Bistum

„Wenn die Zeiten es erfordern, dann macht was Neues!"

Redaktion am 18.02.2020

Das Leben ist wie Radfahren. Du fällst nicht, solange du in Bewegung bist!

War­um fällt mir gera­de jetzt, wenn ich an mei­nen letz­ten Ter­min in Hen­gers­berg den­ke, die­ses Zitat ein? Anlass war ein Besuch im Wohn- und Pfle­ge­zen­trum St. Gott­hard in Hen­gers­berg. (Sie­he auch Bei­trag auf Sei­te 13). Ich woll­te Sr. Ber­na­dette Gott­schalk wie­der ein­mal tref­fen, die jetzt in die­sem Heim lebt. Sie ist inzwi­schen die ein­zi­ge Schwes­ter des Ursu­li­nen­or­dens im Bis­tum Passau.

Die Ursu­li­nen beglei­ten mich schon lan­ge (und ich sie). Zum Bei­spiel habe ich im März 2013 dar­über berich­tet, wie die letz­ten vier Ursu­li­nen schwe­ren Her­zens ihr Klos­ter in Nie­der­al­t­eich auf­ge­ben muss­ten. Das hät­ten wir nicht gedacht, dass wir nach 33 Jah­ren von Nie­der­al­t­eich weg­ge­hen müs­sen“, seufz­ten die Ordens­frau­en damals. Aber es fehl­te eben der Nach­wuchs und so war an einen Fort­be­stand des Klos­ters nicht mehr zu denken.

Als dann das ehe­ma­li­ge Ursu­li­nen­klos­ter in ein Hos­piz umge­baut wur­de, sahen die Ordens­frau­en das von der posi­ti­ven Sei­te. Sr. The­re­sia Gra­jew­ski, die Obe­rin des Ursu­li­nen­kon­vents Nie­der­al­t­eich-Neu­stadt­/­Dos­se, sag­te mir bei der Eröff­nung des Hos­pi­zes opti­mis­tisch: Ich seh‘s mit Freu­de, dass wir hier in Nie­der­al­t­eich was Neu­es anfan­gen kön­nen. Unse­re Ordens­grün­de­rin Ange­la Meri­ci hat schon gesagt: Wenn die Zei­ten es erfor­dern, dann ändert, macht was Neu­es!‘“ Zu die­sem Ursu­li­nen-Kon­vent Nie­der­al­t­eich-Neu­stadt­/­Dos­se gehö­ren heu­te nur noch Sr. Ber­na­dette in Nie­der­al­t­eich und fünf Mit­schwes­tern in Neu­stadt, alle um die 80 Jah­re alt. Kei­ne ist mehr im Arbeits­ver­hält­nis. Sr. The­re­sia hat kei­ne Lei­tungs­funk­ti­on mehr im Behin­der­ten­heim. Ein ster­ben­der Kon­vent!“, meint Sr. Ber­na­dette achselzuckend. 

Das geht einem nahe. Auch wenn es nichts Neu­es ist, dass sich die Ordens­land­schaft ver­än­dert und Nie­der­las­sun­gen um ihren Fort­be­stand fürch­ten. Trotz­dem: Nur noch eine ein­zi­ge Ursu­li­ne im gan­zen Bis­tum?! Immer­hin nimmt es Sr. Ber­na­dette sport­lich: Mir geht‘s gut. Ich bin zufrie­den. Ich bin mobil und wer­de noch gebraucht!“, sagt sie, spricht vol­ler Freu­de über ihre vie­len Auf­ga­ben und meint: Es gibt eben Schwes­tern, die allei­ne leben und auch apos­to­lisch wirken!“

Wir besu­chen gemein­sam das Hos­piz St. Ursu­la in Nie­der­al­t­eich, das frü­he­re Ursu­li­nen-Klos­ter. Hier hat Sr. Ber­na­dette 33 Jah­re ihres Lebens zusam­men mit ande­ren Schwes­tern in der Ordens­ge­mein­schaft ver­bracht. Als wir in der Kapel­le ste­hen, wo sie jah­re­lang Tag für Tag gebe­tet hat, wird sie ganz still. 

Was ihr hier durch den Kopf geht? Weh­mut emp­fin­de sie nicht mehr, meint Sr. Ber­na­dette, denn sie sehe ja, wie lie­be­voll man sich in die­sem Haus jetzt um die Ster­ben­den küm­mert. Sie hält es mit der Emp­feh­lung ihrer Ordens­grün­de­rin Ange­la Meri­ci: Wenn die Zei­ten es erfor­dern, dann macht was Neu­es!“ Und das macht sie – mit viel Ener­gie und Hin­ga­be für die Men­schen, die sie jetzt brauchen. 

Apro­pos – wir müs­sen uns spu­ten und zurück ins Alten­heim Hen­gers­berg fah­ren. Dort wird die Ordens­frau schon erwar­tet – von 25 Heim­be­woh­nern, mit denen sie Sitz­tän­ze ein­übt. Sie macht das Bes­te aus ihrer Situa­ti­on. Und sie ist immer in Bewe­gung – wie beim Radfahren!

Ursula
Friedenberger

Redakteurin

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Ursula
Friedenberger

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