Bistum

Der indische Waidler

Redaktion am 02.03.2026

Der Sonnenaufgang auf dem Lusen ist für Pfarrer David Savarimuthu jedes Mal faszinierend. Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Der Sonnenaufgang auf dem Lusen ist für Pfarrer David Savarimuthu jedes Mal faszinierend.

Gipfelerlebnis zum Sonnenaufgang: Hohenaus Pfarrer David Raj Savarimuthu liebt das Wandern auf die Berge des Bayerischen Waldes. Wir begleiteten ihn in aller Frühe auf seinem Weg zum Lusen-Gipfel.

Die schöns­ten Geschich­ten schreibt das Leben. Und was kann mehr fes­seln als Geschich­ten über Men­schen, die Inter­es­san­tes zu erzäh­len haben? Wir las­sen an die­ser Stel­le unse­re Pries­ter über Gott und die Welt und ihre inter­es­san­ten Hob­bys berich­ten. Heu­te kommt David Raj Sava­ri­mut­hu zu Wort. Wir beglei­te­ten den Seel­sor­ger im Pfarr­ver­band Hohen­au und Schön­brunn am Lusen bei einer Wan­de­rung auf den 1373 Meter hoch gele­ge­nen Lusen. In frei­er Natur unter­wegs zu sein, das ist die Lei­den­schaft von David Savarimuthu.

Bei Dun­kel­heit star­ten wir die Wan­de­rung um 6.08 Uhr beim Wan­der­park­platz in Wald­häu­ser. An die­sem ster­nen­kla­ren, fri­schen Win­ter­mor­gen geht es auf dem schnee­be­deck­ten Weg erst gemäch­lich berg­auf. Wir wäh­len den Som­mer­weg vor­bei an der Glasarche.

Unter­wegs unter­hal­ten wir uns über Gott und die Welt. Dabei wird deut­lich: David Sava­ri­mut­hu ist ein unglaub­lich lebens­fro­her, opti­mis­ti­scher Mensch. Ich füh­le mich so getra­gen und ange­nom­men von den Men­schen im Baye­ri­schen Wald. So war das schon in mei­nem frü­he­ren Pfarr­ver­band in Regen und jetzt in Hohen­au ist es genau­so“, meint der indi­sche Waid­ler“, der super deutsch spricht und auch baye­risch ver­steht, dank­bar. Als sein liebs­tes Hob­by bezeich­net er das Wan­dern: Wenn ich Frei­zeit habe, auch wenn es nur eine hal­be Stun­de ist, zie­he ich mei­ne Wan­der­schu­he an und dabei bekom­me ich fri­sche Gedan­ken und fri­sche Luft!“ Auf den klei­nen Tou­ren rund um Hohen­au ist er meist allein unter­wegs. Oft wan­dert er aber auch – so wie heu­te – zusam­men mit sei­nem Sports­ka­me­ra­den Josef Hil­gart, dem Haus­meis­ter der Pfarr­kir­che Schön­brunn am Lusen. Die ursprüng­li­che Idee fürs Berg­stei­gen kommt übri­gens aus der Bibel von den Psal­men“, erläu­tert der Pfar­rer. Auf den Berg zu stei­gen und Lob­preis zu sin­gen – das ist mit der Bibel verbunden.“

Auf den Wer­de­gang ange­spro­chen, kommt die Rede auf sei­ne Hei­mat Indi­en: Ich kom­me aus dem indi­schen Bun­des­land Tamil Nadu, einem Nach­bar­land von Kera­la, aus dem vie­le Pries­ter hier in Euro­pa Dienst tun. Mein Geburts­ort Pan­dara­vil­ai zählt nur 560 Katho­li­ken. Wir haben dort vor elf Jah­ren eine eige­ne Kir­che und einen Gemein­de­saal gebaut.“

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
„Auf den Berg zu steigen und Lobpreis zu singen – das ist mit der Bibel verbunden“, sagt Hohenaus Pfarrer David Raj Savarimuthu.

Den Geist­li­chen freut es beson­ders, dass die Men­schen in sei­nem frü­he­ren Pfarr­ver­band Regen und im jet­zi­gen Pfarr­ver­band Hohen­au die Bau­pro­jek­te in sei­ner indi­schen Hei­mat groß­zü­gig unterstützen.

Auf­ge­wach­sen ist er mit drei Geschwis­tern in die­sem klei­nen Ort, in dem das täg­li­che Rosen­kranz-Gebet Pflicht war. Sei­ne Eltern leben nicht mehr, aber zu sei­nen Geschwis­tern unter­hält er immer noch einen guten Kon­takt. Die Zeit von län­ge­ren Auf­ent­hal­ten in Indi­en sei aller­dings vor­bei: Weil ich nun schon 20 Jah­re im Baye­ri­schen Wald lebe, ver­tra­ge ich das Wet­ter in Indi­en nicht mehr. Wenn ich nach Indi­en flie­ge, geht das für drei, vier Tage gut, aber immer ruft mich dann mein Herz zurück in den Baye­ri­schen Wald, in mei­ne zwei­te Heimat.“

