Die Weisheit des Alters

Lisa Stockinger am 11.09.2019

Das_Alter_der_Weisheit

Das Geheimrezept zum Altwerden

Wie führt man ein lan­ges und zugleich erfüll­tes Leben? Repor­ter des Zeit-Maga­zins“ sind zehn Jah­re lang um den Glo­bus gereist und haben 50 Hun­dert­jäh­ri­ge besucht, um dar­auf Ant­wor­ten zu fin­den. Eines vor­weg: Wie alt wir wer­den, liegt zu 30 Pro­zent nicht in unse­ren Hän­den; das ist der Anteil, den Wis­sen­schaft­ler unse­rer gene­ti­schen Ver­an­la­gung zuschrei­ben. Aber damit blei­ben immer noch 70 Pro­zent, die wir selbst beein­flus­sen kön­nen. Und das Inter­es­san­te dabei: Die Hun­dert­jäh­ri­gen leh­ren uns, dass es tat­säch­lich eini­ge Rezep­te für ein lan­ges, gutes Leben gibt.

Dass eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung, Bewe­gung, aus­rei­chend Schlaf, eine funk­tio­nie­ren­de Fami­lie und gute Freun­de essen­ti­ell sind, ist hin­rei­chend bekannt. Doch ähn­lich bedeu­tend ist offen­sicht­lich, wie man sein Leben lebt. Auf­fäl­lig ist, dass die befrag­ten Hun­dert­jäh­ri­gen vor Taten­drang, Lei­den­schaft, Begeis­te­rung, Lust am Leben sprüh­ten. Es gehe um die rich­ti­ge Balan­ce, um Wach­sam­keit in eige­ner Sache, erklärt der Wis­sen­schaft­ler Craig Will­cox und fasst dies so zusam­men: Passt auf euch auf – und lebt.“

Was die Hun­dert­jäh­ri­gen eben­falls ler­nen muss­ten, allein schon weil auf­grund ihres lan­gen Lebens der Ver­lust gelieb­ter Men­schen unum­gäng­lich war: Man muss in der Lage sein, Nie­der­la­gen und Trau­er irgend­wann hin­ter sich zu lassen. 

Vie­le Über­ein­stim­mun­gen gibt es dar­in, was die betag­ten Men­schen kurz vor dem Ende ihres lan­gen Lebens bedau­ern: bei­na­he alle Frau­en, dass sie sich hat­ten brem­sen las­sen, was Schu­le, Stu­di­um und Beruf angeht; die meis­ten Män­ner wie­der­um bereu­ten, dass sie viel zu viel ihrer Lebens­zeit mit Neben­säch­li­chem, also dem Beruf, ver­geu­det und zu wenig mit Wesent­li­chem, also der Fami­lie und den Freun­den, aus­ge­füllt hätten“. 

Schmun­zeln lässt mich die Weis­heit des Alters, die Clau­dia Melis aus Sar­di­ni­en nennt: Man soll opti­mis­tisch sein, neu­gie­rig und ernst­haft, das Gemü­se aus dem eige­nen Gar­ten kochen und nicht mit dem Ehe­mann kämp­fen. Und wenn ich ganz und gar die Wahr­heit sagen soll, dann ist dies hier das wah­re Geheim­nis: Wenn ihr hun­dert wer­den wollt, dann glaubt an Gott. Geht jeden Sonn­tag in die Kirche.“ 

Da wür­de bestimmt auch Papst Fran­zis­kus zustim­men, der, den­ke ich, ohne­hin vie­le Regeln für ein gutes, gelin­gen­des Leben ver­in­ner­licht hat. Wie anders wären sei­ne Appel­le an die Jugend zu ver­ste­hen, das Leben nicht vom Bal­kon aus zu betrach­ten oder vor einem Bild­schirm auf dem Sofa zu ver­brin­gen. Lasst lie­ber eure Träu­me auf­blü­hen, trefft Ent­schei­dun­gen, setzt etwas aufs Spiel“, schreibt er in Chris­tus vivit“ (Chris­tus lebt). Werft die Ängs­te, die euch läh­men, über Bord, damit ihr euch nicht in jugend­li­che Mumi­en ver­wan­delt. Lebt! Öff­net die Käfig­tür und fliegt hinaus!“

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Wolfgang Krinninger

Chefredakteur