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Bischof

Felsenfest und doch modern

Redaktion am 20.07.2021

S20 ankunft PB info-icon-20px Foto: Archiv Bistum Passau
Legendär war das Ringen von Bischof Simon Konrad um die Jugend. Er versammelte sie seit 1936 regelmäßig um den Altar.

Simon Konrad Landersdorfer war von 1936 bis 1968 der 81. Bischof von Passau. Unterstützt von Generalvikar Franz Seraph Riemer steuerte er das Bistum durch die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit. Vor anderen Bischöfen förderte er die liturgische Erneuerung, die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils betrachtete Landersdorfer als Krönung seines Lebenswerks. Zum 50. Todestag (21. Juli) blicken Archivdirektorin Prof. Dr. Hannelore Putz und Seelsorgeamtsleiter Domdekan Dr. Hans Bauernfeind auf Leben und Werk des Benediktiners.

Am 3. Sep­tem­ber 1939 notier­te Bischof Simon Kon­rad Lan­ders­dor­fer in sein Tage­buch: Got­te ret­te uns! […] Seit heu­te 11 Uhr mit­tags ste­hen wir mit Eng­land im Krieg. Damit beginnt der neue Welt­krieg sich zu entwickeln.“ 

Der Pas­sau­er Bischof kann­te den Krieg. Er war knapp 34 Jah­re alt gewe­sen, als 1914 der Ers­te Welt­krieg begon­nen hat­te und gehör­te damit zu jener Genera­ti­on von Deut­schen, die nun schon zum zwei­ten Mal im Krieg stan­den. Doch auch wenn die Not, die Trau­er und der gro­ße Schmerz, den die Men­schen aus­hal­ten muss­ten, aus die­sem ers­ten gro­ßen Krieg des 20. Jahr­hun­derts bekannt gewe­sen sind, so war es doch unvor­stell­bar, wie grau­sam Men­schen in die­sem Zwei­ten Welt­krieg ver­folgt, miss­han­delt und getö­tet wurden.

Got­te ret­te uns! […] Seit heu­te 11 Uhr mit­tags ste­hen wir mit Eng­land im Krieg. Damit beginnt der neue Welt­krieg sich zu entwickeln.”

Bischof Simon Konrad Landersdorfer in sein Tagebuch

Der 1922 zum Abt des Bene­dik­ti­ner-klos­ters Sche­yern gewähl­te Pater Simon Lan­ders­dor­fer war, wie so vie­le Deut­sche, von der Nie­der­la­ge im Ers­ten Welt­krieg und den fol­gen­den Jah­ren der Revo­lu­ti­on, den wirt­schaft­li­chen Kri­sen und schließ­lich der sich nur lang­sam sta­bi­li­sie­ren­den Wei­ma­rer Repu­blik sehr geprägt wor­den. Er dach­te natio­nal und war doch zutiefst Geg­ner des Natio­nal­so­zia­lis­mus, auch wenn er, eben­falls wie so vie­le, im Sowjet-Kom­mu­nis­mus zunächst die grö­ße­re Gefahr zu erken­nen glaubte. 

Als der Zwei­te Welt­krieg begann, war Lan­ders­dor­fer bereits seit drei Jah­ren Bischof von Pas­sau. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus hat­te vom ers­ten Tag an sein Wir­ken in Pas­sau bestimmt. Die Par­tei griff mit jedem Jahr mehr auf die Jugend, auf die jun­gen Erwach­se­nen, auf die Fami­li­en zu – kurz: auf die Katho­li­kin­nen und Katho­li­ken sei­nes Bistums.

S19 simonkonrad PB info-icon-20px Foto: Archiv Bistum Passau
Er hat zwei Kriege erlebt, doch sein Vertrauen war unerschütterlich. „Ein gesunder Optimismus ist ein wesentlicher Bestandteil für eine echt christliche Haltung, die felsenfest und unerschütterlich vertraut auf die Verheißung des Herrn, daß die Pforten der Hölle seine Kirche nicht überwältigen werden“, sagte er in seiner Predigt zum 90. Geburtstag.

