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Soziales

Solidarisch zusammen leben

Redaktion am 14.08.2022

2022 08 12 pb alb genossenschaftshaus altoetting Foto: Susanne Stimmer
Selbstbestimmt und selbstverwaltet (von links): Pilotmieterin Christl Kuneth (li.) empfängt gastfreundlich in ihrer Wohnung David Pietzka (SauRiassl GmbH), Andi Liebert und Petra Genz, Allgemeine Sozialberatung der Caritas.

Im „Genossenschafts-Haus“ Altötting geht es um soziale Gerechtigkeit. Die Mieter sollen selbstbestimmt und selbstverwaltet wohnen.

100 Jah­re ist es alt – das rosa­far­be­ne Gebäu­de an der Trost­ber­ger Stra­ße in Alt­öt­ting-Süd. Ein denk­mal­ge­schütz­tes Haus mit Geschich­te. Einst erbaut, um der ärme­ren Bevöl­ke­rung eine bezahl­ba­re Blei­be zu bie­ten. Sei­ne bes­ten Zei­ten hat das Haus ein­deu­tig hin­ter sich. Jetzt haben jun­ge Leu­te vor, dies zu ändern. Es soll ein sozi­al-öko­lo­gi­sches Pro­jekt ent­ste­hen. Vor allem Wohn­raum für Men­schen in schwie­ri­gen per­sön­li­chen Verhältnissen.

Das erklärt der Geschäfts­füh­rer der 2018 in Alt­öt­ting gegrün­de­ten Sau­Ri­as­sl GmbH“ David Pietz­ka. Nach dem gebräuch­li­chen Aus­druck für die Regi­on zwi­schen Inn und Salz­ach will die Fir­ma sich dafür ein­set­zen, dass Mie­ter auf dem Immo­bi­li­en­markt eine fai­re Chan­ce haben. 

Petra Genz, All­ge­mei­ne Sozi­al­be­ra­tung (ASB) und Vor­stand des Alt­öt­tin­ger Cari­tas-Kreis­ver­ban­des, mach­te sich zusam­men mit ihm bei zwei soge­nann­ten Pio­nier­mie­tern“ vor Ort kun­dig. Wir haben das Gebäu­de im Sep­tem­ber 2020 über­nom­men“, sagt Pietz­ka. Seit­dem arbei­ten wir dar­an, es nach moder­nen Stan­dards her­zu­rich­ten.“ Mög­lichst öko­lo­gisch und res­sour­cen­scho­nend. Mit­ge­dacht wer­den eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge, Bar­rie­re­frei­heit, Car-Sharing und die Bereit­stel­lung eines Las­ten­fahr­rads. Der Anschluss an das Fern­wär­me­netz ist bereits erfolgt. Ziel ist, den Leu­ten, die jetzt schon hier woh­nen und künf­tig woh­nen wer­den, ein kom­for­ta­bles Heim zu bie­ten“, betont Pietzka.

Des­halb ent­zie­hen wir das Haus dem Immo­bi­li­en­markt, ver­ge­sell­schaf­ten es und stel­len es als Gemein­ei­gen­tum denen zur Ver­fü­gung, die zwar wenig Geld, aber genau wie alle ande­ren das Recht auf Woh­nen haben.”

David Pietzka, Geschäftsführer der 2018 in Altötting gegründeten „SauRiassl GmbH“

Klingt nach einer teu­ren Umbau­maß­nah­me, die spä­ter teu­re Mie­ten nach sich zie­hen wird. Gera­de das haben wir nicht im Sinn“, beru­higt Pietz­ka. Im Gegen­teil. Wir fin­den, dass das Haus wie­der sei­nem ursprüng­li­chen Zweck die­nen soll – näm­lich auch denen eine Unter­kunft geben, die sich auf dem nor­ma­len Woh­nungs­markt ein­fach nichts Ver­nünf­ti­ges leis­ten können.“ 

