Foto: Uschi Friedenberger
Vogel-Experte und großer Naturfreund: Pfarrer Heinrich Blömecke ist weitum bekannt als Kenner der heimischen Vogelwelt. Wir brachen mit ihm auf zu einer ornithologischen Exkursion in die herrliche Natur der Isarauen. Am 25. April können Sie auch dabei sein!
An dieser Stelle im Bistumsblatt lassen wir unsere Priester über Gott und die Welt und ihre interessanten Hobbys zu Wort kommen. Heute ist Heinrich Blömecke dran. Der 64-jährige Pfarrer im Pfarrverband Isarhofen ist für seine tierischen Hobbys bekannt. Das Bild vom Hirten, der gut auf seine Herde achtet, passt perfekt: Im Pfarrgarten von Moos beherbergt er eine Herde von 15 Bergschafen. Die kuschligen Vierbeiner haben Namen wie Max, Emma, Wuschel, Fridolin, Bartholomäus oder Ferdinand.
Doch es gibt noch eine andere tierische Leidenschaft: Heinrich Blömecke ist bekannt als absoluter Vogel-Experte und oft mit dem Fernglas in der Natur unterwegs, um die gefiederten Geschöpfe zu erspähen und zu erlauschen.
Heute begleiten wir den Geistlichen bei einer ornithologischen Exkursion durch die Auwälder des Naturschutzgebietes Isarmündung bei Moos. Treffpunkt ist das Infohaus Maxmühle. Kaum sind wir einige Schritte unterwegs, hat Heinrich Blömecke schon die ersten Vögel ausgemacht: Er weist auf das Quäken des Mittelspechtes hin, den wir auch vorbeifliegen sehen und zeigt ihn in seinem Bestimmungsbuch: „Der Mittelspecht ist kleiner als der bekanntere Buntspecht und auch seltener, aber hier in den Auwäldern gut vertreten. Im Hintergrund hören wir den schmetternden Gesang des Buchfinks, die Krah-Rufe vom Kolkraben und den Gesang von Singdrossel und Rotkehlchen.“ Wohltuende morgendliche Sonnenstrahlen fallen an diesem Josefitag durch die Bäume.
Mit Hut und Fernglas, mit Geduld, Freude an der Natur und der Zeit, um zu Hören und zu Staunen, wandert der Mooser Pfarrer durch die Auwälder zu den Altwässern. Unglaublich, was er alles weiß: „364 verschiedene Vogelarten habe ich bislang insgesamt beobachtet. Dazu war ich auch in Ländern wie Spanien, den Niederlanden, Österreich, Italien, Polen, Rumänien, Ungarn oder Frankreich unterwegs.“ Rund 120 Brutvogelarten hat der Naturfreund Heinrich Blömecke allein im Mündungsgebiet der Isar in die Donau erspäht und erlauscht, zudem viele Durchzügler und Gastvögel.
