Das glauben wir

Gott spricht auch heute zu uns

Redaktion am 09.06.2026

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Im Gebet wächst die Verbundenheit mit Gott und man kommt in ein inneres Gleichgewicht.

Der christliche Glaube beginnt mit einer einfachen Wahrheit: Gott liebt uns – und er ruft jeden Menschen zur Liebe. Diese Erfahrung steht im Mittelpunkt von Adoratio 2026 vom 9. bis 11. Oktober in Altötting. Wir stellen im Vorfeld wichtige Referenten des Glaubensfests in einer Interviewreihe vor. Heute: Peter Kunz, Alexa Weber und Monika Schüllner.

Ob Gott heu­te noch mit uns spricht und wie sei­ne Stim­me im All­tag erfahr­bar wird, beschäf­tigt vie­le Men­schen. Peter Kunz (Lei­ter der Beru­fungs­pas­to­ral), Ale­xa Weber und Moni­ka Schüll­ner (bei­de vom kar­me­li­ta­ni­schen Säku­lar­in­sti­tut Not­re Dame de Vie) laden dazu ein, Got­tes Gegen­wart neu zu ent­de­cken und den Glau­ben als leben­di­ge Begeg­nung zu verstehen.

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Spricht Gott heu­te noch mit uns? Und was sind typi­sche Wei­sen, in denen sei­ne Stim­me im All­tag erfahr­bar wird?
Peter Kunz: Gott hat nie auf­ge­hört zu spre­chen – aber sei­ne Stim­me ist lei­se. Er begeg­net uns nicht zuerst im Außer­ge­wöhn­li­chen, son­dern im Inne­ren unse­res Lebens. Die Kar­mel­tra­di­ti­on, etwa bei Tere­sa von Ávila, Johan­nes vom Kreuz und Thé­rè­se von Lisieux, betont: Gott spricht im Her­zen des Men­schen. Oft beginnt das ganz unschein­bar – als Sehn­sucht nach mehr, als inne­rer Anruf zum Guten, als tie­fer Frie­de in einer Ent­schei­dung oder als ein Wort der Schrift, das plötz­lich per­sön­lich wird. Wer sich Zei­ten der Stil­le schenkt, ent­deckt: Gott ist längst da und spricht – wir müs­sen nur ler­nen, wie­der zu hören.

Man­che haben Angst, Got­tes Wil­le könn­te sie ein­engen oder ihnen etwas weg­neh­men. Was wür­den Sie ent­geg­nen?
Peter Kunz: Die­se Sor­ge ist ver­ständ­lich – und zugleich eines der größ­ten Miss­ver­ständ­nis­se über Gott. Got­tes Wil­le ist kei­ne Ein­schrän­kung, son­dern eine Ein­la­dung zur Weite.

Er nimmt dem Men­schen nichts, was ihn wirk­lich leben lässt, son­dern löst ihn von dem, was ihn inner­lich bin­det. Gera­de im Hören auf Gott wächst eine tie­fe­re Frei­heit – die Frei­heit, das eige­ne Leben in Lie­be zu gestal­ten. Der Weg des inne­ren Gebets, wie ihn die Kar­mel­tra­di­ti­on erschließt, führt des­halb nicht in Enge, son­dern in eine über­ra­schen­de inne­re Wei­te: dort­hin, wo der Mensch mehr und mehr er selbst wird – und Gott in sei­ner Sehn­sucht entdeckt.

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Alexa Weber.

Die kar­me­li­ti­schen Hei­li­gen wie Tere­sa von Ávila, Johan­nes vom Kreuz und Thé­rè­se von Lisieux haben inten­si­ve Got­tes­er­fah­run­gen beschrie­ben. Was kön­nen nor­ma­le“ Men­schen heu­te ganz prak­tisch von ihnen ler­nen?
Ale­xa Weber: Zuerst: Auch die­se drei Hei­li­gen waren nor­ma­le Men­schen, Kin­der ihrer jewei­li­gen Zeit, mit ihren Prä­gun­gen, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten und Ver­let­zun­gen. Wir kön­nen von ihnen ler­nen, dass alle Men­schen ohne Aus­nah­me zu einer inni­gen Freund­schaft mit Gott beru­fen sind und auch dazu fähig sind, egal in wel­chem Lebens­stand. Die Tau­fe hat uns alles geschenkt, was wir für ein inten­si­ves Leben mit Gott brau­chen: Glau­be, Hoff­nung, Lie­be. Gott will jedem die Fül­le schen­ken. An uns ist es, ihm dafür in unse­rem Her­zen einen Weg zu berei­ten: im Gebet sich Zeit für ihn neh­men, auf sei­ne Stim­me hören und all das weg­las­sen, was Got­tes Wir­ken in uns hin­dert. Tere­sa von Ávila, Johan­nes vom Kreuz und Thé­rè­se von Lisieux sind alle drei Kir­chen­leh­rer, haben also allen Chris­ten etwas zu sagen. Sie sind Meis­ter in der Kunst des Betens und in ihren Schrif­ten fin­den wir wun­der­ba­re Hil­fen für unser per­sön­li­ches Beten und für ein Leben mit Gott.