Pries­ter zu wer­den, sei übri­gens nicht sein ursprüng­li­cher Plan gewe­sen, so David Sava­ri­mut­hu: Aber mei­ne Mama hat jeden Tag Rosen­kranz gebe­tet und ein­mal in der Woche gefas­tet, damit einer ihrer Söh­ne Pries­ter wird. Sie dach­te eigent­lich an den ältes­ten, aber dann bin ich es gewor­den, der jüngs­te.“ Wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung im Pries­ter­se­mi­nar sei er mit vie­len Mis­sio­na­ren aus Euro­pa zusam­men­ge­kom­men. Damals habe ich ange­fan­gen davon zu träu­men, Euro­pa zu besu­chen. Als dann 2004 der Tsu­na­mi gekom­men ist, ist unse­re Diö­ze­se sehr arm gewor­den. Der dama­li­ge Pas­sau­er Bischof Wil­helm Schraml hat Geld geschickt und im Gegen­zug um die Unter­stüt­zung indi­scher Pries­ter in der Diö­ze­se Pas­sau gebe­ten. So bin ich am 28. August 2006 nach Regen gekom­men, habe erst­mal einen inten­si­ven Deutsch­kurs absol­viert, war bis 2016 als Kaplan und Pfarr­vi­kar in Regen und Lang­dorf und ab 2016 bis heu­te als Pfarr­ad­mi­nis­tra­tor und Pfar­rer im Pfarr­ver­band Hohen­au und Schönbrunn.“

Auf die Fra­ge nach einem mög­li­chen Kul­tur­schock bei sei­ner Ankunft in Deutsch­land ant­wor­tet David Sava­ri­mut­hu: Gefal­len hat mir von Anfang an die Tra­di­ti­on, dass die Leu­te hier län­ger zusam­men­sit­zen, zum Bei­spiel den Fasching fei­ern. Gesell­schaft ist mir wich­tig, ich bin kein Ein­zel­gän­ger. Scha­de fin­de ich es, wenn ich vor lee­ren Kir­chen­bän­ken Der Herr sei mit euch!‘ sagen muss. Und ich kann noch immer nicht glau­ben, dass es hier in der Fas­ten­zeit, in der Vor­be­rei­tung auf Ostern, Stark­bier gibt. Wenn Leu­te an der Kar­frei­tags-Lit­ur­gie nicht teil­neh­men und an die­sem Tag zum Bei­spiel Holz machen, kann ich das auch nicht verstehen.“

An das für ihn zunächst unge­wohn­te tra­di­tio­nel­le baye­ri­sche Essen habe er sich dage­gen längst gewöhnt: Mei­ne Lieb­lings­ge­rich­te sind Schwei­ne­bra­ten mit Rei­ber­knö­del, Sur­bra­ten, Schnit­zel mit Pom­mes und Gemü­se­auf­lauf. Milch­reis ist das ein­zi­ge, was ich nicht mag, schon seit mei­ner Kind­heit. Krap­fen sind mir lie­ber ohne Rosi­nen. Mei­ne Lieb­lings­krap­fen gibt’s im Fins­ter­au­er Frei­licht­mu­se­um. I hob dort ein­mal vier Stück geges­sen, so frisch war des!“, schwärmt er lachend auf baye­risch. Im Freun­des­kreis koche er dage­gen indisch, zum Bei­spiel gebra­te­nen Reis mit Rind­fleisch und Gemüse.

Angekommen beim Gipfelkreuz. Info Icon Foto: privat
Angekommen beim Gipfelkreuz.

Wir kom­men gut vor­wärts. Unser Weg führt vor­bei an der Glas­ar­che. Der Weg­wei­ser zeigt an, dass es von hier weg noch etwa eine Stun­de bis zum Gip­fel dau­ert. Dann führt der Weg her­aus aus dem Wald und der Lusen mit dem Gip­fel­kreuz ist in Sicht. Das Ziel bereits vor Augen kommt jetzt aber erst der anstren­gends­te Teil. Über die Him­mels­lei­ter geht es das letz­te Stück hin­auf. Auf die­ser ver­eis­ten, glat­ten, steil anstei­gen­den Stein­trep­pe geht heu­te ohne Spikes nichts.

Geschafft: Um 7.18 Uhr sind wir beim Gip­fel­kreuz. Punkt­lan­dung: Wäh­rend wir noch stau­nend den herr­li­chen Aus­blick rings­her­um und bis in die Alpen genie­ßen, geht die Son­ne auf. Ein hei­li­ger Moment.

Der indi­sche Waid­ler“ steht wie jedes­mal stau­nend da, taucht ein in die­ses präch­ti­ge Natur­schau­spiel. Wenn ich oben bin, genie­ße ich die herr­li­che Natur, die Ruhe. Den Son­nen­auf­gang auf dem Lusen erle­be ich jedes Mal anders. Es ist immer eine ande­re Atmo­sphä­re. Aber es ist jedes Mal fas­zi­nie­rend“, sagt der Hohen­au­er Pfar­rer – ergrif­fen von der Schön­heit der Schöpfung.

Nach einer Wei­le wird die Brot­zeit aus­ge­packt. Und ein paar Fotos wol­len wir natür­lich auch noch machen.

Pfar­rer David Sava­ri­mut­hu pos­tet eine stim­mungs­vol­le Auf­nah­me mit dem Text Grü­ße vom Lusen“ auf Face­book. Er weiß, dass vie­le Freun­de auf die­se Wei­se mit dabei sind. Ein neu­er Mor­gen ist ange­bro­chen. Schö­ner hät­te er nicht begin­nen können.

Ursula
Friedenberger

Redakteurin

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