Wenn das Falsche zu wichtig ist

Redaktion am 29.08.2023

Gier gibt es, seit es Menschen gibt. Dazu gibt es Geschichten unter den alten Römern ebenso wie in der Bibel. Doch letztlich haben wir nichts davon, wenn wir zu viel haben, stellt unser Autor im Editorial der aktuellen Ausgabe fest.

Mar­cus Gavi­us Api­ci­us war ein stein­rei­cher Mann – und trotz­dem ein armer Hund. Er galt als d e r römi­sche Fein­schme­cker der Anti­ke, der im Bereich des heu­ti­gen Köln leb­te. Pli­ni­us der Älte­re schreibt über ihn, er sei der größ­te Pras­ser und zu aller Art von Luxus gebo­ren. Davon zeugt, dass Api­ci­us Fla­min­go­zun­gen als beson­de­re Deli­ka­tes­se pries. Von ihm soll auch die Idee stam­men, Schwei­ne mit Fei­gen zu mäs­ten, um eine beson­ders wohl­schme­cken­de Leber zu erhalten.

Api­ci­us been­de­te sein Leben um das Jahr 42 nach Chris­tus mit Gift, nach­dem er bereits 100 Mil­lio­nen Ses­ter­zen für die Küche ver­schwen­det und aus­ge­rech­net hat­te, dass ihm nur“ noch 10 Mil­lio­nen Ses­ter­zen zum Leben geblie­ben waren. Um die Sache ein­ord­nen zu kön­nen: ein römi­scher Ses­terz ent­sprach damals in etwa der Kauf­kraft eines Euro… Oder anders ausgedrückt: Eine Sum­me, mit der Kai­ser Tibe­ri­us den Sold von 12.500 Legio­nä­ren für ein gan­zes Jahr bezah­len hät­te können.

Api­ci­us war Zeit­ge­nos­se eines ande­ren Raff­zahns – Zachä­us. Der Mann aus Jeri­cho war Zoll­päch­ter, ein rich­ti­ger Hals­ab­schnei­der, einer, der den Leu­ten das letz­te Geldstück aus der Tasche zog. Eine der belieb­ten Geschich­ten aus dem Neu­en Tes­ta­ment erzählt von ihm – und davon, dass es immer die Chan­ce zur Umkehr gibt, wenn man ent­deckt, wor­auf es eigent­lich im Leben ankommt: Nicht Geld auf der Bank oder mate­ri­el­le Din­ge, son­dern glückliche Men­schen um mich her­um zu haben, gute Wer­ke zu tun, die nicht ver­ges­sen wer­den; Men­schen, denen ich gehol­fen habe, zu wach­sen und zu reifen.

Und dar­um geht es in der Geschich­te mit dem Zöll­ner: Jesus wen­det sich ihm zu, und das ist für Zachä­us eine so beglückende Erfah­rung, dass auf ein­mal alles ande­re an Wert ver­liert. Erst dann spürt er, dass er ein Skla­ve des Gel­des ist, das Fal­sche zu wich­tig für ihn war.

Gier hat vie­le häss­li­che Gesich­ter. Zum Bei­spiel der Hun­ger nach Macht – in der Fami­lie, am Arbeits­platz und, wir sehen es tag­täg­lich, wenn es um den ter­ri­to­ria­len Blut­rausch von Kriegs­ver­bre­cher Putin geht.”

Den­ken wir zum Bei­spiel an die Erzäh­lung von den drei Wei­sen aus dem Mor­gen­land. Sie brin­gen dem Jesus­kind Weih­rauch, Gold und Myr­rhe als Geschen­ke – aber es wird nicht berich­tet, dass Maria und Josef die­se Gaben dann ver­kauft haben, um ein tol­les Leben zu führen. Die­se Kost­bar­kei­ten sind eben nicht dazu da, das Jesus­kind und sei­ne Fami­lie reich zu machen, sie sind Aus­druck von Aner­ken­nung und Wertschätzung.

Die ungezügelte Gier nach Besitz, das stän­di­ge Bestre­ben, reich zu wer­den“, ist laut Papst Fran­zis­kus eine Krank­heit, die die Men­schen zer­stört. Geiz ist gott­los, weil er uneinfühlsam, hart­her­zig macht. Die Über­trei­bung des Haben­wol­lens führt letz­ten Endes eben nicht dazu, dass man sich bes­ser fühlt, son­dern dass man eher sozi­al iso­liert wird, dass man ver­einsamt, dass das, was man hat, einem dann nicht mehr so viel gibt.

Gier ist eine absto­ßen­de Cha­rak­ter­ei­gen­schaft. Nicht umsonst zählt sie die katho­li­sche Kir­che – neben Neid, Zorn, Wol­lust, Völ­le­rei, Hoch­mut und Faul­heit – zu den sie­ben Hauptsünden“. Gier hat vie­le häss­li­che Gesich­ter. Zum Bei­spiel der Hun­ger nach Macht – in der Fami­lie, am Arbeits­platz und, wir sehen es tag­täg­lich, wenn es um den ter­ri­to­ria­len Blut­rausch von Kriegs­ver­bre­cher Putin geht.

Noch ein­mal Fran­zis­kus: Wir kön­nen sehr an Geld hän­gen, vie­le Din­ge besit­zen, aber am Ende neh­men wir sie nicht mit.“ Und an alle, die sich trotz­dem dar­auf ein­rich­ten, bis zum Welt­ab­rei­ßen dablei­ben zu kön­nen, eine klei­ne Kor­rek­tur“ zu den mah­nen­den Papst-Wor­ten: Frei­lich könn­te man sich ins Grab einen Sack voll Geld mit­neh­men – aber brau­chen tut man ihn halt auch nicht!

Friedenberger_Werner

Werner Friedenberger

stellv. Chefredakteur

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