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Ehe in guter Gesellschaft

Redaktion am 04.08.2025

Der Priester segnet die Ehe-Ringe eines Paares. Info Icon Foto: Simona Kehl
Großer Augenblick: Der Priester segnet die Ringe eines Paares. Wissenschaftler haben jetzt die Hinführung auf den großen Tag, die kirchliche Ehevorbereitung, unter die Lupe genommen.

Wie erleben Paare die kirchliche Ehevorbereitung? Eine große Studie zeigt: Die Kurse bieten mehr als Pflichtprogramm – sie sind echte Beziehungsarbeit, pastorale Chance und Tür zur Kirche. Nun gilt es, dieses Potenzial zu erkennen und besser zu nutzen.

Die kirch­li­che Ehe­vor­be­rei­tung steht im Mit­tel­punkt einer groß­an­ge­leg­ten Stu­die von Prof. Dr. Klaus Stü­we, Direk­tor des Zen­tral­in­sti­tuts für Ehe und Fami­lie in der Gesell­schaft (ZFG) an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-Ingol­stadt (KU), und Prof. Dr. Rupert M. Scheu­le, Moral­theo­lo­ge an der Uni­ver­si­tät Regens­burg. Die­se beschäf­tigt sich wis­sen­schaft­lich und prak­tisch mit den Ehe­vor­be­rei­tungs­kur­sen der katho­li­schen Kir­che und fragt, was Paa­re sich erwar­ten und wie Kir­che beglei­ten kann: Neben Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern ver­schie­de­ner euro­päi­scher Uni­ver­si­tä­ten haben auch Pas­to­ral-Mit­ar­bei­ten­de der Bis­tü­mer Eich­stätt, Regens­burg und Pas­sau mitgearbeitet.

Bei einem Pres­se­ge­spräch an der KU stell­te Scheu­le gemein­sam mit Dr. Vero­ni­ka Hecht, wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin im ZFG, sowie wei­te­ren Mit­wir­ken­den die Stu­die vor. Außer­dem stel­len die Wis­sen­schaft­ler einen inter­na­tio­na­len Ver­gleich der Ehe­vor­be­rei­tung in Län­dern wie Polen, Argen­ti­ni­en, Sier­ra Leo­ne oder Ita­li­en auf. Scheu­le betont: So schlecht steht die deut­sche Ehe­vor­be­rei­tung nicht da!“ Trotz­dem lässt sich nicht weg­dis­ku­tie­ren, dass die Nach­fra­ge nach dem Ehe­sa­kra­ment zurück­geht: Wur­den 1990 noch 116.000 und 2001 noch 54.000 Ehen nach katho­li­schem Ritus geschlos­sen, waren es 2023 nur noch 27.500 – also etwa ein Vier­tel. Ver­gleicht man die­se Zah­len mit der Ent­wick­lung beim Got­tes­dienst­be­such, stellt der Kon­takt zu den Braut­leu­ten den­noch einen wich­ti­gen Berüh­rungs­punkt und eine Chan­ce dar, auch noch jene Men­schen zu errei­chen, die den Kon­takt zur Kir­che im All­tag ansons­ten ver­lo­ren haben.

Es ist gigan­tisch, was die Kir­che leistet!”

Simon Heimerl, wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Moraltheologie der Universität Regensburg, zum kostenlosen Kursangebot der katholischen Kirche

Zunächst gehen vie­le Paa­re aber eher mit Skep­sis in die frei­wil­li­gen Ehe­vor­be­rei­tungs­kur­se. Dies liegt auch dar­an, dass vie­le Hei­rats­wil­li­ge sich ver­pflich­tet füh­len (25 Pro­zent) oder ihnen die Teil­nah­me durch ihren Pfar­rer drin­gend ange­ra­ten wur­de (25 Pro­zent). Hin­zu kom­men Befürch­tun­gen, dass reli­giö­se The­men domi­nie­ren könn­ten oder die Paa­re bevor­mun­det wür­den. Immer­hin erwar­ten aber doch nicht weni­ge, dass sie im bes­ten Fall einen guten Tag als Paar erle­ben. Inhalt­lich haben die Teil­neh­men­den hin­ge­gen meist wenig Erwar­tun­gen an den Kurs.

