Bistum

Geschichte schafft Identität

Redaktion am 03.11.2026

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Sie sorgten für einen inspirierenden Jubiläumsabend im Großen Rathaussaal und freuen sich über die neuen Publikationen: Dr. Helmut Böhm, Sonja Jahrstorfer, Prof. Dr. Egon Boshof, Prof. Dr. Britta Kägler, Richard Schaffner, Prof. Dr. Hannelore Putz, Prof. Dr. Daniela Wawra, Bischof Dr. Stefan Oster SDB, Dr. Markus Eberhardt, Prof. Dr. Franz-Reiner Erkens, Prof. Dr. Bernhard Löffler, OB Andreas Rother, Dr. Michael Stephan und Walter Bauer. Foto: Toni Scholz

Nur wer die Geschichte kennt, kann Gegenwart und Zukunft gestalten. Darin waren sich alle Festredner einig, die dem Verein für Ostbairische Heimatforschung und dem Institut für Kulturraumforschung Ostbaierns und der Nachbarregionen zum 100. Geburtstag gratulierten. 

Pas­sau. Die schöns­ten Geschen­ke mach­ten sich Ver­ein und Insti­tut zu die­sem Jubi­lä­um selbst: Drei neue gro­ße Publi­ka­tio­nen: ​„Hun­dert Jah­re ost­bai­ri­sche Hei­mat­for­schung 1926 – 2026“, das aktu­el­le ​„Pas­sau­er Jahr­buch“ mit Bei­trä­gen zur Geschich­te, Geo­gra­phie und Kul­tur Ost­bai­er­ns und den neu­en Band zur Pas­sau­er Bis­tums­ge­schich­te: ​„Das Bis­tum Pas­sau zwi­schen Säku­la­ri­sa­ti­on und Zwei­tem Vati­ka­num – Admi­nis­tra­ti­on und Fröm­mig­keit, Kunst und Musik“ (dazu folgt ein aus­führ­li­cher Bericht in einer unse­rer nächs­ten Ausgaben). 

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Dr. Markus Eberhardt, der Vorsitzende des Vereins für Ostbairische Heimatforschung.

Rech­net man die­se drei Bücher hin­zu, haben die bei­den Insti­tu­tio­nen allein 183 Publi­ka­tio­nen in den ver­gan­ge­nen 100 Jah­ren ver­öf­fent­licht, wie Prof. em. Dr. Franz-Rei­ner Erkens bilan­zier­te. Das seit 1957 erschei­nen­de Pas­sau­er Jahr­buch sei dabei das Flagg­schiff. Ein enor­mer Bei­trag zur Geschichts­for­schung und zum Geschichts­be­wusst­sein der gesam­ten Regi­on! Die vie­len Gäs­te aus Poli­tik, Kir­che, Kul­tur und Gesell­schaft, die Dr. Mar­kus Eber­hardt, der Vor­sit­zen­de des Ver­eins für Ost­bai­ri­sche Hei­mat­for­schung, beim Fest­akt begrü­ßen durf­te, unter­stri­chen dies. Und der Gro­ße Rat­haus­saal mit sei­nen gewal­ti­gen Gemäl­den des His­to­ri­en­ma­lers Fer­di­nand Wag­ner, ein ​„auf­ge­schla­ge­nes Geschichts­buch von Pas­sau und sei­ner Umge­bung“, so Eber­hardt, bil­de­te für das Jubi­lä­um die per­fek­te Kulis­se. Die Diö­ze­san­blech­blä­ser unter der Lei­tung von Micha­el Beck und das Streich­quar­tett des Pas­sau­er Kon­zert­ver­eins sorg­ten auf musi­ka­li­sche Art für inspi­rie­ren­de Momen­te. Die Red­ner woll­ten da nicht nachstehen. 

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Bischof Dr. Stefan Oster bei seinem Grußwort.

Bischof Ste­fan Oster trat als Ers­ter ans Red­ner­pult und dank­te dem Ver­ein und dem wis­sen­schaft­li­chen Insti­tut ​„für ihre beein­dru­cken­de Arbeit in den letz­ten 100 Jah­ren“. Als gebo­re­ner Ober­pfäl­zer, der die meis­te Zeit sei­ner Jugend in Regens­burg ver­bracht habe und seit zwölf Jah­ren Bischof in Pas­sau sein dür­fe, habe er selbst erfah­ren, dass Ost­bay­ern weit mehr ist als die Sum­me zwei­er Regie­rungs­be­zir­ke: Geschich­te, Spra­che, Kunst und Glau­bens­tra­di­tio­nen wür­den dazu bei­tra­gen, dass sich für Men­schen Hei­mat­er­fah­rung als Iden­ti­täts­er­fah­rung aus­bil­det. Er hof­fe sehr, dass es den bei­den Insti­tu­tio­nen gelin­ge, durch ihre For­schung Hei­mat­er­fah­rung wach­sen zu las­sen und Iden­ti­tät zu for­men, die sich aus­streckt auf das Wah­re und Gute schlecht­hin – ​„denn dann ist Geschich­te nicht Sinn­ge­bung des Sinn­lo­sen, son­dern blei­ben­de Suche nach dem Sinn, der immer schon da ist und alles trägt“. 

