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Visionär und Vorbild

Wolfgang Krinninger am 30.06.2021

Soccer 488700 1920 info-icon-20px Michal Jarmoluk auf Pixarbay

Der Ball rollt wieder – und der Rubel auch. Ja, man kann mit dieser Fußball-Europameisterschaft hart ins Gericht gehen.

Dass die trau­ma­ti­sier­ten däni­schen Kicker zwei Stun­den nach dem Zusam­men­bruch ihres Team­ka­me­ra­den Chris­ti­an Erik­sen wei­ter­spie­len muss­ten, war nicht in Ord­nung. Dass bei der UEFA im Zwei­fel Geld immer vor der Moral kommt und die Ver­ant­wort­li­chen vor gro­ßen Spon­so­ren wie Qatar Air­ways kuschen, ist ein Skan­dal. Dass in man­chen aus­ver­kauf­ten Sta­di­en rie­si­ge Men­schen­mas­sen aus­ge­las­sen fei­ern, wäh­rend bei uns Schü­ler den gan­zen Tag Mas­ke tra­gen müs­sen, wirkt befremd­lich. Dass es nicht gelingt, rechts­ra­di­ka­le Schlä­ger-Fan­clubs aus den Städ­ten und Sta­di­en zu ver­ban­nen, geht mir nicht in den Kopf. – Und den­noch: Es tut gut, dass der Ball wie­der rollt.

Wie Mil­lio­nen ande­re fie­be­re ich mit der deut­schen Mann­schaft mit – und mit allen Under­dogs, die gegen ver­meint­lich gro­ße Fuß­ball-Natio­nen antre­ten. Ich schreie, hof­fe, ban­ge, jub­le. Ich rau­fe mir die Haa­re, ver­ban­ne gele­gent­lich den Schi­ri“ auf eine ent­le­ge­ne Insel, las­se an man­chen Spie­lern kein gutes Haar und krö­ne ande­re zu Halbgöttern. 

End­lich wie­der Wett­kampf, Lei­den­schaft, Emo­tio­nen, Ner­ven­schlacht und Herz­schlag-Fina­le. Wie sehr hat auch das gefehlt im Ruhe­mo­dus der ver­gan­ge­nen Monate. 

Manch­mal geht vor und nach den Spie­len der Blick der Kame­ras auch über die Sei­ten­li­nie und über die Sta­di­onrän­ge hin­aus. Auf Neben­schau­plät­ze des Sports und Haupt­schau­plät­ze des All­tags. Die Fern­seh­ma­cher las­sen uns teil­ha­ben an ande­ren Län­dern, ande­ren Sit­ten, an der Viel­ge­stal­tig­keit unse­res Kon­ti­nents. Viel­leicht kann so ein gro­ßes Sport­event auch dazu bei­tra­gen, dass uns die­ses fried­li­che, offe­ne, ver­ein­te Euro­pa wie­der ein wenig mehr zur Her­zens­an­ge­le­gen­heit wird, dass Euro­pa sich eine See­le schafft“, wie es Robert Schu­man einst gefor­dert hat. Mehr als alle ande­ren hat die­ser gro­ße Staats­mann zur Eini­gung des Kon­ti­nents bei­getra­gen (sie­he Sei­te 3). Johan­nes Paul II. nann­te ihn, den ers­ten Prä­si­den­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments, ewi­ges Vor­bild für alle Ver­ant­wort­li­chen am Auf­bau Euro­pas“. Das Euro­päi­sche Par­la­ment ver­lieh dem über­zeug­ten Chris­ten, der täg­lich die Mes­se besuch­te, den Ehren­ti­tel Vater Europas“. 

Wie sehr brau­chen wir gera­de heu­te, wo sich ein tie­fer Gra­ben durch die euro­päi­schen Gesell­schaf­ten zieht, Visio­nä­re und Vor­bil­der wie ihn. Dass Papst Fran­zis­kus ihm nun den heroi­schen Tugend­grad zuge­spro­chen hat, ein ent­schei­den­der Schritt auf dem Weg zur Selig­spre­chung, ist ein wun­der­ba­res Zei­chen. Der Hei­li­ge im Stra­ßen­an­zug“ strahlt damit noch ein wenig hel­ler als die Mann­schaft, die am 11. Juli das Wem­bley Sta­di­on als Euro­pa­meis­ter verlässt. 

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Wolfgang Krinninger

Chefredakteur