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Kirche vor Ort

Ein ungewöhnlicher Kirchenpatron

Redaktion am 18.01.2022

Breitenberg Kirche

Einzigartig in ganz Deutschland: Wie die Breitenberger zu einer eigenen Kirche kamen und warum der „Raymunditag“ in der „Neuen Welt“ noch heute so große Bedeutung hat.

Der 23. Janu­ar ist in der Pfar­rei Brei­ten­berg ein beson­de­rer Fest­tag“, denn die Neu­welt­ler fei­ern am Ray­mun­di­tag“ das Patro­zi­ni­um ihrer Pfarr­kir­che und den Tag der ewi­gen Anbetung.

Frü­her, als hier in der Neu­en Welt“ fast alles von der Land­wirt­schaft leb­te, war die­ser 23. Janu­ar ein rich­ti­ger Fei­er­tag: Man besuch­te am Vor­mit­tag den Fest­got­tes­dienst und ging dann am Nach­mit­tag auch zu den Anbe­tungs­stun­den in die Kir­che. Außer­dem fei­er­ten die vie­len Mundln“ ihren Namens­tag, denn zahl­rei­che Eltern lie­ßen zu Ehren des Kir­chen­pa­trons, des Hl. Ray­mund von Penaf­or­te, einen Ray­mund“ tau­fen. Bei der Durch­sicht der Tauf­bü­cher aus der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts stellt man fest, dass Ray­mund“ an drit­ter Stel­le der belieb­tes­ten Tauf­na­men nach Johann und Josef stand. 1766 wur­de 13 Buben, im Jah­re 1796 gar 17 Buben auf den Namen Ray­mund getauft. In den letz­ten 50 Jah­ren bekam kein Bub mehr die­sen Vor­na­men, die Mundln“ sind bis auf einen ein­zi­gen hier ausgestorben. 

Wie kam es, dass die Brei­ten­ber­ger als ein­zi­ge Pfar­rei der Diö­ze­se Pas­sau, ja ganz Deutsch­lands, ihre Pfarr­kir­che im Jah­re 1721 aus­ge­rech­net die­sem im deut­schen Sprach­raum rela­tiv unbe­kann­ten spa­ni­schen Hei­li­gen widmeten?

2022 01 17 pb alb fuerstbischof raymund Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Fürstbischof Raymund Ferdinand Graf von Rabatta gründete 1721 die Pfarrei Breitenberg. Vielleicht haben sich die Breitenberger deshalb seinen Namenspatron Raymund von Penaforte zum Kirchenpatron gewünscht.

Als um 1700 die Bevöl­ke­rung in der Neu­en Welt“ hin­ter Weg­scheid so stark ange­wach­sen war, dass die Bewoh­ner den Bau einer eige­nen Kir­che wünsch­ten, lei­te­te der dama­li­ge Ober­hir­te des Bis­tums Pas­sau, Fürst­bi­schof Joseph Phil­ipp Kar­di­nal von Lam­berg (16891712) die Vor­be­rei­tun­gen für eine eige­ne Seel­sor­ge­stel­le in der neu­en Welt am Brai­ten­berg“ ein. Doch mit dem Tod des Kar­di­nals im Jah­re 1712 schlie­fen die Bemü­hun­gen um den Bau einer eige­nen Kir­che wie­der ein.

Im Jah­re 1713 wur­de Ray­mund Fer­di­nand Graf von Rabat­ta vom Pas­sau­er Dom­ka­pi­tel zum neu­en Fürst­bi­schof gewählt. Die Bür­ger der Resi­denz­stadt Pas­sau konn­ten sich nicht so recht mit dem äußerst spar­sa­men, stren­gen Fürs­ten anfreun­den, dem die Seel­sor­ge, beson­ders die Glau­bens­un­ter­wei­sung sei­ner Unter­ta­nen und die Schu­lung der Pries­ter, ein gro­ßes Anlie­gen war. Fürst­bi­schof Ray­mund Fer­di­nand soll wäh­rend sei­ner knapp zehn­jäh­ri­gen Amts­zeit rund 100.000 Kin­dern das Sakra­ment der Fir­mung gespen­det haben.

Die Brei­ten­ber­ger aber lie­ßen in ihren Bemü­hun­gen um eine eige­ne Kir­che nicht locker und schick­ten dem Fürst­bi­schof schon bald nach der Wahl ein neu­es Bitt­schrei­ben, in dem sie ihr Anlie­gen recht anschau­lich unter ande­rem damit begrün­de­ten, dass vie­le Men­schen vor Ort im Win­ter nicht nur kei­nen Got­tes­dienst besu­chen könn­ten, son­dern daß in Wün­t­ter vie­le Per­soh­nen ohne emp­fan­gung des hoch­hei­ligs­ten Altars Sakra­ment dahin gestor­ben, wegen des über­häuf­ten Schnees nit allein kein Geist­li­cher Zukom­men können“.

1719 kam dar­auf­hin der Fürst­bi­schof per­sön­lich nach Brei­ten­berg und bestimm­te den Ort für den Kir­chen­bau, der dann ein Jahr spä­ter in Angriff genom­men wur­de. Zum 30. Okto­ber 1721 erhob er Brei­ten­berg zur selb­stän­di­gen Pfar­rei – zuvor war die Neue Welt“ von Weg­scheid aus seel­sorg­lich betreut worden.

