Die Zukunft hat begonnen

Wolfgang-Christian Bayer am 08.04.2019

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Wie funktionieren die 18 neuen Verwaltungszentren? Susanne Kopp leitet das Verwaltungszentrum Regen. Sie gibt Einblicke in die Praxis. Auf den folgenden Seiten 10 und 11 stellen wir alle neuen Verwaltungsleiter vor.

Hell ist es. Hell, und sehr ordent­lich. Hier und da viel­leicht noch etwas leer, aber schon auf den ers­ten Blick ist klar, dass es sich in die­sem Büro im Pfarr­haus Zwie­sel gut arbei­ten lässt, dass hier eine ange­neh­me Atmo­sphä­re herrscht. Ein Schreib­tisch ist bereits mit dem Nötigs­ten ver­sorgt: Der Schreib­tisch, an dem künf­tig Susan­ne Kopp sit­zen wird. Die 35-jäh­ri­ge ist die Lei­te­rin des Ver­wal­tungs­zen­trums Regen. Bevor sie aller­dings tag­täg­lich in ihrem neu­en Büro arbei­ten wird, absol­viert sie gemein­sam mit neun der ins­ge­samt 18 ande­ren Ver­wal­tungs­lei­ter ein inten­si­ves Trai­nee-Pro­gramm in Pas­sau. Hier ler­nen sie die kir­chen­spe­zi­fi­schen Fach­ver­fah­ren ken­nen und eig­nen sich Wis­sen an, das spä­ter in den ein­zel­nen Ver­wal­tungs­räu­men unbe­ding­te Vor­aus­set­zung ist. Es geht aber auch dar­um, dass die Lei­ter die Abläu­fe des Bischöf­li­chen Ordi­na­ri­ats ken­nen­ler­nen und auch die Per­so­nen, die in den Abtei­lun­gen arbei­ten“, betont Gene­ral­vi­kar Dr. Klaus Metzl, der die Errich­tung der Ver­wal­tungs­zen­tren feder­füh­rend lei­tet. Schon Anfang März strö­men die ers­ten zehn Ver­wal­tungs­lei­ter aus und begin­nen in der Flä­che mit der Arbeit. Doch wie genau sieht die­se Arbeit in der Pra­xis eigent­lich aus? Das Bei­spiel von Susan­ne Kopp kann hel­fen, noch immer bestehen­de Fra­ge­zei­chen ver­schwin­den zu lassen. 

Die ver­hei­ra­te­te Mut­ter zwei­er Kin­der hat zunächst eine Aus­bil­dung zur Bank­kauf­frau absol­viert und Betriebs­wirt­schaft stu­diert. Als Pfarr­se­kre­tä­rin in Frau­en­au bekam sie dann bereits vie­le Ein­bli­cke in die Auf­ga­ben der pas­to­ra­len Mit­ar­bei­ter. Vor­kennt­nis­se, die es ihr leicht mach­ten, sich als Ver­wal­tungs­lei­te­rin zu bewer­ben. Denn Kopp weiß, wie nötig mehr Unter­stüt­zung des Haupt- und Ehren­am­tes ist. Und genau das ist das Ziel der Ver­wal­tungs­zen­tren: Pries­ter, aber auch ehren­amt­lich Enga­gier­te wie Kir­chen­pfle­ger, sol­len von ihren teils sehr zeit­fres­sen­den Ver­wal­tungs­auf­ga­ben ent­las­tet wer­den. Neue Frei­räu­me sol­len ent­ste­hen, neue Mög­lich­kei­ten, Haupt- und Ehren­amt auszuführen. 

Rein von der Ein­stel­lung her ist es kein Job, son­dern eine Lebens­auf­ga­be“, beschreibt Kopp ihren neu­en Beruf. Sie steht zwar zunächst vor einem Berg voll Arbeit, hohe Erwar­tun­gen las­ten auf ihren Schul­tern. Doch sie ist hoch­mo­ti­viert und bereit, sich nach Kräf­ten für ihr Ver­wal­tungs­zen­trum zu engagieren.

Einer der ers­ten wich­ti­gen Schrit­te liegt auf der Hand. Die neu­en Ver­wal­tungs­lei­ter müs­sen ihr künf­ti­ges Ein­satz­ge­biet erst­mal gut ken­nen­ler­nen. So macht Susan­ne Kopp bereits Tou­ren, besucht gemein­sam mit dem Rege­ner Dekan Mar­tin Prel­lin­ger bei­spiels­wei­se Kir­chen und ande­re kirch­li­che Gebäu­de, Fried­hö­fe oder Grund­stü­cke, lernt die Men­schen ken­nen, die sich vor Ort enga­gie­ren. In Sachen Ent­las­tung wer­den sich die Ver­wal­tungs­lei­ter dann zunächst dem Finanz­be­reich wid­men. Wir über­neh­men in den Ver­wal­tungs­zen­tren die Buch­hal­tun­gen aus den Pfarr­bü­ros. Im nächs­ten Schritt nähern wir uns dem Zah­lungs­ver­kehr und im Herbst sol­len dann wei­te­re Pake­te wie Daten- und Arbeits­schutz fol­gen“, so Kopp.

Rein von der Ein­stel­lung her ist es kein Job, son­dern eine Lebensaufgabe.”

