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Bischof

Katholisch, sinnlich, digital

Wolfgang Krinninger am 15.02.2021

Bischof Dr. Stefan Oster S08 godibischof PB info-icon-20px BildschnittTV/Hintermayr
Dem Gottesdienst eine schlichte Feierlichkeit verleihen, das ist Bischof Dr. Stefan Oster auch bei den Übertragungen in Fernsehen und Internet wichtig. Der Passauer Oberhirte hat in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, dass dieses Angebot von den Gläubigen sehr dankbar angenommen wird. Worauf es dabei ganz besonders ankommt und warum ein Fernsehgottesdienst immer ein Ersatz bleibt, erklärt er im Interview.

Seit einem Jahr beherrscht das Coronavirus den Alltag. Niemand kann sich entziehen. Auch die Kirchen nicht. Ein Erfolgsmodell in der Krise sind die TV-Gottesdienste. Über Chancen und Grenzen der neuen Formate sprachen wir mit Bischof Stefan Oster.

Herr Bischof, nach Weih­nach­ten wer­den nun auch in der Fas­ten- und Oster­zeit vie­le Got­tes­diens­te via Fern­se­hen, Radio und Inter­net über­tra­gen. Was gab dafür den Aus­schlag?
Oster: Wir haben uns gefragt, wie wir im Lock­down bei den Men­schen sein kön­nen. Und die­se Kanä­le haben sich als her­aus­ra­gen­de Mög­lich­keit erwie­sen, bei den Men­schen zu sein und ihnen wenigs­tens auf die­sem Weg die Teil­nah­me am Got­tes­dienst zu ermöglichen.

Wie waren die Rück­mel­dun­gen auf die bis­her aus­ge­strahl­ten Got­tes­diens­te? Was hat man dar­aus gelernt?
Oster: Die Rück­mel­dun­gen sind in der Regel sehr, sehr posi­tiv. Die Men­schen wür­di­gen das Gesamt­pa­ket: die musi­ka­li­sche Gestal­tung, die gut aus­ge­wähl­ten Bil­der, die wir sen­den, die Art der Ver­kün­di­gung. Wir sind inzwi­schen ein ein­ge­spiel­tes Team, und die Men­schen sind dank­bar, dass sie sich irgend­wie zuhau­se füh­len kön­nen. Sie erle­ben hei­mat­li­che, regio­na­le Gefüh­le, weil sie ihren Bischof sehen, weil sie ihre Kir­che, ihren Dom sehen – und das tut den Men­schen offen­bar sehr gut. 

S08 stephani PB info-icon-20px Fotos: BildschnittTV/Hintermayr

Braucht es ergän­zen­de Ange­bo­te?
Oster: Wir haben gelernt, dass der Zuspruch so groß ist, dass wir ergän­zen­de Ange­bo­te machen müs­sen. Wir wer­den die Mög­lich­keit, tele­fo­nisch Rück­mel­dung zu geben, deut­lich aus­bau­en, ver­dop­peln qua­si. Wir wer­den auch vor­weg Ange­bo­te machen – etwa Vide­os pro­du­zie­ren –, die auf den Got­tes­dienst und sei­nen Inhalt hin­füh­ren. Wir wer­den auch anbie­ten, dass Men­schen auf unse­rer Home­page vie­ler­lei Mög­lich­kei­ten fin­den wer­den, sich auf den Got­tes­dienst vor­zu­be­rei­ten oder auch mit Kin­dern zu beten oder den Got­tes­dienst mit zu fei­ern. Sol­che ergän­zen­den Ange­bo­te wird es geben.

