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„Das ganze Leben ist eine Wallfahrt“

Redaktion am 11.05.2022

S28 Lindner PB Werner Friedenberger
60 Mal im Marienwallfahrtsort Lourdes war Max Lindner (84) als Pilgerführer; hier im Bild vor der heimischen Lourdes-Grotte in Ramsdorf.

Ramsdorf. Witze haben oft einen hohen Wahrheitsgehalt. Etwa wenn jener erzählt wird: Ein Busfahrer und ein Pfarrer kommen in den Himmel. Petrus lässt den Busfahrer eintreten, der Pfarrer muss draußen warten. „Wieso wird der Fahrer bevorzugt?“, fragt der Pfarrer. Petrus erklärt: „Bei deinen Predigten haben die Leute geschlafen, aber bei seinen Fahrten haben alle im Bus gebetet.“

Nun, im Fal­le von Max Lind­ner, Bus­fah­rer aus Rams­dorf (bei Oster­ho­fen), trifft die­ser Witz rein gar nicht zu. Zum einen ist der 84-Jäh­ri­ge – Gott sei Dank – noch unter den Leben­den; zum ande­ren ist er fünf Mil­lio­nen Kilo­me­ter mit dem Bus kreuz und quer durch Euro­pa gefah­ren – unfall­frei. Bei ihm konn­te man also ruhi­gen Gewis­sens ein­stei­gen. Gebe­tet wur­de trotz­dem, denn: Max Lind­ner war nicht nur Chauf­feur, son­dern auch Pil­ger­füh­rer, qua­si seel­sor­ge­risch unter­wegs. Und in die­ser Funk­ti­on ist er 60 Mal in den süd­fran­zö­si­schen Mari­en­wall­fahrts­ort Lour­des gefah­ren. Mot­to: Das gan­ze Leben ist eine Wallfahrt.“

„„Kran­ke in Lour­des, soweit das Auge reicht. Sie alle erbit­ten Hil­fe, hof­fen viel­leicht sogar auf ein Wun­der. Auch wir brau­chen manch­mal Hil­fe. Wir beten. Und? Alles ist, wie es war und doch ist alles anders, denn in der Stil­le eines Gebe­tes tut sich Gewal­ti­ges, auch wenn wir es nicht bemer­ken. Hat sich im Rück­blick in unse­rem Leben nicht so man­ches gefügt, obwohl wir es nicht bemerkt haben? Gegrü­ßet seist du Maria, voll der Gna­de, der Herr ist mit dir, du bist gebe­ne­deit unter den Frau­en und gebe­ne­deit ist die Frucht dei­nes Lei­bes Jesu … der uns zu Gott hin­füh­ren möge.“”

Max Lindner, Busfahrer aus Ramsdorf

Das Wal­ler­fin­ger Bus­un­ter­neh­men Haberl hat­te mit ihm über all die Jahr­zehn­te eine siche­re Bank. Die gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, um sich hin­ter das Steu­er eines Rei­se­bus­ses set­zen zu dür­fen, hät­te Max Lind­ner noch heu­te; er sprüht vor Leben. Vor zwei Jah­ren, im soge­nann­ten Ruhe­stand, über­nahm er das Mes­ner­amt in Rams­dorf St. Martin. 

Rei­se­lei­tung ist nicht gleich Rei­se­lei­tung. Er bete­te mit den Wall­fah­rern selbst­ver­fass­te Tex­te, boden­stän­dig, geer­det, von einem lan­gen Lebens­weg her­aus gewach­sen. In den Wor­ten Max Lind­ners liest sich das so: Kran­ke in Lour­des, soweit das Auge reicht. Sie alle erbit­ten Hil­fe, hof­fen viel­leicht sogar auf ein Wun­der. Auch wir brau­chen manch­mal Hil­fe. Wir beten. Und? Alles ist, wie es war und doch ist alles anders, denn in der Stil­le eines Gebe­tes tut sich Gewal­ti­ges, auch wenn wir es nicht bemer­ken. Hat sich im Rück­blick in unse­rem Leben nicht so man­ches gefügt, obwohl wir es nicht bemerkt haben? Gegrü­ßet seist du Maria, voll der Gna­de, der Herr ist mit dir, du bist gebe­ne­deit unter den Frau­en und gebe­ne­deit ist die Frucht dei­nes Lei­bes Jesu … der uns zu Gott hin­füh­ren möge.“

Aus Max Lind­ner wäre wohl auch ein guter Pfar­rer gewor­den. Kein Wun­der. Als ein Pries­ter aus dem All­gäu in Lour­des die Wor­te des nie­der­baye­ri­schen Pil­ger­füh­rers hör­te, sagt die­ser zu ihm spon­tan: Mein lie­ber Mit­bru­der! Ger­ne lade ich dich ein, mit mir mor­gen zu kon­ze­le­brie­ren.“ Selbst­re­dend, dass sich Max Lind­ner nicht mit frem­den Federn schmück­te und die Sache auf­klär­te – obwohl er auch ein hal­ber Seel­sor­ger ist. Frei von der Leber weg erzählt der gläu­bi­ge Mann über sein inners­tes Anlie­gen: Mir geht es nicht dar­um, den Rosen­kranz her­un­ter­zu­lei­ern, son­dern den Lour­des-Wall­fah­rern die Mut­ter­got­tes als Men­schen nahe­zu­brin­gen.“ Er setzt auf eine gesun­de Fröm­mig­keit. Max Lind­ner: Ich habe kei­ne Wun­der erlebt, auch die Mut­ter­got­tes ist mir nicht erschie­nen. Und doch hat mir Lour­des soviel für mein Leben gegeben.“

Auf den Stra­ßen die­ser Welt ist er als Chauf­feur nicht mehr unter­wegs, jedoch noch als Rei­se­lei­ter. Im Herbst soll es wie­der nach Lour­des gehen. Obwohl er Euro­pa wie sei­ne Wes­ten­ta­sche kennt – nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la führ­te ihn sein Lebens­weg noch nicht. Max Lind­ner: Das ist ein spä­ter Traum von mir, aber da kimm i no hi.“

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Werner Friedenberger

stellv. Chefredakteur