich komme aus dem indischen Bundesland Tamil Nadu, einem Nachbarland von Kerala, aus dem viele Priester hier in Europa Dienst tun. Mein Geburtsort Pandaravilai zählt nur 560 Katholiken. Wir haben dort vor elf Jahren eine eigene Kirche und einen Gemeindesaal gebaut.“
Foto: Uschi Friedenberger
Den Geistlichen freut es besonders, dass die Menschen in seinem früheren Pfarrverband Regen und im jetzigen Pfarrverband Hohenau die Bauprojekte in seiner indischen Heimat großzügig unterstützen.
Aufgewachsen ist er mit drei Geschwistern in diesem kleinen Ort, in dem das tägliche Rosenkranz-Gebet Pflicht war. Seine Eltern leben nicht mehr, aber zu seinen Geschwistern unterhält er immer noch einen guten Kontakt. Die Zeit von längeren Aufenthalten in Indien sei allerdings vorbei: „Weil ich nun schon 20 Jahre im Bayerischen Wald lebe, vertrage ich das Wetter in Indien nicht mehr. Wenn ich nach Indien fliege, geht das für drei, vier Tage gut, aber immer ruft mich dann mein Herz zurück in den Bayerischen Wald, in meine zweite Heimat.“
Priester zu werden, sei übrigens nicht sein ursprünglicher Plan gewesen, so David Savarimuthu: „Aber meine Mama hat jeden Tag Rosenkranz gebetet und einmal in der Woche gefastet, damit einer ihrer Söhne Priester wird. Sie dachte eigentlich an den ältesten, aber dann bin ich es geworden, der jüngste.“ Während seiner Ausbildung im Priesterseminar sei er mit vielen Missionaren aus Europa zusammengekommen. „Damals habe ich angefangen davon zu träumen, Europa zu besuchen. Als dann 2004 der Tsunami gekommen ist, ist unsere Diözese sehr arm geworden. Der damalige Passauer Bischof Wilhelm Schraml hat Geld geschickt und im Gegenzug um die Unterstützung indischer Priester in der Diözese Passau gebeten. So bin ich am 28. August 2006 nach Regen gekommen, habe erstmal einen intensiven Deutschkurs absolviert, war bis 2016 als Kaplan und Pfarrvikar in Regen und Langdorf und ab 2016 bis heute als Pfarradministrator und Pfarrer im Pfarrverband Hohenau und Schönbrunn.“
Auf die Frage nach einem möglichen Kulturschock bei seiner Ankunft in Deutschland antwortet David Savarimuthu: „Gefallen hat mir von Anfang an die Tradition, dass die Leute hier länger zusammensitzen, zum Beispiel den Fasching feiern. Gesellschaft ist mir wichtig, ich bin kein Einzelgänger. Schade finde ich es, wenn ich vor leeren Kirchenbänken ‚Der Herr sei mit euch!‘ sagen muss. Und ich kann noch immer nicht glauben, dass es hier in der Fastenzeit, in der Vorbereitung auf Ostern, Starkbier gibt. Wenn Leute an der Karfreitags-Liturgie nicht teilnehmen und an diesem Tag zum Beispiel Holz machen, kann ich das auch nicht verstehen.“
An das für ihn zunächst ungewohnte traditionelle bayerische Essen habe er sich dagegen längst gewöhnt: „Meine Lieblingsgerichte sind Schweinebraten mit Reiberknödel, Surbraten, Schnitzel mit Pommes und Gemüseauflauf. Milchreis ist das einzige, was ich nicht mag, schon seit meiner Kindheit. Krapfen sind mir lieber ohne Rosinen. Meine Lieblingskrapfen gibt’s im Finsterauer Freilichtmuseum. I hob dort einmal vier Stück gegessen, so frisch war des!“, schwärmt er lachend auf bayerisch. Im Freundeskreis koche er dagegen indisch, zum Beispiel gebratenen Reis mit Rindfleisch und Gemüse.
Foto: privat
Wir kommen gut vorwärts. Unser Weg führt vorbei an der Glasarche. Der Wegweiser zeigt an, dass es von hier weg noch etwa eine Stunde bis zum Gipfel dauert. Dann führt der Weg heraus aus dem Wald und der Lusen mit dem Gipfelkreuz ist in Sicht. Das Ziel bereits vor Augen kommt jetzt aber erst der anstrengendste Teil. Über die Himmelsleiter geht es das letzte Stück hinauf. Auf dieser vereisten, glatten, steil ansteigenden Steintreppe geht heute ohne Spikes nichts.
Geschafft: Um 7.18 Uhr sind wir beim Gipfelkreuz. Punktlandung: Während wir noch staunend den herrlichen Ausblick ringsherum und bis in die Alpen genießen, geht die Sonne auf. Ein heiliger Moment.
Der „indische Waidler“ steht wie jedesmal staunend da, taucht ein in dieses prächtige Naturschauspiel. „Wenn ich oben bin, genieße ich die herrliche Natur, die Ruhe. Den Sonnenaufgang auf dem Lusen erlebe ich jedes Mal anders. Es ist immer eine andere Atmosphäre. Aber es ist jedes Mal faszinierend“, sagt der Hohenauer Pfarrer – ergriffen von der Schönheit der Schöpfung.
Nach einer Weile wird die Brotzeit ausgepackt. Und ein paar Fotos wollen wir natürlich auch noch machen.
Pfarrer David Savarimuthu postet eine stimmungsvolle Aufnahme mit dem Text „Grüße vom Lusen“ auf Facebook. Er weiß, dass viele Freunde auf diese Weise mit dabei sind. Ein neuer Morgen ist angebrochen. Schöner hätte er nicht beginnen können.
Ursula
Friedenberger
Redakteurin