Ob die Brei­ten­ber­ger nun aus Dank­bar­keit gegen­über dem groß­her­zi­gen För­de­rer ihres Got­tes­hau­ses des­sen Namens­pa­tron, den Kir­chen­leh­rer Ray­mund von Penaf­or­te, als Kir­chen­pa­tron wähl­ten oder ob der Fürst­bi­schof selbst, auf sein ewi­ges Geden­ken“ bedacht, sei­nen Namens­pa­tron für die ein­zi­ge von ihm erbau­te Kir­che im Hoch­stift aus­wähl­te, wis­sen wir nicht.

Nur Breitenberg hat Raymund von Penaforte als Patron

Der Patron der Brei­ten­ber­ger Pfarr­kir­che wur­de um 1175 auf Schloss Penaf­or­te bei Bar­ce­lo­na gebo­ren, stu­dier­te dort und in Bolo­gna Kir­chen­recht und Rechts­wis­sen­schaft, wirk­te als Pro­fes­sor für Kir­chen­recht und emp­fing 1210 die Pries­ter­wei­he. 1222 trat Ray­mund dem neu­ge­grün­de­ten Domi­ni­ka­ner­or­den bei und lehr­te meh­re­re Jah­re an der Ordenshochschule. 

Im Jah­re 1230 wur­de er von Papst Gre­gor IX. an die päpst­li­che Kurie nach Rom beru­fen, wur­de Bera­ter und Beicht­va­ter des Paps­tes und ver­fass­te eine Samm­lung päpst­li­cher Ent­schei­de und Ver­fü­gun­gen in dis­zi­pli­nä­ren Belan­gen. Die­se päpst­li­chen Dekre­ta­len (das sind Ant­wor­ten des Paps­tes auf kirch­li­che Rechts­fra­gen) hat­ten bis hin­ein ins 19. Jahr­hun­dert Gül­tig­keit. Mit dem Werk Sum­ma de casi­bus“ ver­mit­tel­te er den Beicht­vä­tern die nöti­gen recht­li­chen Kennt­nis­se und beein­fluss­te damit das dama­li­ge Buß­we­sen der katho­li­schen Kir­che ganz entscheidend.

Als Ordens­ge­ne­ral (12381240) kodi­fi­zier­te Ray­mund die Regeln des Domi­ni­ka­ner­or­dens neu. Nach Bar­ce­lo­na zurück­ge­kehrt, wirk­te er als Rechts­be­ra­ter und Beicht­va­ter König Jakobs I. von Ara­gon. In die­ser Zeit spielt die soge­nann­te Man­tel – Legen­de. Ray­mund tadel­te König Jakob wegen sei­nes unsitt­li­chen Lebens­wan­dels und woll­te sei­ne Bera­ter­diens­te auf­kün­di­gen. Bei­de befan­den sich damals auf der Insel Mal­lor­ca. Ray­mund woll­te aufs Fest­land zurück­keh­ren, König Jakob ver­bot jedem bei Andro­hung der Todes­stra­fe, Ray­mund dabei behilf­lich zu sein. So fand er kein Schiff, das ihn über­setz­te. Um doch vom König weg­zu­kom­men, brei­te­te Ray­mund sei­nen Ordens­man­tel auf das Meer aus, nahm sei­nen Stab, bezeich­ne­te sich mit dem Kreuz­zei­chen, trat auf den Man­tel und über­quer­te in sechs Stun­den das 60 Mei­len brei­te Meer. Vor den Augen einer gro­ßen Men­schen­men­ge stieg er völ­lig tro­cken in Bar­ce­lo­na an Land. König Jakob, beein­druckt von die­sem Wun­der, bes­ser­te fort­an sei­nen Lebenswandel.

Ray­mund starb am 6. Janu­ar 1275 fast hun­dert­jäh­rig in Bar­ce­lo­na und wur­de in der goti­schen Kathe­dra­le von Bar­ce­lo­na bei­gesetzt. Er ist Patron der Kir­chen­rechts­ge­lehr­ten, Rechts- und Staats­an­wäl­te. Ray­mund wur­de am 29. April 1601 von Papst Cle­mens VIII. heiliggesprochen.

Das Man­tel­wun­der“ des hl. Ray­mund ist auf dem Hoch­al­tar­bild in der Brei­ten­ber­ger Pfarr­kir­che dar­ge­stellt. Kein Gerin­ge­rer als der wohl bedeu­tends­te Pas­sau­er Maler des 18. Jahr­hun­derts, Johann Georg Unru­he, schuf um 1783 die­ses groß­ar­ti­ge Altarblatt.

Bei der Betrach­tung des Hoch­al­tar­bil­des des Hl. Ray­mund von Penaf­or­te“ lebt auch das Gedächt­nis an den eins­ti­gen Pas­sau­er Fürst­bi­schof Ray­mund Fer­di­nand Graf von Rabat­ta fort, der 1721 die Pfar­rei Brei­ten­berg grün­de­te und beträcht­li­che Geld­mit­tel für den Bau der Kir­che in der Neu­en Welt“ zur Ver­fü­gung stell­te. Wenn auch der kirch­li­che Fest­ka­len­der den Gedenk­tag für den hl. Ray­mund auf den 7. Janu­ar vor­ver­leg­te: In der Pfar­rei Brei­ten­berg wird der Ray­mun­di­tag“ wie eh und je am 23. Janu­ar mit einem Fest­got­tes­dienst gefeiert.

Text: Hel­mut Rührl