Bistum

Zwischen Himmel und Erde

Redaktion am 23.03.2026

Mit dem Fernglas unterwegs: Pfarrer Heinrich Blömecke. Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Mit dem Fernglas unterwegs: Für Pfarrer Heinrich Blömecke ist die Freude über die Vielfalt der Vogelwelt verbunden mit dem Staunen über die Schöpfung.

Vogel-Experte und großer Naturfreund: Pfarrer Heinrich Blömecke ist weitum bekannt als Kenner der heimischen Vogelwelt. Wir brachen mit ihm auf zu einer ornithologischen Exkursion in die herrliche Natur der Isarauen. Am 25. April können Sie auch dabei sein!

An die­ser Stel­le im Bis­tums­blatt las­sen wir unse­re Pries­ter über Gott und die Welt und ihre inter­es­san­ten Hob­bys zu Wort kom­men. Heu­te ist Hein­rich Blö­me­cke dran. Der 64-jäh­ri­ge Pfar­rer im Pfarr­ver­band Isar­ho­fen ist für sei­ne tie­ri­schen Hob­bys bekannt. Das Bild vom Hir­ten, der gut auf sei­ne Her­de ach­tet, passt per­fekt: Im Pfarr­gar­ten von Moos beher­bergt er eine Her­de von 15 Berg­scha­fen. Die kusch­li­gen Vier­bei­ner haben Namen wie Max, Emma, Wuschel, Fri­do­lin, Bar­tho­lo­mä­us oder Ferdinand.

Doch es gibt noch eine ande­re tie­ri­sche Lei­den­schaft: Hein­rich Blö­me­cke ist bekannt als abso­lu­ter Vogel-Exper­te und oft mit dem Fern­glas in der Natur unter­wegs, um die gefie­der­ten Geschöp­fe zu erspä­hen und zu erlauschen.

Heu­te beglei­ten wir den Geist­li­chen bei einer orni­tho­lo­gi­schen Exkur­si­on durch die Auwäl­der des Natur­schutz­ge­bie­tes Isar­mün­dung bei Moos. Treff­punkt ist das Info­haus Max­müh­le. Kaum sind wir eini­ge Schrit­te unter­wegs, hat Hein­rich Blö­me­cke schon die ers­ten Vögel aus­ge­macht: Er weist auf das Quä­ken des Mit­tel­spech­tes hin, den wir auch vor­bei­flie­gen sehen und zeigt ihn in sei­nem Bestim­mungs­buch: Der Mit­tel­specht ist klei­ner als der bekann­te­re Bunt­specht und auch sel­te­ner, aber hier in den Auwäl­dern gut ver­tre­ten. Im Hin­ter­grund hören wir den schmet­tern­den Gesang des Buch­finks, die Krah-Rufe vom Kolk­ra­ben und den Gesang von Sing­dros­sel und Rot­kehl­chen.“ Wohl­tu­en­de mor­gend­li­che Son­nen­strah­len fal­len an die­sem Jose­fi­tag durch die Bäume.

Mit Hut und Fern­glas, mit Geduld, Freu­de an der Natur und der Zeit, um zu Hören und zu Stau­nen, wan­dert der Moo­ser Pfar­rer durch die Auwäl­der zu den Alt­wäs­sern. Unglaub­lich, was er alles weiß: 364 ver­schie­de­ne Vogel­ar­ten habe ich bis­lang ins­ge­samt beob­ach­tet. Dazu war ich auch in Län­dern wie Spa­ni­en, den Nie­der­lan­den, Öster­reich, Ita­li­en, Polen, Rumä­ni­en, Ungarn oder Frank­reich unter­wegs.“ Rund 120 Brut­vo­gel­ar­ten hat der Natur­freund Hein­rich Blö­me­cke allein im Mün­dungs­ge­biet der Isar in die Donau erspäht und erlauscht, zudem vie­le Durch­züg­ler und Gastvögel.

Pfarrer Heinrich Blömecke umringt von seiner Herde von 15 Bergschafen. Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Pfarrer Heinrich Blömecke umringt von seiner Herde von 15 Bergschafen, die er im Mooser Pfarrgarten beherbergt. Das freche Bärli (beim Eimer) will beim Füttern vorn sein.

Das Wis­sen des Pfar­rers ist beein­dru­ckend. Kaum fängt ein Vogel an zu sin­gen, hat er schon sei­nen Namen parat: Gera­de hört man das Zwit­schern des Zilpz­alps und jetzt das schlag­ar­ti­ge wi-wi-wi‘ des Klei­bers. Der Star macht ande­re Vogel­stim­men nach und ist ein guter Sän­ger!“ Da stellt sich natür­lich die Fra­ge, seit wann er sich die­ses enor­me Wis­sen über Orni­tho­lo­gie, zu deutsch Vogel­kun­de, ange­eig­net hat. Der Pfar­rer lacht: Ich inter­es­sie­re mich seit mei­ner Kind­heit für die Vogel­welt. Mein Vater hat mir immer wie­der Vögel gezeigt. Und dann bin ich da reingewachsen.“

