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Bischof

Wie neu geboren

Redaktion am 12.04.2022

2022 04 11 pb alb neugeboren Foto: AdobeStock
„Neu geboren bedeutet: Es ist wichtig, es ist existenziell, es verändert etwas in mir“, erklärt Bischof Stefan Oster in seiner Osterbotschaft an die Leser des Passauer Bistumsblatts vereint mit dem Altöttinger Liebfrauenboten.

Osterbotschaft von Bischof Dr. Stefan Oster SDB an die Leserinnen und Leser des Passauer Bistumsblatts vereint mit dem Altöttinger Liebfrauenboten.

Wenn jemand nicht von neu­em gebo­ren wird, kann er das Reich Got­tes nicht sehen“, sagt Jesus im Evan­ge­li­um. Und er sagt es jedem von uns. Neu gebo­ren!“ Was bedeu­tet das?

Es ist ein Bild­wort und sagt in jedem Fall, dass es um etwas Tief­grei­fen­des geht, um Exis­ten­zi­el­les. Der Vor­gang betrifft irgend­wie den Grund mei­ner See­le. Und dann zwei­tens so, dass etwas in mir ganz neu wird. Ich gehe als neu Gebo­re­ner anders durch die Welt. Ich sehe mich selbst und die ande­ren Men­schen neu. Manch­mal, wenn ein Mensch eine Kri­se oder eine schwe­re Krank­heit über­stan­den hat, sagen wir ihm viel­leicht: Du wirkst wie neu gebo­ren“. Oder wenn ein Mensch frisch ver­liebt ist oder wenn er arbeits­los war und dann einen neu­en, guten Job gefun­den hat, dann sagt er viel­leicht: Ich fühl mich wie neu geboren“.

2022 04 11 pb alb bischof oster osterchristus Foto: Roswitha Dorfner
Bischof Stefan Oster vor einem Osterchristus.

Neu gebo­ren bedeu­tet: Es ist wich­tig, es ist exis­ten­zi­ell, es ver­än­dert etwas in mir. Und Jesus bringt alles das nun mit dem Reich Got­tes in Ver­bin­dung. Wenn jemand nicht von neu­em gebo­ren wird, kann er das Reich Got­tes nicht sehen.“ Was ist das Reich Got­tes? Es ist das Reich, in dem Gott herrscht. Er herrscht aber auf sei­ne Art, er regiert als Lie­be. Er ist der abso­lut Lie­ben­de und er ist der abso­lut Wah­re, der Wahr­haf­ti­ge. Das heißt: Im Reich Got­tes sind alle unse­re Bezie­hun­gen vol­ler Lie­be und vol­ler Wahr­haf­tig­keit. Es gibt kei­ne Lüge, kei­ne Täu­schung, kei­nen Neid mehr. Es gibt kei­nen Ver­rat, kein Benutzt­wer­den vom ande­ren, kei­nen schlech­ten Ehr­geiz, kei­nen Wett­be­werb. Es gibt kei­nen Ego­is­mus mehr, kei­nen Ärger, kei­ne Trau­er, kei­ne Ängs­te, kei­ne Ver­let­zun­gen. Es ist das Reich der hei­len, wah­ren Bezie­hun­gen. War­um? Weil Gott in sich selbst so ist – und weil sich sein Reich dort ent­fal­tet, wo er regie­ren darf, wo er aner­kannt und geliebt wird als Gott, wo er ange­be­tet, ver­herr­licht wird, dort, wo er der Herr sein darf. Die­ses Reich ver­kün­digt Jesus! Mehr noch: Er sagt, dass es mit ihm anbricht. Und eines der ers­ten Kenn­zei­chen davon ist, dass er Gott sei­nen Vater nennt, mehr noch: Er nennt ihn in sei­ner Mut­ter­spra­che Abba“, ein Kose­wort wie Papa. Und er weiß tief in sei­ner See­le: Er selbst kommt von sei­nem Vater. Er ist der Sohn, der ein­zi­ge, wah­re Sohn Got­tes. Und sei­ne Mis­si­on ist eben dies: Reich Got­tes unter uns wer­den zu las­sen. Und indem er Gott sei­nen Vater nennt, wird auch deut­lich, dass die­ses Reich der Lie­be und der Wahr­heit nicht ein­fach aus ein­zel­nen Indi­vi­du­en besteht, son­dern aus Ver­wand­ten. Sie sind eine Fami­lie. Die, die ins Reich Got­tes gehö­ren, sind dort hin­ein­ge­bo­ren wor­den. Sie sind Fami­li­en­mit­glie­der. Sie wer­den also als sol­che: neu gebo­ren! Wenn jemand nicht von neu­em gebo­ren wird, kann er das Reich Got­tes nicht schauen!“

Der Him­mel zum Reich des Vaters geht auf. Und der Vater will, dass der Him­mel schon hier beginnt. Und er beginnt, wenn wir an den glau­ben und uns von dem näh­ren, der will, dass wir aus sei­ner Gegen­wart neu gebo­ren wer­den. Er will, dass in unse­rem Inne­ren Ostern wird!”

Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Von hier sehen wir nun kla­rer, was Jesus meint: Für das Reich Got­tes beruft er Men­schen, die neu gebo­ren wer­den, als neue Mit­glie­der der Got­tes­fa­mi­lie. Als Brü­der und Schwes­tern Jesu, als Kin­der des Vaters. Wie geht unser wich­tigs­tes Gebet los, das er uns gelehrt hat? Genau: Vater Unser! Gott ist unser aller Vater, er will es sein. Er war­tet auf uns, bis wir nach Hau­se kom­men – wie der ver­lo­re­ne Sohn im Gleich­nis. Aber wie kommt der nach Hau­se, was pas­siert ihm? Wie schafft er die­sen Weg? Er lässt sich zunächst aus­be­zah­len, rennt weg vom Vater, ver­ju­belt alles, kauft sich Bezie­hun­gen, ver­kauft am Ende sich selbst. Das ist kein Reich der Lie­be und der Wahr­heit, son­dern Reich der Ego­zen­trik, in dem Geld und Macht regie­ren – und in dem er kei­ner­lei Soli­da­ri­tät erfährt, als das Geld weg ist. Er sitzt im Schwei­ne­stall und bekommt nicht mal das Fut­ter die­ser Tie­re zu fres­sen. Er ist am abso­lut unters­ten Punkt – und erin­nert sich jetzt, wer sein Vater ist. Er wird berührt an die­sem tiefs­ten Punkt von einer ver­schüt­te­ten Erin­ne­rung an die Güte des Vaters. Als er das spürt, bereut er sofort und weiß, dass er um Ver­ge­bung bit­ten muss. Und dann steht er auf. Das grie­chi­sche Wort, das hier im Ori­gi­nal steht, ist das­sel­be Wort, das die Schrift benutzt für die Auf­er­ste­hung Jesu: Ana­sta­sis! Er steht auf. Er läuft dem Vater ent­ge­gen, viel­leicht läuft er auch vor­bei an den Orten, wo er sein Geld ver­ju­belt und ver­hurt hat, wie der älte­re Bru­der mut­ma­ßen wird. Er bereut. Und der Vater läuft ihm ent­ge­gen, vol­ler Jubel und Dank­bar­keit. Sein Sohn war tot, wird er sagen – und lebt wie­der. Er ist auf­er­stan­den. Wir kön­nen auch sagen: Er ist neu gebo­ren. Er sieht die Welt jetzt anders. Er ist Fami­li­en­mit­glied, der mit dem Vater das gro­ße Fest fei­ert. So ist Gott! Er war­tet auf jeden, der so nach Hau­se kommt. Er schenkt ihm die Neugeburt. 

2022 04 11 pb alb osternacht Foto: Roswitha Dorfner
"Licht unseres Lebens". Osternacht in Altötting.

Aber durch wen schenkt er sie? Ist Ihnen schon ein­mal auf­ge­fal­len, dass die Geschich­te von dem erzählt wird, der der ein­zi­ge wirk­li­che Sohn des Vaters ist? Der als ein­zi­ger weiß, wie der Vater wirk­lich ist? Es ist der Sohn, der in die Frem­de die­ser ver­lo­re­nen Welt gekom­men ist. Und der auch in der Frem­de die­ser Welt, immer im Inners­ten zuhau­se war? Und der vor allem des­we­gen gekom­men ist, damit wir nach Hau­se fin­den, damit wir neu sehen ler­nen, wie sehr der Vater uns liebt? 

Aber wir ahnen, mei­ne Lie­ben, wir ahnen, dass das Erzäh­len von Geschich­ten allei­ne nicht genü­gen wird. Die von Jesus erzähl­te Geschich­te genügt nicht, unse­re Her­zen so umzu­wan­deln, dass sie die Her­zen von Fami­li­en­mit­glie­dern Got­tes wer­den. Es genügt nicht für wirk­li­che Umkehr? Was genügt? Der ein­zi­ge Sohn erzählt nicht nur schö­ne Geschich­ten vom Vater und ver­mehrt das Brot auf wun­der­sa­me Wei­se. Der ein­zi­ge Sohn stirbt für uns – er lässt zu, dass wir Men­schen uns an sei­nem Kreuz mit all unse­rer Sün­de und Got­tes­ent­fer­nung aus­to­ben dür­fen, mit aller Bos­heit, Lüge und allen dunk­len Sei­ten unse­res Her­zens. Er nimmt alles auf sich. Er ver­schlingt es in sei­nem Her­zen der Lie­be, er lässt sich töten – und steht auf.

Auf­er­ste­hung, Durch­gang für uns. Die Tür ist wie­der offen. Der Him­mel zum Reich des Vaters geht auf. Und der Vater will, dass der Him­mel schon hier beginnt. Und er beginnt, wenn wir an den glau­ben und uns von dem näh­ren, der will, dass wir aus sei­ner Gegen­wart neu gebo­ren wer­den. Er will, dass in unse­rem Inne­ren Ostern wird! Auf­er­ste­hung, Neu­ge­burt. Machen wir uns auf! Gehen wir nach Hau­se – mit Jesus dem Vater entgegen.

2018 Bischof Stefan Oster

Dr. Stefan Oster SDB

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