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Der christliche Glaube beginnt mit einer einfachen Wahrheit: Gott liebt uns – und er ruft jeden Menschen zur Liebe. Diese Erfahrung steht im Mittelpunkt von Adoratio 2026 vom 9. bis 11. Oktober in Altötting. Wir stellen im Vorfeld wichtige Referenten des Glaubensfests in einer Interviewreihe vor. Heute: Peter Kunz, Alexa Weber und Monika Schüllner.
Ob Gott heute noch mit uns spricht und wie seine Stimme im Alltag erfahrbar wird, beschäftigt viele Menschen. Peter Kunz (Leiter der Berufungspastoral), Alexa Weber und Monika Schüllner (beide vom karmelitanischen Säkularinstitut Notre Dame de Vie) laden dazu ein, Gottes Gegenwart neu zu entdecken und den Glauben als lebendige Begegnung zu verstehen.
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Spricht Gott heute noch mit uns? Und was sind typische Weisen, in denen seine Stimme im Alltag erfahrbar wird?
Peter Kunz: Gott hat nie aufgehört zu sprechen – aber seine Stimme ist leise. Er begegnet uns nicht zuerst im Außergewöhnlichen, sondern im Inneren unseres Lebens. Die Karmeltradition, etwa bei Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz und Thérèse von Lisieux, betont: Gott spricht im Herzen des Menschen. Oft beginnt das ganz unscheinbar – als Sehnsucht nach mehr, als innerer Anruf zum Guten, als tiefer Friede in einer Entscheidung oder als ein Wort der Schrift, das plötzlich persönlich wird. Wer sich Zeiten der Stille schenkt, entdeckt: Gott ist längst da und spricht – wir müssen nur lernen, wieder zu hören.
Manche haben Angst, Gottes Wille könnte sie einengen oder ihnen etwas wegnehmen. Was würden Sie entgegnen?
Peter Kunz: Diese Sorge ist verständlich – und zugleich eines der größten Missverständnisse über Gott. Gottes Wille ist keine Einschränkung, sondern eine Einladung zur Weite.
Er nimmt dem Menschen nichts, was ihn wirklich leben lässt, sondern löst ihn von dem, was ihn innerlich bindet. Gerade im Hören auf Gott wächst eine tiefere Freiheit – die Freiheit, das eigene Leben in Liebe zu gestalten. Der Weg des inneren Gebets, wie ihn die Karmeltradition erschließt, führt deshalb nicht in Enge, sondern in eine überraschende innere Weite: dorthin, wo der Mensch mehr und mehr er selbst wird – und Gott in seiner Sehnsucht entdeckt.
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Die karmelitischen Heiligen wie Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz und Thérèse von Lisieux haben intensive Gotteserfahrungen beschrieben. Was können „normale“ Menschen heute ganz praktisch von ihnen lernen?
Alexa Weber: Zuerst: Auch diese drei Heiligen waren normale Menschen, Kinder ihrer jeweiligen Zeit, mit ihren Prägungen, Charaktereigenschaften und Verletzungen. Wir können von ihnen lernen, dass alle Menschen ohne Ausnahme zu einer innigen Freundschaft mit Gott berufen sind und auch dazu fähig sind, egal in welchem Lebensstand. Die Taufe hat uns alles geschenkt, was wir für ein intensives Leben mit Gott brauchen: Glaube, Hoffnung, Liebe. Gott will jedem die Fülle schenken. An uns ist es, ihm dafür in unserem Herzen einen Weg zu bereiten: im Gebet sich Zeit für ihn nehmen, auf seine Stimme hören und all das weglassen, was Gottes Wirken in uns hindert. Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz und Thérèse von Lisieux sind alle drei Kirchenlehrer, haben also allen Christen etwas zu sagen. Sie sind Meister in der Kunst des Betens und in ihren Schriften finden wir wunderbare Hilfen für unser persönliches Beten und für ein Leben mit Gott.
Sie können uns wie ein geistlicher Vater oder eine geistliche Mutter auf unserem Glaubensweg führen, raten und ermutigen durch das, was sie selber erlebt und geschrieben haben. Als Einstiegslektüre empfehle ich die Autobiographie von Thérèse von Lisieux.
Der Begriff „Gottesbeziehung“ klingt für viele abstrakt. Wie würden Sie ihn einfach erklären – und warum ist er so zentral für den Christen?