Sonn­tag­vor­mit­tag, der Papa oder die Mama steht am Bügel­brett und im Fern­se­hen läuft der Got­tes­dienst aus dem Dom St. Ste­phan. Geht das? Was sind abso­lu­te No-Gos?
Oster: Ich glau­be, das muss jeder Mensch selbst ent­schei­den. Auch in mei­nem Büro ist dar­über eine Debat­te ent­stan­den. Einer mei­ner Mit­ar­bei­ter zieht sich am Sonn­tag, wenn er in den Got­tes­dienst geht, immer eine Kra­wat­te an. Jetzt war die Fra­ge: Zieht er sich auch, wenn er den Fern­seh­got­tes­dienst mit­ver­folgt und dar­an teil­nimmt, eine Kra­wat­te an? Man dis­ku­tiert zuhau­se: Knien wir uns hin, machen wir das Kreuz­zei­chen, wenn dazu auf­ge­for­dert wird, sin­gen wir mit, beten wir laut das Vater unser mit? Sol­che Sachen wer­den dis­ku­tiert. Man übt ein, wie man eigent­lich medi­al den Got­tes­dienst mit­fei­ert. Und ich glau­be, vie­le Men­schen, die ein­fach nur kon­su­mie­ren, spü­ren auch, dass sie jetzt ein­fach nur kon­su­mie­ren. Wir wer­den dazu ver­führt, kei­ne Fra­ge, aber viel­leicht mag man­cher auch ein­fach nur die Pre­digt hören und trinkt dane­ben Kaf­fee. Ich kann’s ihm nicht ver­bie­ten, das ist des­we­gen auch kein No-Go, da darf jeder natür­lich selbst ent­schei­den, wie er das macht. Aber wenn man ernst­haft mit­fei­ern will, soll­te man sich selbst No-Gos geben, viel­leicht ver­bun­den mit der Fra­ge: Was wür­de ich in einer Kir­che auf kei­nen Fall tun?

Eine neue Reli­gi­on im digi­ta­len Gewand wer­de die off­line erleb­te Reli­gi­on kaum erset­zen, die neu­en Mög­lich­kei­ten wer­den allen­falls als eine Beson­der­heit im Markt kul­tu­rel­ler Ange­bo­te exis­tie­ren, sagt der Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Jan Ass­mann. Sind Sie auch der Mei­nung, dass die Glau­bens­re­li­gi­on von der Leib­lich­keit lebt und sich die fei­ern­de, beten­de, zuhö­ren­de Gemein­de auf Dau­er nicht digi­ta­li­sie­ren lässt?
Oster: Gera­de wir als Katho­li­ken und Katho­li­kin­nen leben auch von der sinn­li­chen Erfah­rung unse­rer Sakra­men­te, die ja auch die Mit­te unse­rer Got­tes­diens­te sind; es sind leib­lich-sinn­li­che Erfah­run­gen, Gott macht sich erfahr­bar, erleb­bar, sogar ess­bar. Wir kom­mu­ni­zie­ren die Kom­mu­ni­on und trin­ken die Kom­mu­ni­on, das sind sehr, sehr wich­ti­ge Erfah­run­gen. Auch die leib­li­che Gemein­schaft der Men­schen als Brü­der und Schwes­tern ist pri­mär. Und des­halb, nein, der digi­ta­le Got­tes­dienst ist kein gleich­wer­ti­ger Ersatz. Er ist ein Ersatz für man­che, die nicht anders kön­nen, aber auch ein guter Ersatz ist nicht wirk­lich adäquat.

Gewäh­ren Sie uns einen Blick in Ihr Innen­le­ben: Wie erle­ben Sie als Pries­ter am Altar einen TV-Got­tes­dienst? Was ist anders?
Oster: Zunächst habe ich ver­sucht, ein­fach ganz nor­mal wie immer im Got­tes­dienst da zu sein. Es waren ja immer eini­ge Musi­ker da oder Minis­tran­tin­nen, Minis­tran­ten, Lek­to­ren oder der Dia­kon. Ich habe im Grun­de auf die hin, mit denen Got­tes­dienst gefei­ert. Und dar­über hin­aus habe ich bedacht, dass auch noch Men­schen da sind, die aus der Fer­ne teil­neh­men. Aber mir hat es sehr gehol­fen, dass wirk­lich leib­lich Men­schen da waren. Des­we­gen konn­te ich auch inner­lich eini­ger­ma­ßen ent­spannt sein. Es ist auch so, dass ich wirk­lich ger­ne Got­tes­dienst feie­re und inner­lich das Mys­te­ri­um voll­zie­he. Die Ver­su­chung ist, dass man zu viel gewis­ser­ma­ßen Show dar­aus macht, damit man irgend­wel­che Effek­te erzielt, dass man zu viel auf die Men­schen ein­geht, die den Got­tes­dienst mit­ver­fol­gen. Mir ist eigent­lich dar­an gele­gen, den Got­tes­dienst so selbst­ver­ständ­lich wie mög­lich zu fei­ern. Es gibt eine schlich­te Fei­er­lich­keit, wür­dig, das ist mir ganz wich­tig. Ich habe erlebt, dass wir das tun konn­ten, weil wir eine so hoch pro­fes­sio­nel­le Vor­be­rei­tung hat­ten. Dr. Bau­ern­feind und Herr Duschl haben das sehr, sehr gut vor­be­rei­tet, haben auch unse­re Fern­seh­leu­te sehr gut drauf ein­ge­stimmt, so dass ich mich wirk­lich auf den Got­tes­dienst und auf die Ver­kün­di­gung kon­zen­trie­ren und mich dabei sam­meln konnte.

