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Soziales

Der Regenwald geht alle an

Barbara Osdarty am 07.12.2020

Regenwald_Gruene_Lunge info-icon-20px Foto: Barbara Osdarty
Grüne Lunge und Lebensbaum für Mensch, Tier und Pflanzen: Es ist wichtig, ganz besonders den Regenwald, zu schützen.

„Schützt den Regenwald“ – in einem dringenden Appell ruft der Passauer Diözesanrat die Menschen auf, beim Einkauf schöpfungsverantwortlich zu entscheiden

Zur Begrün­dung schreibt der Diö­ze­san­rat: Über den Regen­wäl­dern in Bra­si­li­en, Indo­ne­si­en und Malay­sia steigt dicker Qualm auf – und ver­treibt Men­schen und Tie­re aus ihrer Hei­mat. Gigan­ti­sche Wäl­der, die Orang-Utans, Faul­tie­ren und ande­ren bedroh­ten Arten einen Lebens­raum bie­ten, wer­den für immer zer­stört, um Palm­öl­plan­ta­gen oder Soja­an­bau-flä­chen anzu­le­gen. Groß­kon­zer­ne wie Nest­lé, Uni­le­ver oder Proc­ter & Gam­ble haben sich im Rah­men des Con­su­mer Goods Forum (CGF) vor 10 Jah­ren dazu ver­pflich­tet, bis 2020 nur noch nach­hal­tig ange­bau­tes Palm­öl ein­zu­set­zen. Doch die Gier nach schnel­lem Pro­fit war zu groß – und die Regen­wäl­der bren­nen weiter. 

Die wei­te­re Ver­füg­bar­keit der ent­spre­chen­den Pro­duk­te bei uns belegt, dass die Ver­nich­tung von Lebens­grund­la­gen unge­bremst wei­ter­ge­führt wird. Um der Zer­stö­rung nicht taten­los zuzu­se­hen, muss jetzt der Druck auf die­se Kon­zer­ne erhöht wer­den, die unter­zeich­ne­te Ver­pflich­tung ein­zu­hal­ten und die genann­ten Pro­duk­te aus den Lie­fer­ket­ten zu ver­ban­nen. Sonst wer­den die­se wei­ter schmut­zi­ge Pro­fi­te machen, sich nicht um das gebro­che­ne Nach­hal­tig­keits­ver­spre­chen sche­ren und unge­bremst Regen­wald zer­stö­ren. Wir als Kon­su­men­ten ent­schei­den über die Zukunft der Schöp­fung, ins­be­son­de­re der Regen­wäl­der als Lebens­raum für Pflan­zen, Tie­re und Men­schen und damit auch über die Zukunft unse­res Klimas.

Im Bis­tums­blatt-Inter­view beant­wor­ten der Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­de Mar­kus Biber und der Jour­na­list Hel­mut Degen­hart Fra­gen rund um den Aufruf.

Sie rufen die Men­schen dazu auf, sich genau über die Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen der für Kos­me­ti­ka und Lebens­mit­tel ver­wen­de­ten Palm­öl- und Soja­pro­duk­te zu infor­mie­ren. Gibt es Hil­fen vom Diö­ze­san­rat, eine Art Kauf­leit­fa­den?
Biber: Nein, denn es gibt bereits gute Infor­ma­tio­nen im Inter­net, zum Bei­spiel auf Fai­rer Han­del oder Uto­pia Dort fin­det man auch wei­te­re Spe­zi­fi­zie­run­gen für ver­schie­de­ne Pro­dukt­ar­ten wie Lebens­mit­tel, Klei­dung, Kos­me­ti­ka, Öko­strom oder Pro­duk­te der Finanz­wirt­schaft. Der Auf­ruf an die Men­schen beinhal­tet daher ganz expli­zit die Bit­te, sich vor dem Kauf über die Her­kunft der Pro­duk­te zu infor­mie­ren. Auch die Leit­li­ni­en für Öko­lo­gie, Gemein­wohl­öko­no­mie und welt­wei­te Ent­wick­lungs­zu­sam­men­hän­ge im Bis­tum Pas­sau“, vor allem das Kapi­tel Nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten und Ein­kau­fen“, geben wert­vol­le Hin­wei­se.

Wel­che Pro­duk­te und Lebens­mit­tel ent­hal­ten beson­ders oft unfair pro­du­zier­te Palm­öle und Soja­pro­duk­te?
Degen­hart: Etwa jedes zwei­te Super­markt­pro­dukt ent­hält Palm­öl. Es fin­det sich in Nutel­la & Co., Tüten­sup­pen, Cremes, Wasch­mit­teln, Lip­pen­stift und Kek­sen – und natür­lich im Bio­sprit. Beim Griff ins Super­markt­re­gal und beim Tan­ken ent­schei­den wir auch über das Schick­sal bedroh­ter Arten wie Orang-Utan oder Tiger – und des Regen­wal­des. Mitt­ler­wei­le erstreckt sich der Anbau welt­weit auf eine Flä­che von etwa 19 Mil­lio­nen Hekt­ar – rund um den Äqua­tor in arten­rei­chen Regio­nen, wie Indo­ne­si­en und Malay­sia. Für neue Plan­ta­gen wer­den wei­ter­hin zahl­rei­che Hekt­ar Regen­wald gero­det. Mit der glo­bal stei­gen­den Nach­fra­ge wach­sen auch die öko­lo­gi­schen und sozia­len Pro­ble­me.

