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Das nachsynodale Papstschreiben

Karin Altendorfer am 18.02.2020

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Die Kirche hilft den Schwachen und Unterdrückten.

Sie for­dert einen von Respekt und Wert­schät­zung gepräg­ten Umgang mit­ein­an­der. Und sie steht all denen bei, die durch ihr ener­gi­sches Han­deln die geschun­de­ne Natur zu ret­ten ver­su­chen. In die­sen Punk­ten sind sich fast alle einig: Was dazu in Queri­da Ama­zo­nia (gelieb­tes Ama­zo­ni­en) steht, ist stark. Papst Franz­i­kus zeigt – trotz einer stel­len­wei­sen fast poe­ti­schen Spra­che – im Schrei­ben zur Ama­zo­nas-Syn­ode kla­re Kante. 

Doch dann folg­te bei vie­len Kom­men­ta­ren in der ver­gan­ge­nen Woche das Ja, aber…“ auf dem Fuße. Wut und Hoff­nung, Ent­täu­schung und Freu­de, ver­ta­ne Chan­ce und Wor­te der Ver­söh­nung. Es sind meist Gegen­satz-Paa­re, mit denen die Lie­bes­er­klä­rung“ (Papst Fran­zis­kus) an das öko­lo­gisch, sozi­al und kirch­lich welt­weit bedeut­sa­me Ama­zo­ni­en kom­men­tiert wird. Und am Ende blei­ben zwei Fra­gen, die der Vati­kan-Jour­na­list Roland Juchem so for­mu­liert: Ist Papst Fran­zis­kus ein­ge­knickt vor Tra­di­tio­na­lis­ten? Oder lässt er freie Hand, um wei­ter zu debat­tie­ren und vor Ort Initia­ti­ven zu ergreifen? 

Fest steht: Wer vom Ober­haupt der katho­li­schen Kir­che ein kla­res Ja zu Refor­men, ein Sym­bol der Erneue­rung erwar­tet hat, ist ent­täuscht wor­den. Ob Zöli­bat oder Wei­he von Frau­en – nichts neu­es dazu aus Rom. Dass die Aus­sa­gen des Paps­tes über die Rol­le der Frau des­halb von Frau­en­bund-Prä­si­den­tin Maria Flachs­barth als aus­ge­spro­chen pater­na­lis­tisch“ bewer­tet wer­den, ist aus ihrer Sicht ver­ständ­lich. Und das Fran­zis­kus davon spricht, dass das maria­ni­sche Wesen“ der Frau vor der Wei­he gera­de­zu bewahrt wer­den müs­se, ist wohl für die meis­ten in der Kir­che enga­gier­ten Frau­en schwer erträglich. 

Und doch war die nun herr­schen­de Ernüch­te­rung eigent­lich vor­pro­gram­miert. Denn die bei uns seit Jah­ren so umstrit­te­nen The­men Zöli­bat und Frau­en­wei­he waren nicht die Schwer­punk­te der Syn­ode. Ama­zo­ni­en hat ganz ande­re Pro­ble­me. Zudem war Papst Fran­zis­kus noch nie der gro­ße Mann des Macht­worts. Er ist See­len­trös­ter, Mut­ma­cher, Her­zens­mensch, Mah­ner, Hoff­nungs­ge­ber, aber nicht der Ent­schei­der, wie ihn sich man­che hier­zu­lan­de wün­schen. Mit sei­ner Art, die Din­ge anzu­ge­hen, tun sich vor allem die Deut­schen schwer: Fran­zis­kus hält strit­ti­ge The­men ger­ne in der Schwe­be, bis sich ande­re, viel­leicht unge­ahn­te, bes­se­re Wege fin­den. Und in die­sem Fall hat der Mann auf dem Stuhl Petri offen­sicht­lich gespürt, dass die katho­li­sche Welt noch nicht so weit ist, hier einen Auf­bruch zu wagen, ohne die Kir­che zu spalten. 

Span­nend wird nun, wie sich die­ses Papst-Schrei­ben auf den Syn­oda­len Weg in Deutsch­land aus­wir­ken wird. Ein­fa­cher ist die­ser Weg damit nicht geworden.

Wolf­gang Krinninger

Foto: Wer­ner Friedenberger