Hirn statt Handys?

Redaktion am 12.02.2024

2024 02 12 pb alb keg Foto: Bernhard Brunner
Für feste Werte in der Bildung stehen (v.l.) KEG-Kreisvorsitzender Robert Drexler, Leitender Regierungsschuldirektor Franz Schneider (Regierung von Niederbayern), Schulamtsdirektor Klaus Sterner (Staatliches Schulamt Passau), KEG-Bezirksvorsitzender Erwin Müller, stellvertretender Landrat Klaus Jeggle, Anja Wagner-Hölzl, Abteilungsleiterin Schulen und Hochschule im Bistum Passau, Prof. Dr. Gerhard Waschler und der KEG-Landesvorsitzende Martin Goppel.

Klare Worte beim Neujahrsempfang der Katholischen Erziehergemeinschaft: Bei Hightech-Offensive müssen alle Schüler mitgenommen werden.

Als star­kes Wer­te­bünd­nis hat der neu­ge­wähl­te Lan­des­vor­sit­zen­de Mar­tin Gop­pel beim Neu­jahrs­emp­fang auf Kreis­ebe­ne die Katho­li­sche Erzie­her­ge­mein­schaft (KEG) gerühmt. Wir in der KEG jam­mern nicht, wir machen“, bekun­de­te der Enkel des frü­he­ren Baye­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Alfons Gop­pel im Exer­zi­ti­en- und Bil­dungs­haus Spec­trum Kir­che auf Pas­sau-Maria­hilf. Mit Blick auf den Trend hin zur ver­stärk­ten Nut­zung der soge­nann­ten Künst­li­chen Intel­li­genz pro­pa­gier­te der Spre­cher: Wir brau­chen Hirn statt Han­dys.“ Bei der High­tech-Offen­si­ve und Digi­ta­li­sie­rung müss­ten alle – Schü­ler wie Leh­rer und Ver­wal­tungs­kräf­te – mit­ge­nom­men wer­den, so Goppel.

In sei­ner Fest­re­de von nur knapp 15 Minu­ten Dau­er ver­wies der Gast zunächst auf die vie­len von der KEG erreich­ten Punk­te – dar­un­ter die kon­se­quent umge­setz­te ein­heit­li­che Dotie­rung von Leh­rern nach der Beam­ten­be­sol­dungs­stu­fe A13. Ein gutes Ergeb­nis, wie er sag­te. Aber wir haben noch viel zu tun“, füg­te Gop­pel hin­zu. Lobend erwähn­te er, dass der Frei­staat Bay­ern jeden drit­ten Euro in die Zukunft, sprich Bil­dung, inves­tie­re. Der neue Haus­halt des baye­ri­schen Kabi­netts bele­ge ein­drucks­voll, unse­re Leh­re­rin­nen und Leh­rer sind der Schlüs­sel für Demo­kra­tie und Wohl­stand in unse­rem Land“, unter­strich der Landesvorsitzende.

Stolz hob Gop­pel her­vor, dass es im Frei­staat als ers­tem deut­schen Bun­des­land eine Exper­ten­kom­mis­si­on gebe, um die Leh­rer­bil­dung vor­an­zu­brin­gen. Wir müs­sen da Gas geben“, for­der­te er ein und mach­te sich ein­deu­tig stark für eine Kon­zen­tra­ti­on auf die Kern­auf­ga­ben der Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen. Unter­richt sol­le Unter­richt blei­ben, er sol­le den Schü­le­rin­nen und Schü­lern Ange­bo­te machen. Kern- und Basis­kom­pe­ten­zen soll­ten wie­der stär­ker in den Fokus des Ler­nens rücken, so der Ver­bands­spre­cher, der auch für den Aus­bau der Wei­ter­bil­dun­gen im Bereich digi­ta­ler Kom­pe­ten­zen plädierte.

Ange­sichts der Wer­te­bin­dung sol­len nach Gop­pels Über­zeu­gung Fächer, die zur Wer­te-Erzie­hung und Demo­kra­tie-Bil­dung bei­tra­gen, nicht infra­ge gestellt wer­den. Der Lan­des­vor­sit­zen­de der 65.000 Mit­glie­der zäh­len­den KEG bezog hier – auch im Vor­feld der Euro­pa­wah­len Anfang Juni die­ses Jah­res – klar Stel­lung gegen demo­kra­tie­feind­li­che Bestre­bun­gen. Wir wol­len Lust auf Euro­pa machen“, skan­dier­te er und stell­te fest, dass gemein­sa­me Hal­tung gezeigt wer­den müs­se für die Demo­kra­tie, zugleich gegen Anti­se­mi­tis­mus und Ras­sis­mus. Staat und Gesell­schaft dürf­ten kei­ne Räu­me zulas­sen, in denen Anti­se­mi­tis­mus und Ras­sis­mus sowie jeg­li­che Form von Extre­mis­mus unwi­der­spro­chen bleiben.

Wir dür­fen vor allem das Mensch­li­che, die Per­sön­lich­keit jedes Ein­zel­nen und die unse­re christ­lich ori­en­tier­te Gesell­schaft prä­gen­den Wer­te nie aus den Augen verlieren.”

