Weltkirche

Gott in der Blechhütte

Redaktion am 14.02.2023

2023 02 13 pb alb gottesdienst in kenia1 Foto: Christine Limmer
Ein Sonntagsgottesdienst in Kenia: Gemeindereferent Peter schreibt die Textstellen von Lesung und Evangelium an die Tafel.

Ein Sonntagsgottesdienst in Kenia.

I like Jesus“ – so steht es auf einem Schild, das an einem Motor­rad unter­halb des Schutz­ble­ches ange­bracht ist. Damit ist Peter, der Gemein­de­re­fe­rent, nach Lemon­go, einem klei­nen Dorf nahe des Ambo­se­li-Parks in Kenia, gekom­men, um dort den Sonn­tags­got­tes­dienst zu fei­ern. Für unse­re Autorin Chris­ti­ne Lim­mer war der Got­tes­dienst in einer klei­nen Well­blech­hüt­te ein unbe­schreib­li­ches Erlebnis. 

Mit gro­ßer Neu­gier war Chris­ti­ne Lim­mer gemein­sam mit Pfar­rer Micha­el Wit­ti und dem ehe­ma­li­gen Salz­bur­ger Zoo­di­rek­tor Rai­ner Ree­vers dort­hin auf­ge­bro­chen. Abseits des Dor­fes fan­den sie die Hüt­te, deren Fens­ter mit Holz­lä­den ver­schlos­sen waren. 

2023 02 13 pb alb gottesdienst in kenia6 Foto: Christine Limmer
„I like Jesus“: Peters Mission ist auch an seinem Motorrad sofort erkennbar.

Peter, bei 32 Grad mit Ano­rak und dicker Hose zum Schutz gegen den Staub beklei­det, beru­hig­te die Gäs­te aus Bay­ern: Die kom­men schon noch.“ Aus sei­nem Ruck­sack zieht er sei­ne zer­knit­ter­te Albe her­vor und zieht sie an. Er sperrt die Hüt­te auf und geht zur Sakris­tei, die aus einem alten ver­schlis­se­nen Kof­fer besteht. Bedäch­tig öff­net er die­sen und packt eine Tisch­de­cke für den Altar, ein wacke­li­ger Holz­tisch, aus. Er schmückt den Altar mit einer glit­zern­den Gir­lan­de, stellt ein klei­nes Kreuz und zwei Leuch­ter dar­auf, er rückt den Ambo zurecht und legt das abge­grif­fe­ne Evan­ge­li­ar dar­auf. An die Tafel schreibt er die Text­stel­len, die zu Lesung und Evan­ge­li­um vor­ge­le­sen werden. 

Am Ende ver­sam­meln sich mehr als 60 Kin­der und etwa 40 Erwach­se­ne in der Hüt­te. Ein jun­ger Mann kommt mit dem Moped, parkt und zieht sei­nen tra­di­tio­nel­len Umhang der Mas­sai unter der Jacke her­vor und legt ihn an: Fertig.

Die Dorf­be­woh­ner kom­men in ihrer bes­ten Fest­tags­klei­dung und geschmückt mit bun­ten Hals‑, Arm- und Fuß­bän­dern. Ihre Babys haben sie sich auf den Rücken gebun­den und auf dem Kopf tra­gen sie Was­ser­ka­nis­ter für den Tee danach. Neu­gie­rig wer­den die Euro­pä­er von oben bis unten begut­ach­tet. Die Kin­der ste­hen vol­ler Respekt vor uns und erbit­ten mit geneig­tem Kopf den Segen des Älte­ren, den wir ger­ne erteilen.

Ein Sonntagsgottesdienst in Kenia – Impressionen

Fotos: Chris­ti­ne Limmer

Peter übt mit den Kin­dern die Lie­der und die Cho­reo­gra­fie. Statt einer Kir­chen­or­gel ist nur eine Trom­mel vor­han­den. Es ist inzwi­schen 10.30 Uhr. Vor einer hal­ben Stun­de hät­te der Got­tes­dienst begin­nen sol­len. Doch was soll’s, wenn die Men­schen erst jetzt da sind. Urplötz­lich beschließt Peter, dass jetzt begon­nen wird. Er stellt sich mit den Kin­dern auf, sie begin­nen zu sin­gen. Zum Ein­zug wird getanzt und geklatscht und alle, die schon da sind, fal­len mit ein. 

Zwei Mäd­chen tre­ten vor und über­neh­men Lesung und Evan­ge­li­um. Die Für­bit­ten tra­gen die Leu­te spon­tan vor. Dazwi­schen wird immer wie­der gesun­gen und alle betei­li­gen sich, ohne Aus­nah­me. Immer mehr Men­schen drän­gen in die Hüt­te und schon bald ist der letz­te Platz belegt. Die Jün­ge­ren machen den Älte­ren Platz: eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die Fens­ter­lä­den klap­pern, eben­so das Well­blech­dach im Wind. Die Frau­en zie­hen ihre Babys aus den Rücken­tü­chern und stil­len sie. Peter pre­digt. Er spricht von der Herr­lich­keit Got­tes in Eng­lisch und Sua­he­li. Er mahnt die Men­schen, so zu leben wie Jesus, immer wie­der. Er spricht die Spra­che der Dorf­be­woh­ner, die meist nicht zur Schu­le gegan­gen sind. Dann stellt er uns vor und bit­tet uns, ein paar Wor­te an das Dorf zu rich­ten. Pfar­rer Micha­el Wit­ti lässt es sich nicht neh­men und erzählt vom Regen­bo­gen, den wir kürz­lich gese­hen haben. Das ist die Ver­bin­dung von der Erde zum Him­mel, zu Gott“ sagt er und erteilt den Schlusssegen.

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Ein Sonntagsgottesdienst in Kenia: Der Bibel sieht man an, dass sie viel genutzt wird.

Doch damit ist nicht Schluss. Es sind eini­ge Ver­tre­ter von Orga­ni­sa­tio­nen gekom­men, die den Dorf­be­woh­nern eine Art Bibel­stun­de geben. Und es gibt vie­le Geschich­ten zu erzählen. 

Was bleibt, was neh­me ich mit von die­sem erleb­nis­rei­chen Tag: die Lebens­freu­de, die Begeis­te­rung zu Beten, die ange­neh­me Gemein­schaft Gläu­bi­ger, in die wir schnell inte­griert wur­den. Viel­leicht braucht es gar kei­ne beson­de­ren Kir­chen, um Gott für sein Leben zu dan­ken. Dafür ist Platz in der kleins­ten Hütte. 

Text: Chris­ti­ne Limmer

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