Foto: Christine Hacker
Das 4. Simbacher Kirchengespräch der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) strahlte weltoffenen Glanz aus: Mit dem renommierten Wiener Professor Dr. Paul Zulehner besuchte eine Koryphäe der modernen Pastoraltheologie die Stadt am Inn.
75 Zuhörer lauschten im Pfarrheim Zulehners Ausführungen zur Frage, ob Kirche politisch sein darf oder sogar sein muss. Ein klares „Ja“ stand am Ende seiner Analyse, denn Kirchen dürften nicht nur um sich selbst kreisen, sondern müssten gerade in Krisenzeiten den Menschen aktiv Hoffnung und Sicherheit vermitteln.
Alfred Hainthaler (KLB) begrüßte den ausgewiesenen Kirchenexperten mit aktuellen welt- und kirchenpolitischen Bezügen und Dekan Joachim Steinfeld stellte die Kernfrage des Abends dazu: „Wo ist klares Wort gefragt, wo braucht es Orientierung und wie kann Kirche sich einbringen, ohne parteipolitisch zu werden und doch nicht unbeteiligt zu bleiben?“ Überzeugende Antworten darauf gab Zulehner, indem er ein Interview von Bundestagspräsidentin und Theologin Julia Klöckner zugrunde legte. Darin beantwortet sie die Frage, wie Kirche sein soll, mit dem Appell, den Menschen Zuspruch, Trost und Hoffnung in schwierigen Zeiten zu spenden. Auch Zulehner fordert die Hinwendung zu den Menschen: „Meine größte Sorge ist es, dass wir die Kirche perfekt durchreformiert haben, aber die Welt vor uns untergeht.“
Foto: Christine Hacker
Politik sei die Sorge um die Welt, das gemeinsame Ringen um das Gemeinwohl, und Papst Franziskus habe dazu vorbildhaft viele politische Interventionen gesetzt: „Er mischte sich in Themen, die die Welt derzeit taumeln lassen, aktiv ein, wie die Migration, weltweite Solidarität und Ökologie.“ Auch Papst Leo XIV. habe Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden als zentrale Säulen seines Pontifikats definiert. Er setze auf einen vertrauensvollen Dialog mit der Welt von heute und all seinen Komponenten. Zulehner äußerte die Sorge, dass Hoffnungsressourcen ausgehen und sich die Angst mehre. Dies führe zu Gewalt, Gier und Lüge, entsolidarisiere und werde (rechts-)populistisch missbraucht. Himmelsgeschenke seien dagegen eine tiefe Einheit im Sein, was die Umwelt wieder zur Mitwelt mache. Es dürfe keine Teilung der Welt in Arm und Reich geben, denn Gerechtigkeit schaffe Frieden. Erste Aufgabe von Christen sei, dafür zu sorgen, dass vor Ort wie auf der Welt der Raum wieder „himmlischer“ werde: „Wir sind nicht dazu auf Erden, um einst in den Himmel zu kommen, sondern dass der Himmel schon jetzt zu uns kommt.“ Dazu gehöre auch, dass Kirchen zu politischen Themen Stellung beziehen sollen, etwa zu Klimaschutz, Migration, Armut und Friedensfragen. Das Grundgesetz decke sich mit kirchlichen Werten wie Würde und Gleichheit und so sei es unabdingbar, auch für die an den Rändern einzutreten.
„Gott ist hochpolitisch, er ist kein ferner Gott, sondern Auge und Ohr für die Unterdrückten und er fordert uns auf, wie schon in der Bibel beim Auszug aus Ägypten: „Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!“
Mit dem Schlusswort „Kirche ist keine politische Partei, aber sie ist politisch parteilich“ endete ein bemerkenswerter Vortrag, der die Zuhörer noch zu einer lebendigen Fragerunde anregte. Dekan Steinfeld dankte Prof. Zulehner für seine fundierten Impulse und beendete den Abend mit einem Gebet, das dessen Perspektiven treffend mit einschloss: „Gott, du hast uns als deine Kirche in diese Zeit gestellt – nicht außerhalb der Welt, sondern mitten hinein in ihre Hoffnungen, Konflikte und Fragen. Schenke uns den Mut, Stimme für die Würde des Menschen zu sein, und Klugheit, wo klares Wort notwendig ist.“
Text und Fotos: Christine Hacker
Tipp: Die Vorträge Zulehners sind auch online verfügbar: www.zulehner.org