Alexa Weber: Ein Begriff bleibt abstrakt, wenn man die dahintersteckende Wirklichkeit noch nicht erlebt hat. Ich kann einfach nur ermutigen, sich hineinzuwagen in diese persönliche Beziehung, diese Freundschaft mit Gott und sich für eine Gotteserfahrung zu öffnen. Setzen Sie sich zuhause in Ihr Zimmer, zünden Sie eine Kerze an, schauen Sie sich ein Jesusbild an und fangen Sie an zu glauben, dass Gott DA ist. Horchen Sie auf ihn in einem Bibeltext, sprechen Sie mit ihm wie mit einem lieben Freund. Bleiben Sie dran, auch wenn Sie nichts Besonderes spüren. Peu à peu wird sich eine Beziehung entwickeln, glauben Sie es mir! Es ist wie bei einer menschlichen Beziehung: Die braucht Zeit, Pflege, Treue, Austausch, Liebe. Suchen Sie auch Gemeinschaft mit Christen, die ebenfalls eine Gottesbeziehung leben möchten. Diese Beziehung ist so zentral, weil Jesus Christus selber eine Person ist und mit den Menschen in Beziehung getreten ist. Er ist Mensch geworden und für uns gestorben, damit wir eine persönliche Liebesantwort auf seine Liebe geben. Dies kann nur in einer personalen Beziehung geschehen. Jesus will unser Herz, keine Pflichterfüllung oder den äußeren Vollzug von Riten. Wir Menschen sind außerdem Beziehungswesen, die die Erfüllung ihrer tiefsten Sehnsüchte nur in einer liebenden ewigen Beziehung mit Gott finden.
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Inneres Beten – was „bringt“ mir das, wie geht das und wie fange ich damit an?
Monika Schüllner: „Inneres Beten“ meint ganz einfach ausgedrückt: ein stilles, persönliches Zusammensein mit unserem Herrn Jesus Christus bzw. mit unserem dreifaltigen Gott. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Methode anzuwenden oder bestimmte, mündliche Gebete zu sprechen. Das kann helfen. Aber in erster Linie ist es wirklich ein ganz persönlicher Austausch mit Gott, bei dem ich mit meiner ganzen Person, mit all meinen Gedanken und Gefühlen bei oder mit IHM bin. Wichtig dabei ist, sich bewusst zu machen, dass diese Zeit, die ich mir dafür nehme – eine halbe Stunde zum Beispiel – wirklich IHM gehört. Ein stiller Ort mit wenig Ablenkung ist sinnvoll. Das kann überall sein: dein Zimmer, eine Kirche, ein anderer Raum oder ein Ort in der Natur, der abgelegen und still ist. Wie fange ich damit an? Es ist hilfreich, sich einen festen Zeitrahmen vorzunehmen und sich vorher innerlich auf diese Zeit einzustellen. Ich kann, wenn ich nun beginnen, zunächst wahrnehmen, wie ich jetzt gerade drauf bin. Bin ich aufgeregt, entspannt oder voller Gedanken und Eindrücke? Beschäftigt mich etwas besonders? So wie ich da bin, ist es in Ordnung. Dann mache ich mir bewusst, dass ich jetzt nicht alleine hier sitze und einfach eine Zeit absitzen werde. Sondern, dass jemand auf mich wartet. Ja, Jesus ist da.
Es kann mir helfen, mir Jesus bildlich vorzustellen. Oder ich lese einen Abschnitt aus der Bibel, evtl. aus einem Evangelium. Ich kann mich zunächst einen Moment hinknien, ruhig werden und ein bekanntes Gebet sprechen oder ganz frei ein Gebet formulieren. Ich bitte oft den Heiligen Geist, mein Herz zu öffnen für die Begegnung mit Gott; ich bitte den Heiligen Geist um Seine Gegenwart in mir, um Sein Licht, Seinen Frieden, Seine Weisheit. Und dann werde ich still. Ich schließe die Augen. Das ist in gewisser Weise schon alles. Ich weiß, Gott ist jetzt hier und ich darf ihm alles sagen. Ich darf ihn alles fragen. ER schaut mich liebevoll an und schenkt mir Seine Nähe. Ich kann auch einfach mit IHM schweigen.
Und was „bringt“ das?
Monika Schüllner: Es „bringt“ nichts. Es ist umsonst. Geschenkte Zeit – aber: eine erfüllte Zeit, in der doch etwas „geschieht“, etwas, was meinem Verständnis meist nicht zugänglich ist. Unmerklich und unbewusst beginnt es zu wachsen, eine Beziehung, eine Verbundenheit, aus der ich gestärkt werde, in ein inneres Gleichgewicht kommen kann und reich beschenkt werde mit einer Liebe, die mich nach und nach verwandeln und heiler machen wird. Also, es lohnt sich unbedingt! Und wer davon gekostet hat, sich daran gewöhnt hat, wird es nicht mehr missen mögen!
