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Wallfahrt

Weil er wieder wordn is

Redaktion am 01.03.2022

2022 02 28 pb alb altoettinger bauhof votivtafel mannschaft Foto: Stephan Hölzlwimmer
Dankbar: Stadtgärtner Marc Lindner, Mitte, flankiert von Administrator Dr. Klaus Metzl (l.), Bürgermeister Stephan Antwerpen und den Kollegen vom Bauhof Altötting.

Der Altöttinger Stadtgärtner Marc Lindner ist nach einem schweren Arbeitsunfall fast ganz genesen. Zum Dank stiftet die Mannschaft des Bauhofes eine Votivtafel für die Gnadenkapelle.

Eine Votiv­ta­fel stif­ten, wenn er wie­da wiad“: Dass Jür­gen Wiedl und sei­ne Kol­le­gen vom Bau­hof die­ses vor einem Jahr gege­be­ne Ver­spre­chen wür­den ein­lö­sen dür­fen, das war damals nicht mehr als eine vage Hoff­nung. Denn nach einem schwe­ren Arbeits­un­fall beim Baum­fäl­len nahe der Her­ren­müh­le war Marc Lind­ner dem Tod näher als dem Leben. Von einem mäch­ti­gen Ahorn ein­ge­klemmt, der sich trotz aller Siche­rungs­maß­nah­men gedreht hat­te und seit­lich aus­ge­ris­sen war, wur­de der Stadt­gärt­ner befreit und ins Kran­ken­haus geflo­gen – und das mit so schwe­ren Ver­let­zun­gen, dass es kaum jemand für mög­lich hielt, er könn­te mit dem Leben davonkommen.

„Schritt für Schritt zurückgekämpft“

Doch genau das hat Lind­ner, den sei­ne Kol­le­gen als gro­ßen Kämp­fer“ bezeich­nen, geschafft. Schritt für Schritt kämpf­te er sich zurück, sei­ne Gene­sung mach­te ent­ge­gen aller ärzt­li­chen Pro­gno­sen immense Fort­schrit­te, was Bür­ger­meis­ter Ste­phan Ant­wer­pen in sei­ner Rede zum Jah­res­ab­schluss davon spre­chen ließ, die­se Ent­wick­lung las­se einen fast an ein Wun­der glau­ben“. Im April konn­te Marc Lind­ner die Kli­nik ver­las­sen, seit Juli ist er im Rah­men der soge­nann­ten Belas­tungs­er­pro­bung zumin­dest stun­den­wei­se wie­der im Ein­satz. Am Diens­tag, 15. Febru­ar nun lös­te die Mann­schaft des Bau­ho­fes ihr Ver­spre­chen ein. Fast auf die Minu­te genau ein Jahr nach dem schreck­li­chen Unfall, brach­te sie im Bei­sein von Admi­nis­tra­tor Dr. Klaus Metzl die Votiv­ta­fel, die sie vom Markt­ler Kir­chen­ma­ler Hel­mut Stöhr hat­te anfer­ti­gen las­sen, im Umgang der Gna­den­ka­pel­le an.

2022 02 28 pb alb altoettinger bauhof votivtafel1 Foto: Stephan Hölzlwimmer
„Maria hat geholfen nach einem schweren Arbeitsunfall“, steht auf der neuen Votivtafel, die der Altöttinger Bauhof gespendet hat.

