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Geistesgegenwart

Redaktion am 31.05.2022

2022 05 31 pb alb pfingsten taube Foto: jplenio / Pixabay

Das Thema "Pfingsten" ist sehr schwer zu greifen und vielen ist gar nicht bewusst, worum es dabei geht. Dabei ist es eigentlich recht leicht zu verstehen ... – Unser Editorial zur Pfingstausgabe:

Samu­el F. B. Mor­se gilt als Erfin­der der Kurz­nach­richt. Also die­ser hek­tisch aus­ge­sand­ten, womög­lich völ­lig unüber­legt in die Welt gebla­se­nen Neu­ig­kei­ten“. Er ent­wi­ckel­te den Ehr­geiz, mit Kup­fer­draht und Strom­stö­ßen sowie dem von ihm aus­ge­tüf­tel­ten Mor­se-Alpha­bet kur­ze Tex­te über grö­ße­re Distan­zen zu ver­sen­den. Ähn­lich dem, was man zum Bei­spiel heu­te Twit­ter“ nennt.

Sei­ne ers­te Nach­richt ver­schick­te Mor­se 1844 von Washing­ton nach Bal­ti­more. Und da er ein from­mer Mann war, han­del­te es sich natür­lich um ein Bibel­zi­tat („Was Gott erwirkt hat“). Sozu­sa­gen durch sei­ne Geis­tes­ge­gen­wart wur­de – ein Vor­teil – die Welt immer schnel­ler, wur­den die Nach­rich­ten zahl­rei­cher. Es wird eben nicht mehr nur gemorst, gefunkt, tele­gra­phiert und gefaxt, son­dern längst auch gesimst, gewhats­ap­pt und getwittert.

Nach­teil: In einer sturz­bach­ar­tig daher­strö­men­den Nach­rich­ten­flut kann das, wor­um es im Kern geht, unter­ge­hen – zum Bei­spiel die Ent­sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes, die Chris­ten an Pfings­ten fei­ern. Der Evan­ge­list Johan­nes hat das bereits kom­men sehen: Der Vater wird Euch einen Bei­stand geben: Es ist der Geist der Wahr­heit, den die Welt nicht emp­fan­gen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.“

Ja, die­ser Hei­li­ge Geist ist nur schwer zu fas­sen. Ein ver­län­ger­tes Wochen­en­de, sehr viel mehr fällt den meis­ten Men­schen zu Pfings­ten, dem drit­ten kirch­li­chen Hoch­fest, oft nicht ein. Umfra­gen bele­gen: Kaum einer weiß noch, was genau 50 Tage nach Ostern gefei­ert wird.

Und selbst die Welt des Kon­sums kann sich irgend­wie kei­nen Reim auf das Fest machen, kei­nen Pro­fit dar­aus schla­gen. Pfings­ten ist eben so ganz anders als Weih­nach­ten mit dem Kind in der Krip­pe, so ganz anders als Ostern, an dem das Licht die Nacht erhellt. Geburt und Tod, das sind Lebens­wirk­lich­kei­ten, mit denen jeder Mensch in Berüh­rung kommt. Aber was hat Pfings­ten zu bedeuten?

Der Hei­li­ge Geist ist, er bleibt immer und in jedem Augen­blick das freie Geschenk von oben.”

Karl Rahner, Theologe

Pfings­ten hat mit dem Hei­li­gen Geist zu tun, sagen die noch etwas stär­ker im christ­li­chen Glau­ben Ver­wur­zel­ten. Doch auch für vie­le Chris­ten bleibt das Ver­hält­nis zum Hei­li­gen Geist oft blut­leer und abs­trakt. Dabei wis­sen sie immer­hin mehr als die Anhän­ger Jesu, die Pau­lus in der Apos­tel­ge­schich­te fragt, ob sie den Hei­li­gen Geist emp­fan­gen hät­ten: Wir haben noch nicht ein­mal gehört, dass es den Hei­li­gen Geist gibt“, so die lapi­da­re Ant­wort. Gehört hat man von ihm, immer wie­der: Wir glau­ben an den Hei­li­gen Geist“, heißt es im Glau­bens­be­kennt­nis. Lukas beschreibt das Pfingst­er­eig­nis in der Apostelgeschichte:

Da kam plötz­lich vom Him­mel her ein Brau­sen, wie wenn ein hef­ti­ger Sturm daher fährt, und erfüll­te das gan­ze Haus, in dem sie (die Jün­ger) waren. Und es erschie­nen ihnen Zun­gen wie von Feu­er, die sich ver­teil­ten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nie­der. Alle wur­den mit dem Hei­li­gen Geist erfüllt und began­nen in frem­den Spra­chen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jeru­sa­lem lockt die­ses selt­sa­me Ereig­nis eine neu­gie­ri­ge Men­schen­men­ge an, Juden aus allen mög­li­chen Lan­des­tei­len, vie­le aus der Dia­spo­ra, dar­un­ter Ägyp­ter, Römer, Kre­ter oder Ara­ber, gera­ten außer sich vor Stau­nen“, denn jeder hört die Jün­ger plötz­lich in sei­ner Mut­ter­spra­che reden, ver­steht auf wun­der­sa­me Wei­se, was gespro­chen wird.

Der Geist scheint ein beson­de­rer Gast zu sein. Er ist, er bleibt immer und in jedem Augen­blick das freie Geschenk von oben“, sag­te der Theo­lo­ge Karl Rah­ner. Dass die­ses Geschenk trotz aller Spra­chen­ver­wir­rung kein lee­res Ver­spre­chen ist, das ist die Bot­schaft des schwie­ri­gen Fes­tes Pfings­ten. Ein Wun­der Gren­zen über­schrei­ten­den Ver­ste­hens… Eigent­lich leicht zu ver­ste­hen. Es bedarf dazu nur einer klei­nen Por­ti­on Geistesgegenwart.

Friedenberger_Werner

Werner Friedenberger

stellv. Chefredakteur

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