Foto: Karl-Heinz Paulus
Martin Felhofer, langjähriger Abt des Stiftes Schlägl, weiht „Vater-unser“-Kapelle auf dem Kreuzberg in Freyung
Der architektonisch neuzeitliche und in seiner Positionierung, gestalterischen Gliederung und Proportioniertheit bestens gelungene Kapellenbau steht bereits lange an diesem landschaftlich besonders reizvollen Platz am westlichen Ortsausgang des Bergdorfes Kreuzberg. Kein Wanderer oder Pilger ist an diesem schmucken kleinen Sakralbau achtlos vorüber- gegangen. Er hat sich lediglich gewundert, dass er bislang nicht begehbar war bzw. nicht besichtigt werden konnte. Das lag schlicht und einfach daran, dass die Überlegungen zu einer angemessenen Ausstattung noch reifen mussten.
Foto: Karl-Heinz Paulus
Der Anstoß zu dieser Kapellenerrichtung war nicht etwa ein Gelübde, sondern ein Traum, der den Baumeister Helmut Kloiber nach wiederholten Wanderungen durch sein Heimatdorf bewog, an der betreffenden Stelle eine Kapelle zu errichten. Als er von diesem Traum-
erlebnis im Kollegen- und Freundeskreis erzählte, wurde ihm bei der Realisation treue und kreative Unterstützung zuteil. Obwohl der Kapellen-Stifter keinerlei Vorgaben machte, lieferte ihm der Freyunger Architekt Werner Pauli eine Planung, die in ihrer Gestaltung des Baukörpers der Gebäulichkeit entsprach, die er in seinem Traum sah. Die Stadt Freyung erteilte als Grundeigentümer das Einvernehmen zur Errichtung der Kapelle am Mühlweg.
Nachdem Helmut Kloiber theologisch tiefer interessiert und bewandert ist, kam er bei der Suche nach einer Namensgebung für diese Kapelle immer wieder auf das „Vater unser“, das Gebet, das Jesus gelehrt hat, zurück. Es handelt sich schließlich dabei um den Gebetstext der Christenheit, der unter allen den höchsten Rang einnimmt. Jesus sprach im Übrigen zuerst Gott mit „Abba“ (=lieber Vater) an. Nachdem der Kapellenname feststand, musste aber noch für eine Ausstattung des Innenraumes gesorgt und die Kapelle geweiht werden. Denn erst dann erhält sie den Rang einer heiligen Örtlichkeit.
Es war klar, dass in der künstlerischen Ausgestaltung ein Bezug zu Gottvater hergestellt werden soll. Die Freyunger Bildhauerin Gabi Hanner, von der bereits mehrfach Kunst im öffentlichen Raum der Kreisstadt existiert, erhielt den Auftrag zur Ausführung. Sie schuf eine ausdrucksstarke Keramik-Skulptur von Gottvater, die besonders das Gottvertrauen in den Mittelpunkt stellen soll. Darüber schwebt ein Engel zum Schutz der Pilger.
Zur Kapellenweihe, zu der Stifter Helmut Kloiber seinen Familien- und Freundeskreis eingeladen hat, konnte er den langjährigen Abt (von 1989 bis 2019) des Stiftes Schlägl, Martin Felhofer, gewinnen, mit dem ihn ein freundschaftliches Verhältnis aus zahlreichen Klostereinkehrtagen verbindet. Er hatte mit ihm einen Kirchenmann gefunden, der in seiner gehaltvollen Ansprache von Anfang an den Funken der Begeisterung überspringen ließ, als er angesichts des grandiosen Blicks, vom Kapellenplatz aus, von der Rachel-Lusen-Linie schwärmte und die Schöpfung in höchsten Tönen pries.
Foto: Karl-Heinz Paulus
Der Zelebrant verglich den menschlichen Lebensweg mit einer Pilgerreise und rief dazu auf, trotz der zerrissenen und gefährlichen Weltlage nicht in Fatalismus zu verfallen, sondern mit Gottvertrauen und humanem Umgang Zuversicht wachsen zu lassen. Der gebürtige Mühlviertler begeisterte in seiner Rede mit seiner Bodenständigkeit und seiner überaus reichen Lebenserfahrung im Dienste Gottes, in dem er bis heute noch ehrenamtlich steht. Immer wieder ließ er dabei die Fröhlichkeit aufblitzen, die schon Papst Johannes Paul I. so wichtig war, dass er diese sogar als Tugend bezeichnete. Nach dem Weiheakt gab er seiner Freude Ausdruck, dass mit dieser kleinen, aber feinen Gnadenstätte an der Via Nova den Pilgern und Wanderern eine Oase der Ruhe und Stille zur inneren Einkehr geboten wird. Die stilvolle musikalische Umrahmung übernahmen die Wolfsteiner Jagdhornbläser.
Text und Fotos: Karl-Heinz Paulus