Sie kön­nen uns wie ein geist­li­cher Vater oder eine geist­li­che Mut­ter auf unse­rem Glau­bens­weg füh­ren, raten und ermu­ti­gen durch das, was sie sel­ber erlebt und geschrie­ben haben. Als Ein­stiegs­lek­tü­re emp­feh­le ich die Auto­bio­gra­phie von Thé­rè­se von Lisieux.

Der Begriff Got­tes­be­zie­hung“ klingt für vie­le abs­trakt. Wie wür­den Sie ihn ein­fach erklä­ren – und war­um ist er so zen­tral für den Chris­ten?
Ale­xa Weber: Ein Begriff bleibt abs­trakt, wenn man die dahin­ter­ste­cken­de Wirk­lich­keit noch nicht erlebt hat. Ich kann ein­fach nur ermu­ti­gen, sich hin­ein­zu­wa­gen in die­se per­sön­li­che Bezie­hung, die­se Freund­schaft mit Gott und sich für eine Got­tes­er­fah­rung zu öff­nen. Set­zen Sie sich zuhau­se in Ihr Zim­mer, zün­den Sie eine Ker­ze an, schau­en Sie sich ein Jesus­bild an und fan­gen Sie an zu glau­ben, dass Gott DA ist. Hor­chen Sie auf ihn in einem Bibel­text, spre­chen Sie mit ihm wie mit einem lie­ben Freund. Blei­ben Sie dran, auch wenn Sie nichts Beson­de­res spü­ren. Peu à peu wird sich eine Bezie­hung ent­wi­ckeln, glau­ben Sie es mir! Es ist wie bei einer mensch­li­chen Bezie­hung: Die braucht Zeit, Pfle­ge, Treue, Aus­tausch, Lie­be. Suchen Sie auch Gemein­schaft mit Chris­ten, die eben­falls eine Got­tes­be­zie­hung leben möch­ten. Die­se Bezie­hung ist so zen­tral, weil Jesus Chris­tus sel­ber eine Per­son ist und mit den Men­schen in Bezie­hung getre­ten ist. Er ist Mensch gewor­den und für uns gestor­ben, damit wir eine per­sön­li­che Lie­bes­ant­wort auf sei­ne Lie­be geben. Dies kann nur in einer per­so­na­len Bezie­hung gesche­hen. Jesus will unser Herz, kei­ne Pflicht­er­fül­lung oder den äuße­ren Voll­zug von Riten. Wir Men­schen sind außer­dem Bezie­hungs­we­sen, die die Erfül­lung ihrer tiefs­ten Sehn­süch­te nur in einer lie­ben­den ewi­gen Bezie­hung mit Gott finden.

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Monika Schüllner.

