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Soziales

Leben spüren – Wie Sprachenlernen das Leben schöner macht

Redaktion am 25.01.2022

2022 01 24 pb alb italienisch Foto: privat
Genuss auf Italienisch: Unsere Autorin Tamina Friedl entspannt am Gardasee. Sie liebt das Land – und das Lernen der Sprache hat ihr eine neue Welt eröffnet.

Wie reisen - nur im Kopf: Autorin Tamina Friedl liebt das Land Italien – und das Lernen der Sprache hat ihr eine neue Welt eröffnet.

Ich woll­te schon immer Ita­lie­nisch ler­nen. Rich­tig flie­ßend, mit rol­len­dem R und die­sem getra­ge­nen Klang, der sich in mei­nen Ohren immer ein biss­chen wie Musik anhört. Nach­dem Ita­li­en im Lau­fe unzäh­li­ger Fami­li­en­ur­lau­be mehr zwei­tes Zuhau­se als Urlaubs­ziel gewor­den ist, war es eigent­lich nur die logi­sche Fol­ge, auch die Spra­che zu ler­nen. Irgend­wann mache ich das, habe ich mir also gesagt. Und die­ses eine Mal habe ich den guten Vor­satz tat­säch­lich umge­setzt. In der Minu­te, in der ich mich für mein Stu­di­um ein­ge­schrie­ben habe, habe ich mich auch nach den Sprach­kur­sen erkun­digt, und so saß ich kurz dar­auf ab Semes­ter eins, Tag eins, jede Woche für vier Stun­den im Italienischkurs. 

Spra­chen zu ler­nen geht heu­te oft mit einer Ver­pflich­tung ein­her. Der Eng­lisch­un­ter­richt beginnt schon in der Grund­schu­le und bleibt oft bis zum Schul­ab­schluss, viel­leicht kommt dann noch eine zwei­te oder sogar drit­te Fremd­spra­che dazu und am Ende sind für so man­chen Stu­di­en­gang, Job oder Aus­bil­dungs­weg bestimm­te Fremd­spra­chen­kennt­nis­se Vor­aus­set­zung. Ich konn­te in der Schu­le schon viel mit Spra­chen anfan­gen und trotz­dem blieb auch für mich am Ende immer der Druck, eine Spra­che nicht nur für mein täg­li­ches Leben, son­dern vor allem für die Punk­te im Abitur zu ler­nen. Bei Ita­lie­nisch war das anders. Die­ses Mal über­wog von Anfang an das Bewusst­sein, etwas frei­wil­lig und nur für mich zu tun. Mit die­sem Bewusst­sein kam letzt­end­lich auch die Erfah­rung, dass eine Spra­che zu ler­nen viel mehr mit sich brin­gen kann als die Fähig­keit, einen Kaf­fee in einem ande­ren Land zu bestellen. 

Etwas ein­schüch­ternd war es zuerst ein­mal schon, prak­tisch bei null anzu­fan­gen. Wenn man anfangs noch nicht ein­mal die Wor­te dafür hat, nach der Uhr­zeit zu fra­gen, kommt einem der Weg bis zum flüs­si­gen Gespräch erst­mal sehr steil vor. Mit jeder Stun­de Unter­richt habe ich aber gemerkt, wie sich etwas tut. Ich konn­te dabei zuse­hen, wie sich lang­sam ein Gefühl für die Spra­che ent­wi­ckel­te. Nach eini­gen Wochen fühl­te sich alles gar nicht mehr so fremd an und mit jedem gespro­che­nen Satz wuchs auch das Selbst­be­wusst­sein. Wenn man die net­te Ita­lie­ne­rin am Hafen in Lazi­se fragt, wann die nächs­te Fäh­re kommt, ein Glas Wein bestellt, ohne das ita­lie­ni­sche Wort für Glas – bic­chie­re – voll­kom­men falsch aus­zu­spre­chen, oder sich ohne Pro­ble­me auf einen Kaf­fee ver­ab­re­den kann, dann macht das stolz. Die Spra­che zu ler­nen, das ging für mich auch immer mit dem wach­sen­den Ver­trau­en in mei­ne Fähig­kei­ten einher.

