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Das glauben wir

Was heißt „Herr der Heere“?

Redaktion am 14.03.2022

2022 03 14 pb alb kirchenfenster zebaot Foto: Diakon Dr. Anton Cuffari
Es gibt viele Darstellungen, die auf den Gottes-Beinamen „Zebaot“ anspielen – das hier gezeigte Engelsfenster ist zu finden in der Stiftskirche Schlägl.

Die Seite „glauben – fragen – entdecken“ versteht sich u.a. auch als interaktive Seite, das heißt Ihre Fragen rund um Religion und Glaube haben einen festen Platz. Es haben uns schon einige Anfragen aus der Reihe der Leserinnen und Leser erreicht. Eine davon lautet: Was ist eigentlich gemeint mit dem Ausdruck „Herr der Heere“?

Hei­lig bist du gro­ßer Gott, hei­lig Herr Gott Zeba­ot“ – das gleich­na­mi­ge Lied aus dem Got­tes­lob (Nr. 198) gehört zu den meist­ge­sun­ge­nen (Sanctus-)Liedern in unse­ren Got­tes­diens­ten. Ver­mut­lich haben Sie die pas­sen­de Melo­die gera­de in Ihrem Kopf.

Aber was ist mit Zeba­ot“ gemeint? Der Begriff Zeba­ot“ kommt aus dem Alt­he­bräi­schen und ist die Mehr­zahl von zaba“ (Schar, Heer). Zeba­ot heißt zunächst nichts ande­res als Heer­scha­ren“ oder Hee­re“, und zwar in einem mili­tä­ri­schen bzw. krie­ge­ri­schen Sinn. 

In unse­rem Lied ist der Begriff Zeba­ot jedoch mit zwei ande­ren Wör­tern ver­bun­den: Herr“ und Gott“. Herr“ umschreibt den hebräi­schen Got­tes­na­men JHWH und Gott“ ist die Über­set­zung der Got­tes­be­zeich­nung Elo­him: JHWH Elo­him Zeba­ot heißt auf Deutsch Herr Gott Zeba­ot“, Herr Gott der Heer­scha­ren“. Aber wie ist das zu ver­ste­hen? Wird im Sanc­tus regel­mä­ßig ein Kriegs­gott besun­gen? Einer, der drein­schlägt und für Ord­nung sorgt? Der Gott, wie das Alte Tes­ta­ment ihn kennt?

Ein Blick in das Alte Tes­ta­ment gibt dazu fol­gen­de Aus­kunft: Im Alten Tes­ta­ment kommt der Begriff JHWH Zeba­ot 285 Mal vor. Auf­fäl­lig dabei ist, dass er in den Büchern Gene­sis bis ein­schließ­lich Josua kein ein­zi­ges Mal ver­wen­det wird, son­dern v.a. bei den Pro­phe­ten Jesa­ja (68 Mal) und Jere­mia (82 Mal) sowie im Buch der Psal­men begegnet.

Gott hat nur einen Namen: JHWH. Ihn hat Gott dem Mose am Dorn­busch geof­fen­bart (Ex 3) und damit auch sich selbst. JHWH drückt nicht nur den Namen Got­tes aus, son­dern zugleich sein Wesen und sei­ne Bezie­hung zum Volk Israel.

Kein Mensch kann wis­sen, wie Gott ist. Men­schen kön­nen Gott aber auf vie­ler­lei Wei­se erfah­ren: Sein Schöp­fen und Gestal­ten, sei­ne Zuwen­dung und Nähe, Hil­fe und Unter­stüt­zung, Barm­her­zig­keit und Gerech­tig­keit, Dasein und Abwe­sen­heit. Das Volk Isra­el hat sei­ne Erfah­run­gen und Vor­stel­lun­gen von Gott in sprach­li­che Bil­der gefasst und die Erwei­te­rung des Got­tes­na­mens JHWH um Zeba­ot“ ist ein Ergeb­nis davon.

JHWH ist der Herr über sie alle. Seine Macht ist universal.

JHWH Zeba­ot oder Herr der Heer­scha­ren“ kann durch­aus mili­tä­risch ver­stan­den wer­den, so z.B. in der Geschich­te von David und Goli­ath (1Sam 17,45), aber das greift von der Bedeu­tung her viel zu kurz. Heer­scha­ren“ meint mehr als Kriegs­trup­pen: die Mäch­te der Natur, die Gestir­ne und alle denk­ba­ren irdi­schen und himm­li­schen Mäch­te sind damit gemeint. JHWH ist der Herr über sie alle. Sei­ne Macht ist uni­ver­sal. Es gibt kei­nen Bereich, der sei­ner Macht ent­zo­gen ist. Mit dem Namens­zu­satz Zeba­ot“ wird die All­macht JHWHs betont, sei­ne irdi­sche und himm­li­sche Herr­schaft. Er ist der uni­ver­sa­le König (vgl. 1Sam 4,4; 2Sam 6,2; 2Kön 19,15; Ps 80,2; 99,1), den der Pro­phet Jesa­ja in einer Visi­on auf dem Thron sit­zen sieht bzw. den Saum des Gewan­des JHWHs (Jes 6). Wäh­rend­des­sen sin­gen die Flü­gel- und Feu­er­we­sen: Hei­lig, hei­lig, hei­lig ist der Heer der Heer­scha­ren. Erfüllt sind Him­mel und Erde von sei­ner Herr­lich­keit.“ (Jes 6,3)

In den Psal­men wird Gott immer wie­der als König geprie­sen. Als König, des­sen Macht und Grö­ße nicht nur ohne Gren­zen sind, son­dern der als Hel­fer und Ret­ter für jeden ein­zel­nen Men­schen, der sich an ihn wen­det, da ist (z.B. Ps 46,8.12; 69.7; 80; 89,9). Gott über­steigt das mensch­li­che Denk- und Vor­stel­lungs­ver­mö­gen und ist uns zugleich so nahe wie kein ande­rer Mensch. JHWH Zeba­ot, Herr der Heer­scha­ren oder Herr der Hee­re – das ist die stam­meln­de Ant­wort des Men­schen auf die­ses Geheimnis.

Wenn wir uns zum Got­tes­dienst ver­sam­meln und sin­gend das Sanc­tus beten, tun wir nichts ande­res als unse­ren Glau­ben an den einen Gott zu beken­nen, ihm zu dan­ken und ihn dafür zu prei­sen, dass er jetzt da ist und eines Tages wie­der­kom­men wird.

Übri­gens: Die genann­ten Stel­len der Hei­li­gen Schrift bil­den die wesent­li­che Grund­la­ge für die Bezeich­nung Got­tes als All­mäch­ti­ger“, vom apos­to­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis („Ich glau­be an Gott, den Vater, den All­mäch­ti­gen …“) bis hin zu den dog­ma­ti­schen Erör­te­run­gen über die All­macht Got­tes. Aber das ist ein ande­res Thema.

Dr. Anton Cuffari

Dr. Anton Cuffari

Leiter Fort- und Weiterbildung

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