Bistum

Kein Platz für Resignation

Redaktion am 10.03.2026

Info Icon Foto: Christine Hacker
Sie alle freuten sich sehr über den Besuch des im In- und Ausland geschätzten Pastoraltheologen Paul Zulehner (3.v.l.): Martin Eiblsgruber (Pastoralreferent, v.l.), Alfred Hainthaler (KLB und Organisator), Dekan und Stadtpfarrer Joachim Steinfeld, Claudia Pagler (Gesamtgemeinderatsvorsitzende) und Rico Entholzner (Pfarreisprecher St. Marien).

Das 4. Simbacher Kirchengespräch der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) strahlte weltoffenen Glanz aus: Mit dem renommierten Wiener Professor Dr. Paul Zulehner besuchte eine Koryphäe der modernen Pastoraltheologie die Stadt am Inn.

75 Zuhö­rer lausch­ten im Pfarr­heim Zuleh­ners Aus­füh­run­gen zur Fra­ge, ob Kir­che poli­tisch sein darf oder sogar sein muss. Ein kla­res ​„Ja“ stand am Ende sei­ner Ana­ly­se, denn Kir­chen dürf­ten nicht nur um sich selbst krei­sen, son­dern müss­ten gera­de in Kri­sen­zei­ten den Men­schen aktiv Hoff­nung und Sicher­heit vermitteln.

Alfred Hain­th­a­ler (KLB) begrüß­te den aus­ge­wie­se­nen Kir­chen­ex­per­ten mit aktu­el­len welt- und kir­chen­po­li­ti­schen Bezü­gen und Dekan Joa­chim Stein­feld stell­te die Kern­fra­ge des Abends dazu: ​„Wo ist kla­res Wort gefragt, wo braucht es Ori­en­tie­rung und wie kann Kir­che sich ein­brin­gen, ohne par­tei­po­li­tisch zu wer­den und doch nicht unbe­tei­ligt zu blei­ben?“ Über­zeu­gen­de Ant­wor­ten dar­auf gab Zuleh­ner, indem er ein Inter­view von Bun­des­tags­prä­si­den­tin und Theo­lo­gin Julia Klöck­ner zugrun­de leg­te. Dar­in beant­wor­tet sie die Fra­ge, wie Kir­che sein soll, mit dem Appell, den Men­schen Zuspruch, Trost und Hoff­nung in schwie­ri­gen Zei­ten zu spen­den. Auch Zuleh­ner for­dert die Hin­wen­dung zu den Men­schen: ​„Mei­ne größ­te Sor­ge ist es, dass wir die Kir­che per­fekt durch­re­for­miert haben, aber die Welt vor uns untergeht.“

Pastoraltheologe Paul Zulehner am Rednerpult. Info Icon Foto: Christine Hacker
Pastoraltheologe Paul Zulehner beim 4. Simbacher Kirchengespräch.

Poli­tik sei die Sor­ge um die Welt, das gemein­sa­me Rin­gen um das Gemein­wohl, und Papst Fran­zis­kus habe dazu vor­bild­haft vie­le poli­ti­sche Inter­ven­tio­nen gesetzt: ​„Er misch­te sich in The­men, die die Welt der­zeit tau­meln las­sen, aktiv ein, wie die Migra­ti­on, welt­wei­te Soli­da­ri­tät und Öko­lo­gie.“ Auch Papst Leo XIV. habe Wahr­heit, Gerech­tig­keit und Frie­den als zen­tra­le Säu­len sei­nes Pon­ti­fi­kats defi­niert. Er set­ze auf einen ver­trau­ens­vol­len Dia­log mit der Welt von heu­te und all sei­nen Kom­po­nen­ten. Zuleh­ner äußer­te die Sor­ge, dass Hoff­nungs­res­sour­cen aus­ge­hen und sich die Angst meh­re. Dies füh­re zu Gewalt, Gier und Lüge, ent­so­li­da­ri­sie­re und wer­de (rechts-)populistisch miss­braucht. Him­mels­ge­schen­ke sei­en dage­gen eine tie­fe Ein­heit im Sein, was die Umwelt wie­der zur Mit­welt mache. Es dür­fe kei­ne Tei­lung der Welt in Arm und Reich geben, denn Gerech­tig­keit schaf­fe Frie­den. Ers­te Auf­ga­be von Chris­ten sei, dafür zu sor­gen, dass vor Ort wie auf der Welt der Raum wie­der ​„himm­li­scher“ wer­de: ​„Wir sind nicht dazu auf Erden, um einst in den Him­mel zu kom­men, son­dern dass der Him­mel schon jetzt zu uns kommt.“ Dazu gehö­re auch, dass Kir­chen zu poli­ti­schen The­men Stel­lung bezie­hen sol­len, etwa zu Kli­ma­schutz, Migra­ti­on, Armut und Frie­dens­fra­gen. Das Grund­ge­setz decke sich mit kirch­li­chen Wer­ten wie Wür­de und Gleich­heit und so sei es unab­ding­bar, auch für die an den Rän­dern einzutreten.

„Gott ist hoch­po­li­tisch, er ist kein fer­ner Gott, son­dern Auge und Ohr für die Unter­drück­ten und er for­dert uns auf, wie schon in der Bibel beim Aus­zug aus Ägyp­ten: ​„Und jetzt geh! Ich sen­de dich zum Pha­rao. Füh­re mein Volk, die Israe­li­ten, aus Ägyp­ten heraus!“

Mit dem Schluss­wort ​„Kir­che ist kei­ne poli­ti­sche Par­tei, aber sie ist poli­tisch par­tei­lich“ ende­te ein bemer­kens­wer­ter Vor­trag, der die Zuhö­rer noch zu einer leben­di­gen Fra­ge­run­de anreg­te. Dekan Stein­feld dank­te Prof. Zuleh­ner für sei­ne fun­dier­ten Impul­se und been­de­te den Abend mit einem Gebet, das des­sen Per­spek­ti­ven tref­fend mit ein­schloss: ​„Gott, du hast uns als dei­ne Kir­che in die­se Zeit gestellt – nicht außer­halb der Welt, son­dern mit­ten hin­ein in ihre Hoff­nun­gen, Kon­flik­te und Fra­gen. Schen­ke uns den Mut, Stim­me für die Wür­de des Men­schen zu sein, und Klug­heit, wo kla­res Wort not­wen­dig ist.“

Text und Fotos: Chris­ti­ne Hacker

Tipp: Die Vor­trä­ge Zuleh­ners sind auch online ver­füg­bar: www​.zuleh​ner​.org

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