Beinahe ein kleiner Kurzurlaub

Trotz­dem zieht sich eines durch den gan­zen Pro­zess des Ler­nens: Feh­ler machen. Für mich als Per­fek­tio­nis­tin in sämt­li­chen Lebens­be­rei­chen war es zunächst respekt­ein­flö­ßend, im Sprach­kurs auch mal den Mund auf­ma­chen zu müs­sen, wenn ich mir alles ande­re als sicher dar­über war, was raus­kom­men wür­de. Irgend­wann im fünf­ten Semes­ter war es unse­re Auf­ga­be, in knapp zwei Minu­ten und nur anhand von ein paar Fotos uns selbst vor­zu­stel­len, und zwar so, dass man einen poten­zi­el­len Arbeit­ge­ber von sich über­zeu­gen könn­te. Noti­zen waren ver­bo­ten. In zwei Minu­ten kann man mehr Feh­ler machen, als man erst­mal glaubt. Was blieb, waren aber vor allem die vie­len Tipps im Anschluss – und das Lachen über die zahl­rei­chen Buch­sta­ben­dre­her und Wort­ver­wechs­lun­gen aller Kurs­teil­neh­mer. Auch nach jetzt über drei Jah­ren sit­ze ich oft da mit einem Satz im Kopf und habe kei­ne Ahnung, wie ich den Gedan­ken auf Ita­lie­nisch for­mu­liert bekom­me. Was mir jetzt aber viel leich­ter fällt als vor­her, ist, es ein­fach mal zu ver­su­chen. Irgend­je­mand wird mich schon ver­ste­hen und wenn nicht, ist in Ita­li­en bekannt­lich immer noch viel mit Ges­tik zu retten.

Als mich 2020 die Coro­na­pan­de­mie ins Online-Stu­di­um zwang, habe ich für einen kur­zen Moment über­legt, den Ita­lie­nisch­kurs nicht mehr zu bele­gen. Zu groß war die Befürch­tung, dass die Belas­tung im Stu­di­um dadurch nur noch grö­ßer wür­de. Kur­ze Zeit und eine Kurs­an­mel­dung spä­ter war der Sprach­kurs zum Wochen­high­light gewor­den. Mit der Spra­che eng ver­bun­den ist auch immer die Kul­tur des Lan­des, in dem sie gespro­chen wird. Wenn ich dann also den gan­zen Tag zu Hau­se vor dem Bild­schirm ver­bracht habe, wäh­rend das Rei­sen in immer wei­te­re Fer­ne rück­te, waren ein paar Stun­den Sprach­kurs manch­mal bei­na­he ein klei­ner Kurz­ur­laub. So habe ich mitt­ler­wei­le zum Bei­spiel ver­in­ner­licht, dass Cap­puc­ci­no nur zum Früh­stück getrun­ken wird – und wirk­lich nur zum Früh­stück. Oder dass die Auto­hu­pe im ita­lie­ni­schen Stra­ßen­ver­kehr ger­ne auch als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ein­ge­setzt wird. Oder etwa dass bei einem Besuch in Bolo­gna unbe­dingt das all­jähr­li­che Tor­tel­li­ni-Fes­ti­val besucht wer­den muss – kein Scherz, das gibt es wirklich. 

Spra­chen ler­nen kann wie rei­sen sein, nur eben im Kopf. Gera­de in Zei­ten wie jetzt, in denen der Blick über die eige­ne Lan­des­gren­ze hin­aus oft schwie­rig ist, kann genau das ein Stück vom Aben­teu­er zurück­brin­gen. Und wenn ich dann daheim in Pas­sau in mei­ner Lieb­lings-Piz­ze­ria anco­ra un dol­ce“ bestel­le statt noch eine Nach­spei­se“, füh­le ich mich doch kurz so, als wäre ich wirk­lich irgend­wo in Bel­la Italia.

Text: Tami­na Friedl

Die Sprache in den Alltag integrieren – Es muss nicht immer gleich ein Sprachkurs sein

Wer eine Spra­che ler­nen möch­te, muss kei­nen Kurs besu­chen. Um ein ers­tes Gefühl für eine Spra­che zu bekom­men, hilft es z.B. bereits, sie mehr und mehr in den All­tag zu inte­grie­ren, sei es in Form von Musik oder auch mit Fil­men, die man in der Fremd­spra­che und mit deut­schen Unter­ti­teln schaut. Voll­kom­men kos­ten­los sind außer­dem You­Tube-Vide­os von Kanä­len, die sich auf das Spra­chen­ler­nen spe­zia­li­siert haben. Auch das Pod­cast-Ange­bot in die­sem Bereich ist groß. Und am bes­ten ist es sowie­so, ein­fach zuzu­hö­ren und aus­zu­pro­bie­ren. Wenn Sie jeman­den in Ihrem Umfeld haben, der eine ande­re Spra­che spricht, freut sich der- oder die­je­ni­ge mit Sicher­heit, sie auch an Sie weiterzugeben.