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Was der Synodale Weg braucht

Karin Altendorfer am 04.02.2020

Synodaler Weg

Und jetzt kommst Du. Wie lebst du mit Gott oder ohne? Wer wolltest, wer solltest, wer könntest du sein? Was erschüttert dich? Was suchst du? Was sind deine Freude und Hoffnung, deine Trauer und Angst?“

Ein­fa­che, kla­re, kraft­vol­le Wor­te! Sie stam­men aus dem Ein­gangs­ka­pi­tel der Jugend­bi­bel des BDKJ, die wir in der ver­gan­ge­nen Woche vor­ge­stellt haben. In die­sem Buch wer­den die Tex­te aus der Ein­heits­über­set­zung in die Ich- und Wir-Form über­tra­gen. Auch das ver­leiht ihnen eine enor­me Fri­sche, Cool­ness und Anziehungskraft. 

Von erfri­schen­den Debat­ten, von gro­ßen Hoff­nun­gen, von Erneue­rung ist auch beim Syn­oda­len Weg die Rede. In der ver­gan­ge­nen Woche haben sich die 230 Men­schen, die den Dia­log zur Zukunft der Kir­che in Deutsch­land in den kom­men­den zwei Jah­ren maß­geb­lich gestal­ten wer­den, in Frank­furt erst­mals getrof­fen. In den vier syn­oda­len Foren geht es um Macht, Sexu­al­leh­re, Frau­en sowie pries­ter­li­che Lebens­form. Und doch scheint mir etwas ande­res wich­ti­ger: dass die Betei­lig­ten mit Kraft und Mut ans Werk gehen und dass sich anar­chisch-spi­ri­tu­el­le Räu­me“ – ein Aus­druck von Jesui­ten-Pro­vin­zi­al Ste­fan Kiech­le SJ in der Her­der Kor­re­spon­denz“ – öff­nen, in denen der Hei­li­ge Geist wir­ken und sich ent­fal­ten kann. Ansons­ten droht dem Syn­oda­len Weg ein Fias­ko. Denn im Vor­feld ist von Auf­bruch wenig zu spü­ren. Viel­mehr über­wie­gen die Befürch­tun­gen und Sor­gen. Die einen gehen davon aus, dass es am Ende des Weges nur mini­ma­le Ver­än­de­run­gen geben wird, die nie­man­dem wirk­lich etwas brin­gen, geschwei­ge denn den Glau­ben attrak­ti­ver machen. Ande­re haben Angst, es könn­te so vie­le Refor­men geben, dass die Kir­che in ihren Grund­fes­ten erschüt­tert wird. 

Aber egal von wel­cher War­te aus man auch auf die­sen Pro­zess schaut: Wer vor­ab mit beto­nier­ten, unver­rück­ba­ren Posi­tio­nen ein­steigt, kann den Dia­log eigent­lich auch gleich abbre­chen. Auch die­ser (Syn­oda­le) Weg beginnt mit einem Auf­bruch in neu­es, unbe­kann­tes Gebiet. Das setzt Offen­heit, die Bereit­schaft zum Zuhö­ren, einen wert­schät­zen­den Umgang mit­ein­an­der und schließ­lich auch den Wil­len, gemein­sam an ein Ziel zu kom­men, vor­aus. Wer schon ein­mal mit einer Grup­pe in schwie­ri­gem Gelän­de unter­wegs war, weiß, dass es ohne die­se Grund­vor­aus­set­zun­gen nicht geht. 

Ich den­ke, man wird in zwei Jah­ren recht leicht mer­ken, wie gut oder schlecht die 230 Weg­be­rei­ter die­ses Dia­log­pro­zes­ses gear­bei­tet haben: Wenn ein Abschluss­text her­aus­kommt, den kaum einer ver­steht, ver­ste­cken sich hin­ter den Wor­ten Kom­pro­miss­for­meln, die wohl das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrie­ben ste­hen. Aber viel­leicht steht am Ende ja doch eine Bot­schaft, die so erfri­schend, klar und wohl­tu­end ist, als hät­te jemand an einem Früh­lings­tag das Fens­ter ganz weit aufgerissen. 

Wolf­gang Krinninger

Chef­re­dak­teur

Foto : © Syn­oda­ler Weg/​Malzkorn

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Wolfgang Krinninger

Chefredakteur