Das glauben wir

Für jede Frage eine Antwort: Die Bibel wird nie langweilig

Redaktion am 16.06.2026

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Ein echtes Verständnis Christi ist ohne Bibel nicht möglich, sagt Prof. Sandra Huebenthal im Interview.

Was kann uns ein so altes Buch wie die Bibel heute sagen? Wie können wir sie richtig verstehen? Was hat sie mit meinem Leben konkret zu tun? Katharina Hauser kam in unserer Adoratio-Interviewreihe mit Prof. Sandra Huebenthal ins Gespräch.

Der Satz Wer die Schrift nicht kennt, kennt Chris­tus nicht“ geht auf Hie­ro­ny­mus zurück. Was bedeu­tet die­se Aus­sa­ge kon­kret für unser Glau­bens­le­ben heu­te?
San­dra Hue­ben­thal: Die Hei­li­ge Schrift ist der Basis­text unse­res Glau­bens. Sie offen­bart Jesus als den Chris­tus und sei­ne Stel­lung im gött­li­chen Heils­plan. Ein ech­tes und rich­ti­ges Ver­ständ­nis Chris­ti an der Schrift vor­bei ist nicht mög­lich. Sie ist damit Tor zum Ver­ständ­nis und gibt gleich­zei­tig den Rah­men des Ver­ständ­nis­ses vor – wie bei einem schön ange­leg­ten, aber klar umzäun­ten Gar­ten. In der Schrift lässt sich Chris­tus auf viel­fa­che Wei­se begeg­nen: als ver­kün­de­ter, erzähl­ter, ver­bor­ge­ner, pro­phe­zei­ter und geglaub­ter Chris­tus – und als der Herr, der das Leben der Men­schen für immer verändert.

Vie­le Men­schen fin­den den Ein­stieg in die Bibel schwie­rig. Was wür­den Sie jeman­dem raten, der anfan­gen möch­te zu lesen, aber nicht weiß, wo und wie?
San­dra Hue­ben­thal: Eine gute Mög­lich­keit für den Ein­stieg sind das Lukas­evan­ge­li­um und die Apos­tel­ge­schich­te. Sie erzäh­len leben­dig, unter­halt­sam und theo­lo­gisch reflek­tiert von Jesus und dem Beginn der Kir­che. Lukas ist Theo­lo­ge und Schrift­stel­ler und ganz auf der anti­ken Linie des pro­des­se et delec­ta­re“ – nüt­zen und unter­hal­ten. Sein Werk liest sich fast wie eine Ein­füh­rung in den Glau­ben und das not­wen­di­ge Wis­sen über die jüdi­schen Wur­zeln des Chris­tus­glau­bens, ohne die man Jesus nicht rich­tig ver­ste­hen kann. Von dort aus gibt es dann unter­schied­li­che Wege, je nach Inter­es­sens­la­ge: zu Pau­lus, zu den ande­ren Evan­ge­li­en oder ins Alte Tes­ta­ment. Grund­sätz­lich wür­de ich immer gan­ze bibli­sche Bücher lesen, nicht nur Ein­zel­stel­len, und nicht ein­fach fort­lau­fend von Gene­sis bis Offen­ba­rung – erfah­rungs­ge­mäß stei­gen vie­le Leser irgend­wo im Buch Levi­ti­kus aus. Was auch sehr hilft: nicht allein lesen, son­dern in Gemeinschaft.

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Prof. Sandra Huebenthal.

Die Bibel ist für vie­le zugleich fas­zi­nie­rend und her­aus­for­dernd. Wie kann man mit schwie­ri­gen oder unver­ständ­li­chen Stel­len gut umge­hen?
San­dra Hue­ben­thal: Eine Mög­lich­keit ist, erst ein­mal für sich zu klä­ren, was genau einen Text schwie­rig oder unver­ständ­lich macht. Das kann eine sprach­li­che For­mu­lie­rung sein, eine frem­de Lebens­welt oder ein unge­wohn­ter, kom­ple­xer Gedan­ke. Je nach­dem, was es ist, wür­de ich unter­schied­lich vor­ge­hen. Manch­mal hilft schon eine ande­re Über­set­zung wei­ter, die das sprach­li­che Pro­blem anders löst, manch­mal braucht es genaue­re Infor­ma­tio­nen über den Kon­text, in dem ein Text steht, und manch­mal hilft ein geist­li­ches Gespräch. Wenn ich mit ande­ren Men­schen Bibel lese, sind die ers­ten Fra­gen meist Ver­ständ­nis­fra­gen, die sich im Gespräch oder mit einer Stu­di­en­bi­bel lösen las­sen. Nicht sel­ten ent­ste­hen dar­aus Glau­bens­ge­sprä­che, weil die Schrift uns wei­ter­führt. Inter­net und KI kön­nen bei die­sen Fra­gen eine ers­te Anlauf­stel­le sein, sind aber nie so gut wie ein theo­lo­gi­sches Buch und ein per­sön­li­ches Gespräch.