„Es ist so entlastend, dass ich vor Jesus auch völlig kraftlos und schwach sein darf. Dass er nicht auf meine Verdienste wartet, sondern sich über meine ernsthafte Treue freut. Darum geht es. Bei IHM bleiben, egal wie und trotz allem!”
„Ich fühle nichts, wenn ich bete!“ Wie gehe ich mit Zerstreuung, Trockenheit und Lustlosigkeit beim Beten um? Warum es wichtig ist, trotzdem „dran zu bleiben“.
Monika Schüllner: Du hast mit dem inneren Beten begonnen. Eine Zeit lang hat es ganz gut „funktioniert“, es hat sich gut angefühlt und du hast dabei Frieden und Motivation erfahren. Doch nach und nach kommen erste Durchhänger. Dein Gebet fühlt sich zunehmend trocken, lau, sinnlos an. Du fühlst nichts dabei. Bist unruhig, zerstreut. Keine Panik. Es ist normal. Zwar kann dieser Zustand verschiedene Ursachen haben. Aber es ist auch normal, dass nach einer gewissen Gewöhnung auch die Erfahrung von einer gewissen Trockenheit und Leere kommt. Es ist auch eine Zeit der Reifung und der Treue. Du kannst dich ehrlich fragen: Habe ich bisher vor allem gebetet, weil ich dabei wohlige Gefühle hatte, weil es mir eine gewisse Befriedigung gibt? Es ist, wie in jeder echten, dauerhaften Beziehung: auch das Gebet, meine Gottesbeziehung ist manchmal ein Kampf, auch hier gehören Krisen und Mühen dazu. Ich möchte dich ermutigen, trotz allem dran zu bleiben. Denn jetzt zeigt sich, um was bzw. um wen es wirklich geht. Es geht nicht um etwas Äußerliches, sondern wirklich um IHN! Und wenn sich Gott zurückzieht, wenn du den Eindruck hast, er schläft in seinem Boot und kümmert sich nicht: ER ist trotzdem da! Auch wenn du dich müde, lustlos, innerlich leer fühlst. Versuche, diesen unangenehmen Zustand auszuhalten, anzunehmen, Gott hinzuhalten. Ich sage IHM oft: „Ich bin so müde, ich bin so zerstreut. Ich will dir treu sein und will dir mein Herz, meinen guten Willen, meine Zeit schenken. Ich gebe dir auch all meine Armut und meine Ohnmacht. So bin ich!“ – Es ist so entlastend, dass ich vor Jesus auch völlig kraftlos und schwach sein darf. Dass er nicht auf meine Verdienste wartet, sondern sich über meine ernsthafte Treue freut. Darum geht es. Bei IHM bleiben, egal wie und trotz allem!
Katharina
Hauser
Glaubensfest im Herzen Bayerns
Monika Schüllner, Alexa Weber und Peter Kunz werden bei Adoratio Altötting vom 9. bis 11. Oktober einen Workshop geben zum Thema „Wie spricht Gott zu mir? – Gottes Willen entdecken ohne Angst“.
Beim Glaubensfest im Herzen Bayerns sprechen außerdem: Journalist und Bestsellerautor Tobias Haberl, Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sowie die Bischöfe Erik Varden OCSO aus Norwegen, Dr. Franz Jung aus Würzburg und Dr. Stefan Oster SDB aus Passau. Es wird außerdem ein vielfältiges Angebot an Workshops rund um die Themen Gottes- und Nächstenliebe geben, unter anderem mit Bernadette Lang, Anne Fleck, Prof. Sandra Huebenthal, Pater Stefan Hofmann SJ, Pfarrer Bernhard Hesse, Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl, Peter Kunz, Sr. Edith Kußmann OSB, Pfarrvikar Rupert Santner. Neben den Vorträgen und gemeinsamen Gebetszeiten wird ein Höhepunkt des Programms wieder die Lichterprozession um die Gnadenkapelle sein.
Adoratio ist ein Glaubensfest, bei dem Jesus Christus im Mittelpunkt steht – in der Eucharistie. Inspiriert von dem internationalen Kongress zur ewigen eucharistischen Anbetung, der 2011 erstmals in Rom stattfand, wurde Adoratio 2019 in Altötting ins Leben gerufen.
Unter der Leitung des Referats für Neuevangelisierung des Bistums Passau wird der Kongress 2026 in Zusammenarbeit mit den Bistümern Augsburg und Eichstätt bereits zum siebten Mal veranstaltet. Adoratio wird über Radio (Radio Horeb) und Fernsehen (EWTN.TV und K‑TV) übertragen werden. Weitere Informationen finden Sie auf www.adoratio-altoetting.de


