Glaube und Tradition

Ein Winzer aus Niederbayern schenkt reinen Wein ein

Redaktion am 12.01.2026

Winzer Hubert Weizenberger im vergangenen Herbst in seinem Weinberg. Info Icon Foto: Anna Kelbel
Hubert Weizenberger im vergangenen Herbst in seinem Weinberg: Bei seiner morgendlichen Kontrollfahrt durch die Weinhänge hoch über Grubweg begutachtet der Winzer die Trauben.

Die Bibel erzählt vom prallen Leben – und damit auch von der damaligen Berufswelt. In unserer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die Berufe der Bibel heute leben. In der ersten Folge: Hubert Weizenberger, Winzer aus Leidenschaft.

Hubert Wei­zen­ber­ger trägt den fal­schen Nach­na­men. Denn wer im Pas­sau­er Stadt­teil Grub­weg von der Donau hoch zum Hof des 61-Jäh­ri­gen geht, bekommt oben am Berg bei ihm kein Weiß­bier. Wei­zen­ber­ger kre­denzt Sau­vignac und Velt­li­ner. Der gelern­te Schlos­ser und Maschi­nen­bau­er ist Win­zer – zumin­dest seit neun Jahren.

Sehr viel älter ist die Tra­di­ti­on sei­ner Zunft. Wein wur­de schon im drit­ten Jahr­tau­send vor Chris­tus von den Ägyp­tern ange­baut. Auch die Bibel beschäf­tigt der Reben­saft. Direkt oder indi­rekt wird der Wein 979-mal im Wort Got­tes erwähnt: Vom Gleich­nis der Arbei­ter im Wein­berg bis hin zur ent­schei­den­den Ein­set­zung der Eucharistie.

Wel­che Wein-Geschich­te Wei­zen­ber­ger am meis­ten gefällt? Der gebür­ti­ge Obern­zel­ler, der spä­ter als Inter­nats­schü­ler in Pfarr­kir­chen Minis­trant war, muss nicht lan­ge über­le­gen: Da fällt mir sofort ein, wie Jesus Was­ser in Wein umwan­del­te.“ Gewis­ser­ma­ßen mache er das heu­te auch so wie Jesus damals bei der Hoch­zeit von Kana (Johan­nes 2,1). Ich ver­wand­le qua­si Regen­was­ser zu lecke­rem Wein“, grinst er spitzbübisch.

Den ers­ten edlen Trop­fen kos­te­te der Win­zer bereits mit zwölf Jah­ren. Heim­lich nach dem Got­tes­dienst habe ich Mess­wein pro­biert.“ Der jun­ge Hubert kam nicht auf den Geschmack und mach­te statt­des­sen in den nächs­ten Jahr­zehn­ten sei­nem Nach­na­men alle Ehre: Ich habe eigent­lich immer lie­ber Bier getrun­ken.“
Irgend­wann im Tos­ka­na-Urlaub folg­te dann das Schlüs­sel­er­leb­nis: Da habe ich einen ganz schwe­ren Wein pro­biert. Ich war hin und weg“, erzählt Wei­zen­ber­ger. Auch sei­ne Frau Eva wur­de Wein­fan. Die gelern­te Dol­met­sche­rin aus Däne­mark und der boden­stän­di­ge Nie­der­bay­er lern­ten sich beim Ski­fah­ren in Ita­li­en kennen.

Sie ver­lieb­ten sich inein­an­der und spä­ter in ihr gemein­sa­mes Wein­gut. Eva langt dazu und hilft, wo sie kann. Von einer 40-Stun­den-Woche kön­nen die Wei­zen­ber­gers nur träu­men: Es sind eher 60 Stunden.“

Doch dazu hat Hubert Wei­zen­ber­ger sich ganz bewusst ent­schie­den – und könn­te glück­li­cher nicht sein. Ich dach­te mir ein­fach: Das kann es nicht gewe­sen sein, ich kann doch jetzt nicht mein Leben lang das Glei­che arbei­ten.“ Böse Zun­gen wür­den von einer Mid­life Cri­sis spre­chen, Wei­zen­ber­ger lässt unbe­ein­druckt davon seit­her sei­nen eige­nen Wein auf der Zun­ge prickeln.

Bis zur ers­ten Lese in Grub­weg war es jedoch ein lan­ger Weg: Zunächst absol­vier­te Wei­zen­ber­ger eine zwei­jäh­ri­ge Win­zer­aus­bil­dung. Schließ­lich kauf­te er von einem Freund ein Grund­stück in Grub­weg hoch über der Donau. Auf ein­ein­halb Hekt­ar wach­sen und gedei­hen hier nun rund 7000 Reben in idyl­lischs­ter Lage.

Es ist sie­ben Uhr mor­gens, über der Donau liegt noch ein leich­ter Nebel­schlei­er, der vier­ecki­ge Schlot der Grub­we­ger Zahn­rad­fa­brik ragt dar­aus her­vor. Tau­trop­fen glän­zen auf dem Gras. Mit einem lei­sen Sur­ren star­tet Wei­zen­ber­gers dun­kel­grü­nes Golf­cart und fährt über die satt­grü­ne Wie­se. Los geht die all­mor­gend­li­che Kon­troll­fahrt durch sei­ne gelieb­ten Wein­hän­ge. Die Hälf­te aller Reben sind schon leer, ihre Erzeug­nis­se wer­den zum Teil schon durch die Wein­pres­se gejagt.

