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Soziales

Leben spüren – Weil’s g‘schmeckt hat ...

Michael Glaß am 11.01.2022

2022 01 10 pb alb kochen1 Foto: Daniel J.
Autor Michael Glaß serviert ein veganes Menü für ebenso ernährungsbewusste wie kritische Gäste, die sonst gerne auch Fleisch essen. Wie kommt es an ...?

... geht’s gerne mal vegan. Gilt das auch für längere Zeit?

Wie geräu­cher­ter Speck mit der Kon­sis­tenz von Leber­kä­se schmeckt der Räu­cher­to­fu zum Kar­tof­fel­stampf und zum Sauer­kraut (mit Karot­ten und Apfel). Da sind wir uns einig. Ich habe für drei Gäs­te ein vega­nes Vier-Gän­ge-Menü zube­rei­tet und bei der Haupt­spei­se ver­misst kei­ner von uns das Fleisch. Auch wenn’s nicht so schmeckt wie man’s kennt. Irgend­wie schmeckt’s halt doch. Mit vier von fünf mög­li­chen Punk­ten gou­tie­ren mei­ne drei Gäs­te die­sen abge­wan­del­ten baye­ri­schen Klas­si­ker. Damit ist er der Höhe­punkt des Menüs. Ganz anders die Nach­spei­se: Kai­ser­schmarrn ohne Eier ist wirk­lich ein Schmarrn. Aber dazu spä­ter mehr.

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Autor Michael Glaß serviert ein veganes Menü für ebenso ernährungsbewusste wie kritische Gäste, die sonst gerne auch Fleisch essen. Wie kommt es an ...?

Alle drei Gäs­te ach­ten auf ihre Ernäh­rung. Sie essen aber ger­ne auch Fleisch; so wie ich. Nur dass ich das zumin­dest für eini­ge Wochen ändern will. Denn vor rund fünf­ein­halb Jah­ren habe ich mich schon ein­mal eini­ge Mona­te lang haupt­säch­lich vegan und teils vege­ta­risch ernährt – und meh­re­re Kilo abge­nom­men. Lei­der ist es mal wie­der Zeit, das zu wie­der­ho­len. Nur bit­te­schön so, dass ich das auch lang­fris­tig durch­hal­te – vege­ta­risch und vegan zumin­dest an fünf Tagen der Woche. Weil es sich gut ange­fühlt hat damals – kör­per­lich fit­ter und mit dem Emp­fin­den, etwas Rich­ti­ges“ zu tun. Letz­te­res klingt frei­lich ziem­lich dif­fus. Und ver­mut­lich ist das auch der Grund, wie­so ich die­se Art der Ernäh­rung eben nicht bei­be­hal­ten konnte.

Impressionen

Julia bringt es auf den Punkt: Jedes Jahr im Janu­ar haben Leu­te gute Vor­sät­ze, unter­stützt von Trends und Kam­pa­gnen – vie­le machen da mit, aber kaum einer zieht das durch.“ Da hat sie mich ertappt. Ich habe mich der Kam­pa­gne Vega­nu­a­ry“ (Vega­ner Janu­ar) ange­schlos­sen, vol­ler guter Vor­sät­ze und mit vie­len Rezept­ideen in der Hand.

Wei­te­re Kri­tik­punk­te spre­chen mei­ne Gäs­te an: Mich stört die Ideo­lo­gie hin­ter sol­chen Kam­pa­gnen: also wenn Leu­te ande­ren ihre Lebens­wei­se auf­zwin­gen wol­len“, sagt Chloe. Die­ses Mis­sio­nie­ren muss wirk­lich nicht sein“, stimmt Julia zu. Chloe ergänzt: Bei vega­nen Ersatz­pro­duk­ten sind mir oft viel zu vie­le unge­sun­de Zusatz­stof­fe ent­hal­ten.“ Dani­el meint: Vege­ta­risch fin­de ich abso­lut ok, das kapie­re ich, ins­be­son­de­re wegen des Tier­wohls. Aber vegan geht mir zu weit, da fehlt mir die Logik – war­um soll­te die Welt ohne Milch eine bes­se­re sein? Ich habe Kühe in Indi­en gese­hen – die mach­ten sicher kei­nen glück­li­che­ren Ein­druck als unse­re Kühe auf dem baye­ri­schen Land.“

Das Menü

Kann ich mei­ne kri­ti­schen Gäs­te wenigs­tens mit dem Menü über­zeu­gen? Die­ses Fake-Hack ist bes­ser als gedacht“, urteilt Chloe über den Star­ter: Mett-Bröt­chen mit selbst­ge­mach­tem vega­nen Hack aus Reis­waf­feln. 3 von 5 Punk­te krie­ge ich ins­ge­samt dafür. Auch die Vor­spei­se (3,85 Punk­te) fin­den alle gut: Gemü­se-Senf-Sup­pe mit Apfel und Kräu­tern, dazu Gur­ken­sa­lat mit Soja-Joghurt; Chloe und Julia: Schmeckt fast so gut wie rich­ti­ger Joghurt.“ Die Nach­spei­se, der Kai­ser­schmarrn mit Hafer­milch, aber ohne Eier, miss­lingt völ­lig. Das sehen auch mei­ne Gäs­te so: zu tei­gig, bat­zig“. Dani­el: Kai­ser­schmarrn gehört nicht in die vega­ne Küche!“ Julia: Die vega­ne Küche muss nicht immer zwang­haft alles nach­ma­chen wollen!“

Ins­ge­samt war es ein gelun­ge­nes Menü. Reicht das aus für mei­ne geplan­ten Wochen und dar­über hinaus?

Also der Auf­wand ist schon enorm, beim Ein­kau­fen – dop­pelt so lan­ge wie sonst – und vor allem beim Kochen – Kräu­ter zup­fen, Gemü­se raspeln/​schneiden, etc. Käse in der Küche hat­te ich vor fünf­ein­halb Jah­ren schon sehr ver­misst, eben­so Honig.

Gesund ist vega­ne Ernäh­rung, klar. Nach­hal­tig und umwelt­freund­lich ist sie, auch klar. Bei­des war aber auch schon die letz­ten fünf­ein­halb Jah­re der Fall. Biblisch kann ein Pro­phet (Jesa­ja 11, 6 – 9) Pate ste­hen für vega­ne Ernäh­rung, das 1. Buch Mose (Gene­sis 9,3) dage­gen für omni­vo­re (mit Fleisch). Aktu­ell mahnt Papst Fran­zis­kus in sei­ner Enzy­kli­ka Lau­da­to si“ (Punkt 130) Tie­re nicht nutz­los lei­den zu las­sen und zu töten“ – des­halb muss man aber nicht gleich jeden Tag auf Fleisch ver­zich­ten. Da ist und bleibt viel Freiraum.

Was sich gut ange­fühlt hat, war das Kochen für Gäs­te. Was wird in einem Jahr sein? Da blei­be ich gespannt – und vor­sich­tig opti­mis­tisch, weil g’schmeckt hat’s schon! Das meis­te jedenfalls.

Fotos: Dani­el J.

Mgl foto kontakt

Michael Glaß

Redakteur

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