Kirche vor Ort

Ein freundliches Gesicht der Kirche

Redaktion am 25.09.2019

Pater_Wilhelm_Tangen

Der Maristenpater Wilhelm Tangen verabschiedet sich aus Passau – Meppen wird neuer Einsatzort des früheren Papua Neuguinea-Missionars und Passauer Gefängnis-Seelsorgers.

Es hat mir einen klei­nen Schre­cken ver­setzt, als ich hör­te, dass Maris­ten­pa­ter Wil­helm Tan­gen zum 1. Novem­ber eine neue Auf­ga­be im 800 Kilo­me­ter ent­fern­ten Meppen in Nord­deutsch­land erhält. Seit 1998 wirk­te der 79-jäh­ri­ge Ordens­mann nun in Pas­sau. Und in die­ser Zeit lern­ten ihn vie­le Men­schen – nicht nur ich! – als das freund­li­che Gesicht der Kir­che ken­nen. Mehr­mals habe ich ihn als Bericht­erstat­te­rin ins Pas­sau­er Gefäng­nis in der The­re­si­en­stra­ße beglei­tet. Denn Wil­helm Tan­gen war nicht nur Supe­ri­or der Pas­sau­er Maris­ten, er übt seit 2013 auch das Amt des Seel­sor­gers in der Pas­sau­er Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt aus. Und wenn man ihn bei die­ser Seel­sor­ge hin­ter Git­tern erleb­te, konn­te man fest­stel­len: Da ist einer, der gelernt hat, Men­schen und Situa­tio­nen so anzu­neh­men, wie sie ihm begeg­nen, ohne zu ver­ur­tei­len. Auf Augen­hö­he. Den Gefan­ge­nen hat er in Got­tes­diens­ten und Ein­zel­ge­sprä­chen immer wie­der klar gemacht, dass trotz allem, was sie bis­her ver­mas­selt haben, wei­ter­hin Türen offen­ste­hen: Es gibt immer noch die Mög­lich­keit, in der eige­nen Mise­re etwas zu ver­än­dern. Erin­nern wir uns dar­an, wie es bes­ser sein kann und auch wie­der bes­ser sein wird!“

Man kann es sich nicht ver­knei­fen zu über­le­gen, dass Wil­helm Tan­gen die Gelas­sen­heit, mit der er auf Situa­tio­nen reagiert, zum Groß­teil von sei­nem frü­he­ren Wir­kungs­ort mit­ge­bracht hat. Denn der Maris­ten­pa­ter war 25 Jah­re als Mis­sio­nar in Papua-Neu­gui­nea im Ein­satz. Die 7,3 Mil­lio­nen Ein­woh­ner die­ser Süd­see-Insel wer­den in rund 1000 Stäm­me mit über 800 Spra­chen und Dia­lek­ten ein­ge­teilt. Was er an die­sem exo­ti­schen Ein­satz­ort in über 13.000 Kilo­me­tern Ent­fer­nung vor allem gelernt hat? Der frü­he­re Mis­sio­nar: Die Leu­te so zu neh­men wie sie sind. Ich konn­te mit ihnen aus dem glei­chen Fress­napf‘ essen und in den glei­chen Hüt­ten sit­zen und schla­fen. Ich konn­te mich auf die Leu­te einlassen.“ 

Zu die­ser Zeit nur eine klei­ne Anek­do­te, die zeigt, wie sehr der Maris­ten­pa­ter damals auf der Insel Bou­gain­ville, die zu Papua-Neu­gui­nea gehört, ange­kom­men war: Zu einer Ein­la­dung zum Essen hat­te er der schwan­ge­ren Haus­frau als Geschenk ein Hand­tuch mitgebracht. 

Wil­helm Tan­gen: Aus Freu­de über das Geschenk haben die Eltern beschlos­sen, wenn es ein Jun­ge wird, ihn nach mir zu benen­nen, wenn ich es denn erlau­ben wür­de. Ich habe mich natür­lich sehr dar­über gefreut. Das Kind wur­de gebo­ren und war ein Jun­ge; bei der Tau­fe habe ich ihn auf den Namen Wil­helm Tan­gen getauft!“ Dabei zeigt der ehe­ma­li­ge Mis­sio­nar ein Foto des klei­nen dun­kel­häu­ti­gen Jun­gen namens Wil­helm Tan­gen, der inzwi­schen schon über 20 Jah­re alt ist.