Hier testet Winzer Hubert Weizenberger zum ersten Mal das Gesellenstück seiner Tochter Thilde. Info Icon Foto: Anna Kelbel
Zuerst kommt die Riechprobe, „erst dann entscheide ich, ob ich den Wein überhaupt probieren mag“. Hier testet Winzer Hubert Weizenberger zum ersten Mal das Gesellenstück seiner Tochter Thilde. Sie macht ebenfalls eine Winzerausbildung.

Beim Ern­ten unter­stüt­zen Wei­zen­ber­ger und sei­ne Frau, die außer­dem einen Fest­an­ge­stell­ten haben, Ern­te­hel­fer. Letz­tens hat­ten wir zum Bei­spiel eine Dele­ga­ti­on der Stadt Burg­hau­sen da.“ Wei­zen­ber­ger ist dort zustän­dig für den städ­ti­schen Wein­berg am Wöhr­see. Die Lese war bis­her zufrie­den­stel­lend“. Rund 10.000 Liter fas­sen die rie­si­gen glän­zend sil­ber­nen Maschi­nen ins­ge­samt, die Wei­zen­ber­ger in sei­nem Kel­ter-Raum ste­hen hat. Er prüft die Gerät­schaf­ten, wäh­rend er wei­ter­erzählt. Viel Zeit hat der Win­zer in der hei­ßen Ern­tepha­se nicht. Die Namen für unse­re Wei­ne denkt sich eine Wer­be­agen­tur aus“, berich­tet er, wäh­rend er zufrie­den nickend an einer Wein­pres­se vor­bei geht.

Ilz­art, Inn­fu­si­on oder Danu­Bio hei­ßen die Wein­sor­ten des ein­zi­gen Win­zers in der Drei­flüs­se­stadt: Für den kleins­ten Fluss, die oft ver­wun­schen wir­ken­de Ilz, auch schwar­ze Per­le genannt, ein mys­ti­scher Perl­wein, für den kraft­vol­len Inn eine inten­si­ve Rot­wein-Cuveé, für die Donau einen Reben­saft, der wie der Fluss auf Ita­lie­nisch heißt, wo Wei­zen­ber­gers sei­ne Wein­af­fi­ni­tät lebt. Die­ses aus­ge­klü­gel­te Kon­zept kommt an. Kun­den bestel­len häu­fig im Inter­net. Wei­zen­ber­ger ist gera­de auf dem Sprung: Er muss noch eini­ge Wein­kis­ten in das Restau­rant Wil­ma Wun­der“ in die Pas­sau­er Fuß­gän­ger­zo­ne brin­gen. Sei­ne Kun­den belie­fert er alle per­sön­lich. Auch der Land­gast­hof zum Mül­ler“ in Ruder­ting (Land­kreis Pas­sau) und das Miche­lin-Restau­rant Mar­cel von Win­ckel­mann“ in Pas­sau-Hei­ning bezie­hen ihren Wein regio­nal von Wei­zen­ber­ger. Zudem fin­den an sei­nem Hof in Grub­weg Hoch­zei­ten oder ande­re Fei­ern statt.

Der Urva­ter aller Win­zer war Noah, der, wie das Buch Gene­sis des Alten Tes­ta­men­tes schil­dert, die Arche bau­te. Nach­dem die Sint­flut über­stan­den war, kul­ti­vier­te Noah als ers­te Pflan­ze eine Wein­re­be. Er ern­te­te, kel­ter­te und trank sei­nen Wein – erwisch­te aller­dings zu viel von dem Getränk: Kon­troll­ver­lust, im Rausch ent­blößt er sich.

Eben­falls im Alten Tes­ta­ment in Psalm 80 wird das Volk Isra­el mit einem aus Ägyp­ten ent­wur­zel­ten Wein­stock ver­gli­chen, den der himm­li­sche Wein­gärt­ner Gott lie­be­voll wie­der im gelob­ten Land ein­pflan­zen wird. In Isra­el war man mit dem Beruf des Win­zers vertraut.

Des­halb fand der Wein auch Ein­gang in die Bild­spra­che Jesu. Das Wort Jesu, Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben“ (Johan­nes 15,5), ler­nen bereits Grund­schü­ler im Religionsunterricht.

So Wein, so gut. Der lan­gen Tra­di­ti­on sei­nes Beru­fes ist sich auch Hubert Wei­zen­ber­ger bewusst. Eine Tra­di­ti­on, die wei­ter­ge­führt wird: Sei­ne Toch­ter Thil­de absol­viert gera­de ihre Win­zer­aus­bil­dung in der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Wein­bau in Veits­höch­heim (Land­kreis Würz­burg). Das macht den Papa stolz. Ihr Gesel­len­stück, eine neue Wein­sor­te, pro­biert Wei­zen­ber­ger heu­te zum ers­ten Mal. Gekonnt schüt­tet er sich einen Dau­men breit des Reben­safts ein. Erst schwenkt er sein Glas, dann schnup­pert er an den sich dadurch opti­mal ent­fal­ten­den Duft­stof­fen. So ent­schei­de ich, ob ich einen Wein über­haupt pro­bie­ren mag.“ Ohne Hek­tik nimmt Wei­zen­ber­ger einen kräf­ti­gen Schluck von der trü­ben, hell­gel­ben Flüs­sig­keit. Eine Span­nungs­se­kun­de spä­ter hält er das Glas fei­er­lich hoch: Hmmm, der wird rich­tig gut.“ Es sind Glücks­mo­men­te wie die­ser, die Wei­zen­ber­ger mit den bibli­schen Wein­trin­kern ver­bin­den und ihn mit 61 Jah­ren noch lan­ge nicht ans Auf­hö­ren den­ken las­sen. Ich mach das so lan­ge, wie ich kann.“ Dar­auf einen zwei­ten Schluck: Prost!

Text und Fotos: Anna Kelbel

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