Kontrovers und doch hilfreich

Redaktion am 11.03.2024

Info Icon Foto: Simona Kehl / pbp

Wie helfen, wenn das Leben zu Ende geht? Bei dieser Frage gehen die Meinungen oft weit auseinander. Dass bei so schwierigen Themen wie etwa dem assistierten Suizid dennoch sachliche und ruhige Diskussionen möglich sind, ist ein gutes Zeichen, kommentiert Wolfgang Krinninger.

Es war eng und viel zu warm. Die gute Luft im Raum war schnell auf­ge­braucht. Vie­le muss­ten ste­hen. Und den­noch waren auch nach zwei Stun­den kon­zen­trier­ter Dis­kus­si­on alle noch auf­merk­sam bei der Sache. So war es in der Aula des Gym­na­si­ums Pfarr­kir­chen vor eini­gen Wochen (wir berich­te­ten aus­führ­lich) und so war es in der ver­gan­ge­nen Woche im Pfarr­heim Wald­kir­chen. Bei­de Male dis­ku­tier­ten Exper­ten über ein The­ma, das eigent­lich nicht vor Sex­ap­peal strotzt: Assis­tier­ter Suizid. 

Die Aus­gangs­la­ge: Im Febru­ar 2020 hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das Ver­bot, die Selbst­tö­tung geschäfts­mä­ßig zu för­dern“, für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt und ein ent­spre­chen­des Straf­ge­setz auf­ge­ho­ben. Zwei Initia­ti­ven für eine Neu­re­ge­lung schei­ter­ten im Juli des ver­gan­ge­nen Jah­res im Bundestag.

Info Icon Foto, Veranstalter: CSU Waldkirchen und Initiative mit Krebs leben Südlicher Bayerischer Wald e.V.
Diskussion zum Thema assistierter Suizid im Pfarrheim Waldkirchen (v.l.): Moraltheologe Johannes Brantl, Gynäkologin und Palliativ-Ärztin Heidi Massinger-Biebl, Ursula Bonnekoh, Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), und Strafrechtler Holm Putzke.

Töte sich, wer kann!“ Unter die­sem pro­vo­kan­ten Titel war­ben die Ver­an­stal­ter in Wald­kir­chen für den Dis­kus­si­ons­abend zum The­ma. Und wie in Pfarr­kir­chen kamen auch in die Bay­er­wald-Stadt die Men­schen in Mas­sen. Man spür­te deut­lich: Es geht um Leben und Tod, es geht um Wür­de, es geht um Mensch­lich­keit – das lässt nie­man­den unberührt.

Rund 200 Frau­en und Män­ner waren es letzt­lich, die sich anhör­ten, was Ursu­la Bon­ne­koh, Mit­glied im Prä­si­di­um der Deut­schen Gesell­schaft für Huma­nes Ster­ben (DGHS), Moral­theo­lo­ge Johan­nes Brantl, der Straf­recht­ler Holm Putz­ke und die Wald­kirch­ner Gynä­ko­lo­gin und Pal­lia­tiv-Ärz­tin Hei­di Mas­sin­ger-Biebl zu sagen hat­ten. Die drei Letzt­ge­nann­ten hat­ten auch in Pfarr­kir­chen am Grenz­kamm der Frei­heit ent­lang dis­ku­tiert. Die Posi­tio­nen waren natur­ge­mäß weit aus­ein­ader: Putz­ke und Bon­ne­koh ver­tra­ten ent­schie­den den Stand­punkt, dass zur per­sön­li­chen Auto­no­mie auch das Recht auf selbst­be­stimm­tes Ster­ben gehört. Brantl mach­te deut­lich, dass es für ihn obers­te Prio­ri­tät habe, Men­schen von der Geburt bis zum Ende gut zu begleiten.

Für einen Chris­ten gehe es um Ent­wick­lung von Lebens­per­spek­ti­ven und nicht um Hil­fe­stel­lung zum Sui­zid. Aus ihrer Pra­xis her­aus argu­men­tier­te Mas­sin­ger-Biebl, dass alle Anstren­gun­gen dar­auf gerich­tet sein müss­ten, bes­se­re Mög­lich­kei­ten für ein erträg­li­ches Lebens­en­de zu schaf­fen. Einig war man sich dar­in, dass es bei Pal­lia­tiv­ver­sor­gung, Hos­piz­ar­beit und der Hil­fe bei Depres­si­on Luft nach oben gebe.

Wich­tig sind für mich aber auch zwei Rand­er­schei­nun­gen die­ser bei­den Ver­an­stal­tun­gen: Es ging um ein höchst kon­tro­ver­ses The­ma – und die Akteu­re argu­men­tier­ten klug und enga­giert, aber ohne Schaum vorm Mund und ohne die jeweils ande­re Posi­ti­on nie­der­zu­ma­chen. Und: Der Stand­punkt der Kir­che wur­de gehört und wahr­ge­nom­men, weil er fun­diert und ver­ständ­lich vor­ge­tra­gen und als rele­vant emp­fun­den wur­de. Bei­des ist kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich, bei­des gibt Hoffnung.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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