Die­je­ni­gen, die treu zur Kir­che stan­den, wur­den sys­te­ma­tisch benach­tei­ligt und Pries­ter immer häu­fi­ger ver­bal und tät­lich ange­grif­fen. Fehl­ver­hal­ten von Geist­li­chen wur­de medi­al aus­ge­schlach­tet, die vie­len auf­rech­ten Pries­ter mit immer neu­en Schmutz­kam­pa­gnen über­zo­gen. Die Luft für die Kir­che wur­de spür­bar dün­ner und mit jedem Jahr die Bedro­hung grö­ßer; jeder Akt öffent­li­cher Auf­leh­nung hat­te immer här­te­re Repres­sio­nen des Regimes zur Fol­ge. Nichts­des­to­we­ni­ger ver­las Bischof Simon Kon­rad am Palm­sonn­tag 1937 selbst die Enzy­kli­ka Mit bren­nen­der Sor­ge“ und ver­fass­te 1941 ein Hir­ten­wort gegen die Eutha­na­sie. Von allen Kan­zeln der Kir­chen im Bis­tum her­ab gei­ßel­te er die Eutha­na­sie unum­wun­den als Mord. Pries­ter des Bis­tums wur­den ver­haf­tet, ins KZ gebracht. Der Tod des Land­au­er Stadt­pfar­rers Johann Bap­tist Huber 1942, der im KZ Dach­au inter­niert gewe­sen war, ragt hier sicher­lich in beson­de­rer Wei­se her­vor. Von den knapp 800 Pries­tern der Diö­ze­se wur­den etwa 250 bedrängt und ver­folgt. Nur ganz weni­ge sym­pa­thi­sier­ten mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus oder tra­ten Par­tei­glie­de­run­gen bei. 1945 ende­te mit der bedin­gungs­lo­sen Kapi­tu­la­ti­on auch die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schaft, Deutsch­land wur­de besetzt und hör­te auf, sou­ve­rä­ner Staat zu sein.

Bischof Simon Kon­rad war es in natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Zeit nicht nur gelun­gen, den insti­tu­tio­nel­len Bestand der Kir­che zu wah­ren. Viel­mehr waren aus der Bedro­hung neue, rich­tungs­wei­sen­de Wege ent­stan­den: das Bischöf­li­che Jugend­amt mit einer ganz bewusst dezen­tral orga­ni­sier­ten Jugend­seel­sor­ge beispielsweise.

Und doch, mei­ne lie­ben Freun­de, es ist nicht so, daß ich zit­te­re, daß ich fürch­te für die Kir­che Got­tes, für ihren Bestand, für ihre Exis­tenz … Ein gesun­der Opti­mis­mus ist ein wesent­li­cher Bestand­teil für eine echt christ­li­che Hal­tung, die fel­sen­fest und uner­schüt­ter­lich ver­traut auf die Ver­hei­ßung des Herrn, daß die Pfor­ten der Höl­le sei­ne Kir­che nicht über­wäl­ti­gen werden.”

In seiner Predigt zum 90. Geburtstag 1970 appellierte der damals seit zwei Jahren emeritierte Bischof an die Gläubigen

Nach den Jah­ren der Ver­fol­gung gestal­te­te die Kir­che die Nach­kriegs­zeit mit, sie unter­stütz­te die gesell­schaft­li­chen Kräf­te, demo­kra­ti­sche und sta­bi­le Struk­tu­ren zu eta­blie­ren. Die Erfolgs­ge­schich­te der jun­gen Bun­des­re­pu­blik, das Wirt­schafts­wun­der und das Zwei­te Vati­ka­num mit der von Bischof Simon Kon­rad Lan­ders­dor­fer maß­geb­lich mit­ge­stal­te­ten Lit­ur­gi­schen Kon­sti­tu­ti­on stimm­ten den Pas­sau­er Bischof am Ende sei­nes Lebens für die Zukunft sehr zuver­sicht­lich. In sei­ner Pre­digt zum 90. Geburts­tag 1970 appel­lier­te der damals seit zwei Jah­ren eme­ri­tier­te Bischof an die Gläu­bi­gen: Und doch, mei­ne lie­ben Freun­de, es ist nicht so, daß ich zit­te­re, daß ich fürch­te für die Kir­che Got­tes, für ihren Bestand, für ihre Exis­tenz … Ein gesun­der Opti­mis­mus ist ein wesent­li­cher Bestand­teil für eine echt christ­li­che Hal­tung, die fel­sen­fest und uner­schüt­ter­lich ver­traut auf die Ver­hei­ßung des Herrn, daß die Pfor­ten der Höl­le sei­ne Kir­che nicht über­wäl­ti­gen werden.“

Dr. Hannelore Putz

Prof. Dr. Hannelore Putz

Archivdirektorin