Sie schrei­ben in der Begrün­dung zum Auf­ruf, dass Nest­lé und Co. Nach­hal­tig­keits­zie­le, zu denen man sich ver­pflich­tet hat, nicht ein­ge­hal­ten haben. Wel­che Zie­le sind das? Kön­nen Sie viel­leicht eini­ge aus­sa­ge­kräf­ti­ge Zah­len nen­nen?
Degen­hart: Nest­lé, Mars und Hers­hey ver­spre­chen schon seit Jah­ren, ihre Zulie­fer­ket­ten zu ana­ly­sie­ren und bis zur Palm­öl-Plan­ta­ge zurück­zu­ver­fol­gen – aller­dings haben sie ihre Ver­spre­chen nicht gehal­ten. Das Akti­ons­netz­werk Regen­wald“ spricht sogar von bewuss­ter Täu­schung der Kon­su­men­ten. Schon vor meh­re­ren Jah­ren haben gro­ße Unter­neh­men wie Nest­lé sich zum Ziel gesetzt, kein Palm­öl mehr von Plan­ta­gen zu ver­wen­den, für die Regen­wald zer­stört wird. Dem bri­ti­schen Guar­di­an zufol­ge bezie­hen aber alle, Nest­lé, Mars und Hers­hey, wei­ter­hin Palm­öl, das im Leu­ser-Gebiet in Indo­ne­si­en ange­baut wird. In dem Gebiet leben unter ande­rem Tiger, Orang-Utans, Ele­fan­ten und Nas­hör­ner – die ille­ga­len Palm­öl-Plan­ta­gen zer­stö­ren ihren Lebens­raum. Das heißt, wir brau­chen drin­gend das der­zeit heiß dis­ku­tier­te Lieferkettengesetz.

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Wenn Unter­neh­men bestimm­te Stan­dards nicht ein­hal­ten, rufen Sie als letz­tes Mit­tel auch zum Boy­kott der ent­spre­chen­den Anbie­ter auf. Auf wel­cher Grund­la­ge rich­tet der Diö­ze­san­rat eine so weit­rei­chen­de For­de­rung an die Men­schen? Und ist sie nicht auch in gewis­ser Wei­se unchrist­lich‘, weil dadurch z. B. Arbeits­plät­ze gefähr­det wer­den?
Biber: Grund­la­ge unse­res Han­delns ist die Ver­pflich­tung aller Men­schen, ins­be­son­de­re aber aller Chris­ten, zum scho­nen­den Umgang mit der Schöp­fung, zu Soli­da­ri­tät mit den Armen und Benach­tei­lig­ten sowie zu einem genera­tio­nen­ge­rech­ten und gemein­wohl­ori­en­tier­ten Wirt­schaf­ten. Die­se Rechts­po­si­tio­nen wie­der­um lei­ten sich letzt­lich alle zwin­gend aus dem Lebens­recht jedes ein­zel­nen Men­schen ab, da ohne die Beach­tung die­ser Posi­tio­nen ein Leben der Men­schen heu­te oder unse­rer Kin­der in Zukunft nicht mehr oder nur unter ganz erheb­lich erschwer­ten Umstän­den mög­lich sein wird. Ähn­lich äußert sich auch Papst Fran­zis­kus in Lau­da­to si“ bzw. Fratel­li tut­ti“. Vor die­sem Hin­ter­grund sind die For­de­run­gen ganz sicher nicht unchrist­lich. Hier­durch sol­len die gro­ßen Unter­neh­men, die sich wohl­ge­merkt nicht an ihre eige­nen Selbst­ver­pflich­tun­gen hal­ten, gera­de zu einem christ­li­chen und alter­na­tiv­lo­sen Han­deln bewegt werden.

War­um hat sich der Diö­ze­san­rat gera­de jetzt zu dem Auf­ruf ent­schlos­sen? Gibt es einen aktu­el­len Aus­lö­ser?
Biber: Aktu­el­le Aus­lö­ser für das Auf­grei­fen des The­mas sind die in die­sem Jahr unter dem Deck­man­tel der Coro­na-Pan­de­mie beson­ders fort­schrei­ten­den Zer­stö­run­gen der Lun­ge der Welt“ in den Wäl­dern der süd­li­chen Hemi­sphä­re sowie das Nicht­er­rei­chen der Zie­le des CGF aus dem Jahr 2010, ab 2020 nur noch nach­hal­tig pro­du­zier­tes Palm­öl zu ver­wen­den, das nicht zur Ent­wal­dung der Tro­pen­wäl­der führt.

Menschen vor Profit!

Jetzt die Regen­wald-Zer­stö­rung durch Nest­lé & Co. stop­pen! Der Diö­ze­san­rat der Katho­li­ken rich­tet einen drin­gen­den Appell an alle Men­schen, beim Kauf von Lebens­mit­teln, Ölen und Kosmetikprodukten

  • Infor­ma­tio­nen ein­zu­ho­len, ob die­se mit Palm­öl- oder Soja­pro­duk­ten ver­mischt sind, die zu Las­ten der Regen­wäl­der und ihrer loka­len Bevöl­ke­rung pro­du­ziert wurden,
  • die­se Infor­ma­tio­nen bei einer Kauf­ent­schei­dung zu berücksichtigen,
  • Lebens­mit­tel von regio­na­len Erzeu­gern zu kau­fen und
  • Pro­duk­te von Fir­men, die ihre eige­nen Nach­hal­tig­keits­zie­le aus dem Con­su­mer Goods Forum (CGF) nicht ein­hal­ten, zu boykottieren.
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Barbara Osdarty

Redakteurin

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