Bistum

Einen geistlichen und geistigen Vater verloren

Redaktion am 02.01.2023

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Titel Passauer Bistumsblatt, Ausgabe 2-2023.

Nachruf von Bischof Dr. Stefan Oster SDB zum Tod von Papst Benedikt XVI., dem großen Sohn unserer bayerischen Heimat.

Papst eme­ri­tus Bene­dikt XVI., der am 16. April 1927 im Bis­tum Pas­sau in Marktl am Inn gebo­ren wur­de, ist ein gro­ßer Sohn unse­rer Hei­mat und unse­rer Diö­ze­se. Zu sei­nem Tod lesen Sie hier einen Nach­ruf von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB. Ger­ne kön­nen Sie sich auch in ein Kon­do­lenz­buch eintragen.

Nachruf von Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Unser ver­ehr­ter Papa eme­ri­to ist heim­ge­gan­gen. Was für eine trau­ri­ge Nach­richt. Wir ver­lie­ren mit Papst Bene­dikt einen Vater, einen geist­li­chen und geis­ti­gen Vater; einen, der prä­gend gewirkt hat für vie­le. Wir ver­lie­ren einen, der uns das Den­ken und das Glau­ben gelehrt hat, der uns das Sehen gelehrt hat – mit den Augen des Glau­bens. Wir ver­lie­ren einen, der uns gehol­fen hat, vie­le Zei­chen der Zeit recht zu deuten.

Wir ver­lie­ren einen gro­ßen Sohn unse­rer Hei­mat und unse­res Bis­tums, einen Freund der baye­ri­schen Lebens­art und Kul­tur, einen Den­ker mit dem Her­zen. Wir ver­lie­ren einen der größ­ten und wich­tigs­ten Theo­lo­gen des 20. und 21. Jahr­hun­derts, einen Zeit­zeu­gen der Geschich­te der Kir­che der letz­ten Jahr­zehn­te, vor allem einen der letz­ten Zeit­zeu­gen des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils, das er ent­schei­dend mit­ge­prägt hat.

Wir ver­lie­ren einen Mann, der von so vie­len respek­tiert wur­de für sei­ne Tie­fe und Weis­heit, für sei­ne Klar­heit und Lau­ter­keit – und einen, der von nicht weni­gen auch ange­fein­det wur­de – viel­leicht gera­de deshalb.

Wir ver­lie­ren den ers­ten deut­schen Papst seit einem hal­ben Jahr­tau­send; einen, der eine Spra­che spre­chen konn­te, die wie die Musik war, die er so lieb­te. Aber auch einen, der doch lei­se und schüch­tern war, nicht auf­dring­lich in der Begeg­nung; einen, der wun­der­bar zuhö­ren konn­te – und dann Ant­wor­ten geben konn­te, die so unmit­tel­bar das Gegen­wär­ti­ge tra­fen und doch so sehr ange­füllt waren mit Weis­heit aus dem gro­ßen Schatz der Überlieferung.

Wir ver­lie­ren einen Mann, der einer der gelehr­tes­ten Men­schen sei­ner Zeit war, einer mit intel­lek­tu­el­ler Bril­lanz und Deu­tungs­kraft, die aber bei ihm wun­der­sam geeint waren mit dem so demü­tig und ver­trau­ens­voll gewor­de­nen Glau­ben eines Kin­des. Wir ver­lie­ren einen Mann, der am liebs­ten in Alt­öt­ting war, bei der Mut­ter der Gna­den, der so ger­ne ver­eint war mit der Gläu­big­keit der ein­fa­chen Pil­ger im Her­zen Bay­erns – im Beten und Fle­hen um das Heil für alle.

Wir ver­lie­ren einen Mann, für den Jesus Chris­tus das Herz der Welt war – und der ihm buch­stäb­lich alles bedeu­te­te. Sei­ne Jesus-Bücher, aber natür­lich nicht nur sie, sind uns blei­ben­des Andenken und leuch­ten­de Erin­ne­rung an die­se Mit­te von allem.Wir ver­lie­ren einen gro­ßen Die­ner der Kir­che, einen, der uns als Papst immer wie­der Über­ra­schun­gen beschert hat, mit sei­nen Enzy­kli­ken (die ers­te über die Lie­be:​„Gott ist die Lie­be“), mit sei­ner Gabe der bril­lan­ten frei­en Rede in so vie­len Situa­tio­nen, mit sei­nem Umgang mit eige­nen Feh­lern oder Fehl­ein­schät­zun­gen und den Wun­den der Kir­che, mit sei­ner Fähig­keit zum ech­ten Dia­log, mit sei­ner For­de­rung nach weni­ger Abhän­gig­keit von der Welt, damit wir als Kir­che frei­er und lie­ben­der und wirk­lich die­nend in sie hin­ein gehen kön­nen; mit sei­nem Rück­tritt, der uns gezeigt hat, wie wenig er an der Macht hängt und wie sehr ihm am guten Fort­kom­men der Kir­che gele­gen ist.