Robert Drexler, KEG-Kreisvorsitzender

Kei­nen Hehl mach­te Gop­pel aus der immensen Her­aus­for­de­rung durch die der­zei­ti­ge Situa­ti­on im eige­nen Land und an den inter­na­tio­na­len Kri­sen­her­den, der nur mit kla­rer Hal­tung und hoher Sen­si­bi­li­tät ent­spro­chen wer­den kön­ne. Es sei höchs­te Zeit, den Lehr­kräf­ten, die an allen Schul­ar­ten täg­lich Groß­ar­ti­ges leis­ten, die ange­kün­dig­te Unter­stüt­zung und Wert­schät­zung zukom­men zu las­sen, so der KEG-Lan­des­vor­sit­zen­de, der zugleich der Arbeits­ge­mein­schaft Baye­ri­scher Leh­rer­ver­bän­de vor­steht. Gera­de zur Rea­li­sie­rung der Inte­gra­ti­on brau­che es – nicht zuletzt unter dem Aspekt, dass eine bun­te Kul­tur vie­le Vor­tei­le habe – ganz­heit­li­che Kon­zep­te von der Kita bis zur Hoch­schu­le“. Gop­pels Cre­do: Bes­te Bil­dung gibt Halt.“

Auch der KEG-Kreis­vor­sit­zen­de Robert Drex­ler griff in sei­ner Begrü­ßung die viel­fäl­ti­gen Pro­ble­me auf der Erde auf. Jeder kön­ne sei­nen Bei­trag leis­ten, im Klei­nen an einem lebens­wer­ten, fried­li­chen und zukunfts­fä­hi­gen Umfeld mit­zu­ar­bei­ten. Ein gro­ßer Bau­stein dazu sei es, bes­te Bil­dung zu ermög­li­chen: Wir dür­fen vor allem das Mensch­li­che, die Per­sön­lich­keit jedes Ein­zel­nen und die unse­re christ­lich ori­en­tier­te Gesell­schaft prä­gen­den Wer­te nie aus den Augen verlieren.“ 

Schul­amts­di­rek­to­rin i.K. Anja Wag­ner-Hölzl, Abtei­lungs­lei­te­rin Schu­len und Hoch­schu­le im Bis­tum Pas­sau, erklär­te, dass sich alle nach Sicher­heit, Bestän­dig­keit und Ver­läss­lich­keit sehn­ten – Wer­te, die wir auf Gott bezie­hen“, die im zwi­schen­mensch­li­chen Mit­ein­an­der erfah­ren und ein­ge­übt wer­den müss­ten. Die Päd­ago­gen und Päd­ago­gin­nen hät­ten hier­in die wich­ti­ge und ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be, aus ihrem Gott­ver­trau­en her­aus Halt und Ori­en­tie­rung zu geben.

Unter Hin­weis auf das unvor­stell­ba­re Leid in unvor­stell­ba­ren Krie­gen skiz­zier­te der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Klaus Jeggle auch die gro­ße Ver­ant­wor­tung der Leh­re­rin­nen und Leh­rer für Kin­der, die trau­ma­ti­siert sei­en, kaum ein Wort Deutsch ver­stün­den oder auch sozi­al nicht unbe­dingt auf der Son­nen­sei­te des Lebens stün­den. Es zeich­net bei uns eine Lehr­kraft aus, dass sie hin­sieht und han­delt, nicht die Fra­ge nach dem Muss oder Soll stellt, son­dern im Inter­es­se der ihr anver­trau­ten Kin­der erzieht“, kon­sta­tier­te Jeggle, selbst einst Schul­amts­di­rek­tor. Sei­ner Über­zeu­gung nach müss­ten kogni­ti­ves Ler­nen und Wis­sen viel­mehr ein­ge­bun­den wer­den in die Ver­mitt­lung von Ori­en­tie­rung, von Hal­tung und Wer­ten, die auch vor­ge­lebt wer­den müss­ten. Daher wert­schät­zen wir die Ziel­set­zung der KEG ganz beson­ders“, so der Vize-Land­rat, der rund um den KI-Hype die kri­ti­sche Fra­ge stell­te: Wo bleibt der Mensch – mit dem, was ihn ausmacht?“

Unter dem Ein­druck der von Vale­rie Watts mit wun­der­ba­rer Stim­me zu Gitar­ren­klän­gen vor­ge­tra­ge­nen Lie­der zur Umrah­mung des Neu­jahrs­emp­fangs über­leg­te der KEG-Bezirks­vor­sit­zen­de Erwin Mül­ler kurz, ob es nicht bes­ser wäre, wenn Leh­rer im Unter­richt sin­gen, um die Her­zen der Schü­ler geziel­ter zu errei­chen. Es muss jemand han­deln“, for­der­te der Gruß­wort­red­ner anstel­le dau­ern­der Absichts­be­kun­dun­gen ein. Gera­de die KEG sei ein Ver­band, der Men­schen in Ver­bin­dung brin­ge, in den Aus­tausch unter­ein­an­der. Genau um das geht’s, dass jemand für mich da ist“, erklär­te Mül­ler und münz­te die­sen Grund­satz eben­so auf die Situa­ti­on der Kin­der in den Schu­len um. Sein mar­kan­ter Schluss­satz: Wir dür­fen uns durch die Digi­ta­li­sie­rung das Mensch­sein nicht weg­neh­men lassen.“ 

Text und Foto: Bern­hard Brunner

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