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Bischof

Menschen zu Christus führen

Wolfgang Krinninger am 08.11.2021

S4 Gnadenkapelle PB Redaktion Friedenberger

Was soll nur aus den Buben werden? Die Mutter tot. Mit 41 Jahren plötzlich verstorben. Der Vater vermisst. Niemand weiß, ob er jemals lebend aus dem Krieg heimkehrt. Und das im Jahr 1946. Das Land liegt am Boden, niemand wagt vom Wirtschaftswunder auch nur zu träumen. Schon gar nicht im oberpfälzischen Steinwald, einem Armenhaus der Republik. Was soll nur aus den Buben werden? Das haben sich wohl die meisten Menschen in Erbendorf gefragt, als das Schicksal mit kalter Faust auf die Familie Schraml eindrosch.

Für Wil­helm, einen der drei Buben, begann in die­sem Trüm­mer­feld der gera­de Weg zum Pries­ter­tum“, wie er spä­ter ein­mal sagen wird. Viel war ihm nicht geblie­ben. Mit der gelieb­ten Zither, die er meis­ter­haft beherrsch­te, letz­tes Über­bleib­sel einer behü­te­ten Kind­heit in einem from­men Eltern­haus, brach­te eine Tan­te den Elf­jäh­ri­gen ins Kna­ben­se­mi­nar in Ober­müns­ter. Aber nicht ein­mal die Zither durf­te er behal­ten. Der Direk­tor des Semi­nars akzep­tier­te das welt­li­che Instru­ment“ nicht. Was soll aus dem Buben werden?

Wir wis­sen es. Wil­helm Schraml hat­te ein erfüll­tes Leben als Pries­ter und Bischof. Er war ein uner­müd­li­cher Antrei­ber, der sei­ne Kir­che mit Herz und Hirn vor­an­ge­bracht hat. Einer, der voll und ganz in sei­ner Auf­ga­be auf­ging und sich kaum Zei­ten der Muße gönn­te. Ein Mann des Gebets, der Lie­be zur Kir­che und zu Chris­tus, ein treu­er Freund und Die­ner des Hei­li­gen Vaters. 

Geh nur, wohin ich Dich sen­de, ver­kün­di­ge, was ich dich hei­ße, fürch­te dich nicht, ich bin bei Dir.“ Mit die­sem Pri­miz­spruch hat­te der damals 26-Jäh­ri­ge sein Leit­wort fürs Leben for­mu­liert. Im Ver­trau­en auf Jesus Chris­tus kann man hin­aus­fah­ren auf den See, auch wenn es noch so stür­misch ist. Wenn die Leu­te fra­gen, wor­auf sie ihr Leben grün­den kön­nen, haben wir ihnen Chris­tus, den Sohn des leben­di­gen Got­tes, nahe­zu­brin­gen. Dazu ist die Kir­che gestif­tet.“ Mit die­sen Wor­ten hat Bischof Schraml in aller Klar­heit aus­ge­drückt, wie er sei­ne Beru­fung sah. 

Jesus Chris­tus als den Herrn ver­kün­di­gen.“ Mit die­sem Wahl­spruch lei­te­te er das Bis­tum Pas­sau vom 23. Febru­ar 2002 bis zum 1. Okto­ber 2012, als Papst Bene­dikt XVI. sein aus Alters­grün­den vor­ge­brach­tes Rück­tritts­ge­such annahm. Als Apos­to­li­scher Admi­nis­tra­tor wirk­te Bischof Wil­helm noch bis zum 2. Sep­tem­ber 2013

Er hat­te es nicht leicht, als Bischof von Pas­sau in die Fuß­stap­fen des über­aus belieb­ten Franz Xaver Eder zu tre­ten, war er doch von einem ganz ande­ren Natu­rell. Kan­tig, gele­gent­lich auf­brau­send, hat er es sei­ner Mit­welt auch nicht immer leicht gemacht. Und doch wirk­te er uner­müd­lich aus sei­ner tiefs­ten Über­zeu­gung, der Kir­che wür­de es wie­der bes­serge­hen, wenn sie sich auf das Eigent­li­che besinnt, wofür sie da ist, näm­lich die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums zu ver­kün­den, die Men­schen zu Chris­tus zu füh­ren, sich denen beson­ders zuzu­wen­den, die Hil­fe brauchen.”

Wich­tig war ihm immer, den Men­schen eine Hei­mat zu geben. Des­halb leg­te er auch gro­ßen Wert auf die Fami­li­en­pas­to­ral, wo er Akzen­te setz­te, die weit über das Bis­tum hin­aus wirk­ten. Er war auf die­sem Gebiet am Puls der Zeit, wuss­te um die Nöte in den Fami­li­en und ver­such­te etwa mit dem Aus­bau der kirch­li­chen Hilfs­an­ge­bo­te die rich­ti­gen Ant­wor­ten zu geben. 

Ein Höhe­punkt sei­ner Amts­zeit war der Besuch von Papst Bene­dikt XVI. in Alt­öt­ting und Marktl am Inn. Die Begeg­nun­gen mit dem Hei­li­gen Vater am 11. Sep­tem­ber 2006 zähl­te Bischof Wil­helm Schraml auch zu den blei­ben­den Ereig­nis­sen in der tra­di­ti­ons­rei­chen Geschich­te der Diö­ze­se Pas­sau. Ein Papst, der in die­sem Bis­tum gebo­ren wur­de, kehr­te zurück in sei­ne Hei­mat, zu sei­nen Wur­zeln. Papst Bene­dikt XVI. war an die­sem Tag im wahrs­ten Sinn des Wor­tes bei uns daheim”, sag­te der Bischof zum Abschluss.

Heim­ge­kehrt im end­gül­ti­gen Sinn des Wor­tes ist nun auch Bischof Wil­helm Schraml. Wir müs­sen uns als Chris­ten bewäh­ren, wir müs­sen etwas tau­gen“, waren sei­ne Wor­te. Er hat­te die­se Lek­ti­on früh ler­nen müs­sen. In einer Zeit, als vie­le sich frag­ten, was aus die­sem Buben ein­mal wer­den wür­de. Ein uner­müd­li­cher Pries­ter und Bischof, der mit gan­zem Her­zen Chris­tus als den Herrn ver­kün­dig­te. Möge er bei ihm sei­ne letz­te Ruhe finden.

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Wolfgang Krinninger

Chefredakteur