Sein bis­he­ri­ges Leben teilt Wil­helm Tan­gen, der 1962 ins Klos­ter ein­ge­tre­ten ist und 1969 in Meppen (Kreis Ems­land) zum Pries­ter geweiht wur­de, in drei gro­ße Abschnit­te ein: Zunächst die Schul- und Stu­di­en­zeit, dann 25 Jah­re Ein­satz als Mis­sio­nar in Papua-Neu­gui­nea und schließ­lich ab 1998 das Wir­ken in Passau. 

Und nun schickt sich der Ordens­mann an zum Sprung in den vier­ten gro­ßen Lebens­ab­schnitt: Zum 1. Novem­ber tritt der 79-Jäh­ri­ge den Dienst als Supe­ri­or der Maris­ten­ge­mein­schaft in Meppen, sei­ner frü­he­ren Hei­mat, an. 

In Pas­sau wer­den sein immer fröh­li­ches Gesicht und sein anste­cken­des Lachen künf­tig feh­len. Genau­so sei­ne unkom­pli­zier­te und doch ein­fühl­sa­me Art, sein Prag­ma­tis­mus und sein mit­rei­ßen­der Humor. Auf die tele­fo­ni­sche Anfra­ge des Bis­tums­blat­tes, ob er zu die­sem Por­trät bereit wäre, mein­te er spon­tan: Naja, wenn Sie mei­nen, dass das die Leu­te inter­es­siert, kom­men Sie halt mor­gen vorbei.“ 

Und als Reak­ti­on auf die vie­len Fra­gen beim Inter­view befürch­te­te er lachend: „…nicht, dass ich auch noch hei­lig­ge­spro­chen werde!“ 

Der Abschied von Pas­sau fällt ihm nicht leicht und Wil­helm Tan­gen meint dazu: Ich bin aber dank­bar und über­wäl­tigt über die Wert­schät­zung, die mir ent­ge­gen­ge­bracht wird, und wenn ich jetzt mer­ke, dass die Leu­te über den Abschied trau­rig sind.“

Für die Ordens­ge­mein­schaft der Maris­ten nimmt Maria einen hohen Stel­len­wert ein. So ist es auch kein Wun­der, dass Pater Wil­helm Tan­gen sich als Mot­to für sei­nen neu­en Abschnitt ein Bibel­wort über die Got­tes­mut­ter aus­ge­sucht hat: Maria bewahr­te alles in ihrem Her­zen und dach­te dar­über nach.“ Wil­helm Tan­gen: Erfah­run­gen, Wis­sen und Lebens­er­fah­rung will ich im Her­zen bewah­ren und an mei­nem neu­en Wir­kungs­ort dank­bar einbringen!“

Sie haben Fragen zum Artikel?
Wir helfen Ihnen gerne.

Uschi Friedenberger

Ursula Friedenberger

Redakteurin

Weitere Nachrichten

2024 05 27 pb alb weihejubilaeum bischof stefan oster
Bischof
27.05.2024

Für Jesus gehen ...

Bischof Stefan Oster SDB hat sein zehnjähriges Weihejubiläum im Rahmen eines Dankgottesdienstes am 24. Mai im…

S9 Goldschmied pb
Bistum
27.05.2024

Goldschmied aus Leidenschaft

Ich wollte nie etwas anderes werden“, sagt Andreas Bachmeier. – Der Goldschmied aus Winzer bekommt Aufträge…

2024 05 27 pb alb puzzle
Das glauben wir
27.05.2024

Die Chance liegt im Kleinen

In einer Welt, die von Individualismus geprägt ist, scheint der Glaube immer weniger Platz zu finden. Die…

2024 05 18 pb alb wallfahrtsmosaike freising4
Wallfahrt
23.05.2024

Mosaike aus der Wallfahrt

Zu Pfingsten treibt der Heilige Geist Tausende Pilger nach Altötting. Neben den beiden großen Gruppen aus…