Wir ver­lie­ren einen Mann, der in den letz­ten Jah­ren sei­nes Lebens noch sehen muss­te und auch ein­ge­stan­den hat, als Erz­bi­schof von Mün­chen und Frei­sing Betrof­fe­ne von sexu­el­lem Miss­brauch in der Kir­che zu wenig im Blick gehabt zu haben. Wir ver­lie­ren aber auch einen Mann, der als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ent­schei­dend dazu bei­getra­gen hat, dass das Pro­blem des Miss­brauchs in der Kir­che in sei­ner gan­zen Dra­ma­tik erkannt wur­de und der des­halb wesent­li­che Ver­än­de­run­gen ange­sto­ßen hat.

2023 01 02 pb alb papst benedikt mit bischof oster Foto: Erzbischof Dr. Georg Gänswein
Besuch aus der Heimat: Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB bei einer seiner Begegnungen mit Papst em. Benedikt XVI. im Vatikan.

Papst Bene­dikt ist heim­ge­gan­gen. Was für eine tröst­li­che Nach­richt. Aus meh­re­ren Begeg­nun­gen mit ihm weiß ich, dass er sich nach dem Heim­gang gesehnt hat. Nach der Begeg­nung mit sei­nem Herrn, für den er gelebt und den er geliebt hat. Papst Bene­dikt ist heim­ge­gan­gen. Wie tröst­lich, denn wir gewin­nen einen Beter im Him­mel, einen Für­spre­cher für unse­re Hei­mat, das Bis­tum Pas­sau und die gan­ze Kir­che. Papst Bene­dikt ist heim­ge­gan­gen! Wir dan­ken ihm von Her­zen für alles, was er uns geschenkt hat. Wir dan­ken dem Herrn, dass Er uns ihn geschenkt hat – und wir bit­ten den Herrn, dass er an Papst Bene­dikt alle sei­ne Ver­hei­ßun­gen erfül­len möge.

Video: Bischof Oster zum Tod von Papst em. Benedikt XVI.

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Hier können Sie eine Kondolenz für Papst emeritus Benedikt XVI. hinterlassen:

Gebet für den verstorbenen Papst emeritus Benedikt XVI.

ange­regt von sei­nen Gedan­ken zur Auf­er­ste­hung des Got­tes­soh­nes Jesus Christus*

Auf­er­stan­de­ner Herr Jesus Chris­tus,
die Lie­be, die dich mit dem Vater im Him­mel und dem Hei­li­gen Geist ver­bin­det, hat dich aus dem Tod auferweckt.

Mit ver­wan­del­tem Leib bist du in die gött­li­che Fül­le unzer­stör­ba­ren Lebens erho­ben.
Du bist der Leben­de, der uns die Tür zum ewi­gen Leben öff­net. Du nimmst uns auf in dei­ne unend­lich ber­gen­de Gegen­wart. Wie gut ist es, dass wir schon jetzt in dir leben, uns bewe­gen und sein dür­fen.
Es bedeu­tet Heil für uns.
Wie gut tut es, dass du uns von der Sün­de erlöst hast, die uns trennt von dir. Wir dan­ken dir für die­se heil­brin­gen­de Gemein­schaft, die du uns in der Tau­fe gibst. Du rufst uns, mit dir gemein­sam das Leben zu gestal­ten: Chris­ten und Chris­tin­nen zu sein.

Herr Jesus Chris­tus, Papst eme­ri­tus Bene­dikt XVI. ist gestor­ben. Er hat aus der Tau­fe gelebt.
Mit sei­nen Wor­ten hat er uns erschlos­sen, wie unfass­bar erfül­lend das Heil ist, zu dir zu gehö­ren und mit dir, dem Ewig-Lie­­ben­­den, ver­bun­den zu sein.
Wir dan­ken dir für Papst eme­ri­tus Bene­dikt XVI., der als Mensch, gelehr­ter Christ, als Dia­kon, Pries­ter, Bischof und als Papst uns das Geschenk dei­nes Heils ver­kün­det hat.
Wir dan­ken dir für sein Leben und Wir­ken.
Ver­zeih ihm, wenn er gefehlt hat. Lass alles Gute für vie­le zum Segen wer­den.
Schen­ke ihm die seli­ge Gemein­schaft mit dir, die alle froh­ma­chen­de Vor­stel­lung über­trifft.
Mit Tho­mas rufen wir voll Stau­nen und Glau­ben:​„Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Amen.

Hei­li­ge Maria, Mut­ter Got­tes, bit­te für ihn!

Ver­fas­ser: Dom­de­kan Dr. Hans Bauernfeind

*(vgl. Joseph Ratz­in­ger, Ein­füh­rung in das Chris­ten­tum. Vor­le­sun­gen über das Apos­to­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis, Mün­chen 1968[4] – Joseph Ratz­in­ger Bene­dikt XVI., Jesus von Naza­reth. Zwei­ter Teil vom Ein­zug in Jeru­sa­lem bis zur Auf­er­ste­hung. Frei­­burg-Basel-Wien. o. Z.)

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