Zum dritten Mal sind die Jesus Biker heuer auf einer Friedensfahrt; zum dritten Mal wollen sie ein ganz besonderes Motorrad für einen guten Zweck versteigern; und zum dritten Mal haben sie auf ihrem Weg aus dem südhessischen Schaafheim einen Zwischenstopp in Altötting eingelegt.
Papst Leo XIV. hätte sich bestimmt gefreut, wenn er auch heuer auf einem veredelten Motorrad sitzen dürfte. Letztes Jahr brachten die Jesus Biker eine BMW R 18 Transcontinental zum Papst nach Rom, um sie von ihm segnen und signieren zu lassen. Beides machte der technikaffine Papst – und nutzte gerne die Gelegenheit, auf dem Bike Probe zu sitzen. Vorführungen des Films „Zwischen Kutten, Chrom und Petersdom – Die Jesus Biker und ihr Peace Ride zum Papst“ im Filmsaal des Altöttinger Marienwerks erinnerten am Samstagnachmittag, 13. Juni an dieses besondere Ereignis.
Dieses Jahr wird Action Ikone Arnold „Arnie“ Schwarzenegger die Möglichkeit haben, auf einer von den Jesus Bikern in Zusammenarbeit mit „Tom’s Garage“ veredelten elektrisch angetriebenen Harley-Davidson-Livewire Platz zu nehmen. Denn heuer ist nicht Rom, sondern Wien das Ziel der Jesus Biker auf ihrem „Peace Ride“. Und nicht nur der – angesichts der Kriege in der Ukraine und in Nahost – dringend nötige Friede, sondern auch der Schutz der Umwelt ist Thema der Aktion. Den Schauspieler und ehemaligen US-Politiker Schwarzenegger wollen die Biker im Umfeld der Klimaschutzkonferenz „Austrian World Summit“ treffen. Arnie soll die Maschine signieren, damit sie bei der geplanten Versteigerung möglichst viel Geld einbringt. Der Erlös soll gespendet werden. Dies erneut für Projekte von missio Österreich in Madagaskar – wie vergangenes Jahr für Kinderhilfe- und außerdem für Klimaprojekte auf der Insel im Indischen Ozean, die bereits fast 90 Prozent ihrer ursprünglichen Regenwald-Flächen durch Abholzung verloren hat; darüber hinaus ist das Geld für spezielle von Arnold Schwarzenegger unterstützte Klimaschutzprojekte gedacht.
Jesus Biker in Altötting – Impressionen
Damit bleiben sich die Jesus Biker insoweit treu, als dass sie damit auch die Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus würdigen. Der Vorgänger von Leo XIV. war 2019 der erste, der eine Harley der Jesus Biker für ein Projekt von Missio Österreich für Kinder in Uganda segnete und signierte.
Wieviel Geld dieses Mal konkret in Projekte fließen wird, hängt freilich von der Höhe des Erlöses ab. Der Gründer der Jesus Biker und Initiator der Aktion, Dr. Thomas Draxler hofft mit Unterstützung des ehemaligen kalifornischen Gouverneurs Schwarzenegger auf Kontakte in die USA, wo sich bei Versteigerungen sehr viel mehr Erlös erzielen lasse als in Deutschland. Vergangenes Jahr kamen immerhin rund 130.000 Euro für Kinder in Madagaskar zusammen.
Treu bleibt die sehr spezielle Gemeinschaft dem Wallfahrtsort Altötting, wo 2016 im Rahmen der Motorrad Wallfahrt die Idee zu dem Projekt entstanden ist. Und treu bleiben die Jesus Biker auch ihrem Grundsatz „Beten, biken, Gutes tun“, wie heuer am 13. Juni eine Andacht im Altöttinger Kongregationssaal zeigte.
„Ihr setzt ein starkes und sichtbares Zeichen des Friedens auf den Straßen“, begrüßte Paulinerpater Paul Binkowski die Jesus Biker zu der von der Sängerin Sandra Patsis eindrucksvoll musikalisch gestalteten Andacht. „Ihr zeigt, dass der Glaube mitten ins Leben gehört“, sagte der stellvertretende Altöttinger Wallfahrtsrektor und segnete die neue Standarte der ökumenisch ausgerichteten Motorrad-Truppe, auf der eine Heilig-Geist-Taube prangt. Wie wichtig den Jesus Bikern der Glaube ist, zeigt auch deren Kutte, auf der nicht etwa der Name der Gemeinschaft der Motorradfreunde steht, sondern der Name des Gottessohnes. „Ich bin nicht der Präsident, sondern nur der Verwalter“, sagte folgerichtig Thomas Draxler während der Aufnahmezeremonie neuer Mitglieder. „Unser Präsident ist Jesus Christus.“
Auch das ist Draxler wichtig: Dass nur solche Leute den Jesus Bikern beitreten, die wirklich für die Sache brennen. Die Gemeinschaft ist daher ähnlich aufgebaut wie die in Orden: mit Postulanten, Novizen und jenen, die den „ewigen Bund“ eingehen möchten. Novizen kamen an diesem Samstag u.a. aus dem fernen Mauritius. Vor allem die letztjährige Friedensfahrt nach Rom hat den Jesus Bikern jede Menge Publicity beschert: „Wir bekommen weltweit Anfragen“, erzählte Draxler und betonte: „Aber wir sind kein Kleiderhandel, der Kutten verschickt!“
Wer eine echte „Jesus Biker“-Kutte haben will, der müsse schon nach Deutschland kommen und sich persönlich vorstellen und überzeugen, dass er auch wirklich dabei sein möchte. Die vier Kandidaten aus Mauritius wollen und sprachen ihr „Ja, so wahr mir Gott helfe …“.
Am Abend führten die rund 60 Teilnehmer der Friedensfahrt die traditionelle Lichterprozession nach dem Vorabendgottesdienst in der Basilika über den Kapellplatz an – ganz vorne schob einer der Biker die Harley-Davidson-Livewire mit. Mehrere der rund 40 Motorräder der Jesus Biker, die, wie Draxler sagte, lieber in Kirchen anstatt in Clubhäusern feiern, waren am Platz vor der Gnadenkapelle aufgebaut, wo die Prozession am Ende wie im Spalier hindurchlief.