Inne­res Beten – was bringt“ mir das, wie geht das und wie fan­ge ich damit an?
Moni­ka Schüll­ner: Inne­res Beten“ meint ganz ein­fach aus­ge­drückt: ein stil­les, per­sön­li­ches Zusam­men­sein mit unse­rem Herrn Jesus Chris­tus bzw. mit unse­rem drei­fal­ti­gen Gott. Dabei geht es nicht dar­um, eine bestimm­te Metho­de anzu­wen­den oder bestimm­te, münd­li­che Gebe­te zu spre­chen. Das kann hel­fen. Aber in ers­ter Linie ist es wirk­lich ein ganz per­sön­li­cher Aus­tausch mit Gott, bei dem ich mit mei­ner gan­zen Per­son, mit all mei­nen Gedan­ken und Gefüh­len bei oder mit IHM bin. Wich­tig dabei ist, sich bewusst zu machen, dass die­se Zeit, die ich mir dafür neh­me – eine hal­be Stun­de zum Bei­spiel – wirk­lich IHM gehört. Ein stil­ler Ort mit wenig Ablen­kung ist sinn­voll. Das kann über­all sein: dein Zim­mer, eine Kir­che, ein ande­rer Raum oder ein Ort in der Natur, der abge­le­gen und still ist. Wie fan­ge ich damit an? Es ist hilf­reich, sich einen fes­ten Zeit­rah­men vor­zu­neh­men und sich vor­her inner­lich auf die­se Zeit ein­zu­stel­len. Ich kann, wenn ich nun begin­nen, zunächst wahr­neh­men, wie ich jetzt gera­de drauf bin. Bin ich auf­ge­regt, ent­spannt oder vol­ler Gedan­ken und Ein­drü­cke? Beschäf­tigt mich etwas beson­ders? So wie ich da bin, ist es in Ord­nung. Dann mache ich mir bewusst, dass ich jetzt nicht allei­ne hier sit­ze und ein­fach eine Zeit absit­zen wer­de. Son­dern, dass jemand auf mich war­tet. Ja, Jesus ist da.

Es kann mir hel­fen, mir Jesus bild­lich vor­zu­stel­len. Oder ich lese einen Abschnitt aus der Bibel, evtl. aus einem Evan­ge­li­um. Ich kann mich zunächst einen Moment hin­knien, ruhig wer­den und ein bekann­tes Gebet spre­chen oder ganz frei ein Gebet for­mu­lie­ren. Ich bit­te oft den Hei­li­gen Geist, mein Herz zu öff­nen für die Begeg­nung mit Gott; ich bit­te den Hei­li­gen Geist um Sei­ne Gegen­wart in mir, um Sein Licht, Sei­nen Frie­den, Sei­ne Weis­heit. Und dann wer­de ich still. Ich schlie­ße die Augen. Das ist in gewis­ser Wei­se schon alles. Ich weiß, Gott ist jetzt hier und ich darf ihm alles sagen. Ich darf ihn alles fra­gen. ER schaut mich lie­be­voll an und schenkt mir Sei­ne Nähe. Ich kann auch ein­fach mit IHM schweigen.

Und was bringt“ das?
Moni­ka Schüll­ner: Es bringt“ nichts. Es ist umsonst. Geschenk­te Zeit – aber: eine erfüll­te Zeit, in der doch etwas geschieht“, etwas, was mei­nem Ver­ständ­nis meist nicht zugäng­lich ist. Unmerk­lich und unbe­wusst beginnt es zu wach­sen, eine Bezie­hung, eine Ver­bun­den­heit, aus der ich gestärkt wer­de, in ein inne­res Gleich­ge­wicht kom­men kann und reich beschenkt wer­de mit einer Lie­be, die mich nach und nach ver­wan­deln und hei­ler machen wird. Also, es lohnt sich unbe­dingt! Und wer davon gekos­tet hat, sich dar­an gewöhnt hat, wird es nicht mehr mis­sen mögen!

Es ist so ent­las­tend, dass ich vor Jesus auch völ­lig kraft­los und schwach sein darf. Dass er nicht auf mei­ne Ver­diens­te war­tet, son­dern sich über mei­ne ernst­haf­te Treue freut. Dar­um geht es. Bei IHM blei­ben, egal wie und trotz allem!”