Susanne Kopp

Es gilt das Prin­zip, dass Auf­ga­ben grund­sätz­lich frei­wil­lig an die neu­en Ver­wal­tungs­lei­ter über­tra­gen wer­den kön­nen. Eine Aus­nah­me stellt ledig­lich der Bereich des Finanz­we­sens dar. Das lie­ge laut Kopp dar­an, dass die Kir­chen als Kör­per­schaf­ten öffent­li­chen Rechts ab 2021 umsatz­steu­er­pflich­tig wer­den und eine Pro­fes­sio­na­li­sie­rung aus die­sem Grund außer­or­dent­lich wich­tig sei. 

Die Ver­wal­tungs­lei­ter wer­den suk­zes­si­ve mit ihrer Arbeit star­ten. Es ist kein Pro­zess, der von heu­te auf mor­gen pas­siert. Es muss wach­sen. Aber ich glau­be, wenn man das mit Lie­be tut, dann gelingt es auch“, sagt Kopp, die davon über­zeugt ist, dass die Errich­tung der Ver­wal­tungs­zen­tren im pas­to­ral-struk­tu­rel­lem Erneue­rungs­pro­zess des Bis­tums Pas­sau unter dem Leit­wort Unser Bis­tum: Glau­be lebt – Gemein­sam neu Kir­che sein“ der rich­ti­ge Schritt in die Zukunft ist. Das sieht Dekan Prel­lin­ger genau­so. Auch er emp­fin­det die Ver­wal­tungs­zen­tren als Chan­ce. Die Ver­wal­tungs­an­for­de­run­gen sind ste­tig gestie­gen, nicht nur an die Pfar­rer, son­dern auch an die Kir­chen­ver­wal­tun­gen. Es ist alles kom­pli­zier­ter und unüber­sicht­li­cher gewor­den. Ich ver­spre­che mir durch die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung in der Ver­wal­tung ein­fach wie­der mehr Frei­räu­me für die Seel­sor­ge – um eben nicht nur am Schreib­tisch zu sit­zen und E-Mails abzu­ar­bei­ten oder neue Bestim­mun­gen umzu­set­zen“, sagt er. Prel­lin­ger weiß aber natür­lich, dass ein Umlern­pro­zess auf alle Betei­lig­ten zukommt. Als Pfar­rer ist man gewohnt, die Lei­tung aus­zu­füh­ren und auch in der Ver­wal­tung die Lei­tung wahr­zu­neh­men, weil es ein­fach zu unse­ren Auf­ga­ben gehört hat. Das Gan­ze paket­wei­se abzu­ge­ben und zu sagen: Ich ver­ab­schie­de mich davon‘ ist natür­lich ein Stück weit Macht­ver­lust, man weiß ja nicht mehr alles und hat nicht mehr auf alles Zugriff. Aber ich den­ke, das ist nicht der Grund, war­um ich Pfar­rer und Seel­sor­ger gewor­den bin. Der Grund war, für die Men­schen da zu sein, und nicht für den Schreib­tisch“, stellt er klar. 

Grund­sätz­lich ist es aus sei­ner Sicht auch wich­tig, wie die Zusam­men­ar­beit aus­se­hen wird. Wie man die Arbeits­ab­läu­fe gestal­tet, wie man Hand in Hand arbei­ten kann, wel­che Infos wer wann braucht – das braucht gute Kom­mu­ni­ka­ti­on und Zeit, damit sich das ent­wi­ckeln kann. Dass man nicht neben­ein­an­der, son­dern mit­ein­an­der gut arbei­ten kann.“ Eine spür­ba­re Ent­las­tung sei sicher­lich nicht gleich mög­lich – aber schrittweise. 

Mit den Ver­wal­tungs­zen­tren ent­steht im Bis­tum Pas­sau etwas völ­lig Neu­es, das ist ganz klar eine Her­aus­for­de­rung sowohl für das Ordi­na­ri­at als auch für die Ehren- und Haupt­amt­li­chen in der Flä­che. Wir gehen hier expe­ri­men­tell in die Zukunft“, so Gene­ral­vi­kar Metzl. Dass nach und nach für alle Ver­wal­tungs­lei­ter­stel­len sehr gut pas­sen­de Frau­en und Män­ner gefun­den wer­den konn­ten, freut ihn sehr. Bei der Aus­wahl sei­en ver­schie­de­ne Punk­te wich­tig gewe­sen. Natür­lich ist die Kirch­lich­keit zen­tral. Wir haben aber auch Wert dar­auf­ge­legt, dass die Bewer­ber neben der fach­li­chen Kom­pe­tenz eine hohe sozia­le Kom­pe­tenz mit­brin­gen“, beschreibt Metzl. Wei­ter­hin erfor­de­re der Job ein hohes Maß an Fle­xi­bi­li­tät. Abend- oder Wochen­end­ter­mi­ne wer­den kei­ne Sel­ten­heit sein. Das weiß auch Ver­wal­tungs­lei­te­rin Susan­ne Kopp. Doch sie freut sich auf ihre künf­ti­gen Auf­ga­ben und die Zusam­men­ar­beit mit Haupt- und Ehren­amt. Zufrie­den sagt sie: Ich bin hier von Anfang an offen emp­fan­gen und toll betreut worden.“ 

Text und Bild: Mare­en Maier