Bistum

Am Anfang stand ein Traum

Redaktion am 17.08.2026

Info Icon Foto: Karl-Heinz Paulus
„Vater-unser“-Kapelle auf dem Kreuzberg in Freyung: Nicht nur für den Kapellenstifter Helmut Kloiber (r.) ein schöner Augenblick: Martin Felhofer weihte den Kapellenbau.

Martin Felhofer, langjähriger Abt des Stiftes Schlägl, weiht „Vater-unser“-Kapelle auf dem Kreuzberg in Freyung

Der archi­tek­to­nisch neu­zeit­li­che und in sei­ner Posi­tio­nie­rung, gestal­te­ri­schen Glie­de­rung und Pro­por­tio­niert­heit bes­tens gelun­ge­ne Kapel­len­bau steht bereits lan­ge an die­sem land­schaft­lich beson­ders reiz­vol­len Platz am west­li­chen Orts­aus­gang des Berg­dor­fes Kreuz­berg. Kein Wan­de­rer oder Pil­ger ist an die­sem schmu­cken klei­nen Sakral­bau acht­los vor­über- gegan­gen. Er hat sich ledig­lich gewun­dert, dass er bis­lang nicht begeh­bar war bzw. nicht besich­tigt wer­den konn­te. Das lag schlicht und ein­fach dar­an, dass die Über­le­gun­gen zu einer ange­mes­se­nen Aus­stat­tung noch rei­fen mussten.

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„Vater-unser“-Kapelle auf dem Kreuzberg in Freyung: Die Freyunger Bildhauerin Gabi Hanner schuf eine ausdrucksstarke Keramik-Skulptur von Gottvater, die beiden Glasfenster stammen aus dem Kloster Schlierbach.

Der Anstoß zu die­ser Kapel­len­er­rich­tung war nicht etwa ein Gelüb­de, son­dern ein Traum, der den Bau­meis­ter Hel­mut Kloi­ber nach wie­der­hol­ten Wan­de­run­gen durch sein Hei­mat­dorf bewog, an der betref­fen­den Stel­le eine Kapel­le zu errich­ten. Als er von die­sem Traum-
erleb­nis im Kol­le­gen- und Freun­des­kreis erzähl­te, wur­de ihm bei der Rea­li­sa­ti­on treue und krea­ti­ve Unter­stüt­zung zuteil. Obwohl der Kapel­len-Stif­ter kei­ner­lei Vor­ga­ben mach­te, lie­fer­te ihm der Frey­un­ger Archi­tekt Wer­ner Pau­li eine Pla­nung, die in ihrer Gestal­tung des Bau­kör­pers der Gebäu­lich­keit ent­sprach, die er in sei­nem Traum sah. Die Stadt Frey­ung erteil­te als Grund­ei­gen­tü­mer das Ein­ver­neh­men zur Errich­tung der Kapel­le am Mühlweg.

Nach­dem Hel­mut Kloi­ber theo­lo­gisch tie­fer inter­es­siert und bewan­dert ist, kam er bei der Suche nach einer Namens­ge­bung für die­se Kapel­le immer wie­der auf das Vater unser“, das Gebet, das Jesus gelehrt hat, zurück. Es han­delt sich schließ­lich dabei um den Gebets­text der Chris­ten­heit, der unter allen den höchs­ten Rang ein­nimmt. Jesus sprach im Übri­gen zuerst Gott mit Abba“ (=lie­ber Vater) an. Nach­dem der Kapel­len­na­me fest­stand, muss­te aber noch für eine Aus­stat­tung des Innen­rau­mes gesorgt und die Kapel­le geweiht wer­den. Denn erst dann erhält sie den Rang einer hei­li­gen Örtlichkeit.

Es war klar, dass in der künst­le­ri­schen Aus­ge­stal­tung ein Bezug zu Gott­va­ter her­ge­stellt wer­den soll. Die Frey­un­ger Bild­haue­rin Gabi Han­ner, von der bereits mehr­fach Kunst im öffent­li­chen Raum der Kreis­stadt exis­tiert, erhielt den Auf­trag zur Aus­füh­rung. Sie schuf eine aus­drucks­star­ke Kera­mik-Skulp­tur von Gott­va­ter, die beson­ders das Gott­ver­trau­en in den Mit­tel­punkt stel­len soll. Dar­über schwebt ein Engel zum Schutz der Pilger.

Zur Kapel­len­wei­he, zu der Stif­ter Hel­mut Kloi­ber sei­nen Fami­li­en- und Freun­des­kreis ein­ge­la­den hat, konn­te er den lang­jäh­ri­gen Abt (von 1989 bis 2019) des Stif­tes Schlägl, Mar­tin Fel­ho­fer, gewin­nen, mit dem ihn ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis aus zahl­rei­chen Klos­ter­ein­kehr­ta­gen ver­bin­det. Er hat­te mit ihm einen Kir­chen­mann gefun­den, der in sei­ner gehalt­vol­len Anspra­che von Anfang an den Fun­ken der Begeis­te­rung über­sprin­gen ließ, als er ange­sichts des gran­dio­sen Blicks, vom Kapel­len­platz aus, von der Rachel-Lusen-Linie schwärm­te und die Schöp­fung in höchs­ten Tönen pries.

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Blick auf die „Vater-unser“-Kapelle auf dem Kreuzberg in Freyung.

Der Zele­brant ver­glich den mensch­li­chen Lebens­weg mit einer Pil­ger­rei­se und rief dazu auf, trotz der zer­ris­se­nen und gefähr­li­chen Welt­la­ge nicht in Fata­lis­mus zu ver­fal­len, son­dern mit Gott­ver­trau­en und huma­nem Umgang Zuver­sicht wach­sen zu las­sen. Der gebür­ti­ge Mühl­viert­ler begeis­ter­te in sei­ner Rede mit sei­ner Boden­stän­dig­keit und sei­ner über­aus rei­chen Lebens­er­fah­rung im Diens­te Got­tes, in dem er bis heu­te noch ehren­amt­lich steht. Immer wie­der ließ er dabei die Fröh­lich­keit auf­blit­zen, die schon Papst Johan­nes Paul I. so wich­tig war, dass er die­se sogar als Tugend bezeich­ne­te. Nach dem Wei­he­akt gab er sei­ner Freu­de Aus­druck, dass mit die­ser klei­nen, aber fei­nen Gna­den­stät­te an der Via Nova den Pil­gern und Wan­de­rern eine Oase der Ruhe und Stil­le zur inne­ren Ein­kehr gebo­ten wird. Die stil­vol­le musi­ka­li­sche Umrah­mung über­nah­men die Wolf­stei­ner Jagdhornbläser.

Text und Fotos: Karl-Heinz Paulus 

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