Dar­aus ergibt sich für Andre­as Dan­dor­fer, Pas­to­ral­re­fe­rent und Lei­ter der Fach­stel­le Ehe und Fami­lie“ im Bis­tum Regens­burg, die ganz prak­ti­sche Fra­ge, wie die Ehe­vor­be­rei­tungs­kur­se bes­ser genutzt wer­den kön­nen. Er will die Qua­li­tät der Paar-Bezie­hung in den Mit­tel­punkt stel­len. Es gehe dar­um, die Ehe­leu­te auf Kri­sen vor­zu­be­rei­ten und die Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Bezie­hung zu stär­ken. Dan­dor­fer ist einer von drei Prak­ti­kern, die an der Stu­die mit­ge­wirkt haben und selbst Ehe­vor­be­rei­tungs­kur­se lei­ten und kon­zi­pie­ren. Er sieht die Kur­se vor allem als pas­to­ra­le Chan­ce, Men­schen in Kon­takt mit der Kir­che zu brin­gen. Ent­ge­gen den Befürch­tun­gen, die Teil­neh­men­de vor Beginn des Kur­ses haben, sei­en die the­ma­ti­schen Schwer­punk­te in den Ange­bo­ten gut. Es gehe um Paar­the­men, das Sakra­ment der Ehe und die Gestal­tung des Trau­got­tes­diens­tes. Er sieht Pro­ble­me eher in den ange­bo­te­nen For­ma­ten: Wochen­end­kur­se sei­en für vie­le Paa­re schwie­rig wahr­zu­neh­men. Immer­hin hat ein Drit­tel der Befrag­ten bereits Kin­der – meist im Klein­kind­al­ter. Gleich­zei­tig hat das wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie ent­wi­ckel­te Online-For­mat Gren­zen im per­sön­li­chen Aus­tausch. Er über­legt, in einem hybri­den For­mat einen infor­ma­ti­ven Online-Anteil mit per­sön­li­chem Ken­nen­ler­nen in Prä­senz zu kom­bi­nie­ren. Dan­dor­fer ist über­zeugt, dass die Kur­se einen hohen qua­li­ta­ti­ven Wert haben. Sie sind kein not­wen­di­ges Übel, son­dern eine wich­ti­ge Gele­gen­heit, recht­zei­tig über The­men wie Kri­sen in der Bezie­hung zu sprechen“.

Buch­tipp: Rupert M. Scheule/​Klaus Stü­we (Hg.): Kirch­lich hei­ra­ten. Was Paa­re sich erwar­ten und wie Kir­che beglei­ten kann. Her­der-Ver­lag, 45 Euro, ISBN 9783451024689.

Simon Heim­erl und Anto­nio Zie­rer, wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter am Lehr­stuhl für Moral­theo­lo­gie der Uni­ver­si­tät Regens­burg, for­dern vor die­sem Hin­ter­grund, dass die Kur­se indi­vi­du­el­ler und muti­ger wer­den müs­sen. Sie soll­ten ech­te Kom­pe­ten­zen ver­mit­teln und einen Dia­log auf Augen­hö­he auf­neh­men. Ihnen geht es auch dar­um, die Hete­ro­ge­ni­tät der teil­neh­men­den Paa­re in den Blick zu neh­men. Heim­erl glaubt an das kos­ten­lo­se Kurs­an­ge­bot der katho­li­schen Kir­che, das eben ganz be-wusst vor mög­li­chen Bezie­hungs­kri­sen ansetzt: Es ist gigan­tisch, was die Kir­che leistet!“

Letzt­lich sind sich die Wis­sen­schaft­ler sowohl auf Basis der empi­ri­schen Ergeb­nis­se ihrer Stu­die als auch des ver­glei­chen­den Teils einig: Die Qua­li­tät der Ehe­vor­be­rei­tung in Deutsch­land ist gut. Die befrag­ten Teil­neh­men­den geben den Kur­sen eine Durch­schnitts­no­te von 2,1. Im inter­na­tio­na­len Ver­gleich wer­de sicht­bar, dass die Kur­se in Deutsch­land pro­fes­sio­nell sei­en. Nun müs­se die katho­li­sche Kir­che nur noch die Chan­cen nut­zen, die damit ein­her­ge­hen: den Kon­takt mit den Paa­ren auch nach der Hoch­zeit wei­ter pfle­gen, wei­te­re Ange­bo­te zur Lebens- und Erzie­hungs­be­ra­tung sowie Eltern-Kind-Ange­bo­te bewer­ben und damit die gro­ße Nach­fra­ge an Ehe- und Fami­li­en­be­ra­tung bedienen.

Die Ergeb­nis­se der Stu­die sind im Frei­bur­ger Ver­lag Her­der unter dem Titel Kirch­lich hei­ra­ten. Was Paa­re sich erwar­ten und wie Kir­che beglei­ten kann“ als Buch erschie­nen. Die Unter­su­chung war von den Bischö­fen Rudolf Voder­hol­zer (Regens­burg), Ste­fan Oster (Pas­sau) und dem inzwi­schen eme­ri­tier­ten Eich­stät­ter Bischof Gre­gor Maria Han­ke initi­iert worden.

Text: red

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