Wallfahrt

Pilgerwegbegleiter sind „Bekenner Jesu“

Redaktion am 29.05.2023

2023 05 30 pb alb pilgerwegbegleiter Foto: Bernhard Brunner
Mit den ersten von der Diözese Passau offiziell bestellten ehrenamtlichen Pilgerwegbegleiterinnen und -begleitern freuten sich nach deren Aussendung (ganz hinten v.l.) die Geistlichen, der Tittlinger Pfarrer Fabian Feuchtinger, Pater Adam Litwin von Sammarei, Domdekan Dr. Hans Bauernfeind und Pfarrvikar Pater Thomas von Neukirchen am Inn sowie Kursleiterin Helga Grömer in der Pfarrkirche St. Vitus in Tittling.

14 ehrenamtliche Kräfte nach erfolgreichem Kurs durch die Diözese Passau erstmals offiziell beauftragt – Domdekan Bauernfeind: Christus ist „ein Wanderer zwischen Himmel und Erde.“

Als ide­al pas­send zur gegen­wär­ti­gen Dis­kus­si­on um Pas­to­ra­le Räu­me in der Diö­ze­se Pas­sau hat Dom­de­kan Dr. Hans Bau­ern­feind die ers­te offi­zi­el­le Beauf­tra­gung von 14 Gläu­bi­gen aus dem gan­zen Bis­tum als ehren­amt­li­che Pil­ger­weg­be­glei­ter emp­fun­den.​„Sie sind Beken­ner und Beken­ne­rin­nen Jesu“, sag­te er zu der Grup­pe wäh­rend eines fei­er­li­chen Got­tes­dienst in der Pfarr­kir­che St. Vitus in Titt­ling nach dem erfolg­rei­chen Abschluss eines spe­zi­el­len Kur­ses. Jesus sei ein Wan­de­rer zwi­schen dem Him­mel und der Erde, mach­te der Dom­ka­pi­tu­lar deutlich.

Pilgern ist die längste Form des Gottesdienstes

Drei Fragen an Pilgerwegbegleiterin Helga Grömer

2023 05 30 pb alb pilgerwegbegleiterin helga groemer Foto: privat
Helga Grömer.

Was bedeu­tet Pil­gern im Gegen­satz zum Wan­dern?
Hel­ga Grö­mer: Pil­gern ist erwei­ter­tes Wan­dern“, wenn man so will. Es ist eine inne­re Hal­tung und gleich­zei­tig (m)ein Weg nach innen. Ich sehe nicht nur die Natur, son­dern erle­be mich als Teil der Schöp­fung Got­tes. Ich gehe nicht ein­fach eine Tour, son­dern gehe mei­nen Weg, der mich gleich­zei­tig nach innen führt. Ich bin bewusst und dank­bar unter­wegs und ent­de­cke, wie wenig ich doch brau­che, um wei­ter­zu­kom­men. Ich will an das Ziel gelan­gen und neh­me dafür eini­ge Stra­pa­zen in Kauf, und ich erle­be: Ich schaf­fe das! Ich gehe nicht nur mit einer wan­der­freu­di­gen Grup­pe, son­dern füh­le mich als Teil einer Weg­ge­mein­schaft Gleich­ge­sinn­ter, die oft unter­schied­li­cher nicht sein kön­nen, aber ein­an­der zuhö­ren, stär­ken, auf­rich­ten und mich spü­ren las­sen: Ich bin nicht allein bei mei­ner Suche nach Sinn, nach Ant­wor­ten, nach Gott, nach Leben in Fül­le“, das doch viel mehr ist als unser All­tags­klein­klein, das uns in Beschlag nimmt. 

Wie schaut es mit Tipps aus, wie es in einem stres­si­gen, getak­te­ten All­tag mög­lich sein kann, das Pil­ger-Lebens­ge­fühl wach­zu­hal­ten?
Hel­ga Grö­mer: Pil­gern vor der eige­nen Haus­tü­re, wür­de ich sagen! Ein­fach mal das Wei­te suchen, am bes­ten in einer klei­nen Weggemeinschaft.

Denn Sin­gen, Beten, Erzäh­len, Schwei­gen, aber auch Lachen und Fröh­lich sein fühlt sich in einer Gemein­schaft Gleich­ge­sinn­ter gleich ganz anders an – inten­si­ver, stär­ker, anhal­ten­der. Das haben mir schon vie­le rück­ge­mel­det, dass sie auf die­se Wei­se ganz schnell neue Kraft tan­ken. Und wenn dann noch eine Pil­ger­weg­be­glei­te­rin oder ein Pil­ger­weg­be­glei­ter Impul­se setzt, die mei­ne Sin­ne schär­fen und nach innen füh­ren, bin ich wie­der bei mir und ent­de­cke (neu), was im Leben wirk­lich zählt. Ange­bo­te dazu gibt es viele.

Wäh­rend die kirch­li­che Bin­dung in der Bevöl­ke­rung rapi­de nach­lässt und die Got­tes­diens­te immer lee­rer wer­den, erlebt die uralte reli­giö­se Pra­xis des Pil­gerns eine Renais­sance. Wor­an liegt’s?
Hel­ga Grö­mer: Der Mensch ist ein homo via­tor, ein gehen­des Wesen, für Bewe­gung geschaf­fen. In unse­rer Zivi­li­sa­ti­on (oder wie ein­mal ein öster­rei­chi­scher Bür­ger­meis­ter sag­te: Zuvie­li­sa­ti­on“) sit­zen wir viel, in Büros, vor Com­pu­tern, bei Sit­zun­gen und Tagun­gen. Und wir erle­ben, dass uns das Zuviel an Anfor­de­run­gen, an Arbeit, an Leis­tungs­druck und vie­les mehr über­for­dern. Man­che mei­nen gar: Und beim Got­tes­dienst sit­zen wir wie­der und müs­sen eine Lit­ur­gie über uns erge­hen las­sen. Ich will lie­ber raus, ins Freie, und beim Gehen mich sel­ber mit Leib und See­le spü­ren (statt absit­zen). Und da ist dann auch Platz für mei­ne Fra­gen und The­men, die mich wirk­lich bewe­gen.“
Viel­leicht fin­den die Men­schen heu­te bei der Kir­che in den übli­chen Got­tes­diens­ten dar­auf kei­ne Ant­wort? Viel­leicht kom­men ihre Lebens-The­men dabei zu wenig vor? Viel­leicht spü­ren sie sich sel­ber dabei nicht? Pil­gern ist die längs­te Form des Got­tes­diens­tes, sagt übri­gens Pro­fes­sor Micha­el Rosen­ber­ger (Autor von Wege, die bewe­gen“), der sich aus­gie­big damit beschäf­tigt hat. Da sind alle Ele­men­te drin­nen, die auch eine Lit­ur­gie beinhal­tet – vom Auf­bre­chen, Hören, Tei­len bis hin zur Wand­lung. Im Wan­dern wan­deln wir uns …

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Werner Friedenberger

stellv. Chefredakteur

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