Die Mie­te­rin­nen und Mie­ter sol­len ein Haus bekom­men, in dem sie zu einer dau­er­haft güns­ti­gen Mie­te woh­nen kön­nen“, so Pietz­ka. Des­halb ent­zie­hen wir das Haus dem Immo­bi­li­en­markt, ver­ge­sell­schaf­ten es und stel­len es als Gemein­ei­gen­tum denen zur Ver­fü­gung, die zwar wenig Geld, aber genau wie alle ande­ren das Recht auf Woh­nen haben.“

Es geht um sozia­le Gerech­tig­keit. Wir ent­wi­ckeln unse­re Pro­jek­te gemein­wohl­ori­en­tiert“, sagt Pietz­ka. Die Mie­ter sol­len selbst­be­stimmt und selbst­ver­wal­tet woh­nen. Dazu gehört auch ein Haus­ver­ein“ für gemein­sa­me Ent­schei­dun­gen, etwa wer ins Haus mit­ein­zieht. Die Leu­te sol­len nach soli­da­ri­schen Grund­sät­zen zusam­men­le­ben und ihren Wohn­raum gemein­schaft­lich gestal­ten. Das för­dert den Zusam­men­halt und stärkt das Miteinander.“

Petra Genz von der ASB unter­streicht: Selbst­be­stimmt, Gemein­wohl, sozia­le Gerech­tig­keit und Zusam­men­halt sind für uns in der Cari­tas wich­ti­ge Begrif­fe. Wir arbei­ten dar­auf hin, dass sie Wirk­lich­keit wer­den.“ Das dies­jäh­ri­ge Cari­tas-Mot­to Zukunft den­ken, Zusam­men­halt leben“ wer­de im Genos­sen­schafts­Haus“ kon­kret. Sozia­le Gerech­tig­keit sei wich­tig für den Zusam­men­halt in der Gesell­schaft. Sie begrüßt die Idee, erschwing­li­chen Wohn­raum für Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men zu schaf­fen. Ähn­li­che Ange­bo­te auf dem regu­lä­ren Woh­nungs­markt zu fin­den, ist sehr schwierig“. 

Die Pio­nier­mie­ter Christl Kuneth und Andi Lie­bert pflich­ten ihr bei. Nie­mand ist hier auf sich allein gestellt. Wenn einer Hil­fe braucht, ist immer jemand da. Wir unter­stüt­zen uns gegen­sei­tig und gestal­ten unse­re Frei­zeit mit­ein­an­der.“ Sor­gen wür­den eben­so geteilt wie der Wasch­raum und der Gar­ten. Außer­dem brin­ge man das in die Gemein­schaft ein, was man gut könne. 

In Andis Fall sein hand­werk­li­ches Geschick. Er hat das Haus­meis­ter­amt über­nom­men und macht den Gärt­ner. Im Genos­sen­schafts­Haus“ fühlt er sich gebraucht und wert­ge­schätzt. Ihn freut es, auf die­se Wei­se am Leben teil­zu­ha­ben. An sei­ner Wohn­si­tua­ti­on schätzt er beson­ders, dass er sich ein­rich­ten kann, wie er will. Das sei nicht immer so gewe­sen, erzählt er und erin­nert sich dabei nur ungern an die schwie­ri­gen Ver­hält­nis­se, in denen er vor­her wohn­te. Gut, dass er eines Tages bei Petra Genz und der ASB der Cari­tas gelan­det ist. Sie hat ihm in Zei­ten der Not unter die Arme gegriffen.

Haus­mut­ter“ Christl gefällt das Fami­liä­re hier. Mit­ten unter den jun­gen Leu­ten fühlt sie sich wohl. Sie neh­men mich, wie ich bin.“ Auch sie kennt Petra Genz schon seit eini­gen Jah­ren und erfuhr bei der ASB wert­vol­le Hil­fe. Ich freue mich, dass die bei­den wie­der Zukunfts­per­spek­ti­ven und Zuver­sicht haben“, sagt Petra Genz. Erfolgs­ge­schich­ten wie die von Christl und Andi wür­de ich mir mehr wünschen.“

Text: Susan­ne Stimmer

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