Schon im Mat­thä­us-Evan­ge­li­um wer­den dem Men­schen, der all­zu­viel damit beschäf­tigt ist, sich zu sor­gen und Schät­ze anzu­sam­meln, die Vögel als Vor­bil­der hin­ge­stellt: Sehet die Vögel unter dem Him­mel an: sie sähen nicht, sie ern­ten nicht, sie sam­meln nicht in die Scheu­nen; und euer himm­li­scher Vater nährt sie doch“. Pfar­rer Hein­rich Blö­me­cke fas­zi­niert vor allem die Viel­falt in der Natur: Ich stau­ne immer wie­der über die Schöp­fung. Man lernt stän­dig etwas Neu­es dazu. Ich bin da auch immer For­scher, arbei­te mit beim Brut­vo­gel­at­las für Deutsch­land namens Ade­bar und auch bei der Wie­sen­brü­ter­kar­tie­rung fürs Lan­des­amt für Umwelt.“

Der Geist­li­che wei­ter: Mich fas­zi­nie­ren die Zusam­men­hän­ge in der Natur, wie ver­letz­lich die­ses Netz ist. Es muss alles pas­sen: das Brut­ge­biet der Vögel bei uns, geeig­ne­te Rast­ge­bie­te unter­wegs und natür­lich auch die Über­win­te­rungs­ge­bie­te und das Nah­rungs­an­ge­bot. Wenn eine Kom­po­nen­te aus­fällt, wird es schwie­rig für die Art.“

Mit dem Fernglas unterwegs: Pfarrer Heinrich Blömecke. Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Pfarrer Heinrich Blömecke unterwegs in den Isarauen.

Und da zieht der Pfar­rer von Moos, Ott­ma­ring, Ahol­ming und Buch­ho­fen eine Par­al­le­le zu unse­rem Leben: Das ist auch eine Bot­schaft für uns Men­schen. Vögel ken­nen kei­ne Gren­zen und kein Staa­ten-Den­ken. Auch wir Men­schen soll­ten in die­ser einen Welt staa­ten­über­grei­fend zusam­men­ar­bei­ten. Davon sind wir zur Zeit aber weit entfernt.“

Es mache nach­denk­lich, wie Lebens­qua­li­tät ver­lo­ren geht, meint der Seel­sor­ger: Wenn man zum Bei­spiel den Brach­vo­gel nimmt. Vor etwa 30 Jah­ren gab es hier noch zwölf Brut­paa­re. Jetzt sind es etwa vier bis fünf.“ Posi­ti­ver stim­me dage­gen die Ent­wick­lung bei den Weiß­stör­chen: Von ihnen gibt es in letz­ter Zeit wie­der mehr in der Regi­on. Ein Paar in Main­kofen, zwei Paa­re in Deg­gen­dorf, eins in Hen­gers­berg und ein Brut­paar in Moos.“

Auf unse­rem Fuß­marsch gibt es wie­der neue Ent­de­ckun­gen: Da ist ein See­ad­ler!“ zeigt der Natur­freund auf einen Baum, wo sich der rund 90 cm lan­ge Vogel mit einer Flü­gel­spann­wei­te von 2,40 m nie­der­ge­las­sen hat. Durchs Fern­glas kann man sogar sei­nen gel­ben Schna­bel erken­nen. Ein Grau­rei­her brei­tet sei­ne Flü­gel aus und fliegt los. Grau­gän­se kom­men ange­flo­gen und drei Mit­tel­meer­mö­wen zie­hen ihre Krei­se. Man hört das Klop­fen des Bunt­spechts, der sein Revier abgrenzt. Da hat Hein­rich Blö­me­cke im Schilf den Gesang eines Blau­kehl­chens aus­ge­macht: Die­se Zug­vö­gel kom­men schon im März und sind jetzt hier wie­der gut vertreten.“

Ob er eigent­lich eine Art Lieb­lings­vo­gel hat? Da über­legt der Pfar­rer nicht lang: Ganz beson­ders war­te ich jedes Jahr auf die Mau­er­seg­ler, die etwa Anfang Mai kom­men und bei mir im Neben­ge­bäu­de des Pfarr­hofs nis­ten. Sie haben eine fas­zi­nie­ren­de Lebens­wei­se, blei­ben nur etwa drei Mona­te hier und ver­brin­gen fast ihr gan­zes Leben in der Luft. Sie schla­fen und paa­ren sich sogar im Flug.“

Man könn­te ihnen wirk­lich stun­den­lang zuschau­en und zuhö­ren, die­sen Bewoh­nern der Lüf­te, denen schon der hei­li­ge Franz von Assi­si so ein­drucks­voll gepre­digt hat. Die­se Tour mit Pfar­rer Hein­rich Blö­me­cke im Isar­mün­dungs­ge­biet war nicht nur eine Nach­hil­fe­stun­de in Sachen hei­mi­sche Vogel­ar­ten, son­dern auch ein spi­ri­tu­el­les Erleb­nis, ein ent­schleu­ni­gen­des Ein­tau­chen in die ein­zig­ar­ti­ge Natur der Isar­au­en und ein Stau­nen über die Schöp­fung! Die Zeit ist dabei wie im Flug vergangen.

Haben Sie auch Lust auf die­ses Erleb­nis? Die nächs­te Exkur­si­on mit Pfar­rer Hein­rich Blö­me­cke gibt es am Sams­tag, 25. April. Treff­punkt ist um 8 Uhr das Info­zen­trum Isar­mün­dung in Max­müh­le. Eine Anmel­dung ist nicht erforderlich.

Ursula
Friedenberger

Redakteurin

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