Sie beschäf­ti­gen sich beruf­lich täg­lich mit der Schrift: Was begeis­tert Sie per­sön­lich immer wie­der neu an die­sem Text?
San­dra Hue­ben­thal: Wie viel­sei­tig und lebens­nah die Tex­te der Hei­li­gen Schrift sind. Es gibt in die­ser Glau­bens­bi­blio­thek ganz unter­schied­li­che Bücher. Für jede Fra­ge, jede Lebens­si­tua­ti­on und jede Stim­mung gibt es eine gan­ze Aus­wahl von Tex­ten, die nie lang­wei­lig wer­den. Mei­ne Erfah­rung ist, dass sich die Tex­te der Hei­li­gen Schrift immer wie­der neu lesen und neu ent­de­cken las­sen. Das ist fas­zi­nie­rend und her­aus­for­dernd zugleich. Die Hei­li­ge Schrift wächst irgend­wie mit den Lesern“, sagt Gre­gor der Gro­ße. Stimmt. Und wir dür­fen täg­lich und in jeder Lebens­si­tua­ti­on neu mitwachsen.

Adoratio 2026

Prof. San­dra Hue­ben­thal ist Pro­fes­so­rin für Exege­se und bibli­sche Theo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Pas­sau und wird bei Ado­ra­tio Alt­öt­ting vom 9. bis 11. Okto­ber einen Work­shop geben zum The­ma Wer die Schrift nicht kennt, kennt Chris­tus nicht – Frag alles, was du schon immer über die Bibel wis­sen wolltest!“

Beim Glau­bens­fest im Her­zen Bay­erns gibt es außer­dem Vor­trä­ge von Autor Tobi­as Haberl, Prof. Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz und Bischof Ste­fan Oster SDB, zahl­rei­che wei­te­re Work­shops, Gebets­aben­de und eine Lich­ter­pro­zes­si­on um die Gna­den­ka­pel­le. Gläu­bi­ge aus dem Bis­tum Pas­sau zah­len für das Ticket nur die Hälfte. 

Unter der Lei­tung des Refe­rats für Neue­van­ge­li­sie­rung des Bis­tums Pas­sau wird der Kon­gress 2026 in Zusam­men­ar­beit mit den Bis­tü­mern Augs­burg und Eich­stätt bereits zum sieb­ten Mal ver­an­stal­tet. Ado­ra­tio wird über Radio (Radio Horeb) und Fern­se­hen (EWTN​.TV und K‑TV) über­tra­gen wer­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf www​.ado​ra​tio​-alt​oet​ting​.de

Oft stellt sich die Fra­ge, wie alte Tex­te heu­te noch rele­vant sein kön­nen. Wie wird die Bibel kon­kret zu einem Go-To-Text“ für das eige­ne Leben?
San­dra Hue­ben­thal: Wenn ich mit ande­ren über die Hei­li­ge Schrift spre­che, ist das Pro­blem weni­ger, dass die Tex­te alt sind, als dass sie unbe­kannt sind und man nicht weiß, wie man sich ihnen nähern soll. Damit sind wir wie­der bei den Fra­gen 2 und 3. Hin­zu kommt, dass uns das Welt­ver­ständ­nis der bibli­schen Tex­te oft­mals nicht mehr ver­traut ist. Die Welt ist Schöp­fung und vom Geist Got­tes durch­drun­gen? Gott hat einen Plan mit der Welt und den Men­schen? Das klingt für post­mo­der­ne Ohren fremd. Es wird viel ein­fa­cher, wenn es jeman­den gibt, der einen mit­nimmt in die Welt der Bibel und ihre Schön­heit auf­schließt. Ob das im rea­len oder im digi­ta­len Leben ist, ist dabei fast egal, so lan­ge es einen ech­ten Aus­tausch und nicht nur Input gibt. Ein guter Bibel-Gui­de hilft, die pas­sen­den Tex­te zu fin­den und behut­sam zu ent­de­cken. Und das Bes­te dar­an ist: Abso­lut jeder, der die Schrift liebt und oft in ihr liest, kann ein sol­cher Gui­de sein – vom Groß­va­ter bis zur bes­ten Freun­din. Dafür muss man nicht Pro­fes­sor sein.

Katharina
Hauser

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