Monika Schüllner

Ich füh­le nichts, wenn ich bete!“ Wie gehe ich mit Zer­streu­ung, Tro­cken­heit und Lust­lo­sig­keit beim Beten um? War­um es wich­tig ist, trotz­dem dran zu blei­ben“.
Moni­ka Schüll­ner: Du hast mit dem inne­ren Beten begon­nen. Eine Zeit lang hat es ganz gut funk­tio­niert“, es hat sich gut ange­fühlt und du hast dabei Frie­den und Moti­va­ti­on erfah­ren. Doch nach und nach kom­men ers­te Durch­hän­ger. Dein Gebet fühlt sich zuneh­mend tro­cken, lau, sinn­los an. Du fühlst nichts dabei. Bist unru­hig, zer­streut. Kei­ne Panik. Es ist nor­mal. Zwar kann die­ser Zustand ver­schie­de­ne Ursa­chen haben. Aber es ist auch nor­mal, dass nach einer gewis­sen Gewöh­nung auch die Erfah­rung von einer gewis­sen Tro­cken­heit und Lee­re kommt. Es ist auch eine Zeit der Rei­fung und der Treue. Du kannst dich ehr­lich fra­gen: Habe ich bis­her vor allem gebe­tet, weil ich dabei woh­li­ge Gefüh­le hat­te, weil es mir eine gewis­se Befrie­di­gung gibt? Es ist, wie in jeder ech­ten, dau­er­haf­ten Bezie­hung: auch das Gebet, mei­ne Got­tes­be­zie­hung ist manch­mal ein Kampf, auch hier gehö­ren Kri­sen und Mühen dazu. Ich möch­te dich ermu­ti­gen, trotz allem dran zu blei­ben. Denn jetzt zeigt sich, um was bzw. um wen es wirk­lich geht. Es geht nicht um etwas Äußer­li­ches, son­dern wirk­lich um IHN! Und wenn sich Gott zurück­zieht, wenn du den Ein­druck hast, er schläft in sei­nem Boot und küm­mert sich nicht: ER ist trotz­dem da! Auch wenn du dich müde, lust­los, inner­lich leer fühlst. Ver­su­che, die­sen unan­ge­neh­men Zustand aus­zu­hal­ten, anzu­neh­men, Gott hin­zu­hal­ten. Ich sage IHM oft: Ich bin so müde, ich bin so zer­streut. Ich will dir treu sein und will dir mein Herz, mei­nen guten Wil­len, mei­ne Zeit schen­ken. Ich gebe dir auch all mei­ne Armut und mei­ne Ohn­macht. So bin ich!“ – Es ist so ent­las­tend, dass ich vor Jesus auch völ­lig kraft­los und schwach sein darf. Dass er nicht auf mei­ne Ver­diens­te war­tet, son­dern sich über mei­ne ernst­haf­te Treue freut. Dar­um geht es. Bei IHM blei­ben, egal wie und trotz allem!

Katharina
Hauser

Glaubensfest im Herzen Bayerns

Moni­ka Schüll­ner, Ale­xa Weber und Peter Kunz wer­den bei Ado­ra­tio Alt­öt­ting vom 9. bis 11. Okto­ber einen Work­shop geben zum The­ma Wie spricht Gott zu mir? – Got­tes Wil­len ent­de­cken ohne Angst“.

Beim Glau­bens­fest im Her­zen Bay­erns spre­chen außer­dem: Jour­na­list und Best­sel­ler­au­tor Tobi­as Haberl, Prof. Dr. Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz sowie die Bischö­fe Erik Var­den OCSO aus Nor­we­gen, Dr. Franz Jung aus Würz­burg und Dr. Ste­fan Oster SDB aus Pas­sau. Es wird außer­dem ein viel­fäl­ti­ges Ange­bot an Work­shops rund um die The­men Got­tes- und Nächs­ten­lie­be geben, unter ande­rem mit Ber­na­dette Lang, Anne Fleck, Prof. San­dra Hue­ben­thal, Pater Ste­fan Hof­mann SJ, Pfar­rer Bern­hard Hes­se, Stadt­pfar­rer Dr. Klaus Metzl, Peter Kunz, Sr. Edith Kuß­mann OSB, Pfarr­vi­kar Rupert Sant­ner. Neben den Vor­trä­gen und gemein­sa­men Gebets­zei­ten wird ein Höhe­punkt des Pro­gramms wie­der die Lich­ter­pro­zes­si­on um die Gna­den­ka­pel­le sein.

Ado­ra­tio ist ein Glau­bens­fest, bei dem Jesus Chris­tus im Mit­tel­punkt steht – in der Eucha­ris­tie. Inspi­riert von dem inter­na­tio­na­len Kon­gress zur ewi­gen eucha­ris­ti­schen Anbe­tung, der 2011 erst­mals in Rom statt­fand, wur­de Ado­ra­tio 2019 in Alt­öt­ting ins Leben gerufen.

Unter der Lei­tung des Refe­rats für Neue­van­ge­li­sie­rung des Bis­tums Pas­sau wird der Kon­gress 2026 in Zusam­men­ar­beit mit den Bis­tü­mern Augs­burg und Eich­stätt bereits zum sieb­ten Mal ver­an­stal­tet. Ado­ra­tio wird über Radio (Radio Horeb) und Fern­se­hen (EWTN​.TV und K‑TV) über­tra­gen wer­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf www​.ado​ra​tio​-alt​oet​ting​.de

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