Foto: Uschi Friedenberger
Das Wissen des Pfarrers ist beeindruckend. Kaum fängt ein Vogel an zu singen, hat er schon seinen Namen parat: „Gerade hört man das Zwitschern des Zilpzalps und jetzt das schlagartige ‚wi-wi-wi‘ des Kleibers. Der Star macht andere Vogelstimmen nach und ist ein guter Sänger!“ Da stellt sich natürlich die Frage, seit wann er sich dieses enorme Wissen über Ornithologie, zu deutsch Vogelkunde, angeeignet hat. Der Pfarrer lacht: „Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für die Vogelwelt. Mein Vater hat mir immer wieder Vögel gezeigt. Und dann bin ich da reingewachsen.“
Schon im Matthäus-Evangelium werden dem Menschen, der allzuviel damit beschäftigt ist, sich zu sorgen und Schätze anzusammeln, die Vögel als Vorbilder hingestellt: „Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie sähen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch“. Pfarrer Heinrich Blömecke fasziniert vor allem die Vielfalt in der Natur: „Ich staune immer wieder über die Schöpfung. Man lernt ständig etwas Neues dazu. Ich bin da auch immer Forscher, arbeite mit beim Brutvogelatlas für Deutschland namens Adebar und auch bei der Wiesenbrüterkartierung fürs Landesamt für Umwelt.“
Der Geistliche weiter: „Mich faszinieren die Zusammenhänge in der Natur, wie verletzlich dieses Netz ist. Es muss alles passen: das Brutgebiet der Vögel bei uns, geeignete Rastgebiete unterwegs und natürlich auch die Überwinterungsgebiete und das Nahrungsangebot. Wenn eine Komponente ausfällt, wird es schwierig für die Art.“
Foto: Uschi Friedenberger
Und da zieht der Pfarrer von Moos, Ottmaring, Aholming und Buchhofen eine Parallele zu unserem Leben: „Das ist auch eine Botschaft für uns Menschen. Vögel kennen keine Grenzen und kein Staaten-Denken. Auch wir Menschen sollten in dieser einen Welt staatenübergreifend zusammenarbeiten. Davon sind wir zur Zeit aber weit entfernt.“
Es mache nachdenklich, wie Lebensqualität verloren geht, meint der Seelsorger: „Wenn man zum Beispiel den Brachvogel nimmt. Vor etwa 30 Jahren gab es hier noch zwölf Brutpaare. Jetzt sind es etwa vier bis fünf.“ Positiver stimme dagegen die Entwicklung bei den Weißstörchen: „Von ihnen gibt es in letzter Zeit wieder mehr in der Region. Ein Paar in Mainkofen, zwei Paare in Deggendorf, eins in Hengersberg und ein Brutpaar in Moos.“
Auf unserem Fußmarsch gibt es wieder neue Entdeckungen: „Da ist ein Seeadler!“ zeigt der Naturfreund auf einen Baum, wo sich der rund 90 cm lange Vogel mit einer Flügelspannweite von 2,40 m niedergelassen hat. Durchs Fernglas kann man sogar seinen gelben Schnabel erkennen. Ein Graureiher breitet seine Flügel aus und fliegt los. Graugänse kommen angeflogen und drei Mittelmeermöwen ziehen ihre Kreise. Man hört das Klopfen des Buntspechts, der sein Revier abgrenzt. Da hat Heinrich Blömecke im Schilf den Gesang eines Blaukehlchens ausgemacht: „Diese Zugvögel kommen schon im März und sind jetzt hier wieder gut vertreten.“
Ob er eigentlich eine Art Lieblingsvogel hat? Da überlegt der Pfarrer nicht lang: „Ganz besonders warte ich jedes Jahr auf die Mauersegler, die etwa Anfang Mai kommen und bei mir im Nebengebäude des Pfarrhofs nisten. Sie haben eine faszinierende Lebensweise, bleiben nur etwa drei Monate hier und verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft. Sie schlafen und paaren sich sogar im Flug.“
Man könnte ihnen wirklich stundenlang zuschauen und zuhören, diesen Bewohnern der Lüfte, denen schon der heilige Franz von Assisi so eindrucksvoll gepredigt hat. Diese Tour mit Pfarrer Heinrich Blömecke im Isarmündungsgebiet war nicht nur eine Nachhilfestunde in Sachen heimische Vogelarten, sondern auch ein spirituelles Erlebnis, ein entschleunigendes Eintauchen in die einzigartige Natur der Isarauen und ein Staunen über die Schöpfung! Die Zeit ist dabei wie im Flug vergangen.
Haben Sie auch Lust auf dieses Erlebnis? Die nächste Exkursion mit Pfarrer Heinrich Blömecke gibt es am Samstag, 25. April. Treffpunkt ist um 8 Uhr das Infozentrum Isarmündung in Maxmühle. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Ursula
Friedenberger
Redakteurin