Coro­na prägt mitt­ler­wei­le über ein Jahr unse­ren All­tag. Neh­men Sie wahr, dass die Men­schen in Zei­ten der Kri­se mehr Kraft aus dem Glau­ben schöp­fen? Hat unse­re Kir­che die rich­ti­gen Ant­wor­ten für die Suchen­den?
Oster: Es gibt eini­ge, die in die Tie­fe kom­men, die nach Ant­wor­ten suchen und die viel­leicht die gewon­ne­ne Zeit anders nut­zen. Es gibt ande­re, die las­sen sich ver­ängs­ti­gen. Und vie­le haben natür­lich tat­säch­lich exis­ten­zi­el­le Not, haben Angst. Wenn wir uns fra­gen, will uns Gott etwas damit sagen, bekom­men wir als Ant­wort: Gott will uns immer sagen, dass wir uns zu ihm hin­keh­ren, zu ihm hin­wen­den sol­len – und ich hof­fe, dass vie­le Men­schen das tun wer­den. Ich hof­fe, dass wir mit dem digi­ta­len Ange­bot in der rech­ten Wei­se bei den Men­schen sind. Aber ich weiß natür­lich auch, dass sich vie­le Men­schen drau­ßen in unse­rer Seel­sor­ge bemü­hen, bei den Men­schen zu sein, wo es mög­lich ist – per­sön­lich oder eben auch über die Tech­nik mit Kon­tak­ten, Brie­fen und E‑Mails usw. Es gibt vie­le krea­ti­ve Aktio­nen, mit denen Men­schen ein­an­der nahe sein können.

Bli­cken wir nach vor­ne, auf die Zeit, wenn wir die Pan­de­mie end­lich hin­ter uns haben. Keh­ren die Men­schen wie­der in die Got­tes­diens­te zurück? Wird sich im kirch­li­chen Leben etwas grund­le­gend ver­än­dern?
Oster: Ich hof­fe, dass vie­le zurück­keh­ren. Ich hof­fe, dass die Sehn­sucht wächst und auch zurück­kehrt. Ich hof­fe, dass bei den Men­schen das, was spe­zi­fisch katho­lisch ist, sei­ne Wir­kung ent­fal­tet: also eben auch sinn­li­che Erfah­rung, leib­li­che Gemein­schafts­er­fah­rung. Das kirch­li­che Leben, glau­be ich, ver­än­dert sich inso­fern, als wir viel gelernt haben, auch im Umgang mit tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten. Das wird sich auf die Ver­kün­di­gung aus­wir­ken. Ich glau­be, bei dem The­ma sind wir bes­ser gewor­den.
Ich glau­be schon, dass wir auch gesell­schaft­lich durch eine Zeit gehen, die für die Kir­che sehr her­aus­for­dernd ist. Wir wer­den sehr bald eine sehr ver­än­der­te Kir­che erle­ben, das hängt auch mit Coro­na zusam­men, aber nicht allei­ne. Coro­na ist ein Beschleunigungsfaktor.

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Wolfgang Krinninger

Chefredakteur

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