Es war ein wun­der­schö­ner, aber bit­ter­kal­ter Mor­gen mit zwei­stel­li­gen Minus­gra­den, als der Unfall am 15. Febru­ar 2021 um 8.07 Uhr in der Nähe des Trieb­werks­ka­nals pas­sier­te. Gut 20 Meter hoch und 80 Zen­ti­me­ter im Durch­mes­ser – die­se Maße hat­te der Ahorn, der gefällt wer­den muss­te. Acht bis neun Ton­nen Gewicht nah­men urplötz­lich die fal­sche Rich­tung und begru­ben Lind­ner unter sich. Auch wenn die Kol­le­gen vor Ort, neben Jür­gen Wiedl noch Domi­nik Gum­pin­ger, Her­mann Schreibau­er und Peter Wag­ner, alles Men­schen­mög­li­che unter­nah­men, sofort den Not­ruf absetz­ten, dem Ver­un­glück­ten bei­stan­den, die Unfall­stel­le aus­schnit­ten und so den Ret­tungs­kräf­ten den Weg frei mach­ten: Sie hat­ten Zwei­fel, dass Lind­ner über­le­ben wür­de. Weil höchs­te Eile gebo­ten war, wur­de umge­hend auch der Ret­tungs­hub­schrau­ber ver­stän­digt – und der nahm nicht den Weg in die Spe­zi­al­kli­nik nach Mur­nau, wohin Lind­ner erst spä­ter ver­legt wur­de, son­dern nach Traun­stein. Auch der deut­lich kür­ze­re Weg wäre bei­na­he zu lang gewe­sen. Auf dem Weg in den Ope­ra­ti­ons­saal muss­te der Stadt­gärt­ner wie­der­be­lebt werden.

Die Lis­te der Ver­let­zun­gen, die sich der damals 31-Jäh­ri­ge zuge­zo­gen hat­te, war lang: Schä­del­ba­sis­bruch, drei­fa­cher Wir­bel­bruch, mehr­fa­cher Becken­bruch, neun­fa­cher Rip­pen­bruch und Schlüs­sel­bein­bruch sowie Milz­riss, Nie­ren­quet­schung und abge­ris­se­ne Ner­ven­strän­ge in der lin­ken Schul­ter. Auch wenn das den Kol­le­gen zunächst nicht im Detail klar war – dass es schlecht um Marc Lind­ner stand, das wuss­ten sie. Und dass er jede Für­spra­che brau­chen konn­te, das auch.

2022 02 28 pb alb altoettinger bauhof votivtafel2

Das Quar­tett, das mit dem Burg­kirch­ner am Ein­satz­ort gewe­sen war, such­te immer wie­der die Gna­den­ka­pel­le auf, bete­te dort, zün­de­te Ker­zen an – und gab das besag­te Ver­spre­chen ab, eine Votiv­ta­fel zu stif­ten, soll­ten die Gebe­te erhört wer­den. Die gesam­te übri­ge Mann­schaft, bestehend aus 18 Mann, schloss sich Letz­te­rem an, eben­so Bür­ger­meis­ter Ste­phan Ant­wer­pen und Richard Wie­sin­ger vom Bau­amt, dem der Bau­hof untersteht.

Lind­ner mach­te unter­des­sen Fort­schrit­te. Im April kam er von der Spe­zi­al­kli­nik in Mur­nau nach Hau­se. Vie­le Ver­let­zun­gen sind über die Mona­te aus­ku­riert, der lin­ke Arm aber will noch nicht so recht. Drei bis vier Stun­den täg­lich trai­niert der 32-Jäh­ri­ge, men­tal vor allem, um das Gespür für den Arm zu ent­wi­ckeln. Auch wenn es noch dau­ern wird, bis die Ner­ven­strän­ge in der Schul­ter wie­der zusam­men­ge­wach­sen sind: Dass es berg­auf geht, das spürt Lind­ner. Jeden Tag wird es ein klei­nes biss­chen bes­ser, ver­si­chert er.

Nun wur­de die Votiv­ta­fel im Umgang auf der Ost­sei­te der Gna­den­ka­pel­le ange­bracht. Das Team des Bau­ho­fes war dabei, eben­so Richard Wie­sin­ger vom Bau­amt und Bür­ger­meis­ter Ste­phan Ant­wer­pen – und natür­lich Admi­nis­tra­tor Klaus Metzl, der Haus­herr der Gna­den­ka­pel­le. Und er ging mit den Män­nern in Oran­ge ins Okto­gon, bete­te mit ihnen vor der Schwar­zen Madon­na und erbat den Segen. Und mit Lind­ners Kol­le­gen dank­te er. Weil er wie­der wordn is, der Stadtgärtner.

Text und Fotos: Ste­phan Hölzlwimmer

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