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Bistum

Gewalt und kein Ende

Redaktion am 03.03.2021

Passauer Frauenhaus info-icon-20px Uschi Friedenberger

Zurzeit wenig Lichtblicke im Passauer Frauenhaus: Warum die Situation für die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder in Corona-Zeiten noch schlimmer ist als sonst und wie man jetzt am besten helfen kann.

Wenn es einen Ort im Bis­tum Pas­sau gibt, auf den der Begriff Aus­nah­me­zu­stand“ zutrifft, dann ist es das Pas­sau­er Frau­en­haus. Denn das Leben der betrof­fe­nen Frau­en und ihrer Kin­der ist aus den Fugen gera­ten. Nach oft furcht­ba­ren Gewalt­ex­zes­sen müs­sen sie müh­sam ver­ar­bei­ten, was sie erlebt haben, ihr Leben neu sor­tie­ren, wie­der Ver­trau­en gewin­nen. Das ist schwie­rig genug. Und in Coro­na-Zei­ten kom­men noch ande­re Pro­ble­me dazu.

Ja, es gibt eine gro­ße Stei­ge­rung an Gewalt. Wenn zu Hau­se alle so dicht auf­ein­an­der­sit­zen‘, eska­lie­ren die Kon­flik­te. Wir haben Fäl­le, da ste­hen einem wirk­lich die Haa­re zu Ber­ge. Unglaub­lich, wie bru­tal Frau­en von ihren Män­nern geschla­gen wer­den – und auch die Kin­der. Zum Bei­spiel wur­de uns eine Frau mit fünf Kin­dern zwi­schen 2 und 12 Jah­ren aus einer ande­ren Stadt gebracht. Der Mann hat die Frau ein­ge­sperrt, sie und die Kin­der geschla­gen und der Frau gedroht, sie umzu­brin­gen. Katastrophe.”

Hildegard Stolper, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen, Betreiber des Frauenhauses

Als die Frau mit den Kin­dern ins Pas­sau­er Frau­en­haus kam, habe man gemerkt, wie fer­tig alle waren. Zu allem Übel muss­te die Frau aber dann wegen des Sor­ge­rechts noch ein­mal zurück in ihren frü­he­ren Wohn­ort, um dort mit den Kin­dern per­sön­lich bei der Rich­te­rin vor­zu­spre­chen. Man habe der zustän­di­gen Rich­te­rin ver­schie­de­ne Alter­na­ti­ven vor­ge­schla­gen, aber es sei zweck­los gewe­sen: Es ist der Frau nichts ande­res übrig­ge­blie­ben, als in Coro­na-Zei­ten mit fünf Kin­dern die sie­ben­stün­di­ge Zug­fahrt inklu­si­ve drei­mal Umstei­gen anzu­tre­ten. Und am nächs­ten Tag wie­der zurück.“ Hil­de­gard Stol­per: Ich hab‘ mich so auf­ge­regt, konn­te selbst nicht mehr schla­fen. Der Ehe­mann war ja schon ein paar­mal durch­ge­dreht, hat­te die Frau kran­ken­haus­reif geprü­gelt und gedroht, sie umzu­brin­gen.“ Hil­de­gard Stol­per hat schon viel erlebt, aber sol­che Schick­sa­le gehen ihr immer noch an die Sub­stanz: Das sind so Sachen, die beschäf­ti­gen mich so, dass ich näch­te­lang nicht mehr schla­fen kann.“

S10 Hildegard Stolper  PB info-icon-20px Uschi Friedenberger
„Die Muttergottes beschützt unsere Frauen und Kinder!“ freut sich Hildegard Stolper – gerade in diesen schwierigen Zeiten. Das Gedenktaferl hat im großen Garten des Frauenhauses ein schönes Plätzchen gefunden.

Auch ganz vie­le Kin­der sind momen­tan im Frau­en­haus: Wir haben zusätz­lich zu den neun Frau­en zur­zeit 17 Kin­der von einem hal­ben Jahr bis 14 Jah­ren. Und die alle zu beschäf­ti­gen, da sind unse­re Erzie­he­rin­nen und Sozi­al­päd­ago­gin­nen schon sehr enga­giert und auch die Ehren­amt­li­chen.“ Um vor Coro­na-Fäl­len ver­schont zu blei­ben, wer­de stän­dig mit Schnell­tests auf Num­mer Sicher gegan­gen, zum Bei­spiel bei Ehren­amt­li­chen, die ins Haus kom­men oder wenn die Bewoh­ne­rin­nen einen Ter­min hat­ten. Es müs­se stän­dig getes­tet wer­den – spe­zi­el­le Hür­den in Coro­na-Zei­ten, die die Situa­ti­on zusätz­lich erschweren.

Licht­bli­cke gebe es im Moment dage­gen weni­ge. Denn Hil­de­gard Stol­per treibt jetzt noch ein ande­res Pro­blem um: Durch die vie­len Bewoh­ne­rin­nen und Kin­der haben wir natür­lich gestie­ge­ne Kos­ten. Im Gegen­zug sind die Spen­den aber auf ein Mini­mum gesun­ken. Denn jetzt in Coro­na-Zei­ten kann ich ja kei­ne Vor­trä­ge hal­ten.“ Des­halb sind vor allem Geld­spen­den drin­gend erwünscht (sie­he Kas­ten unten). Und die geplan­te Erwei­te­rung des Frau­en­hau­ses von 9 auf dann 14 Plät­ze für Frau­en in Not plus maxi­mal 20 Kin­der schei­tert momen­tan laut Hil­de­gard Stol­per an der noch feh­len­den Zustim­mung durch die Stadt Pas­sau. Die Vor­sit­zen­de des Sozi­al­diens­tes katho­li­scher Frau­en kämpft aber wei­ter an allen Fron­ten für miss­han­del­te Frau­en und lässt kei­nen Zwei­fel dar­an: Ich gebe nicht auf!“

Friedenberger Uschi

Ursula Friedenberger

Redakteurin

Dem Frauenhaus jetzt helfen!

Coro­na hat es in sich. Auch im Pas­sau­er Frau­en­haus erschwert die Pan­de­mie die Situa­ti­on für die betrof­fe­nen Frau­en, ihre Kin­der und die Ver­ant­wort­li­chen der Ein­rich­tung noch ein­mal zusätz­lich. Da öffent­li­che Vor­trä­ge von Hil­de­gard Stol­per über das Frau­en­haus jetzt nicht statt­fin­den kön­nen, ist auch das Spen­den­auf­kom­men dras­tisch gesun­ken. Im Gegen­zug sind aber die Kos­ten gestie­gen – allein schon durch die extre­me Aus­las­tung des Frau­en­hau­ses mit zur­zeit 9 Müt­tern und 17 Kindern

Einrichtung ist vor allem für Geldspenden dankbar

Bak­ver­bin­dung, Liga Bank Pas­sau:
IBAN: DE89 7509 0300 0004 3125 97
BIC: GENODEF1M05


Kon­takt­auf­nah­me rund um die Uhr unter Tel. 0851/89272. E‑Mail: frauenhauspassau@t‑online.de
Ehren­amt­li­che Hel­fer zur Unter­stüt­zung wer­den erst wie­der gesucht, wenn sich die Coro­na-Lage ent­spannt hat.

Kontakt mit dem Frauenhaus erhält man unter