Pas­saus Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Rother mach­te deut­lich, wie wich­tig es für das Geschichts­ver­ständ­nis sei, dass Men­schen his­to­ri­sche Quel­len erschlie­ßen und auf­be­rei­ten. Ver­ein und wis­sen­schaft­li­ches Insti­tut hät­ten das Wis­sen über Pas­sau und die Regi­on wesent­lich erwei­tert und his­to­ri­sche For­schung einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht. Er wür­dig­te zudem, dass über den Jugend­för­der­preis auch jun­ge Men­schen an die­se wich­ti­ge Auf­ga­be her­an­ge­führt werden. 

Der stell­ver­tre­ten­de Pas­sau­er Land­rat Wal­ter Bau­er lob­te, dass hier bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment und wis­sen­schaft­li­che For­schung per­fekt ver­eint sei­en. So wür­den Zusam­men­hän­ge sicht­bar gemacht und Wis­sen bewahrt. Wenn Geschich­te leben­dig blei­be, hel­fe das, unse­re heu­ti­ge Hei­mat bes­ser zu verstehen. 

Dar­in stimm­te er mit den Aus­füh­run­gen von Prof. Dr. Danie­la Wawra, Vize­prä­si­den­tin der Uni­ver­si­tät Pas­sau, völ­lig über­ein. Sie wür­dig­te zudem die Beharr­lich­keit und das Enga­ge­ment der Akteu­re in Ver­ein und Insti­tut und den Mut und Weit­blick der Grün­der. Eine zen­tra­le Auf­ga­be blei­be, Men­schen für Geschich­te zu begeis­tern und so auch das gemein­sa­me Bewusst­sein für die eige­nen Wur­zeln zu stärken. 

„Wir müs­sen auf­pas­sen, dass der Hei­mat­be­griff nicht von fal­scher Sei­te ver­ein­nahmt wird.”

Dr. Micha­el Ste­phan, der Vor­sit­zen­de des Ver­ban­des Baye­ri­scher Geschichts­ver­ei­ne, in dem 210 Geschichts- und Hei­mat­ver­ei­ne ver­eint sind und so ​„Lob­by­ar­beit für Geschichts­be­wusst­sein“ betrei­ben, sprach eine Mah­nung aus: ​„Wir müs­sen auf­pas­sen, dass der Hei­mat­be­griff nicht von fal­scher Sei­te ver­ein­nahmt wird.“ Der baye­ri­sche Hei­mat­be­griff, so wie er ihn ver­ste­he, sei inte­gra­tiv und offen. Er ver­ei­ne Welt­of­fen­heit, Fort­schritt und Traditionsliebe. 

Die­se Begrif­fe fan­den sich auch im humor­vol­len und mit viel Iro­nie gespick­ten Fest­vor­trag von Prof. Dr. Bern­hard Löff­ler, Inha­ber des Lehr­stuhls für Baye­ri­sche Lan­des­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Regens­burg, wie­der. ​„Star­ke Män­ner, vie­le Ber­ge“ war er über­schrie­ben und zeig­te damit auch auf, wie Bil­der von Bay­ern instru­men­ta­li­siert wer­den. Mit vie­len Bei­spie­len mach­te er deut­lich, wel­che enor­me eigen­mäch­ti­ge Wir­kung Fotos ent­fal­ten kön­nen, wie sie unse­re Wahr­neh­mung und unser Han­deln beein­flus­sen. ​„Bil­der sind Kon­struk­teu­re der Wirk­lich­keit“, sag­te Löff­ler. Die Geschichts­wis­sen­schaft müs­se sich des­halb noch viel stär­ker mit ihnen beschäf­ti­gen. Bild­kom­pe­tenz sei genau­so wich­tig wie Textkompetenz.

Löff­lers Vor­trag mach­te auch deut­lich: Es gibt auch künf­tig noch viel zu tun für den Ver­ein für Ost­bai­ri­sche Hei­mat­for­schung und das Insti­tut für Kul­tur­raum­for­schung Ost­bai­er­ns und der Nach­bar­re­gio­nen. Ein Segens­wunsch gilt des­halb zum 100. Geburts­tag ganz beson­ders: Ad mul­tos annos!

Wolf­gang Krinninger

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